Willkommen im Land der Gastfreundschaft

Hitchhiken in Pakistan soll einfach sein. So haben wir es auf einigen Reiseblogs gelesen. Dass es noch einfacher ist, als wir es uns vorgestellt haben, ist fast schon gruselig. Um vom kleinen Dorf Minapin, wo wir das Rakaposhi Basecamp erklommen haben, nach Karimabad zu kommen, laufen wir erstmal Richtung Karakoram Highway. Von dort wollen wir unser Glück per Anhalter versuchen. Doch dazu kommt es gar nicht erst. Bereits auf der kleinen Dorfstraße hält nach nicht einmal zwei Kilometern Fußmarsch ein Auto neben uns an. Das Paar aus Abbottabbad, einer Stadt in der Nähe Islamabads, möchte ebenfalls nach Karimabad. Na was für ein Zufall! Wir freuen uns, steigen ein und verbringen letztendlich den Rest des Tages mit den beiden.

Per Anhalter ins Hunza Tal

Karimabad ist die Hauptstadt des Hunza Tals. Aufgrund von Spendengeldern hebt sich dieser Teil des Landes stark vom restlichen Land ab. Es gibt gute Krankenhäuser, die Zahl der Analphabeten liegt bei nur 10% (im Rest des Landes bei 42%) und die Kriminalitätsrate liegt nahezu bei null. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl. Im Sommer machen hier viele Pakistanis Urlaub. Während unserer Zeit ist es angenehm ruhig, aber trotz allem nicht ausgestorben. Um einen ersten Überblick zu gewinnen, fahren wir mit unseren neuen Freunden aus Abbottabbad zum Eagle’s Nest. Von dort oben überblicken wir das Tal mit seinen Gässchen, dem Karakoram Highway und dem Hunza Fluss. Über uns thront eine schmale Bergspitze, die den Namen Ladyfinger trägt. Am Abend essen wir zu viert leckeren Walnusskuchen im Café Hunza. Dass wir ein so tiefgründiges und lustiges Gespräch mit unseren Anhaltern führen würden schüttet einige Endorphine in uns aus. Sehr gerne hätten wir ein gemeinsames Foto mit diesen beiden liebenswürdigen Menschen geteilt, aber auf Wunsch der beiden, verzichten wir darauf.

Über der kleinen Stadt Karimabad prangt das Baltit Fort, welches im 17. Jahrhundert gebaut wurde. Aufgrund seiner weißen Farbe fällt es in der sonst relativ grauen Stadt sofort auf. Der Weg zum Fort ist gesäumt von kleinen Shops, die handgemachte Kleidung und Souvenirs verkaufen. Außerdem riecht es überall lecker süßlich nach Aprikosen, Äpfeln und Weintrauben, die wir uns von den Bäumen pflücken. Am Abend verwandelt sich die Stadt in eine wuselige Straße mit kleinen Street Food Ständen und Restaurants. Das Hidden Treasure Restaurant bietet typisch regionale Speisen an, die man unbedingt probieren sollte. Die beste Aussicht haben wir vom Mountain Cup Café und unserem Hotel Old Hunza Inn.

Ein breites Grinsen auf unseren Gesichtern

Am nächsten Morgen wandern wir hinunter zum Fluss, raus aus Karimabad. Hier befindet sich das Ganish Village. Das 400 Jahre alte Dorf war die erste Siedlung entlang der Seidenstraße im Hunza Tal. Der Eintritt liegt bei 3€ pro Person. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn ein Guide erzählt uns einige spannende Geschichten. Die uralten Wachtürme haben das kleine Dörfchen vor Angreifern geschützt. Die aus Holz geschnitzten Moscheen erinnern an alte Zeiten. Früher lebten Vieh und Menschen zusammen in einem Raum, um die kalten Wintermonate zu überstehen. Heute leben nur noch fünf Familien innerhalb der Mauern von Ganish. Unser Guide freut sich, dass wir viel Zeit mitgebracht haben und Fragen stellen. Nach der Tour lädt er uns gemeinsam mit Freunden auf einen Chai ein. Diesen Milchtee mit einer Menge Zucker nehmen wir auch in Zukunft aus Höflichkeit immer wieder an.

Unser Guide und seine Freunde laden uns für den Nachmittag zum Muharram Fest ein. Dazu sagen wir natürlich nicht nein, denn näher können wir der Kultur kaum kommen. Muharram ist der erste Monat des islamischen Kalenders, welcher nach Mondjahren rechnet. Schiiten betrauern die Tragödie von Husain ibn Ali und seiner Familie mit verschiedenen Trauerveranstaltungen. Die Prozessionen dauern zwölf Tage. Ein Zug von Männern läuft durch die Straßen und alle schlagen sich im Takt mit ihren Händen auf die Brust. Außerdem finden Lesungen in den Jamat Khanas (Gebetshallen) statt. Zu genau solch einer sind wir jetzt eingeladen. Ein älterer Herr namens Ifti erklärt uns, um was es während der Lesung geht. Wir kommen schnell ins Gespräch. Im Anschluss wird das Essen verteilt – 100kg Reis und 40kg Hühnchen köcheln in riesigen Kochtöpfen. Alex hilft den anderen Männern beim Austeilen der Teller. Im Anschluss lädt uns Ifti zu sich nach Hause ein, um gemeinsam mit seiner Familie Tee zu trinken.

Das Hunza Tal hat uns mit seiner atemberaubenden Schönheit in seinen Bann gezogen. An klaren Tagen können wir die Spitze des Rakaposhi sehen. Aber auch andere riesige Berge säumen das Tal. Was uns jedoch am meisten in den Köpfen bleibt, ist die Gastfreundschaft. Noch nie in unserem Leben und auf unseren vielen Reisen haben wir so etwas erlebt. Wir werden überall gegrüßt, zum Tee eingeladen, Autos halten neben uns an, um uns mitzunehmen und Menschen stellen uns neugierig Fragen. All diese Offenheit und Hilfsbereitschaft müssen wir immer wieder verarbeiten, da wir das aus Deutschland einfach nicht gewohnt sind. Wir laufen mit breitem Grinsen durch die Straßen. Abends im Bett stellen wir immer wieder fest, dass der Tag mal wieder ganz anders ablief als geplant, aber eben genau deswegen einfach unvergesslich ist.

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