Sieben Markttage pro Woche

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Marrakesh ist die wohl bekannteste Stadt Marokkos. Für ein paar Tage wollen wir in das Treiben eintauchen. Die Sonne strahlt und der blaue Himmel lässt die sowieso bunte Stadt noch stärker leuchten. Die Koutoubia-Moschee war für uns ein hilfreicher Wegweiser, da man sie von vielen Punkten der Stadt gut sehen kann. Ihr Minarett ist der höchste Punkt der Stadt und ragt in den azurblauen Himmel. Besonders eindrucksvoll ist Marrakesh von oben – viele Restaurants, Cafés und sogar Shops haben eine Dachterrasse. Hier schauten wir über ein Meer aus lehmfarbenen Häusern und bunten Teppichen. Dazwischen hohe Palmen und kleine Bäumchen mit unzähligen reifen Orangen.

900.000 Langschläfer

Die Einwohner scheinen spät aus den Federn zu kommen. Morgens ist es bis 10 Uhr relativ ruhig. Dann geht das Gewusel los. Vor allem abends ist das Wirrwarr aus Menschen ein echtes Spektakel. Erst gegen 8 Uhr geht die Sonne auf und heizt die Straßen schnell auf. Am Abend, nachdem die Sonne 18.30 Uhr untergeht, wird es genauso schnell wieder frisch. Die kleinen Gassen in der Medina (= Altstadt) bleiben meist kühl. Oft erreichen die Sonnenstrahlen diese Wege nur für wenige Minuten, während die Sonne im Zenit steht. Die Straßen und Gassen sind mit unzähligen Marktständen gespickt – diese Märkte nennen sich im Arabischen Souks. Diese sind in verschiedene Kategorien aufgeteilt – Fisch, Lederwaren, Lampen, Fleisch, Haushaltsgegenstände, Gewürze, Kleidung, Gemüse, Öle, Farben, und und und. In dem Wirrwarr der Gassen kann man sich förmlich verlaufen. Aber das macht nichts, denn nur so findet man die besonders interessanten Ecken. Bei einer Free Walking Tour kamen wir in den Genuss ein wenig mehr über die verschiedenen Handwerke und die Herstellung des Arganöls zu lernen. Dieses wird ausschließlich in Marokko gewonnen und ist aufgrund der aufwendigen und langwierigen Herstellung sehr teuer.

Marokko ist ein Smoothie

Der Hauptplatz Djemaa el Fna ist kaum zu verfehlen. Am Abend tobt hier das Leben und auch wenn alles sehr touristisch aufbereitet ist, sollte man sich das Treiben zumindest einmal anschauen. Wir waren von den Schlangenbeschwörern, Pferdekutschen und Zirkusaffen abgeschreckt – solche Bilder brechen uns schlicht das Herz. Wir folgen lieber unseren Nasen und ließen uns bei den unzähligen Garküchen Suppen, Salate und Dips schmecken.

Unser Guide Tarik, der uns am ersten Tag durch die Stadt führte, erklärte, dass Marokko ein Smoothie sei. Verschiedene Religionen und Kulturen leben auf engstem Raum – zusammengemischt wie ein Smoothie. Das scheint hier gut zu funktionieren. Apropos Smoothie, das Land hat Unmengen an wunderbar frischem Obst zu bieten. Vor allem Orangensaft gibt es an jeder Ecke für etwa 40ct – so lecker! Veganer und vor allem Vegetarier kommen in Marokko voll auf ihre Kosten. Es gibt verschiedenste Brotsorten und zahlreiche Gebäcke. Die Suppe Harira besteht aus Linsen und Kichererbsen und wird von den Einheimischen vor allem während des Ramadan nach Sonnenuntergang gegessen. Wir probierten selbstverständlich frische Falafel, Hummus, Salate und Oliven. Das Nationalgericht Tajine gibt es ebenfalls ohne Fleisch. In einem Tontopf werden Öl, Gemüse und Kräuter über einem offenen Feuer gekocht. Zu jedem Essen trinken wir Minztee mit einer Menge Zucker aus kleinen Gläsern.

Zwei grüne Daumen

Wenn du eine Auszeit von dem Verkehrschaos, der Hektik und den Abgasen suchst, gibt es neben ein paar Stadtparks zwei Optionen. Fußläufig zur Medina befindet sich der Jardin de Majorelle, eine kleine Oase mitten in Marrakesh. Dieser Garten wurde in den Zwanziger Jahren von dem französischen Maler Jacques Majorelle angelegt. Nachdem dieser starb, kaufte der berühmte Modeschöpfer Ives Saint Laurent das Anwesen. Es gibt hier neben einem kleinen Café Pflanzenarten aus allen sechs Kontinenten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Kakteen und einem Bambuswäldchen.

Etwas weiter entfernt von der Stadt liegt der Anima Garden, welcher vom Österreicher André Heller entworfen wurde. Mit einem kostenlosen Shuttle waren wir in etwa 45min dort und schlenderten durch die grüne Oase. Kuriose Skulpturen zieren die Wege und Hängematten laden zum Verweilen ein.

Abendliches Entertainment-Programm

Sonnenuntergänge bringen immer eine besondere Atmosphäre mit sich. So auch in Marrakesh. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages tauchen die Lehmbauten in ein tiefes Orange. Die unzähligen Straßenkatzen schlafen tief und fest bis die Dunkelheit einbricht – da beginnt das Katzenkonzert. Früher gab es in Marokko Storyteller, sogenannte Geschichtenerzähler, die zu den Königen gingen, um die aktuellsten Neuigkeiten aus dem Volk zu verbreiten. In einem Zeitalter ohne Internet war dieser Beruf hoch angesehen. Heute gibt es nur noch sehr wenige Menschen, die sich Hikayat Meister nennen. Einer von ihnen tritt zwei Mal wöchentlich im Clock Café auf und erzählt unterhaltsame sowie lehrreiche Fabeln. Ehrenamtliche Studierende, die sich für diese aussterbende Tradition einsetzen, übersetzen aus dem Arabischen ins Englische.

Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack, wo es uns als nächstes hinführt – über das schneebedeckte Atlasgebirge in die größte Wüste der Welt. Wir sind selbst schon ganz aufgeregt!

Marrakesh - Gen Atlasgebirge bei schönstem Wetter

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