Umschalten auf Urlaubsmodus

Die allerletzten Reisetage hieß es entspannt im Süden Sri Lankas zu verbringen, um die letzten Reisemonate Revue passieren zu lassen. Unser „Urlaub“ konnte also endlich beginnen und zwar in dem kleinen Strandort Tangalle. Im Cinnabar Resort hatten wir eine kleine Hütte am Strand gebucht. Da Juni hier Nebensaison ist, bekamen wir ein Upgrade und durften in einem Baumhaus schlafen. Diese kostet normalerweise mehr als das doppelte. Das Holzhäuschen ist komplett offen, der Wind weht durch das Dach und wir duschten mit Blick auf die Mangroven und Palmen. Nachts konnten wir Glühwürmchen direkt über unserem Moskitonetz entdecken. Kurz nach Sonnenuntergang flogen riesige Fledermäuse an unseren Köpfen vorbei. Die Stimmung war absolut einzigartig, während wir mit dem Geräusch der brechenden Wellen einschliefen. Durch Palmenwedel und ein Blätterdach ging es am Morgen über eine Holztreppe Richtung Strand.

Um gut in den Tag zu starten, schmausten wir unser geliebtes singhalesisches Frühstück und spazierten entlang des einsamen Medaketiya Strands, genossen die leckeren Currys und saßen mit unseren Büchern in der Hand auf gemütlichen Sitzsäcken. Unsere Füße tief in den warmen Sand gedrückt.

Im früheren Leben ein Surfer

Schon seit Beginn unserer Reise wollte Alex surfen lernen. Nun hatten wir endlich die Zeit und die Muße den Wunsch wahr werden zu lassen. Während ich am Strand chillte, zeigte der liebenswerte Nishanta ihm am Strand ein paar Trockenübungen. Alex machte diese nach, schnappte sich selbstbewusst das Surfbrett und ab ging es in die Wellen beim Muthuwella Strand. Hochkonzentriert und mit den Worten und Tipps von Nishanta im Gedächtnis nahm er die erste Welle mit Bravur. Nach nur zwei Surfstunden war er schon fast ein alter Surfhase. An den kommenden Stränden lieh er sich ab und an ein Brett und bezwang die teilweise großen Wellen ohne Hilfe. Ich saß entweder vertieft in mein Buch im Sand oder schaute ihm klatschend bei seinen Surf-Skills zu.

Ebenfalls bei Tangalle befindet sich der Goyambokka Strand, eine traumhafte kleine Bucht mit feinem Sand und tollen Wellen zum Planschen. Ein besonders authentisches Restaurant mit köstlichem Essen ist das Ceylon Excel. Noch nie in unserem Leben haben wir so unglaublich gutes Curry gegessen. Hier wirst du auf Wolke Sieben schweben.

Kleiner Goyambokka Strand bei Tangalle

Büchermarathon am Strand

Nach ein paar Tagen ging es mit einem der uralten indischen Busse zum nächsten Dörfchen. Ganz hinten saßen wir auf und ab hüpfend neben einer Omi, die uns mit ihren zwei verbleibenden Zähnen immer wieder anlächelte. Im Laufe der Fahrt schenkte sie uns Stachelbeeren und Schokolade. Wiederholt wurde uns immer und überall unglaublich viel Herzlichkeit entgegengebracht. Das wird uns in Deutschland fehlen. Der Strandort Mirissa wirkt in der Nebensaison fast wie ausgestorben, uns störte das aber nicht. Wir lasen ein Buch nach dem anderen und hatten ein paar wunderbare Tage in unserer gemütlichen Unterkunft Banana Garden.

Von Mirissa machten wir einen Abstecher nach Weligama, wo wir letztendlich genau das gleiche taten wie die Tage zuvor: surfen, lesen, sonnen, lesen, essen, lesen, baden, lesen, entspannen und noch mehr lesen. Neben uns lagen ein paar Kühe im Schatten. Wir kamen nach den aufregenden Monaten endlich richtig zur Ruhe.

Surfboards, Kühe, Strand, Bücher...was will man mehr

Die „anstrengendste“ Aktivität während unserer Tage in Mirissa war der Aufstieg auf den sogenannten Parrot Rock. Den hätten sie mal besser Raven Rock nennen sollen. Papageien konnten wir keine entdecken, dafür aber hunderte Raben. Von hier beobachteten wir die untergehende Sonne und die hohen Wellen, während die Raben laut krächzten.

Reise in die Vergangenheit

Unsere letzte Reisewoche war angebrochen und wir gönnten unseren Körper noch mehr Entspannung in einem zweiten Yoga Retreat. In der kleinen Siedlung Boosa steht die atemberaubende Villa de Zoysa, ein Vermächtnis aus Kolonialzeiten. Den Eigentümer Devinda und unsere Yogalehrerin Eva haben wir sofort ins Herz geschlossen. Ein riesiges Zimmer mit hohen Decken, Holzdielen und einem kleinen Balkon konnten wir für die letzten Nächte unser Zuhause nennen. Der Zug fuhr in regelmäßigen Abständen direkt am Haus vorbei. Der Rasen erinnert an die perfekt gestutzten Grünflächen in England. Wir fühlten uns in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurückversetzt. Das alte Mobiliar von damals wurde liebevoll aufgearbeitet und eine ordentlich bestückte Bibliothek passt perfekt in die Räumlichkeiten. Nur der Pool und das Yoga-Shala hätten damals gefehlt, aber fügen sich heute perfekt in den von Palmen umgebenen Garten ein.

Auch die Katze Boy George, die Hunde Prince und Bo und das Personal haben unseren Aufenthalt versüßt. Das Essen am Morgen und am Abend war jeden Tag unbeschreiblich köstlich. Am Abend an der riesigen Holztafel sitzend erzählte uns Devinda von den Geschichten der Villa. 1927 erbaut vom Vater mütterlicherseits war das Gebäude schon damals ein echtes Prachtstück. Der Vater väterlicherseits war so beeindruckt von dem Haus, dass er eines Tages einfach anhielt und fragte, ob es hier eine gut aussehende junge Frau für seinen intelligenten Sohn gäbe. Es kam zu einer arrangierten Hochzeit, aus der sechs Kinder hervorgingen. Unter diese sechs Kindern Devinda, der hier heute mit seinen Tieren lebt und ein einzigartiges Yoga Retreat ins Leben gerufen hat. Gemeinsam mit Devinda schauten wir das WM-Spiel Deutschland gegen Südkorea, aber ließen uns von der deutschen Niederlage nicht die Laune verderben.

Einstimmung auf Europa

Für einige Tage liehen wir uns einen Roller und fuhren in den nahe gelegenen Ort Galle. Die 1663 von den Niederländern errichtete 3 km lange Festung Galle gehört genau wie der Rest der Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe. Weltweit ist sie die größte erhaltene europäische Festung innerhalb Asiens. Sie verdeutlicht die Verbindung asiatischer Traditionen und europäischer Architekturelemente. Wir schlenderten durch die kleinen mediterranen Gassen, während wir über das friedliche Zusammenleben der Religionen staunten. Mehrere Kirchen und Moscheen befinden sich in der Church Street und außerhalb der Festung finden sich hinduistische und buddhistische Tempel.

An einem anderen Tag nahm uns Devinda mit zum Gemüsemarkt in Galle und wir wurden Zuschauer einer kleinen Zeremonie, an der zahlreiche Mönche teilnahmen. Eine wichtige Erledigung fehlte noch vor unserer Abreise: ein letzter Besuch beim Friseur, um Alex‘ immer länger werdende Mähne zurückzustutzen.

Nur wenige Kilometer hinter Galle befindet sich der kleine aber beliebte Strand Unawatuna, wo wir uns ein letztes Mal in die Wellen stürzten, um unsere Haut mit dem kühlen Salzwasser zu erfrischen.

Wir werden gesegnet

Wir hatten Glück zufällig Ende Juni während des Vollmondfests vor Ort zu sein. Devinda nahm uns und Hannah, die wir zuvor im Yoga Retreat in Nepal kennengelernt hatten, mit zu einem nahegelegenen buddhistischen Tempel. Wir legten Frangipani Blüten neben einer Buddhastatue nieder. Die weißen Blüten stehen für die Reinheit der Seele. Mit Hilfe von Kokosöl entzündeten wir Kerzen. Während wir dies taten, wiederholten wir in unseren Köpfen immer wieder „my thoughts are pure“ – Meine Gedanken sind rein. Genauso wie es auch die Einheimischen tun. Ein Mönch segnete uns, indem er ein Gebet sprach und uns ein weißes Bändchen um das Handgelenk band. Durch die Dunkelheit staksten wir über die Bahngleise zurück zur Villa de Zoysa, wo wir uns bereits sehr hungrig über unser Abendessen hermachten.

Wir drücken die Schulbank

Einen Vormittag probierten wir uns als Lehrerin und Lehrer in einer kleinen Dorfschule in Boosa. Nach unserer Ankunft brachte uns eine Lehrerin in den Raum der zweiten Klasse und verschwand sofort wieder. Wir standen etwas planlos da, während die Kinder uns aufgeregt Fragen auf Singhalesisch stellten und durch den Raum hüpften. Da die Kleinen so gut wie kein Wort Englisch sprechen, fiel die Kommunikation schwer. Nachdem die fünf Kinder im Kreis rannten und mit Knete um sich warfen, waren wir bereits komplett durchgeschwitzt. Die Hitze tat ihr Übriges. Letztendlich malten wir kleine Bilder an die Tafel und die Kinder lernten die englischen Worte dazu. Wir stellten einfache Rechenaufgaben wie 5+2. Nach einer Stunde wurden wir erlöst, da die Eltern kamen, um ihre Kinder abzuholen. Auch wenn dies eine witzige Erfahrung war, werden wir wohl niemals Lehrer 😉

Wir geben Unterricht in einer kleinen Dorfschule

Motivation pur beim Yoga

Der Hauptgrund unseres Besuchs waren selbstverständlich die morgendlichen und abendlichen Yogastunden. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit schwitzten wir selbst bei den einfachsten Posen wie verrückt und waren glücklich, immer flexibler zu werden. Am Ende lernten wir sogar neue Posen, die wir vorher noch gar nicht probiert hatten. Unsere Lehrerin Eva war geduldig und hat uns mit wertvollen Tipps gezeigt, dass wir mehr können als wir uns anfänglich selber zutrauten.

An unserem letzten Tag stellten wir uns sogar alleine in das Yoga-Shala und übten einige Posen erneut. Die Leidenschaft für diesen Sport nehmen wir definitiv mit nach Hause und werden in Berlin hoffentlich nicht nur einmal die Woche einen Kurs mitmachen. Update: Ich gehe mindestens drei Mal die Woche zum Yoga 🙂

Per TukTuk durch Abgasistan

Der Abschied am Nachmittag unseres letzten Tages fiel vor allem mir extrem schwer. Wir fühlten uns in der Villa de Zoysa so unglaublich wohl und hatten uns mit Devinda und den Hunden angefreundet. Aber natürlich war das nicht der einzige Grund unserer Emotionen. Unsere Reise neigte sich dem Ende. Wir waren noch nicht bereit wieder nach Hause zu gehen. Bevor der Tuk Tuk Fahrer uns abholte, um uns zum Bahnhof zu bringen, waren wir extrem hibbelig und angespannt. Wir wanderten nervös durch die riesigen Räume des Hauses, checkten mehrere Male, dass wir auch nichts vergessen hatten und umarmten Hannah, Devinda und die Hunde zum Abschied. Eine allerletzte wunderschöne Zugfahrt direkt am Meer brachte uns nach Colombo. Die Bahn war extrem voll, wir schwitzten und es roch nach vielen Menschen auf engstem Raum. Es störte uns so gar nicht. Wir werden das vermissen. In Colombo konnten wir direkt in die Wohnungen der Singhelesen, da die Häuser hier so nah an den Gleisen stehen. Der Ausstieg am Hauptbahnhof ähnelte einem Krieg. Zusteigende Passagiere warteten nicht auf die, die aussteigen wollten. Wir boxten uns durch die Gänge auf den überfüllten Bahnsteig. Aufgrund der Rush Hour am Freitagabend brauchten wir mit einem Tuk Tuk 1,5 Stunden bis zum Flughafen. Wir atmeten ein letztes Mal staubige, von Abgasen durchzogene Luft ein, krallten uns an den Sitzen fest und lauschten dem ohrenbetäubenden Hupkonzert.

Europäischer Boden unter den Füßen

Ein Tag später, 30. Juni um 11:30 Uhr: Wir sitzen in Amsterdam auf dem Flughafen und warten auf unseren Flug nach Berlin, der bereits 45 Minuten Verspätung hat. In Mumbai hatten wir mitten in der Nacht einen längeren Aufenthalt und konnten unsere Augen kaum offen halten. Im Flugzeug nach Europa haben wir relativ viel geschlafen. Beim Landeanflug über die akkurat angelegten Felder mit den unzähligen Windrädern haben wir gestaunt. Momentan sitzen wir in einem Flughafencafé. Wir beobachten die größtenteils weißen Menschen und hören einem Stimmengewirr europäischer Akzente zu. Wir vermissen Asien bereits jetzt, aber warten voller Vorfreude auf die Ankunft in unserer Herzensstadt. Es wird wohl ein paar Tage dauern, bis wir uns wieder an die Ruhe und Ordnung in Europa gewöhnt haben. Aber natürlich träumen wir schon jetzt von der nächsten Reise und gehen mit unzähligen wunderbaren Erinnerungen nach Hause zu Freunden und Familie.

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