Britisches Kolonialvermächtnis

Unsere vermeintlich letzte Zugfahrt in Sri Lanka führte uns in das kleine Dörfchen Ella im zentralen Hochland der Insel. Die Eisenbahnstrecke zwischen Nuwara Eliya und Ella ist ähnlich wie die Strecke von Kandy nach Nuwara Eliya geprägt durch grüne Hügel, weite Felder und vor allem eines: Teeplantagen. An den tollen Duft, während wir die Beine aus der Bahntür baumeln ließen, könnten wir uns auf jeden Fall gewöhnen. Ella ist mittlerweile sehr touristisch. Die Stadt an sich hat wenig Charakter. Nichtsdestotrotz ist die umliegende Natur einfach atemberaubend. Die unzähligen Restaurants und Cafés haben es uns ziemlich angetan. Die Hippie Touristen, die hier her kommen, um sich zuzudröhnen oder die Nacht zum Tag zu machen ignorierten wir elegant. In unserem gemütlichen Gasthaus The Rock Face waren wir auf einem kleinen Hügel nicht direkt an der Hauptstraße und entkamen so dem Trubel der Partymeile.

Vorbei an Teeplantagen

Rund um Ella gibt es zahlreiche Wanderwege und wir hatten uns vorgenommen einige von ihnen in Angriff zu nehmen. Am Ende waren wir ein wenig zu faul und schafften es gerade mal bis zum Little Adam’s Peak. Dieser erhielt seinen Namen, da er eine ganz ähnliche Form wie sein großer Bruder der Adam’s Peak hat. Der Aufstieg ist allerdings wenig beschwerlich. Aufgrund der Hitze schwitzten wir trotzdem ordentlich. Wir wanderten vorbei an einer kleinen Wohnsiedlung, wo gerade Müll verbrannt wurde, während die Sonnenstrahlen sich durch den Qualm kämpften. Uns stieg der Duft einer Mischung aus Rauch, Tee und Bergluft in die Nasen. Unser Blick schweifte wieder und wieder über akkurat angelegte Teeplantagen.

Etwa eine Stunde später waren wir auf dem Little Adam’s Peak angekommen und überwältigt von der Schönheit dieses Landes. Wir blickten auf den wesentlich höheren Ella Rock. Aus Bequemlichkeit haben wir es nicht mal bis dort hoch geschafft. Von dort oben kannst du den Ravana Wasserfall erkennen.

Gar nicht mal so lebensmüde

Direkt nach der Besteigung des Berges machten wir einen kurzen Mittagsstopp und liefen im Anschluss durch einen wunderschönen Wald. Die Vögel zwitscherten, die Sonne schien durch die Baumkronen und wir schlenderten entlang eines schmalen Weges. Das Ziel hieß Nine-Arches-Bridge, ein Viadukt zwischen Ella und Demodara. Gebaut wurde die Eisenbahnbrücke während der britischen Kolonialzeit. Sie ist die größte ihrer Art im ganzen Land. Die etwa 30m hohe Brücke nennt sich im Singhalesischen “Ahas namaye palama”, was so viel bedeutet wie neun Himmel Brücke. Das Bauwerk kommt komplett ohne Stahl aus und besteht ausschließlich aus Stein, Ziegelsteinen und Zement. Von einem Punkt im Wald blickten wir von einer Lichtung auf das stolze Bauwerk. Letztendlich ist es eine Brücke wie es sie in den Alpen zu Haufe gibt. Umso schöner ist die Wanderung auf den Gleisen zurück zum Bahnhof in Ella. Wir liefen durch einen Tunnel vorbei an wunderschöner Landschaft. In Deutschland wäre dies ein Unding. In Sri Lanka fahren die Züge langsam und kündigen sich durch lautes Hupen an. Somit besteht hier keine Gefahr und du kannst jederzeit neben die Gleise hüpfen.

Balsam für Körper und Seele

Was darf bei einer Reise durch Sri Lanka nicht fehlen? Richtig, ein Besuch bei einer der zahlreichen Teefabriken. Ähnlich wie die Briten wissen die Singhalesen ihre tägliche Tasse Tee sehr zu schätzen. Tee erfrischt nicht nur den Körper sondern auch die Seele. Und ganz nebenbei bringt Tee die Menschen hier zusammen. Wie das berühmte Kaffeekränzchen bei Oma, nur in diesem Falle mit Tee 😉 Wir entschieden uns für einen Abstecher zur Halpéwatte Teefabrik. Im Jahre 1940 eröffnet produzierten 15 Arbeiter bescheidene 20.000 kg pro Monat. Heute sind es 150.000 kg im Monat und 300 Angestellte. Da Montag kein Produktionstag ist, standen die Maschinen bei unserem Besuch still. Nichtsdestotrotz war die dreiviertelstündige Tour sehr interessant. Am Ende durften wir die verschiedenen Ceylon-Teesorten ausprobieren. Neu war für uns, dass jeglicher Tee aus der gleichen Pflanze hergestellt wird, egal ob schwarzer, grüner oder weißer Tee. Den Unterschied macht der Produktionsverlauf. Weißer Tee wird aus den silbernen Spitzen der Pflanze hergestellt, deshalb ist dieser der teuerste. Loser Tee besteht aus den Blättern und der Inhalt der Teebeutel aus den weniger hochwertigen Stielen der Pflanze. Anders als beim Kaffee wird Tee, nachdem er gepflückt wurde, innerhalb von einem Produktionstag zur Abholung fertig verarbeitet.

Singhalesische Zauberküche

Kommen wir zu einem unserer Lieblingsthemen: Essen. Sri Lanka hat uns vom ersten Tag an mit seinen Köstlichkeiten verwöhnt. Wir könnten ein ganzes Kochbuch mit wahnsinnig guten Rezepten füllen. Vegan zu essen ist hier ebenfalls kein Problem. Es wird fast ausschließlich mit Kokos- statt Kuhmilch gekocht. Besonders gute Restaurants in Ella sind das Umbrella Café, Different Corner und das Jade Tea House. Wir machten uns über cremige Gemüsecurrys, dünne frittierte Fladen aus Linsenmehl namens Papadam, zerschnittenes Fladenbrot mit Gemüse, Zwiebeln und Chilli namens Kottu und Lamprais her. Letztes ist in Bananenblätter gewickelter Reis mit Curry und Tomatensalat. Das Chill Café macht seinem Namen alle Ehre, denn hier entspannten wir einen ganzen Nachmittag in riesigen Sitzsäcken.

Besonders hervorheben möchten wir allerdings das singhalesische Frühstück. Es kommt verglichen mit anderen asiatischen Ländern wunderbar erfrischend daher. Die Frühstückskultur ist unglaublich ausgeprägt. Siehe oberes linkes Bild von links nach rechts: Pol Sambol – frische Kokosraspeln mit Chilli; Curry hier mit Ei und String Hoppers – Nudelnester aus Reisteigfladen. Oft werden dazu leicht scharfe Chutneys und ein Fladenbrot aus Mehl, Pflanzenfett, Salz und Kokosraspeln namens Roti gereicht. Der herbe Büffelmilch-Joghurt mit einem braunen Palmsirup hat es uns besonders angetan. Er nennt sich hier Curd. Niemals fehlt ein bunter Obstteller oder ein süßlicher Obstsalat. Wir können uns einfach nicht satt essen in diesem Land. Aber Vorsicht das Essen in Sri Lanka kann mitunter extrem scharf sein.

Tunnel direkt unterm Bahnhof

An unserem letzten Nachmittag in Ella setzten wir uns doch nochmal in eine der blauen Eisenbahnen und fuhren die kurze Strecke bis Demodara. Somit erlebten wir die Fahrt über die Nine-Arches-Bridge und sahen den Demodara Loop. Hier fährt die Bahn einen kompletten Kreis um einen Berg. Diesen sind wir am Abend hochgelaufen. Nachdem die Bahn den Berg umkreist hat, fährt sie unterirdisch in einen Tunnel. Dieser befindet sich wiederum direkt unter dem Demodara Bahnhof. Nur so war es möglich, die unterschiedliche Höhe in diesem Ort zu überwinden. Damals eine Meisterleistung der Baukunst. Das Ticket von Ella nach Demodara kostet läppische 5 Cent. Auf dem Rückweg kamen wir sogar in den Genuss der wesentlich älteren roten Bahn. Sie tuckert noch langsamer als die blaue Bahn entlang der Gleise. Am darauf folgenden Morgen verabschiedeten wir uns schweren Herzens vom Hochland Sri Lankas und erlebten eine Busfahrt, die einer Achterbahnfahrt glich. Bevor wir unsere allerletzten zehn Reisetage an der Südküste des Landes einläuteten, klammerten wir uns an den Vordersitzen fest und schwitzten was das Zeug hielt. Wer es nicht zum Formel 1 Fahrer schafft, sollte sich unbedingt als Busfahrer in Sri Lanka bewerben 🙂

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