Von Baumhaus zu Baumhaus

Langsam bahnte sich der Nachtbus seinen Weg durch die kurvigen Straßen Laos‘. Zum Glück war der Bus fast leer und somit konnten wir uns auf den Sitzen ausbreiten. Ein Bus mit Doppelstockbetten, wie wir ihn eigentlich gebucht hatten, wäre allerdings bei diesen Straßen von Vorteil gewesen. Immer wieder wachten wir auf. Unsere Köpfe fielen von einer auf die andere Seite. Ab und an rutschten wir bei einer Vollbremsung sogar vom Sitz. Nach ein paar unruhigen Stunden Schlaf wachte ich auf und schaute aus dem Fenster, hinter dem sich der Himmel langsam heller färbte. Ich wunderte mich, dass der Bus gar nicht in Bewegung war. Nach einer Weile machte ich wach und wir waren schockiert, dass die Uhr bereits 05:30 Uhr anzeigte. Wir befanden uns 100km von Houayxay entfernt. Der Busfahrer versuchte uns mit sehr gebrochenem Englisch mitzuteilen, dass der Motor so heiß gelaufen war, dass wir bis 7 Uhr warten müssten bevor die Fahrt weiterginge. Das war für uns keine Option. Unsere Tour mit der Gibbon Experience in den Dschungel würde um acht starten. Nervosität und Unruhe machten sich breit und vermischten sich mit Müdigkeit und Kälte, die uns hier oben in den Bergen begrüßte. Eine Frau aus Thailand, die ebenfalls mit im Bus saß, winkte uns einen Transporter an den Straßenrand. Wir schauten uns an, schnappten unsere Rucksäcke aus dem Kofferraum, sprangen auf die Ladefläche und winkten dem grinsenden Busfahrer und den anderen Reisenden zum Abschied. Durch Nebelschwaden raste der Fahrer durch kleine Bergdörfer und wir rutschten gemeinsam mit unserem Gepäck von einer Seite der Ladefläche auf die andere. 8.10 Uhr kamen wir total fertig endlich bei der Gibbon Experience in Houayxay an. Innerhalb von 20 Minuten mussten wir uns anmelden, unsere Sachen für die nächsten drei Tage packen, uns umziehen und die Zähne putzen. Endlich konnte das Abenteuer losgehen!

Auf Regen folgt Sonnenschein

Pünktlich zum Start unserer Tour fing es an in Strömen zu regnen. Glücklicherweise saßen wir gemeinsam mit Katja aus Österreich, unserem Guide Vong und dem Fahrer im Fahrzeug selbst. Der Rest der Gruppe wurde draußen auf den Rückbänken selbst unter der Plane ziemlich nass. Drei Stunden lang ging es von Houayxay Richtung Dschungel. Wir fuhren durch einen Fluss, über matschiges Terrain und vorbei an den niemals endenden Nebelschwaden. Mehrfach musste der Fahrer extrem langsam fahren und uns wurde ein wenig mulmig, als wir den Abgrund direkt neben uns sahen. Letztendlich ist alles gut gegangen und wir kamen in einem winzig kleinen Dörfchen an. Hier begrüßten uns Pferde, Schweine, Hühner und eine Handvoll Einwohner. Nachdem die letzten Vorbereitungen getroffen wurden, ging es los Richtung Dschungel – dieses Mal zu Fuß. Leider hatten wir aufgrund der Eile am Morgen unsere Regenjacken vergessen. Bereits nach wenigen Metern waren wir klitschnass. Glücklicherweise stoppte der Regen pünktlich zur Ankunft an einer Hütte im Dschungel. Dort bekamen wir unser lang ersehntes Mittagessen. Nachdem wir artig aufgegessen hatten, kam sogar die Sonne raus und trocknete unsere nassen Klamotten und Rucksäcke.

Weiteres Wandern durch den Dschungel brachte uns zu unserer ersten Zipline, über die wir durch den Dschungel fliegen sollten. Uns wurde vorher erklärt, wie wir uns selbstständig mit Karabinern an den Seilbahnen befestigen und wie wir uns in die Gurte hängen sollten. Ab diesem Punkt waren wir auf uns alleine gestellt. Nach den ersten beiden Ziplines waren wir Vollprofis und flogen blitzschnell vorbei an riesigen Baumkronen. Der Ausblick von den Ziplines ist absolut einzigartig. Das grüne Blätterdach des Dschungels unter uns, der blaue Himmel über uns und wir mittendrin. In den drei Tagen, die wir im Dschungel des Nam Kan Nationalparks verbrachten, sind wir über 23 Ziplines geflogen. Das entspricht in etwa 4,5 km Strecke. Nach mehreren Stunden, die sich mit Wandern und Ziplines abwechselten, kamen wir in Baumhaus #7 an. In diesem wollten wir die kommenden zwei Nächte verbringen. Hier wurde ein Traum war – wir durften auf einer Höhe von 30 m mitten im Regenwald schlafen. Jedes Baumhaus hat einen Eingangsbereich, in den du direkt über die Seilrutsche reinfliegst. Über eine Treppe erreichst du die Plattform, wo gegessen und geschlafen wird. Bei Baumhaus #7 gibt es eine weitere dritte Aussichtsplattform.

Wir werden Eins mit der Natur

Das Allerbeste am Leben im Baumhaus ist definitiv die Dusche. Diese befindet sich unter dem Aufenthaltsbereich. Wir blickten direkt über den unendlich scheinenden Dschungel. Unter uns konnten wir durch die Holzbretter beobachten, wie das kalte Wasser nach mehreren Sekunden am Boden des Regenwaldes ankam. Trotz dem das Wasser ziemlich kalt ist, konnten wir gar nicht genug bekommen von diesem Ausblick und dem Gefühl Eins mit der Natur zu sein.

Bereits um 17.30 Uhr wurde uns ein üppiges Abendessen serviert und wir konnten ganz nebenbei noch Beobachter eines wunderschönen Sonnenuntergangs werden. Da es im Baumhaus ab etwa 18.30 Uhr bis auf eine Lampe relativ dunkel ist und es nicht viel zu tun gibt, setzten wir uns im Kreis um den kleinen Tisch und spielten Uno. Später kam unser Guide Vong hinzu und brachte eine Flasche Lao Lao mit. Das ist ein ziemlich krass schmeckender laotischer Schnaps. Nachdem es mit seichtem Kartenspielen losging, folgten darauf Trinkspiele. Wir verbrachten eine lustige Zeit mit unserer bunt gemischten Gruppe – Georgia und Aaron aus England, Katja und Thomas aus Österreich, Vivian und Wouter aus den Niederlanden und natürlich Vong aus Laos.

Traumhaftes Dschungelkonzert

Namensgeber der Tour sind die Gibbons, eine Affenart, die den Nam Kan Nationalpark ihr Zuhause nennen. Es gibt hier nur noch 36 ihrer Art und nur selten kommen Besucher in den Genuss, die Tiere zu sehen. Gegen 7 Uhr des nächsten Tages weckte uns Vong und wir hörten einen einzigartigen unglaublich faszinierenden Gesang. Dieser ist ganz typisch für die Gibbons und vor allem mit dem Sonnenaufgang legen sie so richtig los. Wir waren sprachlos, standen am Geländer des Baumhauses und ließen den Blick über die Baumkronen schweifen. Hör doch mal selbst:

Nach wenigen Minuten sah Vong sie – ziemlich weit entfernt schwangen sie sich von einem Baum zum Nächsten. Immer wieder raschelte es in den Ästen. Sie vor die Linse zu kriegen, grenzt schon fast an ein Wunder. Ein paar nicht ganz scharfe Bilder hat es dann noch gereicht. Auch die anderen Bewohner des Regenwaldes legten am Morgen einen Zahn zu. Das Dschungelkonzert der Affen, Vögel und Insekten war somit eröffnet. Neben unserem Baumhaus in einem der Äste krabbelten die Ameisen in ihrem Nest im Takt der Geräuschkulisse.

Nach einem typisch laotischen Frühstück, das unseren brotverwöhnten europäischen Mägen nicht so richtig zusagen will, startete die Tagestour. Zwischen den schwitzigen Wanderungen kamen wir immer wieder in den Genuss einer Zipline, bei der uns der Fahrtwind ein wenig Abkühlung brachte. Wenn du es aufgrund deines geringen Körpergewichts und/oder einer falschen Taktik nicht bis ganz zum Ende der Seilbahn schaffst, heißt es mit voller Armkraft am Seil entlang hangeln. Das ging ganz schön auf die Arme. Nach mehreren Ziplines kamen wir immer weiter, sogar meist bis zur Plattform am Ende. Auf unserer Entdeckungstour durch den Nationalpark schauten wir uns weitere Baumhäuser an. Staunende Blicke, als wir auf 50m auf dem höchsten Baumhaus der Welt standen. Aus schwindelerregender Höhe schauten wir hinab auf die verschieden farbigen Baumkronen weit unter unseren Füßen.

Eine Villa in den Bäumen

Mittagessen gab es wieder im Baumhaus #7, wo wir danach eine Weile entspannen konnten. Vong bot uns an, die zweite Nacht in einem anderen Baumhaus zu verbringen. Normalerweise ist das nicht möglich, da alle Baumhäuser belegt sind. Wir waren zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Nebensaison allerdings die einzige Gruppe im Dschungel. Nach kurzem Überlegen und ein paar Diskussionen verabschiedeten wir uns schweren Herzens von Baumhaus #7. Nach einer längeren Wanderung, die vor allem bergauf ging, zippten wir noch ein paar Mal durch die Baumkronen und kamen dann bei Baumhaus #1 an. Dieses prangt mit seinen vier Etagen auf 25m Höhe und ist extrem geräumig. Wir schnappten uns im obersten Stock zwei Matratzen. Für den Rest des Nachmittags hieß es gemeinsam mit Vong und den Anderen Streichholzspiele und Rätsel lösen. Die Dusche in Baumhaus #1 ist ebenfalls toll, aber unser Ausblick vom ersten Baumhaus fehlte uns an diesem Tag doch ein wenig. Da noch niemand Hunger hatte, spielten wir noch eine Weile Karten und aßen relativ spät unser Abendessen. Vong verabschiedete sich und wir saßen noch bis etwa 23 Uhr an unserem Tischchen und erzählten. Leider begegneten uns auch ein paar Ratten und Mäuse, die den Baum ebenfalls ihr Zuhause nennen. Bereits in der Nacht zuvor hatten die kleinen Tierchen laut am Baum genagt. An diesem Abend versuchten sie sich sogar an unseren Rucksäcken und der Zahnpastatube. Im Bett lauschten wir vorm Schlafen den unendlich vielen Insekten und Vögeln, die den Dschungel auch nachts zum Leben erwecken. Morgens gegen 5.30 Uhr weckten uns die Gibbons mit ihrem zauberhaften Gesang. Nur Wouter und wir beide standen auf und versuchten die Affen in der Ferne ausfindig zu machen. Leider ohne Erfolg. Dem Gesang und den anderen Geräuschen lauschten wir den Rest des Morgens vom Bett aus. Unser Moskitonetz machten wir auf und schauten zu, wie die Nebelschwaden in den Baumkronen von den ersten Sonnenstrahlen angeleuchtet wurden. Der Natur noch näher zu kommen, geht wohl kaum.

Nach dem Frühstück kamen wir ein letztes Mal in den Genuss der ewig langen Ziplines mit Blick über den Dschungel und wanderten noch einige Kilometer, bis wir bei dem kleinen Dorf ankamen. Dort machten wir eine kurze Verschnaufpause und setzten uns geschafft auf die Rückbank des Transporters. Er beförderte uns über Stock und Stein zurück nach Houayxay. Nachdem wir uns im geduscht hatten, fühlten wir uns endlich wieder wie Menschen. Am Abend trafen wir uns mit unserer Gibbon-Gruppe in einem sehr netten Restaurant. Es gab neben erneuten Rätselrunden und viel Gelächter eine Menge Beer Lao und Bananenschnaps, den vor allem Georgia und ich kaum runter bekamen. Den Höhepunkt des Abends stellten Vongs Geschichten über die Schäferstündchen der Reisenden in den Baumhäusern dar. Wir lagen fast schon auf dem Boden vor Lachen 🙂 Die Gibbon Experience ist unbeschreiblich. Solltest du in Laos unterwegs sein, solltest du dir dieses Abenteuer inmitten der wunderschönen Natur absolut nicht entgehen lassen! Uns fällt es langsam aber sicher schwer zu entscheiden, welches unser bisheriges Highlight der Reise war 😉

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