Kleine Perle im Balkan

Was für eine spannende Geschichte! Und doch steht Slowenien bei den meisten Menschen nicht sehr hoch auf der Bucket-List. Das Land im Balkan ist nach Malta, Luxemburg und Zypern das kleinste der EU. Es ist schon durch viele „Hände“ gegangen, so beispielsweise durch die des Römischen Reichs, Österreichs, Italiens und Deutschlands. Viele kennen Slowenien gemeinsam mit Serbien und Kroatien noch als Jugoslawien. Die slowenische Nation besteht erst seit dem Jahr 1991 – sie ist quasi der Teenager unter den europäischen Ländern. Die Hauptstadt Ljubljana ist mit 290.000 Einwohnern wohl eine der kleinsten Europas. Noch dazu hat sie eine poetische Bedeutung, denn das slowenische Wort „ljubljena“ heißt so viel wie geliebte Stadt. Die Burg Ljubljanas thront inmitten der Stadt auf einem kleinen bewaldeten Berg und ist von überall gut zu sehen. Bei klarem Wetter konnten wir von dieser Erhebung die schneebedeckten Berge erspähen.

Geselligkeit Galore

Ljubljana ist eine unglaublich gesellige Stadt. Das Leben spielt sich von April bis Oktober draußen ab. An allen sieben Tagen der Woche finden verschiedene Märkte statt – ein Wochenmarkt mit Obst und Gemüse, ein Flohmarkt mit Antiquitäten oder die Open Kitchen mit zahlreichen Food Trucks. Biergärten und Cafés zieren die Gassen und die Flusspromenade. Wir laufen keinem einzigen Restaurant ohne Außenbereich über den Weg. Das ist vor allem dessen geschuldet, dass die Altstadtgassen autofrei sind. Überall lauschen wir Live-Musik, vor allem Jazz ist hier beliebt. Das leicht mediterrane Flair lässt Urlaubsfeeling aufkommen.

Einer der bekanntesten Namen Ljubljanas ist Jože Plečnik. Architektur Fans bzw. Studierende kennen ihn sicher. Der Herr hat viele bekannte Denkmäler geplant und errichten lassen. Besonders schön sind die Nationalbibliothek, der Tivolipark und die Dreierbrücke. Letztere ist besonders einzigartig. Fotografieren kann man sie allerdings nur aus der Vogelperspektive, ansonsten kommt sie nicht zur Geltung. Stundenlang spazieren wir durch die Altstadt. Die Bauwerke sind allesamt gut erhalten. Der St. Nikolaus Dom mit seinen aufwendigen Pforten sticht heraus. Auch ein Hingucker ist die Drachenbrücke – sie deutet auf das Wahrzeichen der Stadt hin. Vor Jahrhunderten befand sich hier eine Moorlandschaft, laut einer Legende, lebten in dieser Drachen. Seitdem ist das Fabelwesen ein wichtiger Teil der Stadt und sogar auf dem Stadtwappen zu finden. Es kommt der Gedanke, Ljubljana mit Wien, Venedig oder Rom zu vergleichen. Aber doch hat die kleine Stadt einen ganz eigenen Flair.

Bunt oder grün?

65.000 Studierende leben in Ljubljana. Das sind mehr als 22% der gesamten Bevölkerung. Diese Tatsache macht die Stadt zu einem internationalen und liberalen Ort. Mit 22 Fakultäten ist die Universität Ljubljana eine der größten Europas. So wundert es nicht, dass sich aus einem alten Kasernengelände ein Künstlerviertel entwickelt hat. Hier gehen heute Musiker und Studierende, die sich der alternativen Kulturszene zugehörig fühlen, ein und aus. 1993 sollte die Kaserne abgerissen werden. Als Antwort besetzten junge Menschen die Fläche und seitdem finden hier Ausstellungen und Veranstaltungen statt. Wer auf Street Art und bunte Farben steht, ist hier genau richtig!

Wer es am liebsten grün mag, der ist noch viel richtiger! Denn Ljubljana ist eine der grünsten Städte Europas. Selbst außerhalb der kleinen Parkanlagen stehen riesige Bäume, werden bunte Blumen gepflanzt und die Balkone zu kleinen Oasen verzaubert. Der größte Park der Stadt ist der Tivoli. Die Parkanlage ist geradewegs perfekt – Liebe zum Detail bekommt hier eine neue Bedeutung. Die wilden Wiesen nutzen wir zum Lesen und Relaxen. Der Park geht direkt in den Waldhügel Rožnik über. Über kleine Pfade lief ich in einen wunderschönen Märchenwald.

Naturschönheit im Norden Sloweniens

Die slowenische Hauptstadt ist klein. Wir haben die komplette Stadt zu Fuß erkundet. Wir haben uns an manchen Nachmittagen einfach faul in den Park gelegt und dort stundenlang gelesen und gedöst. Wer weniger Zeit hat und trotzdem viel sehen möchte, plant am besten zwei Tage ein. Wir wollten auf jeden Fall Natur. Deshalb ging es für uns in den Norden des Landes. Mit dem Bus dauert es etwa eine Stunde nach Bled. Der wohl touristischste Ort des Landes – zurecht!

Der Nationalpark Triglav, der einzige des Landes, ist nur etwa 4km von Bled entfernt. Wir sind gelaufen, es gibt aber auch Shuttles. Für den Nationalpark solltest du dir mehrere Tage Zeit nehmen. Wir waren nur am Rande des Parks und haben die Vintgarklamm besucht. Die Klamm wurde vom Radovna Fluss bis zu 300m tief zwischen den senkrechten Wänden der Berge Hom und Boršt ausgewaschen. Der Eintritt kostet 10 Euro. Kleine Vorwarnung: die Klamm ist sehr voll. Die angenehme Kühle in der Schlucht trocknet unseren Schweiß und wir sind verzaubert vom Anblick des türkisfarbenen Wassers. Wir können die einzelnen Sandkörner im Flussbett sehen, so klar ist das Wasser. Die vielen anderen Touristen stören uns gar nicht mehr. Wir wandern in Ruhe entlang des etwa 1,6km langen Areals. Bis wir am Ende zum Wasserfall Šum gelangen. Im schäumenden Wasser entsteht ein perfekter Regenbogen.

Viele Besucher laufen den Weg wieder zurück, um dann mit dem Shuttle nach Bled zu fahren. Wir sind einen anderen Wanderweg entlang gelaufen- durch einen sattgrünen Wald, über offene Wiesen, vorbei an niedlichen Dörfchen. Die Julischen Alpen immer auf unserer linken Seite. Nimm unbedingt Sonnencreme und feste Schuhe mit, denn sonst wirst du hier keinen Spaß haben. In Bled angekommen, eröffnet sich uns ein Wahnsinnsausblick über einen glasklaren See und die Burg von Bled, welche auf einem Felsblock errichtet wurde.

Der Bleder See ist unbeschreiblich schön und eine absolute Perle des Landes. Selten habe ich eine so wunderschöne Wasserfarbe gesehen. Inmitten des Gewässers befindet sich eine kleine Insel, auf der die Marienkirche errichtet wurde. Einer Legende zufolge, erfüllt sich ein Wunsch, wenn man die Glocke der Kirche drei Mal läutet. Mit einem traditionellen Holzboot (Slowenisch: Pletna) kann man innerhalb weniger Minuten übersetzen. Wir haben uns für die Umrundung des Sees entschieden. Zwischendurch haben wir uns gesonnt und unsere Füße abgekühlt.

Fazit: wer ein paar mehr Tage in Slowenien hat, sollte unbedingt einen Abstecher in den Norden machen. Hier gibt es wirklich unzählige Naturwunder zu entdecken. Trotz dem das Land nicht groß ist, möchte ich noch einmal gemeinsam mit Alex wiederkommen und durch die Julischen Alpen wandern.

 

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