21 Millionen lächelnde Gesichter in Sri Lanka

Unser letzter Reisemonat war bereits angebrochen. Um noch ein paar Strände zum Entspannen abzuklappern, entschieden wir uns bereits vor unserer Reise dafür, Sri Lanka am Ende zu bereisen. Erstmal mussten wir mal wieder einen sehr langen Reisetag hinter uns bringen. Von Paro in Bhutan nach Kathmandu in Nepal und für einen Zwischenstopp nach Neu Delhi in Indien. Da unser Flug nach Indien Verspätung hatte, verpassten wir unseren Anschlussflug nach Sri Lanka und somit wurden aus einem gleich zwei Reisetage. Wir verbrachten eine relativ kurze Nacht im Flughafenhotel in Delhi und lernten Sylvia aus Spanien und Peck Ghee aus Malaysia kennen. Mit guter Gesellschaft war die Verzögerung dann gar nicht mehr so schlimm. Am nächsten Vormittag kamen wir endlich am Ziel an. In unserer Unterkunft City Lake Residence in Colombo. Das kleine Hotel können wir sehr empfehlen, vor allem wegen des unglaublich guten singhalesischen Frühstücks. Mehr zum Essen in Sri Lanka später.

Ein Pokémon für Buddha

Obwohl Colombo nicht die Hauptstadt des Landes ist, ist sie doch das politische Zentrum und inoffiziell wird sie als die Landeshauptstadt gehandelt. Wie der Name bereits sagt, lag unsere schöne Unterkunft nahe eines kleines Sees. Wir kamen uns aufgrund der Ruhe und Entspanntheit gar nicht vor wie in einer Großstadt. Direkt am Beira See haben wir uns im Café Life Food satt gegessen. Hier gibt es tolle Salate und andere gesunde eher westliche Gerichte. Genau das richtige nach der langen Anreise. Am See haben wir uns spaßeshalber ein Schwanentretboot ausgeliehen und sind ein Weilchen auf dem winzigen Abschnitt, der befahren werden darf, herumgetrieben. Inmitten des Gewässers befindet sich der Seema Malaka Tempel. Klein und unspektakulär, allerdings perfekt um schöne Fotos zu machen.

Der Gangaramaya Tempel ist einer der wohl seltsamsten Tempel, die wir bisher gesehen haben. Die Ansammlung an Gebäuden wirkt gar nicht wie ein Tempel, sondern eher wie ein Gelände überflutet durch ein Sammelsurium an Kuriositäten. Diese seltsamen Gegenstände sind Opfergaben von hunderten Mönchen und Religiösen. Wir liefen inmitten von tausenden kleinen Buddhafiguren, Bildern, Vasen, ausgestopften riesigen Elefanten und anderem Krimskrams. Viele Gegenstände bestehen aus Jade oder Elfenbein. Es gibt sogar einen kleinen Oldtimer-Fuhrpark. Ob Buddha wohl Auto fahren konnte? Selbst Sofas werden hier als Opfergabe angeliefert. In einer der unzähligen Vitrinen fanden wir sogar ein paar Überraschungseierfiguren und ein Pokémon.

Abends wollten wir im Old Dutch Hospital, einem der ältesten Gebäude der Stadt, essen gehen. Leider haben uns die Preise schnell vergrault. Schön anzusehen ist das Gelände mit seinem Innenhof auf alle Fälle. Wir stießen zufällig noch auf eine Gruppe Artisten, die einen typisch singhalesischen Tanz aufführte – was für eine Akrobatik!

Tänzer in den Straßen Colombos

Ehrenwerter Ausblick

Nach nur einer Nacht hatten wir das Gefühl genug Zeit in Colombo verbracht zu haben. Wirklich viel hat die Stadt nicht zu bieten. Wir wollten endlich unsere Rucksäcke satteln und eine der angeblich schönsten Eisenbahnstrecken der Welt in Angriff nehmen. Also ging es am nächsten Vormittag zum Colombo Fort, dem Hauptbahnhof der Stadt. Nachdem wir unsere sehr günstigen Zweite-Klasse Tickets in den Händen hielten, hieß es nur noch warten. Nach einer halben Stunde kam unser Zug Richtung Kandy langsam und quietschend eingefahren. Im Zug gibt es drei Klassen, wobei die Erste zwar die bequemste ist, jedoch kannst du hier die Fenster nicht öffnen. Letztendlich unterscheiden sich die Zweite und Dritte Klasse kaum. Es empfiehlt sich ein paar Cent mehr zu investieren, da die Dritte Klasse unfassbar voll ist. Letztendlich war diese erste Fahrt die einzige, bei der wir Sitzplätze ergattern konnten. Auf den weiteren Streckenabschnitten hatten wir weniger Glück. Das machte uns nichts aus, denn wir setzten uns jedes Mal direkt an die Türen und ließen die Beine aus dem Wagen baumeln. Kurz nachdem wir es uns gemütlich gemacht hatten, ertönte ein Signal. Langsam setzten wir uns in Bewegung. Schnell hatten wir Colombo verlassen und das Bild in unserem Zugfenster änderte sich abrupt. Nun zogen grüne Reisfelder und Palmen an uns vorbei. Während der 3,5 Stunden langen Fahrt hält der Zug in verschiedenen kleinen Ortschaften. Kurz vorm Bremsen riecht es nach verbranntem Gummi und wir wissen, gleich stehen wir wieder. Vorbei an wunderschönen bewaldeten Bergen. Die Sonne schien. Wir waren glücklich und freuten uns bereits auf die Zugfahrten, die noch vor uns lagen. Und dann kurz vor Kandy erblickten wir unsere ersten Teeplantagen, auf denen Sri Lankas bekanntestes Exportprodukt angebaut wird. Der ehemalige Name des Landes war einst Ceylon. Danach ist auch der berühmte Schwarztee benannt. Der heutige Landesname bedeutet übrigens „ehrenwerte Insel“.

Eis aus der Pfanne

In Kandy begrüßten uns unsere liebenswerten Gastgeber Mutu und seine Frau im Pearl House. Nach dem Mittagessen erkundeten wir die Straßen der Stadt. Hier wirkt alles ein wenig chaotischer als in Colombo. Bei dem Verkehr mussten wir fünf Mal nach rechts und links schauen, bevor wir die Kreuzung überquerten. Was auffällt ist das Zusammenleben der verschiedenen Religionen. In ein und derselben Straße entdecken wir eine Kirche, eine Moschee und einen Tempel. Sri Lanka ist eine multireligiöse Nation, in der neben dem Buddhismus als Hauptreligion auch der Hinduismus, das Christentum und der Islam vertreten sind. Was uns bereits nach wenigen Stunden in Colombo aufgefallen war: alle lächeln uns an. Wir kommen mit unzähligen Passanten, Verkäufern und Tuk Tuk Fahrern ins Gespräch. Singhalesen sind unglaublich offen, neugierig und schlichtweg extrem freundlich. Sri Lanka zählt rund 21 Millionen Einwohner. Wir haben bisher niemanden getroffen, der bzw. die unfreundlich uns gegenüber war. Sorry Philippinen, wir müssen euch den ersten Platz des herzlichsten Volkes weltweit leider aberkennen und an Sri Lanka überreichen.

Um Kandy von oben zu bewundern, wanderten wir auf einen der Hügel. Auf diesem befindet sich der Bahirawakanada Tempel mit großem weißen Buddha. Auf dem Weg begegneten wir ein paar spielenden Äffchen sowie einigen Jungs, die gerade Avocados pflückten. Von oben schauten wir über die Stadt, die plötzlich so friedlich wirkte.

Der Markt in Kandy ist ebenfalls einen Abstecher wert. Wer Lust auf unglaublich leckeres Eis hat, muss sich unbedingt zum Eisladen Cool Corner begeben. Du willst Banane-Kaffee-Kokosnuss Geschmack? Die frischen Zutaten werden im Mixer gemischt und dann auf eine -30 Grad kalte Pfanne gegossen. Nach ein paar Minuten verfestigt sich die dickflüssige Masse und – tadaaa – fertig ist dein extrem aromatisches Eis 🙂

Ein anbetungswürdiger Zahn

Auch über Sri Lanka wussten wir bereits einiges. Wobei sich unser Wissen auf ein paar wenige Fakten beschränkte. Vor allem die Geschichte der einzelnen Länder interessiert uns sehr. Somit recherchierten wir ein wenig. Die Vergangenheit des Landes ist zerrüttet. Über zwei Jahrtausende beherrschten verschiedene lokale Königreiche das Land, bis im 16. Jahrhundert zuerst die Portugiesen und danach die Niederländer regierten. 1815 wurde das damalige Ceylon Teil des Britischen Weltreichs. Nach friedlichen Verhandlungen wurde das Land 1948 endlich unabhängig. Seitdem besteht ein stabiles, demokratisches System. Leider befand sich Sri Lanka bis 2009 in einem blutigen Bürgerkrieg, der zwischen den zwei größten Bevölkerungsgruppen ausgetragen wurde – den Tamilen im Norden und den Singhalesen im Rest des Landes. Heute darfst du als Tourist alle Regionen bereisen, bis 2009 war das nicht der Fall. Kandy ist bereits seit Jahren eines der Hauptziele aller Sri Lanka Reisenden. Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ist der Zahntempel, der von außen eher an ein großes Wohnhaus erinnert. Im Inneren befindet sich angeblich ein Zahn des Buddhas, der den Ort zu einem der heiligsten des Landes macht. Zahlreiche Gläubige bringen Blumen, die sie als Opfergaben direkt neben die Stupa legen. Ebenfalls auf dem Gelände des Zahntempels befindet sich das Buddhismus Museum. Hier erfuhren wir viel über die Entstehung der Religion, die verschiedenen heiligen Stätten und die Ausbreitung des Buddhismus innerhalb der asiatischen Länder. Letztendlich lohnt sich der Eintritt zum Zahntempel von 8€ nur in Kombination mit einem Besuch in diesem sehr interessanten Museum. Bevor wir das Gelände verließen und um den Bogambara See liefen, stolperten wir in eine Zeremonie. Tänzer flogen durch die Luft, fahnenschwingende Männer marschierten anmutig durch die Straße und kostümierte Elefanten wurden durch die Massen geleitet. Das Perahera Fest ist eines der großartigsten seiner Art und wird im August vor allem in Kandy prunkvoll zelebriert. Die farbenprächtigen Festprozessionen ziehen sich über 15 Tage. Leider werden auch hier unzählige Elefanten kostümiert und gezwungen an hunderten dieser Prozessionen teilzunehmen. Sicher ein sehr schöner und magischer Anblick. Wenn du mal drüber nachdenkst und die Elefantenhaken siehst, wirst du schnell realisieren, dass die Tiere auf diesen Trubel gerne verzichten würden. Wir waren froh, dass es sich in diesem Fall nur um eine kleine Zeremonie mit drei Elefanten handelte. Am Abend trafen wir uns mit Hannah, die wir in Nepal beim Yoga Retreat kennengelernt hatten, und ihrem Freund Jake im Ceylon Tea House.

Viel Essen und noch viel mehr Herzlichkeit

Am letzten Abend in Kandy hatten wir etwas ganz Besonderes vor. Wir waren zum Abendessen bei einer waschechten singhalesischen Familie eingeladen. Durch meinen Kumpel Dave, der in den 80er Jahren in Sri Lanka als Austauschschüler war, wurde der Kontakt hergestellt. Wir nahmen uns ein Tuk Tuk und fuhren nach Watapuluwa, einem Vorort von Kandy. Nach kurzer Suche und einem hilfsbereiten Nachbarn fanden wir das richtige Haus und klingelten. Wir wurden von allen Mitgliedern der Familie sofort herzlich aufgenommen. Es fühlte sich an, als würden wir uns seit Jahren kennen. Wir setzten uns gemeinsam mit Mama Nelu, Papa Nath, deren beiden Kindern Savesh und Nethara und den Großeltern an den großen Wohnzimmertisch und unterhielten uns über das singhalesische Leben. Sie alle waren neugierig, mehr über unsere sechsmonatige Reise zu erfahren. Eine Tour durch das Haus durfte auch nicht fehlen. Dabei staunten wir nicht schlecht über die hohen Decken und die riesigen Zimmer. Die Familie hat sogar einen Gärtner und es gibt einen Schrein, der sowohl das Christentum als auch den Buddhismus vereint. Hier leben zwei Religionen unter einem Dach. Relativ spät gab es Abendessen, welches einem Festmahl glich. Wir schaufelten uns so viel wie möglich auf unsere Teller, denn unser Magen knurrte. Es gab Dal, String Hoppers – Nudelnest aus Reismehl, Pol Roti – Fladenbrot mit Kokos, Pol Sambol – geraspelte Kokosnuss mit Chili und Kartoffelcurry. Nach drei vollen Tellern platzten wir fast aus allen Nähten und machten große Augen, als der Nachtisch serviert wurde. Es gab ein typisch singhalesisches Dessert: Milchquark vom Büffel mit Palmhonig. Ein absolutes Träumchen. Nach mehreren Umarmungen verabschiedeten wir uns und Papa Nath fuhr uns noch bis vor die Haustür unseres Hotels. Wir waren total von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Familie angetan. Hoffentlich haben wir eines Tages die Ehre, sie in unseren vier Wänden begrüßen und bekochen zu dürfen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s