Tempel bis zum Erbrechen

Ich hatte bereits seit meiner Jugend den Traum einmal nach Bagan in Myanmar zu reisen. Damals stieß ich auf Fotos, die ganz typisch sind für diesen magischen Ort. Unzählige Tempel teilweise noch im Morgendunst, schwebende Ballons im orange-farbenen Himmel und die aufgehende Sonne im Hintergrund. Im Mai 2018 war es endlich soweit. Leider kam alles ein bisschen anders als gedacht…

Ballons über den unzähligen Tempeln Bagans
Quelle: flickr; Credits: Luke Behal

Wie 4 Uhr morgens alles begann

In Bagan gibt es noch heute um die 2.000 Tempel. Vor Jahrhunderten waren es sogar mal doppelt so viele. Diese aus Ziegelsteinen gebauten Sakralgebäude erstrecken sich über eine Fläche von 36 km2. Rund um die Tempelanlage befinden sich drei Örtchen – Nyaung U, wo wir mit dem Bus ankamen, Old Bagan, welches sich inmitten der Tempel befindet und New Bagan, wo wir im Crowne Prince Hotel übernachteten. Der erste Schock war der Eintrittspreis von $20 pro Person, den wir so nicht erwartet hatten. Aber letztendlich lohnt sich diese Investition. Das Geld wird für die Sanierung der Tempel genutzt, da im August 2016 ein Erdbeben einige der Gebäude beschädigt oder sogar zerstört hat. Um die verschiedenen Tempel zu besuchen, solltest du dir entweder ein Fahrrad oder einen Elektroroller ausleihen. Mopeds oder Motorräder sind nicht mehr erlaubt. Die Fahrrad-Variante ist bei über 30 Grad ziemlich mühselig und mit einem E-Roller bekommst du in kürzerer Zeit wesentlich mehr zu sehen. Zusätzlich hast du den angenehmen Fahrtwind.

Da wir recht spät am Nachmittag in New Bagan ankamen und es am Abend anfing zu regnen, vertagten wir den Besuch der Tempel auf die darauf folgenden Tage. Gleich am nächsten Morgen standen wir um 4 Uhr auf, schwangen uns eine halbe Stunde später auf den E-Roller und waren gespannt auf unseren ersten Sonnenaufgang. In der Dunkelheit fuhren wir vorbei an den ersten Silhouetten der Tempelspitzen, schlafenden Siedlungen und dann mithilfe von Google Maps auf eine Sandpiste. Hier wartete laut der Hotelrezeption ein Hügel auf uns, von welchem wir einen ungestörten Panoramablick gen Osten haben sollten. Ursprünglicher Plan war das Spektakel von einer der vielen Plattformen auf den Tempeln zu beobachten. Leider waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs alle Plattformen geschlossen. Das war ärgerlich, vor allem weil wir so viel Eintritt gezahlt hatten ohne darüber informiert zu werden. Dann kam auch schon das nächste Malheur. Da es am Vorabend heftig geregnet hatte, war die Sandpiste in eine riesige Matschpfütze verwandelt. Wir blieben in der Dunkelheit mit dem Roller stecken. Nach ein bisschen Hektik, ein bisschen Gefluche und vier sehr dreckigen Flip Flops bemerkten wir, dass wir auf dem falschen Hügel waren. Wir schauten gen Westen. Nach ein paar Minuten kamen wir am eigentlichen Hügel an. Leider prangte über uns eine dicke graue Wolkendecke und wir erhofften uns nicht allzu viel vom Sonnenaufgang. Letztendlich zeigte sich die Sonne in einem glutroten Gewand. Die Tempel kamen von der geringen Höhe einfach nicht so zum Ausdruck. Zurück im Hotel gönnten wir uns ein wohlverdientes Frühstück und fuhren danach los, um unsere Tempeltour zu starten. Los ging es mit dem Buledi Tempel. Überraschenderweise war dieser geschlossen. Eindruck schindet er aber auch von außen.

Keine leichte Wahl

Sich für die richtigen Tempel zu entscheiden, ist mehr oder weniger unmöglich. Da es so viele sind, kannst du niemals alle zu Gesicht bekommen. Außer du hast vor mehrere Monate zu bleiben. Die meisten Reisenden verweilen zwei bis drei Tage in Bagan. Das ist vollkommen ausreichend, um die größten und bekanntesten Exemplare zu sehen. Wir hatten vorher ein wenig recherchiert und uns eine kleine Route für die kommenden Tage zusammengestellt. Als nächstes folgte der Htilominio Tempel, der sich aufgrund seiner helleren Farbe von den anderen Tempeln unterscheidet. Hier hatten wir von der begehbaren Plattform eine gute Sicht Richtung Osten und planten, den nächsten Sonnenaufgang hier zu genießen. Leider hatte das Schicksal für uns jedoch etwas anderes vorgesehen.

Ebenfalls sehr sehenswert und sogar im Innenbereich begehbar sind die Tempel Min O Chanta, Ananda, That Bin Nyu und Shwegu Gyi. In allen befinden sich mal größere mal kleiner Buddhastatuen. Jeder einzelne ist auf seine Weise besonders. Kein Tempel gleicht dem anderen. Vor allem außen sind sie häufig ganz verschieden. Die blühenden Bäume und die Sonne machten den Anblick der Tempel noch schöner.

Irgendwie zum Kotzen

Der nächste Tempel auf unserer Route war der Mahabodhi Tempel, welcher durch seine Detailarbeit an den Außenwänden besonders toll anzusehen ist. Vor dem Gebäude sprach uns eine Burmesin an. Schnell kamen wir ins Gespräch und sie bot uns an, unsere Gesichter mit Thanaka zu bemalen. Hier erfährst du mehr über diese natürliche Farbe. Nachdem alles getrocknet ist, erinnert das Gefühl an Theaterfarbe. Mit sehr großem Hunger machten wir uns danach auf zum The Moon, ein rein vegetarisches Restaurant. Das Essen war super und wir ahnten noch nichts von dem, was in wenigen Stunden auf uns wartete. Da es in der Mittagssonne kaum auszuhalten ist und wir am Morgen so zeitig aufgestanden sind, fuhren wir für einen Mittagsschlaf zurück ins Hotel. Zu dem Nickerchen kam es letztendlich nie. Zuerst setzten bei Alex und wenig später bei mir schreckliche Bauchkrämpfe ein. Den Rest des Tages verbrachten wir abwechselnd über der Kloschüssel und im Bett. Auch am nächsten Tag schafften wir es nicht aus unseren Betten und ernährten uns tagsüber von Haferkeksen und Wasser. Am Abend gingen wir für einen kurzen Spaziergang raus und trauten uns an eine Gemüsesuppe. So richtig glücklich waren unsere Bäuche noch nicht, aber immerhin blieb das Zeug drin.

Fortsetzung der Tempeltour

Aufgrund dieser miesen Lebensmittelinfektion hatten wir zwei Sonnenuntergänge und einen Sonnenaufgang verpasst. Wir entschieden uns, noch einen Tag länger zu bleiben, aber schafften es nicht mehr vor 7 Uhr aus unseren Betten. Unsere Körper waren geschwächt und die Hitze machte uns ordentlich zu schaffen. Nichtsdestotrotz hievten wir uns wieder hoch und führten unsere Tempeltour nach längerer Pause fort. Wir starteten mit der gold leuchtenden Shwezigon Pagode, die wir bereits aus der Ferne erblickten. Hier wurden wir ähnlich wie in Yogya als Stars gehandelt. Die schüchternen Burmesen inklusive der Mönche fragten uns nach gemeinsamen Fotos. So konnten wir auch ein paar Bilder der Frauen und Kinder mit der Thanaka Bemalung machen.

Der Bu Paya und vor allem der Shwesandaw Paya Tempel sind von innen besonders sehenswert. Hier siehst du noch einige originale Wandmalereien. In den meisten Tempeln sind die Farben und filigranen Zeichnungen bereits vollkommen abgebröckelt oder ausgeblichen.

Unser Lieblingstempel ist der Dhammayangyi Pahto. Dieser wirkt von außen total mächtig und von innen erinnert er an eine alte Festung. Dort wandelten wir durch die dunklen Gänge, die durch Rundfenster immer wieder partiell mit Sonnenlicht geflutet werden.

Dann endlich fanden wir einen Tempel, in den wir nicht nur in den Hauptraum durften, sondern auch auf das Dach. In allen anderen Gebäuden wurden die Treppen durch verriegelte Metallgitter versperrt. In diesem stand die Gittertür offen. Vom Myauk Guni Paya Tempel konnten wir unseren Blick über den benachbarten Dhammayangyi Pahto und zahlreiche weitere Tempel schweifen lassen. Bis weit in den Horizont erkannten wir die kleinen Spitzen der wunderschönen Gebetsstätten. Mittags ging es in New Bagan ins Delicious, wo wir auch am Abend wieder hinfuhren. Nach unserer Erfahrung war es schwierig den Küchen zu trauen. Da uns das Mittagessen bekommen war, hatten wir weniger Furcht vor dem Abendessen.

Achtung Polizei

Um wenigstens noch einen Sonnenuntergang zu erleben, fuhren wir am letzten Abend zurück zum Panoramahügel, mit dem wir bereits am ersten Morgen Bekanntschaft gemacht hatten. Hier waren uns allerdings viele Chinesen zwei Stunden vor Sonnenuntergang zuvor gekommen. Da die unzähligen Menschen mit ihren unzähligen Stativen die Idylle ruinierten, schnappten wir unseren Roller und fuhren zurück zum Myauk Guni Paya Tempel.

Letztendlich wurden wir gemeinsam mit ein paar weiteren Touristen vom Tempel verscheucht. Die einheimischen Jungs, die anscheinend nichts Besseres zu tun hatten, drohten damit, die Polizei zu rufen. Das jedoch war ihre Verkaufsmasche. Sie wollen die Touristen zu anderen Tempeln führen und verlangen dann Geld für ihre Hilfe. Da uns die Jungs auf die Nerven gingen, beschlossen wir letztendlich abzusteigen. Auf einem nicht weit entfernten Tempel hatten wir ebenfalls Menschen gesehen. Wir rasten also los, krabbelten durch ein aufgebrochenes Gitter und kletterten auf den namenlosen Tempel. Von diesem hatten wir tatsächlich noch das Glück einen wunderschönen Sonnenuntergang zu sehen.

Nachts sind die größten Tempel und der Goldene Palast im Herzen Old Bagans wunderschön beleuchtet. Keines unserer Bilder kommt an die typischen Bagan-Bilder heran. Trotz verdorbener Mägen, nicht gerade optimalem Wetter und der geschlossenen Plattformen können wir aber sagen, dass ein Besuch dieses Ortes etwas ganz Besonderes ist. Diese heilige Stätte ist einzigartig und wird dich zum Staunen bringen.

Wir zeigten Mandalay die kalte Schulter…

…und Mandalay gab uns vor allem eines: Hitze, Hitze und noch mehr Hitze! Nachdem wir immer noch leicht angeschlagen aus Bagan in Mandalay ankamen, waren wir froh mal wieder eine anstrengende Busfahrt gemeistert zu haben. Unser Hotel 8 direkt im Herzen der Stadt war gemütlich und gab uns somit die lang ersehnte Ruhe. Innerhalb der zwei Tage in Mandalay verließen wir das Gebäude nur, um essen zu gehen. Das wiederum taten wir in unmittelbarer Nähe. Am Abend fuhren wir mit einem Tuk Tuk zur U Bein Brücke. Die konnten wir uns dann doch nicht entgehen lassen. Diese aus Teakholz gebaute Brücke, ist die längste und älteste ihrer Art. Sie ist an so mancher Stelle ganz schön wackelig. Wir schlenderten vorbei an vielen Mönchen, Nonnen, Burmesen und ein paar wenigen Reisenden und genossen den wunderschönen Sonnenuntergang. Myanmar verließen wir letztendlich doch mit einem guten Gefühl. Du hast die extrem touristischen Länder Südostasiens satt? Fahr nach Myanmar! Hier wartet ein Land voller Traditionen mit unglaublich freundlichen Menschen auf dich.

2 Kommentare Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s