Schritt für Schritt

Nach unserer Zeit in der ehemaligen Hauptstadt Myanmars entschieden wir uns spontan, dem Goldenen Felsen einen Besuch abzustatten. Diese heilige Stätte ist circa vier Busstunden östlich von Yangon entfernt. Aufgrund des eher älteren Busses waren es für uns vier ziemlich heiße Stunden. Glücklicherweise war die Fahrt kürzer als angekündigt. Das ist in Myanmar im Gegensatz zu Laos sehr weit verbreitet. Zeiten werden mit Zeiten genannt, die Ankunft ist immer früher. Der Bus setzte uns in dem winzigen Örtchen Kinpun ab, wo unser im Vorfeld gebuchtes Eternity Resort Hotel im Grünen auf uns wartete. Vom Balkon aus konnten wir den Goldenen Felsen bereits erkennen. Ganz klein, aber doch klar und deutlich. Wir machten ein paar letzte Erledigungen, stärkten uns am Abend im Hotel und gingen zeitig schlafen. Der Folgetag würde nicht einfach werden, denn als richtige Abenteurer wollten wir, trotz der fast unerträglichen Hitze, die Pilgerstätte auch als Pilger erreichen und zwar zu Fuß.

Golden Rock Pagode von unserem Hotel in Kinpun

Soweit uns unsere Beine tragen

Nach einer langen erholsamen Nacht und einem reichhaltigen Frühstück machten wir uns 9.00 Uhr auf ins nächste Abenteuer. Dieses würde einiges von uns abverlangen. Zuerst wanderten wir durch Kinpun, wo uns die Fahrer mit ihren Transportern unbedingt auf den Berg fahren wollten. Wir winkten ab, zeigten auf unsere Beine und entgegneten voller Tatendrang „we are walking“. Raus aus dem Gewusel des Dorfes ging es langsam bergauf vorbei an vereinzelten Hütten. Bereits nach der ersten halben Stunde mussten wir eine Pause machen. Durch die extreme Hitze von über 35° C und hohe Luftfeuchtigkeit lief uns der Schweiß nur so aus den Poren. Unsere Klamotten waren komplett durch. Unzählige Treppenstufen hieß es zu erklimmen und insgesamt legten wir an diesem Tag 1.300 Höhenmeter zurück. Immer wieder durchquerten wir winzige Siedlungen. Die Einwohner lächelten uns neugierig an und grüßten uns mit einem „Mingalarpar“. Die Kinder schüttelten unsere Hände und verteilten High Five. Ein kleiner Junge führte uns stolz sein Papierflugzeug vor. Ein paar Mönche nickten und riefen uns ein freundliches „Good Day“ zu, bevor sie ihres Weges gingen.

Andere Pilger haben wir an diesem Tag keine gesehen. Ausschließlich ein Reisender bahnte sich seinen Weg nach unten. Die kleinen Dörfchen, die teilweise aus fünf Strohhütten bestehen, erinnern an alte Zeiten. Frauen klopfen die Wäsche, schwere Bügeleisen werden zum Glätten der Kleidungsstücke genutzt und Männer bauen aus Bambus und Stroh neue Hütten. Der viele Müll entlang des Weges fiel uns leider negativ auf. Hier gibt es keine Müllabfuhr, von Recycling hat noch niemand was gehört. Die Unmengen an Plastikverpackungen werden einfach hinter das Haus oder auf den Weg geworfen. Die wunderschöne Aussicht über die Landschaft begeisterte uns allerdings und ließ uns weiterlaufen, auch wenn wir extrem geschafft waren. Wir schwitzten, atmeten schwer, schwitzten ein bisschen mehr und machten viele Pausen. Viel Wasser, Sonnencreme und eine Sonnenbrille sind auf dem Pilgerweg absolut essentiell.

Auf dem Weg passierten wir unzählige kleine Tempel, Schreine und Stupas, die bereits auf die Heiligkeit des Berges hinwiesen. Wir hofften das Ziel bald zu erreichen, denn langsam taten uns die Beine weh vom vielen Treppensteigen.

Die Haare Buddhas

Nach 4 Stunden Laufzeit, einer Stunde Pause und 14 km kamen wir endlich oben an und gönnten uns ein warmes Mittagessen, das wir dringend brauchten. Wieder gestärkt liefen wir durch die Siedlung bis zu einem Torbogen. Hier mussten wir unsere Schuhe ausziehen und ich schlüpfte in meinen Sarong, um die Knie zu bedecken. Gemeinsam mit unzähligen weiteren „Pilgern“, die aber alle die Transporter gewählt hatten, wanderten wir die letzten Meter über weiße Steinfliesen. Als wir ihn endlich erblickten, waren wir fasziniert von dem schimmernden Gold und der Balance, die den Stein seit Jahrhunderten auf dem Felsen unter ihm hält. Laut der Legende wird er von zwei Haaren Buddhas im Gleichgewicht gehalten, sodass er nicht herunterfällt. Für die Burmesen ist der Goldene Fels eine unglaublich heilige Stätte. Für die meisten geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Ihre Gesichter strahlen und ihre Augen leuchten beim Anblick des Felsen. Sie reisen in klapprigen Bussen aus allen Ecken des Landes an und beten stundenlang. Ehrfurcht und Freude sind ihnen ins Gesicht geschrieben. Teilweise bleiben die Pilger eine Woche oder sogar länger vor Ort, obwohl es hier oben nicht allzu viel zu sehen oder zu tun gibt. Für die Leute ist die Reise allerdings einmalig und vor allem sehr teuer. Wir waren baff, als wir am Abend die vielen Nachtlager direkt auf den Steinfliesen entdeckten. Überall lagen Menschen und schliefen. Es gibt zwar genügend Hotels in der Nähe, jedoch können sich viele schlicht kein Zimmer leisten.

Der Fels ist mit Blattgold überzogen, welches vor Ort gekauft werden kann. Männer dürfen direkt an den Stein herantreten, beten dort und befestigen das Blattgold an ihm. Frauen müssen unten bleiben und dürfen den Fels nicht berühren. Nach einer langen wohltuenden Dusche und unserem Abendessen liefen wir erneut zum Goldenen Fels und beobachteten staunend, wie plötzlich die Wolken heranzogen. Nach Sekunden war der komplette Berg in grau gehüllt. Wir standen mittendrin. Leider konnten wir so den Sonnenuntergang nicht sehen. Der beleuchtete Felsen sieht abends im durch den Nebel gedämpften Licht mystisch aus. Mit den Wolken kam auch die Kälte und wir machten uns wenig später auf in unsere Unterkunft Yoeyoelay Hotel.

Der verpasste Sonnenaufgang

Die Hotels dort oben sind entweder sehr einfach, ziemlich teuer oder beides. Dementsprechend fühlten wir uns in dem extrem feuchten muffigen Zimmer gar nicht wohl. Außerdem teilten wir uns unsere vier Wände mit ein paar riesigen Motten, die geräuschvoll um das Deckenlicht tanzten. Wir legten uns zeitig unter unsere klammen Decken und versuchten einzuschlafen. Mir wollte das allerdings nicht so recht gelingen und somit verpasste ich am Morgen den Sonnenaufgang. Trotz dem auch Alex erst 6 Uhr aus dem Bett kam und die Sonne bereits aufgegangen war, hatte sich das frühe Aufstehen für ihn gelohnt. Unzählige Menschen waren bereits auf den Beinen, eine Zeremonie nahm ihren Lauf und unter dem Berg breitete sich ein wunderschönes Wolkenmeer aus.

Aufgrund der unruhigen Nacht entschieden wir uns nach dem Frühstück gegen die Wanderung zurück und schlossen uns der Menge an. In einem offenen Transporter saßen wir eingequetscht zwischen den Burmesen. An die Metallgriffe geklammert ging es rasant bergab. Mach dich auf steile, enge Straßen und unzählige Kurven gefasst. Nach nur 30 Minuten waren wir wieder im Tal. Nachdem wir unsere Rucksäcke aus unserem Hotel in Kinpun geholt hatten, ging es auf zum Mini-Busbahnhof. Von hier brachen wir Richtung Bago auf. Dort hatten wir ein paar Stunden Aufenthalt, bevor unser Nachtbus zum Inle See losfuhr. Am Busbahnhof spielte spielte ich trotz totaler Übermüdung teilweise unfreiwillig mit einem kleinen Jungen. Wir schauten zu, wie die Einheimischen mühselig ein Motorrad in den Gepäckraum des Buses verstauten und ließen uns geschafft in unsere Sitze fallen. Wie wir bereits befürchtet hatten, folgte eine mehr oder weniger schlaflose Nacht im Bus.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hans-Werner u. Simone Aschenbroich sagt:

    Hallo nach Asien, ich bin der Mann von Simone A, und wollte einmal danke sagen für die tollen Reiseberichte der letzten Monate. Fast alle Eure Reiseziele haben wir in den letzten Jahren einmal oder mehrfach bereist und erleben nun alle unsrere Reiseerlebnisse durch Eure Berichte noch einmal. Auch unseren Besuch des Golden Mount vor acht Jahren. Herzlichen Dank dafür. Ich habe gerade zusammen mit Simone meinen 70. Geb. in ZA gefeiert, aber wir haben dennoch noch viel vor in nächster Zeit. Unter anderem im Herbst Südamerika. Weiterhin viele schöne Eindrücke, wir sind auf den weiteren Verlauf der Reise gespannt.Später ein gutes Nachhausekommen. Viele Grüsse Simone u. H.-Werner Aschenbroich

    Von Samsung-Tablet gesendet

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