Die einbeinigen Fischer des Inle Sees

Mal wieder hat sich der Busfahrer nicht an den Zeitplan gehalten und wir kamen statt 5.30 Uhr bereits 4.30 Uhr in Nyaung Shwe beim Inle See an. Während in anderen asiatischen Ländern Busse generell immer Verspätung haben, kommen wir in Myanmar mindestens eine Stunde früher am Ziel an. Als wir schlaftrunken aus dem Nachtbus stiegen, liefen wir zwischen den schlafenden Straßenhunden Slalom zu unserem Hotel Royal Nyaung Shwe. Vorbei an beleuchteten Tempeln und den ersten Einheimischen, die schon auf den Beinen waren, kamen wir endlich an und durften nach einer Stunde warten schon um 6 Uhr einchecken. Natürlich hieß es erstmal ein paar Stunden schlafen, wir hatten es dringend nötig. Das Royal Nyaung Shwe können wir wärmstens empfehlen, wenn du für kleines Geld mal wieder ein wenig mehr Luxus haben möchtest. Übrigens muss pro Person eine Touristenabgabe von US$10 gezahlt werden, wenn du am Inle See Urlaub machen möchtest.

Burmesische Köstlichkeiten

Nyaung Shwes Straßen sind gesäumt von orange blühenden Bäumen, zudem wachsen Mangos an jeder Ecke. Mit nur etwa 1.300 Einwohnern ist das kleine Städtchen relativ ruhig. Zugleich gibt es zahlreiche Restaurants und Hotels. Zwei Mal waren wir auf dem kleinen Nachtmarkt, wo wir uns an typisch burmesischem Essen satt aßen. Shan Noodles – ein würziges Nudelgericht, was einer Suppe gleicht und Lahpet Thoke – Salat aus grünen Teeblättern, Kohl, Koriander, Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Chili, verschiedenen Nüssen, Sesam und Limettensaft waren unsere Favoriten. Einfach himmlisch. In den Garküchen und anderen kleinen Straßenrestaurants gibt es in ganz Myanmar frisch gebrühten Tee immer inklusive.

Knochenarbeit tagein tagaus

Unsere nächsten zwei Tage am Inle See wollten wir natürlich ordentlich nutzen. Gut dass wir endlich ausgeschlafen waren. Am ersten Tag liehen wir uns Fahrräder und fuhren zum kleinen Dörfchen Kaung Daing, welches direkt am See liegt. Die Fahrt ist auf den Drahteseln ganz schön unbequem. Es gibt schon fast mehr Schlaglöcher als Straße. Zum Glück war der Weg größtenteils schattig, denn das Thermometer zeigte über 35 Grad an. In Kaung Daing angekommen, steuerten wir den Tofu Palace an. Dort kannst du für eine Spende mit dem freundlichen Yam, der sehr gut Englisch spricht, durch das Dorf wandern und zuschauen, wie die Einheimischen Tofu, Reiscracker, Schnaps und andere Lebensmittel herstellen. Teilweise sehen die genutzten Gerätschaften aus als kämen sie aus der Steinzeit. Am Ende bekamen wir frittiertes Tofu mit einer würzig scharfen Soße – unglaublich lecker!

In Kaung Daing konnten wir definitiv einen Einblick in das authentische Leben Myanmars erhalten. So es wohl vor vielen Jahren auch in anderen Teilen des Landes ausgesehen haben. Die Menschen sind wirklich freundlich. Erwachsene lächelten uns an und Kinder winkten uns aufgeregt zu. Hier ticken die Uhren langsamer. Das tägliche Leben wirkt entschleunigt, aber auch hart.

Angeschwippst durch die Sonne

Nach einer kurzen Bootsfahrt über den See zur anderen Uferseite ging es auf unseren Drahteseln weiter. Die Anlegerbrücke, wo uns das kleine Fischerbötchen absetzte, wirkte schier endlos und wackelig. Auf dieser Seite des Sees fuhren wir den Rest des Tages durch die Sonne. Von Schatten keine Spur. Im Red Mountain Winery Estate gönnten wir uns eine kleine Weinverkostung. Die alten Räder sind für das hügelige Gelände nicht geeignet, da heißt es schieben. Wer hätte gedacht, dass in Myanmar Wein angebaut wird? Naja, wir müssen zugeben, besonders gut waren die beiden Weiß- und Rotweine nicht, aber es war eine Erfahrung wert. Den Blick über die Weinberge und den See solltest du dir dennoch nicht entgehen lassen.

Nein, wir kaufen nichts

Am zweiten Tag machten wir eine ganztägige Bootstour über den Inle See. Direkt am Kanal in Nyaung Shwe kannst du die Bootsfahrer direkt ansprechen und mit ihnen verhandeln. Es wird ausgemacht, was du sehen möchtest und was eben nicht, dann wird der Preis ausgemacht und schon kann es losgehen. Nach etwa 1,5 Stunden auf dem Kutter wollte uns unser Fahrer dann entgegen der Abmachung bei einer Schneiderei absetzen. Viele der kleinen Läden in dem See sind reine Touristenfallen. Die Verkäufer zeigen kurz, wie etwas hergestellt wird und dann soll möglichst viel gekauft werden. Darauf hatten wir keine Lust, schüttelten die Köpfe und so ging die Fahrt zum Indein Village weiter. Hier setzte der Fahrer uns ab und wir erkundeten das Ufer zu Fuß. Die Einwohner gehen hier ihren täglichen Erledigungen nach.

In Indein gibt es entlang des Hügels unzählige Stupas. Das soll vor allem von ganz oben ein toller Anblick sein. Um diese zu bestaunen, musst du das Dorf ein wenig hinter dir lassen. Leider fing es an zu regnen und die anfängliche Husche hielt sich tapfer. Wir setzten uns gemeinsam mit den streunenden Hunden unter ein Dach und warteten, bis die Wolken sich endlich verzogen hatten. Die Stupas gibt es hier in gold, rot, weiß und grau. Bei einigen Exemplaren holt sich die Natur bereits zurück, was ihr gehört. Bis ganz hoch auf den Hügel sind wir nicht, da es zu matschig war.

Springende Katzen und schwimmende Tomaten

Nach dem Mittagessen im Indein Village fuhren wir mit unserem Bötchen zur Phaung Daw Oo Pagode, die uns persönlich von außen wenig begeisterte. Allerdings ist der Raum von innen aufgrund seiner enormen Größe schon beeindruckend. Danach ging es zum Nga Phe Kyaung, auch Kloster der springenden Katzen genannt. Früher haben die hier lebenden Mönche Katzen das Springen durch Reifen beigebracht. Du kannst dir vorstellen, dass das zu einer regelrechten Touri-Attraktion wurde. Heute wird dieses Ritual glücklicherweise nicht mehr praktiziert. Stattdessen findest du ein ruhiges Kloster fast ausschließlich aus Holz gebaut. Auf ein paar wenige Katzen sind wir getroffen. Vom Springen keine Spur, sie haben alle seelenruhig geschlafen.

Ebenfalls schön anzusehen sind die schwimmenden Gärten im Inle See. Allen Gemüsesorten voran werden hier vor allem grüne und rote Tomaten direkt im Wasser angepflanzt. Geerntet wird vom Boot aus, was wir ebenfalls beobachten durften.

Ganz typisch für den Inle See sind die sogenannten einbeinigen Fischer. Selbstverständlich müssen diese nicht wirklich mit nur einem Bein durch’s Leben gehen. Ihre eigenwillige Technik ist ein wahrer Balanceakt, den wir sicher nicht so einfach meistern würden. Die Fischer stehen mit einem Bein aufrecht in ihren Holzkanus und schlingen das andere Bein um eine Holzstange. Mit dieser befördern sie Grünzeug aus dem See, welches wiederum für die schwimmenden Gärten genutzt wird. Der Inle See sollte einfach auf jeder Myanmar Reise ganz weit oben stehen. Hier hast du inmitten schöner Natur die Möglichkeit, das Land von seiner ursprünglichen Seite kennenzulernen.

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