Traumhaftes Städtchen in Laos

Von Vang Vieng wartete eine weitere ungemütliche Fahrt auf uns. Erneut war es Zeit für unentwegtes auf und ab hüpfen auf den engen Sitzen des Minivans. Statt vier dauerte die Fahrt fast sechs Stunden. Wir waren mehr als froh, als wir endlich beim Hotel Golden Lotus Nam Khan View ankamen. Hier fühlten wir uns die gesamte Zeit, die wir in Luang Prabang verbrachten, gut aufgehoben. Das Personal ist sehr freundlich und hilfsbereit. Am ersten Nachmittag schlenderten wir nach einem späten Mittagessen entlang des Nam Khan Flusses bis zur Mündung in den wesentlich größeren Mekong. Hier befinden sich zwei Bambusbrücken, die jedes Jahr zu Beginn der Trockenzeit neu gebaut werden müssen. Während der Regenzeit, die im Juni beginnt, ist die Strömung des Nam Khan so stark, dass die Brücken einfach weggespült werden.

Kolonialarchitektur und buddhistische Tempel

Die Straßen in Luang Prabang sind ordentlich und sauber. Selbst die kleinen Gassen wirken gemütlich und einladend. Dies liegt daran, dass die Stadt 1995 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Seither stehen die buddhistischen Tempel sowie die gesamte französische Kolonialarchitektur in der Stadt unter Denkmalschutz. In Luang Prabang gibt es unzählige Tempel. Der Wat Xieng Thong ist wohl einer der wichtigsten und größten. Als wir den wunderschönen Tempel besuchten, war gerade sehr viel los. Eine jährlich stattfindende Tradition nahm gerade ihren Lauf. Hunderte Laoten besuchen den Tempel, beten und waschen eine Buddha Statue, die im Zentrum der Tempelanlage steht. Wir zogen uns beim Betreten der verschiedenen Tempel brav die Flip Flops aus, setzten uns im Schneidersitz auf den Boden und beobachteten das Geschehen.

Abendliches Entertainment

Ein kulturelles Highlight unserer Tage in Luang Prabang war das Garavek Story Telling Theater. Zwei Laoten erzählen von Namensgebungen und anderen Überlieferungen geschichtlicher Ereignisse der Stadt. Der Ältere der beiden spielt die Khene, ein typisch laotisches Holzblasinstrument. Der Andere erzählt sehr lebhaft die Kurzgeschichten. Wenn du mehr über die Formation der umliegenden Berge, den Nam Khan Fluss oder den Stadtberg Phou Si erfahren möchtest, solltest du dir dieses einstündige Erlebnis nicht entgehen lassen.

Garavek Story Telling Theatre

Den Nachtmarkt besuchten wir mehrfach und haben es uns dort mit Kokosnusspancakes, frischen Säften und Gemüse-Dumplings gutgehen lassen. Ähnlich wie in Vang Vieng werden auch hier viele Stoffe und Kleidung verkauft, aber die Atmosphäre ist eine ganz andere. Wir wurden wie viele andere Touristen und Einheimische von den Lichtern und bunten Farben der Stände angezogen.

Für umgerechnet 1,50€ konnten wir hier bei einem vegan-vegetarischen Buffet richtig zuschlagen. Dabei hat uns ein kleiner einheimischer Junge Gesellschaft geleistet, Alex wurde immer wieder der Mund abgewischt und ich wurde meiner Tomaten entledigt.

Rundumblick über die Stadt

Mitten im Zentrum der Stadt thront der Phou Si, auf dem eine goldene Stupa steht, die du bereits von Weitem erkennst. Der Berg ist definitiv ein sehr praktischer Punkt, um dich immer wieder zu orientieren. Bei über 35 Grad krakselten wir die Treppenstufen hinauf und schwitzten was das Zeug hält. Vorbei an Buddhastatuen und Schreinen kamen wir auf dem höchsten Punkt an. Von oben bot sich uns ein 360° Blick über Luang Prabang. Leider ist die Luft es von März bis Mai in Laos und Thailand aufgrund großflächiger Brandrodungen sehr diesig. Die Hitze macht den meisten Touristen ziemlich zu schaffen. Auch wir mussten immer wieder für eine kurze Verschnaufpause anhalten und das obwohl der Berg nicht besonders hoch ist. Um ein wenig mehr über die Stadt zu erfahren, besuchten wir das Nationalmuseum. Wir raten dir von diesem ab. Neben einer Ausstellung des königlichen Fuhrparks warten hier die Zimmer der Königsfamilie mit unzähligen Vasen, Statuen und anderem Schnick Schnack auf dich. Auf dem Gelände des Museums befindet sich auch der Wat Mai Tempel, der eine Buddhastatue beherbergt, einst ein Geschenk von Kambodscha. Dieser Statue verdankt die Stadt ihren Namen, denn Prabang bedeutet auf Laotisch Buddha.

Zwei Meisterköche

In Luang Prabang machten wir bei einer Cooking Class im Bamboo Garden Restaurant mit. Glücklicherweise waren wir an diesem Abend die einzigen, die sich für den Kurs eingetragen hatten. So kamen wir in den Genuss einer privaten Kochstunde mit der Küchenchefin Linda. Das Menü bestehend aus fünf Gängen durften wir selbst aussuchen:

  • Laotischer Papayasalat
  • Mit Tofu gefülltes Bambus und Zitronengras
  • Scharfe Gemüse-Kokos-Suppe
  • In Zitronengras eingelegtes Gemüse mit Tofu
  • Banane und Ananas in Kokoscreme mit Sesam

Linda gab uns sehr viele wertvolle Tipps. Für fast alle Gerichte nutzten wir Zutaten wie Zitronengras, Knoblauch, Ingwer, Chili und Schalotten. An den extrem heißen Töpfen und bei 30 Grad kamen wir ordentlich ins Schwitzen. Am Ende wir unglaublich stolz auf unsere Kreationen. Mithilfe von Linda haben wir ein extrem leckeres und wunderbar aromatisches Menü gezaubert.

Gerettete Seelen beim Kuang Si

Am dritten Tag liehen wir uns mal wieder einen Roller aus. Nichts geht über das Gefühl von Freiheit, wenn wir durch die Straßen Asiens rollen. Es geht vorbei an Tempeln und durch kleine Dörfchen, der Wind weht uns um die Nasen. Wir lieben es einfach, trotz Hinterteil-Schmerzen am Ende des Tages. Unser erstes Ziel an diesem Tag waren die Kuang Si Wasserfälle. Trotz dem hier sehr viele Tourbusse ankommen, sind die Wanderwege nicht allzu überlaufen. Ebenfalls im Areal der Wasserfälle befindet sich eine Bärenauffangstation. Hier landen die armen Seelen, die über Monate, manchmal sogar Jahre die Opfer einer grausamen und vor allem sinnlosen Tradition waren. Die sogenannten Malaienbären werden vor allem in China für ihre Gallenflüssigkeit, die angeblich heilende Wirkungen haben soll, gefangen. In winzig kleinen Käfigen werden sie mit Drahtseilen ruhig gelegt und durch eine Art Katheder wird ihnen pausenlos die Galle abgezapft. Die meisten Bären sterben nach Jahren des Leidens. Manche haben mehr Glück und werden hier in Laos von der Organisation Free the Bears aufgepäppelt. In die Freiheit können diese geschundenen Tiere allerdings nie wieder entlassen werden. Hier in der kleinen Grünanlage beobachteten wir die verspielten Tiere bei ihrem täglichen Tun Es geht nicht in unsere Köpfe, wie Menschen so herzlos mit diesen Lebewesen umgehen können.

Die Kuang Si Wasserfälle erstrecken sich über mehrere Wasserbecken. Sie sind türkisblau. Dies liegt an den Kalksteinpartikeln. Trotz der vielen Besucher wirkt die Natur hier heil – wunderschöne Blumen wachsen in die Höhe, das Wasser plätschert glasklar von Becken zu Becken und niemals endende Ameisenstraßen winden sich entlang der Bäume. Das angenehm kalte Wasser lädt bei den hohen Temperaturen nur so zu einer Runde Schwimmen ein.

Über Stock und Stein

Während die Kuang Si Wasserfälle im Westen Luang Prabangs liegen, befindet sich unsere nächste Destination im Osten. Vorbei an kleinen Dörfchen fuhren wir Slalom um die riesigen Schlaglöcher. 10 km bevor wir die Pak Ou Höhlen erreichten, kamen wir auf einen Sandweg und mussten über raues Terrain fahren. Zwischendurch waren wir uns gar nicht mehr so sicher, ob wir es bis zu den Höhlen schaffen würden. Alex musste sogar mit zwei Einheimischen ein paar Felsen von der „Straße“ entfernen. Endlich in einem winzig kleinen Dörfchen am Mekong angekommen, stellten wir das Moped ab und nahmen ein kleines Boot zu den Kalksteinfelsen auf der anderen Seite des Flusses. Dort tat sich vor uns langsam der Eingang der unteren Pak Ou Höhle auf. Über einen wackeligen Steg erreichten wir die Treppe zur Höhle und schlichen ehrfürchtig vorbei an unzähligen Buddhastatuen. Über viele Jahre haben sich hier tausende Buddhas gesammelt, die von gläubigen Pilgern hergebracht werden. In der oberen Höhle waren wir aufgrund unserer späten Ankunft ganz alleine und liefen mit unserer Taschenlampe durch den heiligen Ort. Während Alex die Statuen anleuchtete und ich Fotos machte, wirkten die überdimensionalen Schatten der Buddhas fast schon gruselig.

Als wir die Dunkelheit der Höhlen hinter uns ließen und wieder in das kleine Fischerboot einstiegen, wurden wir mit den Farben der faszinierenden Abendsonne über dem Mekong überrascht. Die Kalksteinfelsen und die umliegenden Grünflächen wurden in warmes Orange getaucht. Die Kinder im Fluss spielen und die Büffel im satten Grün grasen. Zum Glück schafften wir es vor Anbruch der Dunkelheit noch über die Sandpiste vorbei an weiteren Büffeln und über eine wackelige Holzbrücke zurück ins wunderschöne Luang Prabang.

Ein Tag als Reisbauern

Tag vier begann mit einem verspäteten Tuk Tuk, das uns zur Living Land Farm brachte. Hier wollten wir den Vormittag als richtige Reisbauern verbringen und lernen, wie Reis gepflanzt und geerntet wird. Gemeinsam mit einer holländischen Familie und Yaas aus Kuala Lumpur wateten wir durch kniehohen Schlamm, lernten Rudolf den Büffel kennen und pflanzten unseren eigenen Reis. Innerhalb von 13 für uns amüsanten aber tatsächlich sehr harten Schritten durchliefen wir den tagtäglichen Prozess eines Reisbauern. Ohne die überdimensionalen Strohhüte hätten wir die Farm mit Sonnenbrand und einem bösen Sonnenstich verlassen. Nachdem wir erfolgreich unsere ersten Reispflanzen gepflanzt und uns die Schritte der darauffolgenden Verarbeitung angesehen hatten, sollte Alex mit vollem Körpereinsatz mit einer uralten Presse Zuckerrohrsaft pressen. Den durften wir dann gleich trinken, bevor uns gezeigt wurde, wie Reiskörbe aus Bambus geflochten werden. Wir haben uns allerdings nicht besonders gut angestellt und müssen wohl noch ein wenig üben. Im Anschluss gab es für alle ein paar Reissnacks wie Kekse, Cracker und Wein. Nur etwa eine halbe Stunde später stand auch schon das Mittagessen auf dem Tisch. Trotz dem alles sehr lecker war, haben wir auch gemeinsam mit Yaas nicht einmal die Hälfte essen können. Da hat es wohl jemand zu gut gemeint mit uns.

Nachdem wir uns von den Strapazen auf dem Reisfeld erholt hatten, sind wir zur Bibliothek Big Brother Mouse gegangen. Hier finden täglich vor- und nachmittags Treffen mit den einheimischen Schülern und Schülerinnen statt. Wir bekamen so die Chance mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Viele junge Laoten möchten unbedingt Englisch lernen. Schnell saßen sowohl um Alex als auch um mich je bis zu zehn Schüler. Wichtig war, dass wir nicht zu schnell sprechen, zudem formten wir einfache Sätze. So war es gar kein Problem ins Gespräch über Laos und dessen Traditionen zu kommen. Ab und an sollten wir ein den Schülern neues Wort aufschreiben und dann ging es weiter mit der Frage-Antwort-Runde. Diese zwei Stunden, die wie im Fluge vergangen sind, haben den Einheimischen sicher bei ihrem Vorhaben Englisch zu lernen geholfen. Auch du wirst von diesem Austausch profitieren. Wir sind mit unzähligen interessanten Informationen nach Hause gegangen. Im Anschluss sind wir zu einem Hotel gegangen, wo jeden Abend „Chang: A Drama of the Wilderness“ gespielt wird. Dies ist ein laotischer Stummfilm aus dem Jahre 1927. Dieser erzählt von einem laotischen Farmer. Er lebt gemeinsam mit seiner Familie im Dschungel und muss sich gegen wilde Tiere wie Tiger, Leoparden und Elefantenherden durchsetzen. Der Film ist ziemlich brutal. Tiere werden vor der Kamera umgebracht. Nichtsdestotrotz ist die Doku ein faszinierendes Stück Geschichte.

Tradition vs. Tourismus

Viel zu schnell kam der letzte Tag in Luang Prabang. Die Stadt hat uns mit ihrer Atmosphäre gepackt und mitgerissen. Keine andere Stadt in Asien kann mit diesem Ort verglichen werden. Zumindest ist uns persönlich bisweilen keine bekannt. Ein ebenfalls besonderes Ereignis hatten wir uns für den letzten Morgen aufgehoben. 5.30 Uhr klingelte unser Wecker. Wir schlüpften in unsere Klamotten, die Schultern und Knien bedeckt und schnappten unsere Kamera. In der Hauptstraße der Stadt findet alltäglich der Almosengang der Mönche der sogenannte Tak Bak statt. Unzählige Mönche schreiten durch die Straßen und sammeln Essensspenden für sich selbst und die Armen. Auf kleinen Stühlchen sitzen sowohl Einheimische als auch Touristen und verteilen Reis und andere Lebensmittel an die in einer langen Reihe vorbeilaufenden Mönche. Der Anblick ist magisch. Die in leuchtend orange gekleideten Mönche schreiten erhaben durch die langsam heller werdenden Straßen. Wir beobachteten alles von einer gewissen Distanz, nutzten kein Blitzlicht und liefen den Mönchen nicht in den Weg. Leider hielten sich nicht alle Besucher an die Regeln. Vor allem die chinesischen Touristen drängelten sich zwischen die Mönche, hielten ihnen die Kameras ins Gesicht und machten es uns teilweise schwer, die Zeremonie zu genießen. Eine wirklich faszinierende Tradition verkommt so leider langsam zu einem touristischen Spektakel.

Direkt nach dem Tak Bak schlenderten wir über den Morgenmarkt, der anders als der Nachtmarkt fast ausschließlich von Einheimischen aufgesucht wird. Hier werden Gemüse, Obst, Fisch und sogar lebende Tiere gekauft. Enten werden in den Einkaufskorb gequetscht, Frösche versuchen aus Plastikeimern zu entkommen und stinkender Fisch liegt in Massen am Straßenrand. Wenn du es authentisch haben möchtest, bist du hier gut aufgehoben.

Letzte Erholung vor der Nachtfahrt

Bevor wir am späten Nachmittag von einem Tuk Tuk abgeholt und zum Busbahnhof gebracht wurden, gingen wir ins Utopia. Dies ist ein Restaurant mit Blick auf den Nam Khan. Es gibt Matten zum Ausruhen. Unbedingt dein Buch mitbringen! Auch das Essen ist hier köstlich und brachte unserer tollen Zeit in Luang Prabang ein ehrwürdiges Ende.

Am Busbahnhof angekommen, wurden wir allerdings erstmal mit einem „Schlafbus“ überrascht, der leider ein ganz normaler Bus mit stinknormalen aufrechten Sitzen war. Gebucht hatten wir einen Bus mit Doppelstockbetten. Da wir bereits am darauffolgenden Morgen unser nächstes Abenteuer geplant hatten, war das nötig. Ob wir es rechtzeitig geschafft haben und wie abenteuerlich die Anreise nach Houayxay am Ende noch wurde, erfährst du hier.

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