Nach der Reise ist vor der Reise

Seit acht Tagen sind wir wieder in Berlin. Fühlen wir uns wohl? Ist es so wie noch vor sechs Monaten? Wir fühlen uns pudelwohl und entdecken die Stadt gerade nochmal neu. Am liebsten würden wir jeden Tag in einen anderen Kiez fahren und uns von den Eindrücken berieseln lassen. Geht aber nicht, wir müssen arbeiten, um wieder Geld zu verdienen. Aber beginnen wir von vorne, bei unserem Ankunftstag.

Hörst du die Stille?

In Berlin Tegel schnappten wir unsere Rucksäcke und liefen vorbei an den wartenden Menschen zum Bus. Denn wir wollten es genau wie auf Reisen machen und mit den Öffentlichen fahren und so Berlin erstmalig wieder beschnuppern. Der Busfahrer duzt die Passagiere, so wie wir das an Berlin lieben. Die doch frische Brise ließ uns in unseren kurzen Klamotten ein wenig frösteln. Wo ist denn bitte die Luftfeuchte? Alles sieht vertrocknet aus. In Deutschland ist während der letzten Wochen eine Dürre ausgebrochen. Im Bus lächelt uns niemand an, wir hüpfen auch nicht über unzählige Schlaglöcher oder müssen einem Angestellten ein paar Cent zahlen, um von A nach B zu kommen. Dafür schauen die meisten auf ihr Handy, wir lassen uns auf gepolsterten Sitzen nieder, gleiten ruhig über die Straßen und zahlen per App. Aber der größte Unterschied ist diese unglaubliche Stille! Wir sind schon fast ein wenig schockiert, denn wir sind lautes Rufen und vor allem Hupen gewöhnt. Wenn hier mal jemand hupt, bedeutet das „Fahr weiter du Arschloch!“, in Asien bedeutet das „Achtung, ich komme.“ oder „Hey, wie geht’s dir? Lass mich mal überholen.“ Diese Stille hat uns die ganze Woche über immer wieder stocken lassen, ob morgens im Bett oder auf dem Weg zur S-Bahn.

Zurück in Berlin

Wir sind angekommen

An unserer Haltestelle angekommen wartete bereits unser Nachbar auf uns und gemeinsam mit ein paar Freunden ging es erstmal zu L’Herbivore, einem veganen Burgerladen in unserer Straße. Auf diesen Besuch hatten wir seit Monaten hin gefiebert und bissen genüsslich in die leckeren Seitanburger. Danach trauten wir uns in unsere vier Wände. Leicht aufgeregt schleppten wir uns in den vierten Stock und waren froh, dass die Wohnung ähnlich aussah wie vor unserer Abreise. Unsere Untermieter hatten die Betten neu bezogen und wir erkannten unsere Wohnung wieder. Akklimatisieren mussten wir uns dennoch. Am Abend grillten wir gemeinsam mit unseren Freunden auf der Terrasse. Umgehauen vom Blick über die Stadt, wussten wir Zuhause angekommen zu sein. Die erste Nacht in unserem gemütlichen Bett schliefen wir nach einer 30 stündigen Rückreise tief und fest und staunten am Morgen erneut über diese Stille. Wie es wohl außerhalb einer deutschen Großstadt sein muss?! Ein Kumpel brachte uns am Sonntagmorgen Frühstück und Alex‘ Eltern wollten uns selbstverständlich auch gleich sehen. Gemeinsam ging es mittags in ein vietnamesisches Restaurant um die Ecke. Wir versuchten die vielen Fragen so gut wie möglich zu beantworten. Es gab und gibt weiterhin viel aufzuholen. Am Nachmittag setzte ich mich in den Zug Richtung Wittenberg in die Heimat. Niemand erwartete mich hier. Ein richtiger Überraschungsbesuch also. In der Bahn staunte ich über die hohen Preise und über die unheimliche Ruhe. Eine junge Frau entschuldigte sich leicht übertrieben, als sie mich mit ihrem Rucksack streifte. In Asien waren wir Geschubse und Gewusel gewöhnt. Über diese energische Entschuldigung musste ich schon ein wenig grinsen. In der Heimat gab es beim Wiedersehen einige Tränchen und Freudenrufe – die Überraschung war eindeutig gelungen. Nach 178 gemeinsamen Tagen und Nächten war dies zugleich die erste Nacht getrennt von Alex. Da musste ein Anruf vorm schlafen gehen einfach sein 🙂 Alex brachte währenddessen seinen ersten Arbeitstag über die Bühne und durchforstete die Unmengen an Emails.

Berlins Straßen durchkämmen

Die darauffolgenden Tage brachten wir die Wohnung wieder auf Vordermann, misteten die Küchenschränke aus und räumten unsere Klamotten zurück in die Schränke. Wieso haben wir eigentlich so viele davon? Nach Monaten mit den gleichen Shorts und Shirts greifen wir weiterhin meist zu den uns bekannten Stücken. Die Abende verbrachten wir erstmalig wieder getrennt voneinander mit Freunden. Wir haben ein halbes Jahr verpasst, wir wollen alles von unseren Liebsten wissen. Wir erkunden Berlin am See, im Freiluftkino, auf Balkonien und in den Straßen Kreuzbergs. Es ist sehr ungewohnt zu sehen, dass Menschen in der westlichen Welt verschiedene Lebensstile favorisieren und dies nach Außen präsentieren – Hipster, Goths, aufgetakelte Frauen, Punks, und und und. In Asien ist für Selbstverwirklichung wenig Platz. Es geht darum, ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Teller zu haben. Die Familie steht hier ganz oben und dass in Deutschland dieser Platz mit Freunden geteilt wird, wurde uns schnell wieder bewusst. Es gibt Vieles, woran wir uns erst wieder gewöhnen müssen. Alles ist uns bekannt, aber trotzdem auch irgendwie fremd.

Her mit den Zahlen

Logischerweise lassen sich die zahlreichen wunderbaren Momente und unvergesslichen Erlebnisse nicht in Zahlen packen, aber von Anfang an haben wir während unserer Reise eine kleine Statistik geführt. Die wollen wir dir nicht vorenthalten. Worüber wir nicht stolz sind, ist die Anzahl von 30 Flügen. Bei der nächsten längeren Reise werden wir versuchen eher mit Bus und Bahn voranzukommen. Zwischen den vielen Inseln in Südostasien blieb uns leider häufig keine andere Möglichkeit. 28 längere und zumeist ruckelige Busfahrten haben wir hinter uns gebracht. Die kurzen Strecken mit Stadtbussen, Taxis und Tuk Tuks haben wir gar nicht erst aufgezeichnet. Es müssen hunderte gewesen sein. Wir haben fünf Roller ausgeliehen und uns den asiatischen Wind um die Nasen wehen lassen. In neun verschiedene Züge sind wir gestiegen und mit 17 Booten bzw. Fähren gefahren. Wir haben in 67 verschiedenen Betten geschlafen – von der Isomatte im Zelt über das harte Bett in der Bootskajüte bis hin zum flauschig weichen Bett im Hotel. 12 wunderbare Länder haben uns verzaubert. Wobei wir von einigen sehr viel und von anderen nur eine Stadt gesehen haben. China, Neuseeland, Australien, Indonesien, Singapur, Malaysia, Philippinen, Laos, Myanmar, Nepal, Bhutan und Sri Lanka. Und jetzt kommt’s: 403 Romméspiele haben uns zum Verzweifeln und Jauchzen gebracht – ja wir haben das Ganze ein bisschen ernst genommen. Am Ende habe ich gewonnen…wer sonst?! 😉 In den sechs Monaten haben wir zwar nie Fernsehen geguckt, aber während der langen Reisetage und am Abend im Bett haben wir Netflix Serien geschaut. Das stolze 91,5 Stunden. Oh Gott, das sind 3,8 Tage! Fun Fact: Alex hat acht Sonnenbrillen verbraucht, da er alle paar Wochen eine verloren hat. Eine schwimmt in Australien im Ozean, eine wohnt jetzt in einer Bar in Kuala Lumpur und eine andere wippt auf und ab im Bus in Laos.

Ein einziger Höhepunkt

Die drei Fragen, die uns am Anfang gestellt werden, sind witzigerweise tatsächlich meist sehr ähnlich.
– Wurdet ihr ausgeraubt oder übers Ohr gehauen?
– Habt ihr euch vertragen oder viel gestritten?
– Was war das absolute Highlight eurer Reise?
Auf die ersten beiden Fragen können wir ganz klar antworten, dass das positive Karma auf unserer Seite war. Wir wurden weder ausgeraubt noch bedroht und wir haben uns selten angezickt, aber nie wirklich gestritten. Die dritte Frage ist etwas komplizierter zu beantworten, da für uns die gesamte Reise ein einziges Highlight war. Wie wahrscheinlich jeder Reisende weiß, machen Menschen eine Reise erst zu einem unvergesslichen Abenteuer. Die vielen Begegnungen mit Einheimischen und anderen Reisenden aus allen Ecken der Welt werden wir nie vergessen. Uns wurde Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft entgegengebracht, aber wir wurden auch in Verkaufsgesprächen eingelullt und von schlecht gelaunten Servicekräften angemault. All das gehört zu einem solchen Abenteuer einfach dazu. Wer sich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben möchte, hier ein kleiner Rückblick der 12 verschiedenen Länder mit einigen Bildern.

Hong Kong – hier konnten wir uns auf eine lange aufregende Reise einstimmen. Die ersten Düfte Asiens wurden aufgesaugt. Wir waren erstaunt über die zombieartigen Einwohner, die nicht mal beim Überqueren der Straße den Blick vom Handy nehmen.

Neuseeland – in diesem Land gab es so unglaublich viele Wow-Momente. Nach jeder Ecke tat sich uns ein neues atemberaubendes Naturspektakel auf. In unserem geliebten Campervan fuhren wir hunderte Kilometer durch die schönsten Ecken des Landes und verliebten uns in die süße Hauptstadt Wellington. Besondere Highlights waren hier der Hubschrauberflug auf den Franz Josef Gletscher und die Strecke auf der Südinsel entlang der Westküste bis zum Milford Sound.

Australien – hier teilten wir uns die Campingplätze mit Kängurus, Wombats und Koalas. Unsere Lieblingsstadt während unserer Reise war definitiv das hippe Melbourne mit seinen wunderbaren veganen Restaurants. Entlang der Ostküste begleitete uns das azurblaue Meer, schroffe Berge und unglaubliche Weiten bis nach Sydney und Brisbane. Die wunderbare Artenvielfalt Australiens war ein absolutes Highlight.

Indonesien – zwischen Reisterrassen, Vulkanen und Religionen. Indonesien ist extrem vielfältig. Bunter Hinduismus auf Bali, weiße Strände auf Lombok und Gili Air, raue Landschaft in Java, riesige Urzeitechsen im Komodo Nationalpark und unser absolutes Highlight: das Trekking durch den Dschungel Sumatras auf der Suche nach Orang Utans.

Singapur – Nirgends sonst treffen Traditionen und Moderne so hart aufeinander wie hier. Wir bewegten uns einige Tage zwischen futuristischen Strukturen und bunten chaotischen Straßen. Manchmal fühlten wir uns, als wären wir in verschiedenen Orten. Einen Abend auf dem Luxushotel Marina Bay Sands und den anderen im Gewusel Little Indias.

Kuala Lumpur – In der riesigen Stadt haben wir vor allem eines getan: viel gegessen und uns die verschiedenen religiösen Stätten angeschaut. Buddhismus und Hinduismus gehen Hand in Hand. Besonders gefallen hat uns das nächtliche Treiben in China Town, wo wir typisch malaysische Spezialitäten probierten und uns in das Getümmel stürzten.

Philippinen – mit dem Moped fuhren wir durch das grüne Bohol, besuchten die winzigen Koboldmakis mit ihren niedlichen Glubschaugen und paddelten hypnotisiert vorbei an blinkenden Bäumen, die von unzähligen Glühwürmchen erleuchtet waren. Die riesigen Felsformationen und die Unterwasserwelt Palawans faszinieren, während die Einheimischen sehr freundlich sind.

Laos – wir hätten dieses Land beinahe ausgelassen. Im Nachhinein sind wir froh, dass wir es nicht getan haben. Vor allem im wunderschönen Städtchen Luang Prabang haben wir unglaublich schöne Tage verbracht und mit Mönchen meditiert. Spaß hatten wir beim Reispflanzen und bei einem typisch laotischen Kochkurs. Ebenfalls ein Höhepunkt der Reise war die Gibbon Experience. Bei dieser wanderten wir durch den Dschungel, sausten über Ziplines und übernachteten in Baumhäusern.

Myanmar – ein Land voller uralter Traditionen. Hier werden Betelnüsse gekaut, lange Röcke getragen und Thanaka ins Gesicht geschmiert. Wir haben zahlreiche buddhistische Pilgerstätten besucht – die Shwedagon Pagode in Yangon, den Goldenen Fels und die 2.000 Tempel Bagans. Am Inle See konnten wir so richtig abschalten und uns auf dem Fahrrad als auch auf dem Boot den Wind um die Nase pusten lassen.

Nepal – spektakulär ist nur eines der Worte, die dieses Land im Himalaya Gebirge umschreiben. Beim Yoga Homestay fanden wir innere Ruhe, nachdem Kathmandu unsere Geduld auf die Probe stellte. Beim Poon Hill Trekking waren wir Eins mit der Natur und können das Erlebte nicht in Worte fassen. Pokhara war ein fantastischer Abschluss in diesem Land. Wir wollen unbedingt bald zurück und mehr sehen.

Bhutan – Überraschungsland und wahrscheinlich das ausgefallenste der gesamten Reise. Hier haben wir sehr viel über den Buddhismus gelernt. Die Begeisterung über die riesigen Dzongs war uns ins Gesicht geschrieben. Vor allem beim berühmten Tigernest. Im Punakha Tal wanderten wir entlang des Flusses vorbei an Reisfeldern und empfanden die spirituelle Atmosphäre des Landes als einmalig.

Sri Lanka – unser Herzensland! Hier haben wir so unglaublich viele sympathische Menschen kennenlernen dürfen. Wir würden jederzeit zurückkehren. Die Mischung aus Bergen, Meer, Teeplantagen und Strand hat es uns angetan. Am besten reist es sich mit dem Zug durchs Land. Die letzten Reisetage beim Yoga Retreat in der Villa de Zoysa taten unserem Körper und vor allem unserer Seele gut. Einen besseren Abschluss hätten wir uns kaum wünschen können.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. aankee sagt:

    Ooooh was für eine tolle Zusammenfassung!!!!

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    1. meiontour sagt:

      Danke für’s fleißige Lesen 🙂

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