Unterwegs im Norden Marokkos

Wir sind zurück in Deutschland und ich sitze auf unserer Couch, während es draußen bereits dunkel wird. Es ist noch nicht einmal 16 Uhr! Gerne denken wir zurück an die vergangenen zwei Wochen in Marokko. Das Land hat uns zwar nicht mit Hitze empfangen, aber die Sonne hat tagtäglich geschienen und am Nachmittag liefen wir im Shirt durch die kleinen Gassen der Medinas. Was in der zweiten Woche in Marokko auf uns wartete, lassen wir hier Revue passieren.

Süße Versuchung in Fès

Nachdem wir von einer atemberaubenden Sahara Tour zurück in die Zivilisation kamen, stürzten wir uns direkt ins Gewusel von Fès. Hier wartete die größte und gleichzeitig älteste noch erhaltene Medina auf uns. Die Altstadt wurde bereits im Jahre 789 gegründet und in dem unendlichen Labyrinth von Gassen haben wir uns immer wieder verlaufen. Das GPS funktioniert hier nicht mehr – immer wieder laufen wir in eine Sackgasse und müssen umdrehen. Aber das stört uns nicht. Wir lassen uns treiben. Das Blaue Tor ist der Haupteingang zur Medina und hier finden sich zahlreiche touristische Restaurants. Umso weiter du dich vom Tor entfernst, desto niedriger werden die Preise der Speisen. Die Medina ist durchzogen von wunderschönen Mosaiken, Ornamenten und versteckten Moscheen. Als Nicht-Muslime dürfen wir letztere nicht betreten. Wir sind verzaubert von den pompösen an den Orient erinnernden Türen.

 

In der Medina ist es tagsüber meist einige Grade kälter als außerhalb der Altstadt. Die dicken Mauern und die engen Gassen sorgen dafür, dass kaum Sonnenlicht einfallen kann. Nicht von den Temperaturvorhersagen täuschen lassen, ein Pulli schadet hier nicht.

 

Ein bisschen ab von den touristischen Plätzen und Hauptstraßen fanden wir kleine Schätze. Unser Favorit ist das wohl kleinste Café der Stadt. Der nette Betreiber zeigt uns Kräuter, erklärt uns in einem Mix aus Arabisch und Französisch deren Bedeutung und macht Alex den besten Kaffee unserer Marokko-Reise. Die Marokkaner haben einen süßen Zahn – oder besser gesagt 28. Wahnsinn, was hier an Massen von süßem Gebäck und mit Honig überzogenen Keksen verkauft wird…

 

Duell: Minzblätter gegen Taubenkacke 

In Fès ist alles alt, die Stadt ist quasi die Ur-Omi aller Städte. So ist es nicht überraschend, dass wir hier die erste Universität der Welt besichtigen. Die Qarawiyin-Universität gibt es bereits seit 859, heute werden hier Bücher restauriert. Wir trauen uns auch zu den furchtbar riechenden Gerbereien. Die Chouara Gerberei ist die wohl älteste der Stadt. Das Leder von Rindern, Eseln, Schafen, Ziegen und sogar Kamelen zu färben ist in dieser Stadt uralte Tradition. Eine ziemlich harte und eklige Arbeit für die Marokkaner, die hier ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie treten mit nackten Füßen immer wieder in die widerlich stinkenden Becken. Der Geruch beißt in der Nase, wir brauchen Minzblätter, an denen wir immer wieder riechen. Taubenkot soll das Leder vor dem Färben weicher machen. Wir halten diesen Gestank nur für wenige Minuten aus, die Arbeiter müssen hier tagtäglich bis zu 12 Stunden schuften. Gerade an diesem Vormittag ist es grau und die Sonne versteckt sich im Dunst – das passt zu diesem Ort. Hunderte Häute hängen an den Wänden, die Arbeiter packen diese in verschieden große Lehmbecken. Diese sind gefüllt mit natürlichen Farben, für Gelb wird beispielsweise Kurkuma genutzt. Wir sind schockiert, fühlen uns unwohl und als wir dann auch noch Lederwaren kaufen sollen, hauen wir schnell ab.

 

Um dem Gewusel der Medina zu entkommen, schlendern wir außerhalb der Stadtmauern durch den wunderschönen von Palmen gesäumten Parc de Boujloud. Den Königspalast haben wir nicht gefunden, zumindest nicht den Eingang. Aber das stört uns nicht – der blaue Himmel strahlt, wir tanken Vitamin D und beobachten die Störche auf den Minaretten der Moscheen.

 

Willkommen im Schlumpfenland

Mit einem öffentlichen Bus ging es weiter Richtung Norden, in die sogenannte Blue City – Chefchaouen. Warum die Stadt so heißt bedarf keiner weiteren Erklärung, schau dir einfach die Fotos an. Die unteren Hausfassaden sind hier fast alle blau gestrichen. Die Farbe soll vor bösen Blicken schützen. Ein paar menschengroße Schlümpfe würden gut ins Bild passen, aber die Menschen sehen aus wie im Rest des Landes. Trotz dem auch hier einige Touristen unterwegs sind, gefällt es uns richtig gut. Wir genießen die Ruhe und das Essen, vor allem im authentischen Restaurant Beldi Bab Ssour. Am Marktplatz schlürfen wir Avocado-Orange-Saft. Saulecker! Werden wir zu Hause nachmachen.

 

Natürlich gibt es auch in Chefchaouen viele Handwerksläden und Souvenirshops. Die Verkäufer sind allerdings so gut wie nie aufdringlich. So lässt es sich entspannt durch die kleinen Gassen bummeln.

 

Bekifft zwischen zwei Hörnern

Die gesamte Zeit in Marokko haben wir in sogenannten Riads übernachtet. Von außen sind sie unscheinbare Wohnhäuser, aber innen offenbart sich ein Innenhof mit oft schön angelegtem Garten. Auf einer Terrasse wird an warmen Tagen gefrühstückt. Mehr als acht Zimmer gibt es meist nicht. Unser Lieblingsriad während dieser zwei Wochen war eindeutig das Dar Zman in Chefchaouen. Selbstverständlich sind die Wände blau gestrichen 😉

 

Kein Geheimtipp aber definitiv ein Must Do ist der Abstecher auf einen fußläufig gelegenen Hügel, auf dem die kleine Jemma Bouzafar Moschee thront. Von hier blicken wir auf die Medina und die umliegenden Berge. Chefchaouen bedeutet so viel wie „zwei Hörner“. Da der Ort zwischen zwei Bergen angesiedelt ist, liegt nahe, woher diese Bezeichnung kommen mag. Von der Jemma Bouzafar genießen wir den Sonnenuntergang. Natürlich nicht alleine – viele Reisende chillen und kiffen hier oben. In den umliegenden Bergregionen wird Hanf angepflanzt und in den Straßen der Stadt an die Touristen verkauft. Wir können ganz nüchtern das Farbspektakel, die Klänge des Straßenmusikers und nach Sonnenuntergang den Muezzin (=Gebetsgesang) genießen. Was für eine einzigartige Atmosphäre!

 

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