Mit unseren Fietsen durch Amsterdam

Oh Amsterdam, wir sind so froh, dass wir uns für dich entschieden haben! Zuerst fiel unsere Entscheidung, über das Osterwochenende wegzufahren, nur deshalb auf Amsterdam, weil wir keinesfalls fliegen wollten. Nicht, weil wir plötzlich nicht mehr gerne fliegen, sondern aus Nachhaltigkeitsgründen. Wir haben es keine Sekunde bereut! Das Wetter war bombastisch und wir hatten mit unserer Unterkunft über die Couchsurfing App ebenfalls sehr viel Glück. Wir durften sogar die Fahrräder unseres Gastgebers tagtäglich nutzen – was wir auch taten. Das einzig wahre Fortbewegungsmittel Amsterdams 🙂 Bekannt ist die Stadt für so einiges – Grachten, Rembrandt, Tulpen, Käse, Anne Frank und Marijuana. Natürlich durften diese Punkte auch während unseres Besuchs nicht fehlen, der Käse bleibt allerdings vegan 😉

Grachten sind die Kanäle, die sich durch die gesamte Stadt ziehen. Ursprünglich waren diese Kanäle einmal Verteidigungsgräben, später dienten sie dem Warenverkehr. Heute? Naja, heute schippern hier vor allem Touristen herum und davon unzählige. Wir haben eine solche Tour nicht mitgemacht. Generell haben wir vom touristischen Angebot ein bisschen Abstand gehalten. Vom Ufer sind die Grachten sowieso viel schöner anzuschauen. Vor allem, wenn man mit den Fietsen (Fahrrädern) an ihnen entlang radelt.

 

Ein bisschen Touriprogramm schadet nie

Selbstverständlich haben wir uns auch ein paar typische Sehenswürdigkeiten angeschaut. Die Stadt hat eine Menge wunderschöner Architektur zu bieten. Der Hauptbahnhof ist riesig, fast schon pompös. Das Rijksmuseum (Reichsmuseum) ragt in den blauen Himmel. Die zahlreichen Brücken sind sowieso total niedlich und sehen irgendwie alle anders aus. Da gibt es natürlich besonders bekannte Exemplare wie die Magere Brug. Viele tragen aber auch gar keinen Namen. In China Town gibt es sogar einen buddhistischen Tempel. Erinnerungen an Asien kommen hoch. Gerne hätten wir uns das Anne Frank Haus angeschaut, aber die Tickets waren bereits seit Wochen ausverkauft.

 

Kirche, Kindergarten, Bordell…bitte was?

Die Holländer sind ein liberales und offenes Völkchen. Das merken wir schnell. Das Rotlichtviertel durchzieht den ältesten Stadtteil Amsterdams. Prostituierte schauen aus ihren Fenstern direkt auf die Oude Kerk (Alte Kirche), das älteste Gebäude der Stadt. Ein Kindergarten liegt direkt neben einem Bordell. Anfänglich ist das ein befremdlicher Anblick – diese bis zur Perfektion operierten Frauen, die einem flirtende Blicke zuwerfen. Wir gewöhnen uns schnell dran. Um mehr über das Rotlichtviertel und Prostitution in den Niederlanden zu erfahren, schließen wir uns einer Red Light District Tour an. Gespannt lauschen wir unserem Guide Alars.

Bereits im Jahr 1811 wurde Prostitution im ganzen Land legalisiert – ziemlich fortschrittlich. Prostitution wird hier als ganz normaler Job angesehen. Das fordert schon ein wenig Toleranz, die die Holländer definitiv mitbringen. 292 Bordelle durchziehen die Innenstadt. Die Frauen stehen in kleinen Schaufenstern und locken durch vielsagende Blicke ihre Kunden an. Für 20 – 30 Minuten sacken Sie rund 60 – 80 Euro ein. Eine Prostituierte verdient gut und gerne 10.000 Euro im Monat. Früher kamen die Frauen meist aus den Niederlanden, heute stehen hier Frauen aus Osteuropa und Südamerika. Sie sind selbstständig und mieten die „Schaufenster“ tageweise. Eine beruhigende Information: es gibt innerhalb der Kabinen Panikknöpfe, die die Frauen im Notfall betätigen können. Übrigens gibt es in ganz Amsterdam nur noch eine Peep Show. Eine Stripperin tanzt in einem Rondell, während Schaulustige sich in kleinen Kabinen um sie herumstellen. Für 2 Euro dürfen wir zwei Minuten glotzen. Lustige Erfahrung, vor allem am frühen Nachmittag.

In Amsterdam findet sich der erste Kondomladen der Welt. Hier werden nicht nur Kondome verkauft, sondern auch ganze Schulklassen aufgeklärt. Das funktioniert! Die Rate der Teenie-Schwangerschaften ist in den Niederlanden ganz besonders niedrig. Aufklärung ist also Gold wert. Fun Fact: Direkt gegenüber von der ersten Kondomerie befindet sich die älteste Börse der Welt.

Because I got high…lalala

Und was ist wohl noch bekannter als das Rotlichtviertel? Die 166 noch übrig gebliebenen Coffeeshops! Ja noch ein Grund, die Niederlande als sehr liberales Land zu bezeichnen: Der Verkauf und Konsum von Marijuana und Haschisch sind legal. Selbstverständlich liegt neben jedem Coffeeshop direkt ein Süßigkeitenladen – Fressflash und so. Wir können das Hanf Marijuana und Hemp Museum sehr empfehlen. Dort haben wir viel über die Geschichte der Droge Marijuana aber auch über den Rohstoff Hanf gelernt. Wusstest du, dass man mit Hanf Plastik ersetzen kann? Nur leider wird das Zeug so verteufelt, dass die Wirtschaft das Potential dieses umweltfreundlichen Rohstoffs nicht erkennen will.

 

Käsefondue und Bitterballen

Und was machen wir ganz besonders gerne? Essen! Mit gutem Gewissen können wir behaupten, dass Amsterdam tolle Überraschungen für Veganer bereit hält. So konnten auch wir typische holländische Spezialitäten ausprobieren. Bitterballen – panierte Fleischragoutkroketten wurden so zu panierten Champignon-Knoblauch-Kroketten. Zum Frühstück empfehlen wir das Beter & Leuk. Die Vegan Junk Food Bar bietet von allem etwas – Burger, Sushi, Pulled „Pork“, Hot Dogs, Shawarma und vieles mehr. Meatless District und Mr. & Mrs. Watson sind zwar etwas teurer, aber jeden Cent wert. Alex‘ Geburtstag haben wir in letzterem zelebriert. Mit Käsefondue. Vegan. Geil. Vom Dessert wollen wir gar nicht erst anfangen…himmlisch! Natürlich gibt’s dazu tolle IPA Biere – für ihre Braukünste sind die Holländer nämlich auch noch bekannt.

 

Tulpenpracht in Hillegom

Mit 800.000 Einwohnern ist Amsterdam nicht gerade groß. Die Stadt platzt fast aus allen Nähten. Die Bewohner der Stadt können einem schon leid tun. Wir haben das selbst beim Fahrradfahren in der Innenstadt bemerkt – absolutes Chaos. Die Straßen sind überrannt, überall riesige Touristengruppen, die gerade aus einem der Kreuzfahrtschiffe gehüpft sind. Das Osterwochenende setzt dem ganzen nochmal einen drauf. Wir brauchen einen Tag Ruhe. Es ist April und ein Vögelchen hat uns gezwitschert, dass die Tulpenfelder gerade in voller Blüte stehen. Also ab in den Zug und auf nach Hillegom. Das kleine Dörfchen wirkt trotz einiger Touristen sehr ruhig. Mit unserem Fiets, welches wir uns am Bahnhof leihen (leider gab’s nur eins), radeln wir vorbei an den leuchtenden Feldern. Wir können es kaum fassen. Ist das bunt! Diese Farben! Der Horizont erstrahlt in gelb, pink, rot, lila, orange und weiß. Der Wind weht uns um die Ohren, während ich versuche nicht vom Fahrrad zu fallen. Alex muss doppelt in die Pedale treten. Das ist wahre Idylle, Holland-Idylle. Nur die Windmühlen fehlen. Aber vom Zug aus haben wir ein paar gesehen, immerhin.

 

Im beschaulichen Haarlem machen wir auf dem Rückweg nach Amsterdam einen kurzen Stopp. Die Gassen sind noch enger als in der Hauptstadt. Echt gemütlich diese Niederlanden.

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In der Ruhe liegt die Kraft

Wer wenig Zeit hat und keine Zugfahrt in die Umgebung machen möchte, findet aber auch in Amsterdam ein paar ruhigere Ecken. Es gibt sehr viele Parks und gemütliche Cafés in weniger frequentierten Bezirken. Der Stadtteil De Pijp ist zwar ebenfalls sehr beliebt, aber hier treffen wir auf weniger Touristen. Hier sind die Holländer. Die Restaurants sind gemütlich eingerichtet, die Menschen sehen ziemlich hip aus. Wir als Berliner fühlen uns wie Zuhause. Der große Vondelpark ist zwar wunderschön, aber zur Osterzeit auch sehr gut besucht. Es gibt kleinere Grünflächen, wie beispielsweise den Sarphati Park. Kleine Entenbabies watscheln entlang des Sees und die Amsterdamer trinken ein Feierabendbier…oder rauchen einen Feierabendjoint. Am Amstel Fluss, der sich durch die Stadt zieht, sitzt es sich ebenfalls gut. Unseren letzten Abend lassen wir hier bei schönstem Sonnenschein ausklingen. Dieses Wochenende wird uns in guter Erinnerung bleiben.

 

 

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