The Land of the Pure

Wir sind angekommen. Wir landen in Islamabad, der Hauptstadt Pakistans. Ein Land, welches uns anzieht, aber trotz dem wir uns über Geschichte und Politik belesen haben, wissen wir irgendwie nicht viel. Wir kennen die Horrorgeschichten aus den Medien und haben die Seiten des Auswärtigen Amtes nach kurzem Überfliegen nicht nochmal geöffnet. Wir möchten mehr wissen. Wie sind die Menschen, was bewegt sie und wie wird es sein, Pakistan als Gäste aus dem Westen zu bereisen?

Der Flughafen ist groß, fast schon überdimensioniert, wirkt aber relativ leer. Außer uns beiden sehen wir einen weißen Menschen, er kommt aus Köln. Ist acht Tage mit seinen beiden Kumpels unterwegs in den drei größten Städten des Landes. Dass wir unsere Reise alleine antreten ohne Guide oder Reisegruppe findet er erstaunlich. Wir sind weiterhin zuversichtlich und freuen uns, auch wenn es 3.30 Uhr nachts ist und wir kaum geschlafen haben. Endlich ist es soweit – wir treten aus dem Flughafen in die schwüle Nachtluft. Hunderte Pakistanis stehen vor uns und auf den Ballustraden. Sie scheinen auf Freunde und Familien zu warten. Männer werden mit Blumenketten empfangen und Frauen mit Schaumspray besprüht. Wir fühlen uns wie im Theater und werden von hunderten Augenpaaren neugierig bestaunt. Im Hotel Jasmine Inn müssen wir noch bis 8 Uhr ausharren und dann endlich beziehen wir unser Zimmer. Eine Dusche und ein Bett sind jetzt das einzige, was wir brauchen.

Welcome to Pakistan!

Wörtlich übersetzt bedeutet Pakistan sowohl im Persischen als auch auf Urdu „das reine Land“. Früher war Karachi im Süden des Landes die Hauptstadt. Da diese aber weit ab vom Zentrum des Landes ist, wurde in den 60er Jahren eine neue Stadt geplant und entworfen. Mit knapp einer Million Einwohnern ist sie für asiatische Verhältnisse klein. Rawalpindi – die Schwesterstadt direkt neben Islamabad ist der absolute Gegenpol. Von Islamabad sollte man sich nicht täuschen lassen. Hier ist es verhältnismäßig sauber, ruhig, es herrscht wenig Verkehr und alles ist extrem weitläufig. Es gibt viele große Parkanlagen, künstlich angelegte Seen und die Stadt ist in Sektoren eingeteilt. Alles Charaktereigenschaften, die untypisch für asiatische Städte sind. Am dritten Tag haben wir vor unserer Abreise einen Abstecher nach Rawalpindi gemacht und da endlich: hallo Asien!

Islamabad selbst hat unserer Meinung nach ein paar wenige Punkte, die sehenswert sind. Leider kann die Stadt nicht erlaufen werden. Wir haben also täglich mehrere Uber- bzw. Taxifahrten gemacht – Uber ist bedeutend günstiger, bei den Taxifahrern muss vor Abfahrt gehandelt werden. Hier ein kurzer Einblick in die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt:

Pakistan Monument

Das Monument prangt über der Stadt auf einem bewaldeten Hügel und wir haben es am Abend besucht. Die außergewöhnliche Struktur ist wunderschön beleuchtet. Die vier massiven Formen symbolisieren die vier Provinzen: Sindh, Balochistan, Punjab und Khyber Pakhtunkhwa. Insgesamt stellt das Monument eine blühende Knospe dar. Jedes der vier Blütenblätter weist detaillierte Reliefs auf. Eines zeigt Muhammad Ali Jinnah, den Gründer Pakistans.

Lok Virsa & Restaurant 1969

Da wir zumindest zu Beginn einer jeden Reise gerne mehr über die Länder erfahren, sind wir ins Lok Virsa Museum gefahren. Zu viel sollte man nicht erwarten – die meisten asiatischen Museen sind eher spärlich mit Informationen ausgestattet. Beispielsweise werden hier die Beziehungen zu den Nachbarländern beschrieben, Indien bleibt allerdings aufgrund der prekären Lage komplett unerwähnt. Das Restaurant 1969 gegenüber des Museums ist als seichter Einstieg ideal. Ein wunderschöner Außenbereich und pakistanische Live-Musik haben uns dort eine ganze Weile verweilen lassen. Das Essen in Islamabad ist ähnlich dem in Nepal und Indien – es gibt Dahl (Linsengericht), Curries und verschiedene Reisgerichte. Alles ist extrem scharf, selbst das Frühstück. Wir haben immer darauf hingewiesen, dass wir keine Chillis möchten. So war es zwar meist trotzdem scharf, aber essbar.

Vom Restaurant 1969 spendiertes Dessert namens Jalebi

Lake View Park

Der Rawal See wurde künstlich angelegt und der anliegende Park ist einfach nur riesig. Alles wirkt absolut überdimensioniert. Besucher gibt es nur wenige und auch die Schattenplätze sind eher eine Seltenheit. Wir hatten uns auf eine Abkühlung für unsere Füße gefreut…weit gefehlt! Der See ist umzäunt und voller Müll. So werden wir wieder daran erinnert, dass unsere Vorstellung von einem Park am See doch sehr westlich ist.

Faisal Moschee

Die Hauptattraktion der Stadt ist eindeutig die Faisal Moschee, eine der größten islamischen Stätten der Welt. Ähnlich wie Islamabad selbst ist sie optisch sehr modern. Die vier hohen Minarette ragen in den Himmel, im Hintergrund befinden sich die Margalla Hills. Für uns persönlich war der Besuch der Moschee das absolute Highlight unserer Zeit in Islamabad. Das Gebäude ist sehr beeindruckend, aber die Pakistanis machten unseren Besuch zum Highlight. Anfänglich wurden wir nur neugierig angeschaut. Dann traute sich der erste Pakistani nach einem gemeinsamen Foto zu fragen und ehe wir uns versahen, bildete sich eine Schlange. Alex schüttelte viele Hände, ich als Frau wurde mit einem Lächeln begrüßt. Wir wurden immer wieder nach unserem Heimatland und unseren Jobs befragt. Der aber schönste Satz: „Welcome to Pakistan. I am happy you are here.“ ließ unsere Herzen höher schlagen. Seit den Anschlägen am 11. September 2001 in New York kamen kaum noch Touristen nach Pakistan. Und auch jetzt erholt sich das Land nur langsam von seinem schlechten Ruf. Die Pakistanis freuen sich deshalb unheimlich über Besucher aus dem Westen. Diese Freude zeigt sich in vielen Gesten – für die Schuhabgabe vor der Moschee nahm der Kassierer kein Geld von uns und ein freundlicher Punjabi namens Ahsan bezahlte unsere Taxifahrt.

Monal Restaurant, Margalla Hills

Um einen Tag in Islamabad ausklingen zu lassen, bietet sich ein Abstecher in die Margalla Hills an. Tagsüber ist es hier oben kaum auszuhalten. Wir haben uns gegen eine Wanderung in den bewaldeten Hügeln entschieden – 40 Grad waren uns eindeutig zu krass. Wir gönnten uns ein Abendessen im Monal Restaurant. Von hier überblickt man die ganze Stadt, die allerdings leicht versmogt ist. Das Essen ist sehr lecker und die Bedienung freundlich, auch die Preise sind absolut in Ordnung.

Kleinigkeiten entdecken

Zwei Tage sind vollkommen ausreichend für Islamabad. Wir sind der Meinung, dass die Stadt ein guter Ausgangspunkt ist, um eine Reise durch Pakistan zu starten. Man wird nicht gleich ins Chaos Asiens geworfen und hat ein wenig Zeit durchzuatmen. Aber schon hier haben wir einige Eigenheiten des Landes entdecken können. Wir wissen, dass man sich beim Bedanken die rechte Hand aufs Herz legt. Das zeigt Respekt und echte Dankbarkeit. Schnell übernehmen wir diese kleine Geste. Die Pakistanis teilen sich einen Becher, um Wasser zu trinken. Aus einer Plastikflasche zu trinken, scheint als unhygienisch zu gelten. Für uns ist natürlich klar, dass es eindeutig schneller zu Krankheiten führen kann, wenn man der zwanzigste ist, der aus einem Becher trinkt. Wir bleiben lieber bei unseren Trinkflaschen 😉 Die Handys lassen die Pakistanis gerne eine Weile klingeln, bevor sie antworten. An die Blicke, die uns teilweise von oben bis unten scannen, gewöhnen wir uns langsam. Manche Pakistanis haben vermutlich noch nie außerhalb des Fernsehens einen weißen Menschen gesehen. Für uns kaum vorstellbar. Was uns sehr schnell klar wird: Pakistan ist kein typisches Reiseland. Das war uns natürlich im Vorfeld bewusst, aber es verlangt vor Ort schon einiges an Planung, um von A nach B zu kommen. Aufgrund dieser Erkenntnis haben wir unsere Route geändert. Anstatt Richtung Westen zu reisen, brechen wir also in den Norden des Landes auf.

Busfahrt von Islamabad nach Gilgit

Innerhalb des Landes zu fliegen, kommt für uns nicht in Frage, obwohl die Flüge relativ günstig und zeitsparend sind. Deshalb geht es für uns von Rawalpindi weiter Richtung Gilgit. Die Busfahrt dauert rund 18 Stunden und auch hier werden wir schmerzlich daran erinnert, dass Pakistans Infrastruktur weit hinter der Südostasiens liegt. Die Sitze sind unbequem, Fußraum gibt es kaum, die Luft ist staubig und die Klimaanlage kaputt. In diesen 18 Stunden bewegen wir uns zwischen Abenteuerlust und Verzweiflung. Schlaf zu finden ist fast unmöglich. Die Straßen sind holprig, der Fahrer hat eine Vorliebe für die Hupe und die Luft ist stickig. Im Bus werden wir beäugt, während der Pausen werde vor allem ich als Frau mit Blicken von allen Seiten durchbohrt. Die Stimmung kippt – die Verzweiflung nimmt letztendlich Überhand. Wir sind müde, haben Kopfschmerzen, unsere Haut klebt und wir können uns selbst kaum noch riechen. Endlich in Gilgit angekommen, haben wir Glück und bekommen ein Zimmer im Madina II Hotel. Luxus darf man in Pakistan nicht erwarten, aber das Hotel hat einen schönen Garten und die Betreiber sind sehr freundlich und hilfsbereit. Wir chillen den Rest des Tages, duschen eine gefühlte Ewigkeit und lernen die ersten Reisenden kennen. Die meisten Touristen kommen aus Malaysia und Thailand. Ein paar wenige aus Europa und Kanada – sie alle sind Vlogger oder Blogger, die ihr Geld mit Social Media und Youtube verdienen. Pakistanis nennen diese Reisenden „Professional Tourists“. Wir dagegen sind „Normal Tourists“ und anscheinend eine Seltenheit.

Unser Zuhause für fast 19 Stunden

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