Drei Tage im Shangri La

19 Stunden im Horrorbus aus Islamabad überlebt, kamen wir 11 Uhr endlich in Gilgit an. Die Stadt selbst hat nicht viel zu bieten. Der Verkehr ist laut, die Straßen staubig und es gibt kaum Sehenswürdigkeiten. Gelegen ist das Städtchen allerdings sehr schön zwischen Bergen, entlang des Hunza Flusses. Im Madina II Hotel gönnen wir uns einen Tag Pause. Lesen im Hotelgarten, lernen die ersten Reisenden kennen und holen endlich den lang ersehnten Schlaf nach. Gilgit ist der Ausgangspunkt, um weiter Richtung Norden zu reisen – hier startet der berühmte ausgebaute Karakoram Highway. Er beginnt zwar bedeutend südlicher, aber erst ab hier bis weit in den Norden zur chinesischen Grenze haben die Chinesen den Highway finanziert und ausgebaut.

Dem Paradies entgegen

Mit neuen Kräften geht’s für uns am nächsten Tag weiter in das kleine Bergdorf Minapin im Nagar Tal. Dass Hitchhiken in Pakistan einfach sein soll, haben wir bereits gelesen. Aber irgendwie trauen wir uns noch nicht gleich – deshalb machen wir uns auf zum Busbahnhof. Ein kleiner chaotischer Platz, der einem deutschen Busbahnhof in keiner Weise ähnelt. Von dort soll es mit einem Minibus weiter Richtung Norden gehen. Dieser Minibus muss sich erst einmal füllen, das Ganze dauert zwei Stunden. Die verlorene Zeit ärgert uns nicht, wir beobachten die Menschen, werden ebenfalls beobachtet. Dann endlich fahren wir in einem total überfüllten Van los. In den Kurven rutschen wir von einer Seite zur anderen. Unsere Mitfahrer sind freundlich, ein junger Mann mimt den Guide und erklärt uns, wo wir uns gerade befinden. Die Berge werden immer höher und weißer. Die Täler tiefer und grüner. Entzückt starren wir aus dem Fenster.

Kurz vor Minapin steigen wir am Rakaposhi View Point aus. Wir sind überwältigt vom Blick auf den weiß leuchtenden Berg. Frei übersetzt bedeutet Rakaposhi „Von Schnee bedeckt“ – passt eindeutig. Mit 7.788m Höhe zählt der Berg zu den ganz großen. Noch wissen wir nicht, ob wir es zum Basislager schaffen werden.

In Minapin angekommen, empfängt uns der Besitzer des Osho Tang mit Tee, der mit Rosenblüten gekocht wurde. Im Garten riecht es nach Obst. Überall wachsen Äpfel, Birnen, Weintrauben und Aprikosen. Wir verlängern unseren Aufenthalt, bleiben drei Nächte. Im Garten lesen und meditieren wir, immer wieder lassen wir den Blick schweifen. Vogelgezwitscher, im seichten Wind wehende Blumen, spielende Katzenbabys – für uns fühlt es sich wie das Shangri La an.

Rakaposhi Basecamp

7.50 Uhr starten wir unsere Tageswanderung zum Rakaposhi Basislager. Dort geht es für die ganz Harten los, um die Spitze des Berges zu erklimmen. Für uns persönlich ist schon das Basecamp eine Herausforderung. In Minapin starten wir bei schönstem Sonnenschein, grüßen die Dorfbewohner, laufen entlang von wild wachsenden Marijuanapflanzen. Nachdem wir den Hunza Fluss überquert haben, geht es auf Serpentinen im Zickzack nach oben. In einem kleinen Kiosk bietet sich in der Nebensaison das letzte Mal die Chance, Proviant und Wasser zu kaufen. Nach weiterem Bergauf kommen wir zu einer kleinen Wiese, auf der ein Mann auf sein Vieh aufpasst.

Zwei Stunden nach dem Start erreichen wir das Hapakun Camp, wo wir nochmal rasten. Ab hier ist der Aufstieg steil, um zum vorläufig höchsten Punkt, einem Bergkamm zu gelangen. Langsam atmen wir schwerer, müssen immer wieder kurz anhalten, um wieder zu Atem zu kommen. Die karge Landschaft beheimatet kleine Nadelbäume und Wildblumen.

Dann endlich haben wir es auf den Bergkamm geschafft. Und werden belohnt! Auf der anderen Seite des Kamms tut sich uns ein Blick über einen gewaltigen Gletscher und das Rakaposhi Bergmassiv auf. Der Wind ist kalt, wir ziehen unsere Jacken an und genießen den Anblick. Lautes Knacken im Gletscher macht uns die tatsächliche Größe des ewigen Eis bewusst.

Über einen schmalen Pfad, an dem es steil nach unten geht, laufen wir die letzten Meter zum Basecamp. Das Basecamp ist menschenleer, ein kleiner Bach durchzieht die Wiese, einige Kühe grasen friedlich, im Hintergrund der von Wolken verhangene Rakaposhi. Während unserer Pause versucht eine neugierige Kuh unseren Proviant zu klauen. Sie lässt sich streicheln und wird übermütig, leckt Alex die Hand und beinahe das Gesicht ab. Wir genießen die Abgeschiedenheit in dieser majestätischen Landschaft.

Wann kommt das nächste Flugtaxi?

Da die Wege teilweise steil sind, ist der Abstieg rutschig. Wir kommen nicht so schnell voran, wie wir im Vorfeld dachten. Der Weg scheint viel länger als noch am Morgen. Unsere Füße schmerzen, auch der Kopf tut langsam weh. Die Serpentinen am Ende des Wanderwegs scheinen endlos. Wäre die Landschaft nicht so wunderschön, wir würden nur noch fluchen. Stattdessen halten wir aus. Die Berge sind in das Abendlicht der Sonne gehüllt. Wir können das Tal sehen, langsam scheint es näher zu kommen. Der Gedanke an die angenehme Dusche, die uns im Hotel erwartet, lässt uns einen Fuß vor den anderen setzen. 17.50 Uhr kommen wir vollkommen erschöpft im Osho Tang an. Der Moment, wenn du endlich diese Wanderschuhe ausziehen kannst, ist unbeschreiblich 🙂 Wir haben es geschafft, unser erstes Basecamp, wir sind stolz.

2 Kommentare Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s