Marokkanische Küste von Nord nach Süd

Dass es uns während unserer Reise in die größte Stadt Marokkos verschlagen würde, war nicht geplant. Um einen Reisetag zu entzerren, statten wir der 3,5 Millionen Einwohnerstadt einen kurzen Besuch ab. Aber vor unserer Ankunft wartet eine abenteuerliche Busfahrt auf uns…

Jasmin allein in Rabat

Relativ pünktlich fährt der öffentliche Bus, den wir uns mit Einheimischen teilen, am Busbahnhof in Chefchaouen los. Es ist ein ziemlich altes Modell, Hühner gackern auf den Sitzen hinter uns. Wir wissen, dass die Fahrt länger dauern wird, als die versprochenen sechs Stunden. Was wir nicht wissen: der Bus braucht acht Stunden und hält alle paar Minuten an, um weitere Passanten aufzuklauben. Allerdings halten wir in diesen acht Stunden nicht einmal länger, sodass wir die Toilette benutzen oder uns Essen besorgen könnten. Zum Glück haben wir Obst, Nüsse und Müsliriegel dabei. Nach fast sieben Stunden kommen wir in der marokkanischen Hauptstadt Rabat an. Ich kann es nicht mehr aushalten. Renne auf die nahegelegene „Toilette“. Komme zurück. Der Bus ist weg. Scheiße! Verwirrt blicke ich in alle Himmelsrichtungen, hüpfe zwischen dem wild hupenden Buschaos hin und her. Ich habe kein Handy, keinen Reisepass, nur rund 2 Euro bei mir. Was nun? Ich bekomme Panik. Ein Marokkaner ruft: „Casablanca??“. Ich nicke wie wild. Er zeigt raus aus dem Busbahnhof. Ich renne raus, sehe den Bus ganz langsam wegfahren. Ich renne über die stark befahrene Straße. Kann irgendwie während der Fahrt in den Bus klettern. Alex rennt aufgeregt auf mich zu, meint er habe dem Busfahrer immer wieder gesagt, dass ich fehle. Ich atme durch. Nochmal gut gegangen!

Prunk & Superlative in Casablanca

Endlich in Casablanca angekommen, gönnen wir uns vegane Burger im Veggies. Die Stadt könnte in Europa oder den USA liegen. Shoppingmalls, Hochhäuser und Bars reihen sich aneinander. In der Medina sieht es natürlich anders aus, marokkanischer. Street Art an den großen Häuserfassaden begeistert uns. Wir wollen uns eine der größten Moscheen der Welt bei Nacht anschauen. Die Hassan-II.-Moschee ist wunderschön beleuchtet. Alex zückt die Kamera, das Licht geht aus bevor wir ein Foto machen können. Was für ein Tag!

Casablanca - Street Art

Am nächsten Morgen gehen wir trotz des Pechs am Vorabend nochmals zur Hassan-II.-Moschee. Flächenmäßig liegt sie in den Top Ten der größten ihrer Art. Es passen bis zu 105.000 Anbeter in die Moschee und auf den Vorplatz. Das klingt wahnsinnig, aber auf das größte Moscheearael der Welt in Mecca passen 4 Millionen Muslime gleichzeitig. Say what!? 1993 wurde die Hassan-II. eröffnet. Der Bau dauerte etwas über sechs Jahre, in welchen 24/7 in je drei Schichten an der Moschee gebaut wurde. Über 12.000 Arbeiter waren involviert im Bau der Prunkmoschee. Das Minarett (= Turm der Moschee) ist mit 210 Metern das höchste der Welt und somit ist die Moschee das höchste religiöse Gebäude überhaupt. Das Bauwerk wurde zum 60. Geburtstag des damaligen Königs erbaut und gilt als Geschenk des Volkes. Unmengen an Steuergeldern gingen für Unmengen an extrem teuren Baumaterialien drauf. Da wundert es keinen, dass die Moschee stark umstritten ist.

Eine Besonderheit, die uns sehr erfreute: sie ist die einzige Moschee in Marokko, die gegen einen Eintrittspreis von Nicht-Muslimen besucht werden darf. Allerdings muss man an einer Führung teilnehmen, die vier bzw. sechs Mal am Tag stattfindet. Der Innenraum der Moschee hat uns persönlich mehr geflashed als der Bau von außen. Riesige Türen, massive Torbögen und glänzender Marmorboden. An Ramadan sind bis zu 25.000 Anbeter im Inneren der Hassan-II. zu finden. 20.000 Männer im Hauptraum, 5.000 Frauen auf den wunderschön geschnitzten Holzbalkonen. Draußen versammeln sich weitere 80.000 Gläubige – was das für ein Anblick sein muss. Der Bau ist aber nicht nur optisch faszinierend, sondern auch baulich. Der gesamte Fußboden verfügt über eine Fußbodenheizung. Während des Fastenmonats Ramadan und im Sommer kann das Dach automatisch geöffnet werden. Dann scheint die Sonne auf den Marmorboden. Tja, so ein bisschen Luxus kann nicht schaden…! 200 Reinigungskräfte sind täglich am Werk. Wir konnten keinen einzigen Fleck oder Krümel entdecken.

In Essaouira kommt alles Gute von oben

Dann ging es auch schon weiter gen Süden in das kleine Fischerstädtchen Essaouira. Aufgrund des tief sitzenden Schocks der letzten Busfahrt gönnten wir uns einen Touri-Bus der Firma CTM. Können wir nur empfehlen! Es geht vorbei an endlosen Olivenhainen. Der Geruch der Oliven breitet sich im Bus aus. Wir beobachten von unseren Sitzen die mühselige Olivenernte. Besonders fallen hunderte von Storchennester inklusive Störchen auf. Hier fliegen die Vögel also während des Winters hin. In Essaouira ticken die Uhren verdammt langsam. Die Medina ist verdächtig ruhig, die Verkäufer sitzen träge in ihren Läden und die Katzen schlafen in der Sonne. Wir spazieren durch die Gassen und freuen uns über viele vegane Restaurants am Chrib Atay Platz. Im Le Corail at Latifa essen wir deftige marokkanische Hausmannskost aus den typischen Tontöpfen. Am Hafen ist es dann doch etwas lauter und wuseliger. Fischer rufen sich arabische Wortfetzen zu, hunderte Holzboote treiben im Wasser, es riecht nach Fisch, Möwen kreischen über unseren Köpfen. Ich spüre etwas Nasses am Hosenbein – na toll, ich wurde angeschissen. Naja, die alte portugiesische Festung direkt am Atlantik ist trotzdem schön anzusehen.

Beschwerliche Anreise

Um vor dem ganzen Weihnachtsstress nochmal abzuschalten, entschieden wir uns für eine Eco Lodge nicht allzu weit von Agadir. Die Anfahrt ist beschwerlich aber lohnt sich. Zuerst fuhren wir mit einem Grand Taxi, in welchem bis zu 12 Passagiere auf acht Sitzen wie die Sardinen aneinander gedrängt Platz nehmen. In Smimou mussten wir das Grand Taxi wechseln und fuhren bis zum kleinen Küstendorf Tafedna. Ruhe wartet hier auf uns. Von Tafedna mussten wir noch eine gute halbe Stunde am Strand entlang laufen. Dann endlich waren wir da – im L’Ane Vert.

L'Ane Vert - Anfahrt und Weg zum letzten Stopp der Reise

Belohnung: Yoga, Natur, Ruhe, ein bisschen Heimat

Viel machen wir nicht im L’Ane Vert. Die Bücher werden aus dem Rucksack gekramt, wir gehen morgens und abends zum Yoga und genießen die Aussicht von der riesigen Terrasse. Das Essen schmeckt ganz wunderbar hier, auf Nachfrage gibt es vegane Speisen. Leider war es während unseres Besuchs mit bis zu 60km/h sehr windig. Alex wäre gerne surfen gegangen, immerhin soll es einer der besten Surfspots der Welt sein, aber bei dem Sturm macht das keinen Sinn. Die traumhaften Sonnenuntergänge entschädigen jedoch. Am Abend sitzen wir mit Reisenden am Kamin. Wir treffen auf fünf Deutsche, alles Berliner. Eine von ihnen wohnt direkt um die Ecke. Wir fühlen uns ein bisschen wie zu Hause 🙂

Wie bei uns zu erwarten: Unser persönliches Highlight waren die fünf Wochen alten Babywelpen, die neben dem Kompost leben. Sie schlafen die meiste Zeit, ab und an laufen sie noch wackelig auf den Beinen auf uns zu. Wir sind entzückt und wollen am liebsten alle acht in unsere nicht vollen Rucksäcke stecken. Zum Wohle der Kleinen haben wir davon abgesehen.

Trotz Wind machten wir einen kleinen Strandspaziergang, wo sich uns der perfekte Marokko-Moment offenbarte. Kamele grasen auf den Dünen direkt am Meer.

Unser Fazit

Marokko ist wie erwartet touristisch. Häufig wollen die Einheimischen Geld für die banalsten Dinge haben. Beispielsweise wenn wir nach der Richtung fragten. Für die Antwort „Rechts, dann links.“ werden mehrere Dirham verlangt. Das hat es uns schwer gemacht, den Menschen zu trauen. Das finden wir schade, denn häufig wurde uns ein Lächeln geschenkt. Es gibt viele ehrlich hilfsbereite Menschen, aber diese gilt es herauszufischen. Unser Sahara-Guide Hassan war durchweg sympathisch. Überwogen haben definitiv die positiven Eindrücke. Marokko ist unglaublich geschichtsträchtig und die Landschaft wider Erwarten extrem abwechslungsreich. Ewige Wüste trifft auf schneebedeckte Berge. Bunte Städte treffen auf verschlafene Fischerdörfer am Atlantik. Den Sternenhimmel in der Wüste werden wir wohl nie vergessen!

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