Hochzeitsbesuch in Irland

Am vergangenen Wochenende ging es für ein paar Tage nach Irland. Außer wenigen Orten in England haben wir die Inseln westlich vom europäischen Festland bisher verschmäht. Warum wir überhaupt für nur vier Tage extra ins angeblich regnerische Irland geflogen sind? Meine Freundin Edel, die ich vor fünf Jahren auf meiner Südamerika-Reise in Peru kennenlernte, hat uns zu ihrer Hochzeit eingeladen. Was für eine Ehre!

Hochzeitsbesuch von Edel & Richard in Kilkenny

Ein edler Tropfen

Mit sehr wenig Gepäck ging es mit dem Billigflieger über Frankreich und den Ärmelkanal Richtung „Emerald Isle“. Nach nur zwei Stunden kamen wir am modernen aber übersichtlichen Flughafen in der Landeshauptstadt an. Mehr über unseren zweitägigen Aufenthalt in Dublin erfährst du demnächst. Für uns ging es mit dem Dublin Coach für 10 Euro pro Person erst einmal ins beschauliche Kilkenny. Busfahren ist in Irland wesentlich günstiger als mit dem Zug zu reisen. Am besten ist es sicherlich einen Mietwagen zu leihen und über die ganze Insel zu düsen. Beim nächsten Mal! Die Hochzeit von unseren Freunden fand im Lyrath Estate Hotel statt – was für ein riesiges Anwesen. Auch von innen macht das Hotel ordentlich was her. Wir fühlten uns mit einem teuren Champagner in der Hand wie „uasals“. In Irland wird zwar größtenteils Englisch gesprochen, Gälisch ist allerdings weit verbreitet und ebenso die Amtssprache. Uasal bedeutet in dieser uralten keltischen Sprache soviel wie Edelmann.

Irische Hochzeiten unterscheiden sich zwar nicht maßgebend von der deutschen Version, aber einige Traditionen wollen wir dir nicht vorenthalten. Einen Hochzeitsstrauß oder Gabentisch wirst du vergeblich suchen. Dementsprechend gibt es auch den typischen Brautstraußwurf gar nicht. Generell werden mit kleinen Ausnahmen nur Geldgeschenke in Form von Briefumschlägen überreicht. Einen Hochzeitstanz vom Brautpaar gibt es in Irland ebenfalls, aber die Eltern werden hier nicht einbezogen.

Edle Hochzeits-Location in Kilkenny

Thank you und weitergeben

Besonders emotional sind die Reden der Brautjungfern, des Brautvaters, der Trauzeugen und vom Paar selbst. Hier wurde ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt und das ziemlich lange. Um das Ritual etwas aufzulockern, gibt es in Irland einen witzigen Brauch. Gemeinsam mit unseren sieben Tischnachbarn probierten wir dies direkt einmal aus. Jeder Mitspielende muss 5 Euro in ein Weinglas werfen, in unserem Fall lagen wir bei 45 Euro. Jetzt geht das Spielchen auch schon los: Jedes Mal, wenn während der Reden „Thank you“ gesagt wird, darf das Glas weitergegeben werden. Und bedankt wird sich viel und das bei unzähligen Menschen. Selbst uns wurde in der Bräutigam-Rede für unseren Besuch aus dem fernen Deutschland gedankt 🙂 Der Gewinner hat am Ende das Glas. Moment, freu dich nicht zu früh! Der vermeintliche Gewinner muss nämlich gleichzeitig allen am Tisch einen ausgeben. Da diese und viele andere Hotels sehr exklusiv sind, muss sogar noch draufgezahlt werden. Ja, neun Schnäpse kosten hier über 45 Euro. Ich hab übrigens bei meinem ersten „Thank you – Spiel“ gewonnen. Zum Glück saß eine Schwangere an unserem Tisch und ich durfte ein paar Euro behalten.

Typische Hochzeitsspiele finden ebenso bei den wenigsten Feierlichkeiten statt – zu unserer Freude. Dafür wird getanzt was das Zeug hält. Alt und jung geht zu irischer Live-Musik so richtig ab. Wir waren total begeistert von den vielen Tanzenden. Die Tanzfläche war nie leer. Bei deutschen Volksliedern sähe das ganz anders aus. Wir hatten das Gefühl, dass die irische Musik alle glücklich macht, während das in Deutschland mit der Musik immer so ein Ding ist. Die Live-Bands haben die Bude und den 250 Gästen ordentlich eingeheizt.

Zwei Tage wach

Der wohl bedeutendste Unterschied liegt darin, dass eine irische Hochzeit über zwei Tage geht. Am ersten Tag findet die Trauung statt, die wir leider nicht besucht haben und dann die große Feier. Am zweiten Tag geht es gemütlicher zu. Die Gäste kommen nochmals zusammen, um zu quatschen, irischer Musik zu lauschen und gemeinsam auf das Paar anzustoßen. In unserem Falle fand ein BBQ statt und wir waren alle hin und weg von der irischen Dreimann-Band. Dazu gab es Smithwick’s, welches in Deutschland als das Kilkenny Bier bekannt ist.

Kilkenny oder Kilkenny?

Natürlich durfte ein kurzer Spaziergang durch das beschauliche Kilkenny nicht fehlen. Die gemütlichen Gassen und die zahlreichen Pubs laden zum Verweilen ein. Und wir hatten tatsächlich Glück mit dem Wetter: Sonnenschein und angenehme Temperaturen begrüßten uns. Was uns in Kilkenny erklärt wurde: wir sprechen den Ortsnamen falsch aus. Die Betonung liegt nicht auf der ersten sondern auf der zweiten Silbe. Wieder was dazu gelernt.

Die Kleinstadt mit nicht einmal 25.000 Einwohnern inklusive Vororten breitete sich nach nur wenigen Schritten mit einem wunderschönen Blumenmeer vor uns aus. Überall hängen volle Geranien von den Fensterbrettern und Balkonen. Kleine holzvertäfelte Häuschen zieren die Straßen. Große Holztafeln vor den Pubs und Restaurants erinnern an alte Zeiten. Unzählige Kirchen deuten auf die tiefe religiöse Verwurzelung des Landes. Die zahlreichen Kopfsteinpflaster geben dem Ort zusätzlich ein mittelalterliches Flair,  alte Backsteinhäuser komplettieren das Bild. So hatten wir uns das gewünscht!

Die 1391 errichtete Burg ist die wohl bedeutsamste Sehenswürdigkeit der Stadt. Du kannst sie von innen erkunden. Wir schlenderten außen an den dicken Steinmauern entlang. Unser zweitägiger Besuch im Herzen Irlands war zwar viel zu kurz, aber hat uns neue Bekannte und noch mehr Reiselust beschert.

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