Vom Löwenfelsen bis zum Ende der Welt

Nach Kandy wollten wir ursprünglich den heiligen Adams Peak besteigen. Aufgrund der Monsunzeit wurde uns davon allerdings abgeraten. Der Aufstieg sei aufgrund des starken Windes und des unvorhersehbaren Regens zu gefährlich. Somit entschieden wir uns spontan für einen Abstecher nach Sigiriya. Von Kandy ein guter Tagestrip.

Höhenflug auf dem Pidurangala

Mit dem ersten Bus ging es nach Dambulla, von wo aus wir mit einem weiteren Bus in das kleine Dörfchen Sigiriya fuhren. Der Ort selbst hat außer ein paar Restaurants und Hotels wenig zu bieten. Grund für unseren Besuch war der gleichnamige Monolith. Auf diesem Felsen, der über das umliegende grüne Land ragt, befinden sich die Ruinen einer historischen Felsenfestung. Der Name leitet sich von Singha Giri ab, was Löwenfelsen bedeutet. Den Eintrittspreis von 25€ pro Person finden wir persönlich total unverschämt. Deshalb haben wir vorher ein wenig recherchiert und uns für die Besteigung des ganz in der Nähe liegenden Pidurangala Felsen entschieden. Die Spende von 2,50€ ist ein Witz im Gegensatz zum Sigiriya. Der Aufstieg über Steintreppen ist recht einfach. Der letzte Abschnitt hat es in sich. Hier muss über größere Felssteine geklettert werden. Von oben ist der Blick atemberaubend. Ein weiterer Pluspunkt neben dem kleinen Eintrittspreis ist die Sicht auf den benachbarten Löwenfelsen.

Auf dem Pidurangala weht ein heftiger Wind. Aufgrund der Nebensaison waren wir die meiste Zeit alleine. Gepackt vom Adrenalinstoß stellten wir uns gegen den starken Wind, hüpften fröhlich auf und ab und waren schlichtweg umgehauen von der Atmosphäre. Zurück nach Kandy ging es unter anderem in einem vollgestopften Minibus, aber an die mangelnde Intimsphäre in öffentlichen asiatischen Bussen haben wir uns mittlerweile gewöhnt.

Die Beine baumeln lassen

Unsere wunderschöne Unterkunft Pearl House verließen wir nach einem letzten leckeren Frühstück und machten uns auf zum Bahnhof, um bis nach Nanu Oya zu fahren. Am Bahnsteig machten wir vor Abfahrt mit einigen Kindern einer Schulklasse Bekanntschaft. Die Kleinen waren sehr neugierig, wollten unbedingt fotografiert werden und winkten uns immer wieder an das Zugfenster. Als der Zug sich in Bewegung setzte, konnten wir die unzähligen winkenden Hände noch bis in die Ferne sehen, während unsere Kiefer vom vielen Lächeln schon wehtaten.

Die Zugfahrt führte uns dieses Mal durch endlose Teeplantagen und dauerte trotz der relativ kurzen Strecke knapp vier Stunden. Die Eisenbahn musste sich ihren Weg auf 1.800m kämpfen. Während die Temperaturen von ziemlich heiß auf ziemlich kalt fielen, zog tolle Landschaft an uns vorüber. Die Teefelder sind akkurat angelegt und teilweise erinnern die kleinen kegelförmigen Hügel an das Auenland im Film Der Herr der Ringe. Wir winkten Kindern an den Schranken zu und beobachteten die Teepflücker bei ihrer Arbeit, während in den Bergen graue Wolken hingen.

Da die Bahn so voll war, mussten wir die ersten Kilometer stehen. Nach einigen Minuten hatten wir Glück. Ein Ehepaar stieg aus und wir konnten somit an der Tür Platz nehmen. Anfänglich hatten wir ein wenig Angst, dass unsere Beine in Mitleidenschaft gezogen würden. Schnell fanden wir Gefallen an unserem luftigen Ausguck. Wenn ein Tunnel kam, zogen wir die Beine schnell ein – nur um sicher zu gehen 😉 Während wir die Hälse aus dem Wagen hielten, saugten wir den Duft der frischen Teeblätter auf.

It’s tea o’clock

Etwa vier Stunden später erreichten wir Nanu Oya, wo es ordentlich regnete und dazu recht kalt war. Gemeinsam mit unseren neuen Bekanntschaften Matt aus England und Robin aus den USA nahmen wir uns ein Taxi in den nahegelegenen Ort Nuwara Eliya. Dort checkten wir in unserem extrem eisigen Hostel ein. Im Anschluss machten wir uns direkt auf ins Grand Hotel, wo wir gemeinsam mit Matt und Robin am High Tea teilnahmen. Da Sri Lanka einstmals eine britische Kolonie war, gibt es hier noch heute einige englische Bräuche, so auch der nachmittägliche Tee. Dieser wird im edlen Grand Hotel gemeinsam mit einer Etagere voller herzhafter und süßer Häppchen serviert. Zwischen 14 und 18 Uhr durften wir so viele verschiedene Teesorten probieren, wie in unsere Bäuche passten. Draußen fing es an zu regnen, woraufhin Matt grinsen über den englischen Rasen blickte: „Feels just like home.“

High Tea im Grand Hotel in Nuwara Eliya

Kannst du das Ende erkennen?

Der eigentliche Grund unseres Stopps in Nuwara Eliya war allerdings der Horton Plains Nationalpark. Am Morgen hievten wir uns um 5 Uhr aus dem Bett in das immer noch eisige Zimmer und fuhren bereits 5.30 Uhr gemeinsam mit zwei Holländerinnen aus unserem Hostel gen Park. Das hügelige Plateau liegt auf einer Höhe zwischen 2.100 und 2.300m und weist eine reiche Artenvielfalt auf. Bereits kurz vor Ankunft konnten wir aus dem Fenster Hirsche mit riesigen Geweihen erkennen. Während unserer Wanderung über relativ flaches Land liefen wir durch wechselnde Vegetationen. Grasland und Bergregenwald wechselten sich ab. Ähnlich sah es auch mit dem Wetter aus. Nieselregen und Sonne wechselten sich im Sekundentakt ab. Wolken versperrten uns die Sicht und wenige Minuten später mussten wir die Jacken ausziehen, da wir schwitzten.

Der 9km Rundkurs führt vorbei an den Bakers Wasserfällen bis zum sogenannten World’s End. Hier warteten bereits einige andere Touristen auf uns und wir waren ein wenig enttäuscht, da die dicken Wolken uns absolut keinen Blick ins Tal gewährten. Das Ende der Welt ist ein Steilabhang von über 870m, der bei klarer Sicht einen Ausblick bis zum Meer im Süden ermöglicht. Nicht weit davon liegt eine zweite Klippe mit einem Abhang von 270m. Bei diesem Small World’s End hatten wir dann doch noch Glück.

Bei Ankunft waberten auch hier graue Wolken unter uns. Wenige Minuten später hatte der Wind diese komplett weggeweht. Für etwa 10 Minuten blickten wir über Berge und ein tiefes Tal. Nach kurzer Zeit fegte erneut ein tosender Wind über die Gipfel und das Spektakel war genauso schnell vorbei wie es begonnen hatte.

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