Auf dem Weg zur inneren Ruhe

Das Inselleben war mit Palawan in den Philippinen erstmal vorbei. Wir warteten schon vorfreudig auf das nächste Ziel: Laos. Wir waren mehrfach kurz davor, das Land auszulassen und direkt nach Myanmar zu reisen. Im Nachhinein sind wir froh hier gelandet zu sein. Zunächst lag jedoch eine etwas beschwerliche Reise vor uns. Von Puerto Princesa ging es mit dem Flieger nach Manila und dann weiter nach Kuala Lumpur. Hier hatten wir mitten in der Nacht neun Stunden Aufenthalt. Aufgrund unaufhörlicher Lautsprecherdurchsagen verließen wir unser ursprüngliches Schlaflager auf zwei Bänken und gönnten uns ein paar Stunden im Flughafenhotel. In Vientiane, der Hauptstadt von Laos, beantragten wir am Flughafen ein Visum. Das geht ganz schnell und unkompliziert. Mit dem günstigen Shuttlebus ging es direkt zu unserem Family Boutique Hotel. Da Alex am kommenden Tag Geburtstag hatte, griffen wir hier ein wenig tiefer in die Tasche. Drei Nächte in einer sehr geräumigen Suite mit bequemem Bett klang schon fast luxuriös.

Schlaflager im Kuala Lumpur Flughafen

Die leiseste Hauptstadt Asiens

Am ersten Tag ließen wir es langsam angehen. In der Scandinavian Bakery freuten wir uns über ein Brotfrühstück mit Käse und Marmelade. Im Anschluss spazierten wir durch die Straßen der Stadt. Für eine Hauptstadt ist Vientiane ziemlich ruhig, für eine asiatische Hauptstadt ist sie ein absoluter Ausnahmefall. Das Leben scheint hier besonnener, ruhiger und stressfreier zu sein. Teilweise waren die Straßen so leise und aufgeräumt, dass es beinahe gruselig auf uns wirkte. Vorbei an der That Dam Stupa liefen wir bei 40 Grad durch die glühende Hitze zum Patuxai Triumphbogen. Von oben hast du hier einen tollen Blick über die gesamte Stadt und eine ordentlich angelegte Parkanlage. 1893 eroberten die Franzosen die linke Uferseite des Mekong und teilten Siam das heutige Thailand und Laos in zwei Länder auf. Die französische Kolonie hatte nicht lange Bestand. Bereits im frühen 20. Jahrhundert kamen erste Widerstandsbewegungen gegen die Kolonialherrschaft auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg erklärte Laos am 12. Oktober 1945 seine Unabhängigkeit von China und den Franzosen. Trotz der relativ kurzen Kolonialzeit gibt es noch heute viele französische Restaurants und Bäckereien. Die Straßennamen sind häufig französischen Ursprungs und das Land ist ein beliebtes Reiseziel der Franzosen. Am Abend des ersten Tages wurden wir von unserem Balkon aus mit einem tiefroten Sonnenuntergang überrascht – ein guter Start in einem neuen Stückchen Erde.

Geheimer Krieg über Laos

Was du vermutlich nicht weißt, was die meisten Menschen nicht wissen, was wir vorher nicht wussten. Laos ist das am stärksten bombardierte Land der Welt, gemessen an der Anzahl der Einwohner. Innerhalb von neun Jahren warfen die USA während des Vietnamkrieges 270 Millionen Streubomben über Laos ab. Das sind mehr als über Japan und Deutschland zusammen im gesamten Zweiten Weltkrieg. Die Auswirkungen des Krieges verfolgen die Laoten bis zum heutigen Tag. Mehr als 30% dieser Bomben sind Blindgänger. Durch geschätzte 75 Millionen Streubomben, die immer noch im Land herumliegen, werden regelmäßig Menschen verletzt oder sogar getötet. Die Organisation MAG UXO kümmert sich um die Beseitigung der Blindgänger. Die Organisation COPE stellt Prothesen und weitere Unterstützung für die Opfer bereit. In Vientiane haben wir uns beide Besucherzentren angeschaut. Sie stellen anschaulich dieses dunkle Erbe aber auch die Hoffnung des Landes dar.

Prothesen für Minenopfer in Laos

Strahlend goldene Tempel

Entgegen vieler negativer Meinungen über die Hauptstadt Laos‘ haben wir uns sehr wohl gefühlt und unsere Tage waren mit interessanten Ausflügen gespickt. An Alex Geburtstag liehen wir uns zur Feier des Tages Fahrräder aus – undenkbar in Bangkok und Co. Wir radelten mehr oder weniger entspannt direkt zwischen den Autos auf der Straße und genossen den Fahrtwind. Beim Verleih dachten wir zunächst, die Räder würden insgesamt 200.000 KIP kosten, tatsächlich waren es jedoch nur 20.000 KIP, umgerechnet 2€. Die Tempelanlage That Luang etwas außerhalb des Zentrums ist einen Besuch wert. Eine gold glänzende Stupa stellt den wohl heiligsten Ort des Landes dar. Auch die verschiedenen Tempel und der liegende Buddha sind wunderschön anzusehen. Mit Sarong und Kamera bewaffnet, schlenderten wir mit staunenden Blicken vorbei an unzähligen religiösen Relikten.

Auch der Wat Sisaket, direkt im Zentrum der Stadt, ist faszinierend. Alex lief hier versehentlich in das Haus einiger Mönche, die gerade ein Nickerchen hielten. So gut ausgeschildert war es dort nicht. Immerhin störten sich die Schlafenden nicht an seinen „Hello“ Rufen.

Das geschenkte Wegbier

Um Alex Geburtstag ein wenig zu zelebrieren nahmen wir ein Tuk Tuk zum Spirit House, wo wir für wenig Geld sehr gute Longdrinks schlürften. Entlang des Mekongs, der Laos von Thailand trennt, schlenderten wir von einem Markt zum Nächsten. Thailand immer auf unserer rechten Seite. Am Mekong Boulevard gibt es einen riesigen Nachtmarkt. Hier werden allem voran Stoffe, Klamotten und andere Souvenirs verkauft. Bei einem weiteren Markt gibt es überwiegend Essensstände. Beim dritten fanden wir wiederum ausschließlich Einheimische. Selbst einen Hipstermarkt, der so auch nach Berlin passt, gibt’s. Am Sunset Viewpoint direkt am Fluss findet jeden Abend ein Aerobic Kurs statt, der auf jeden Fall an diesem Tag sehr gut besucht war. Die Laoten gehen voll drauf ab!

Bei dem Essensmarkt werden Wasserspiele im Takt zu klassischer Musik beleuchtet. Beim Nachtmarkt reihen sich hunderte geparkte Mopeds und Motorräder aneinander. Hier direkt am Mekong schlägt die Ader der Stadt, hier tobt das Leben, hier sind die ganzen Menschen, die wir tagsüber verwundert gesucht haben.

Abends sind wir zufällig in ein französisches Restaurant namens Bistro 22 gestolpert. Wir kamen uns zwischen den schick gekleideten Franzosen mit unseren legeren Klamotten zwar den gesamten Abend ein wenig fehl am Platz vor, aber waren begeistert von den kleinen aber sehr leckeren Speisen. Für Alex gab es zum krönenden Abschluss einen Schokokuchen. Auf dem Heimweg sind wir Zuschauer eines besonderen Spektakels geworden. Auf der Terrasse eines privaten Hauses wurde laut Karaoke gesungen und getanzt. Wir stellten uns an den Zaun, grinsten und winkten. Die Kommunikation war aufgrund der Sprachbarriere leider etwas holprig. Wir mussten aber sympathisch wirken, denn das Partyvolk drückte uns zwei Bier in die Hand. So konnten wir im Hotel auf Alex anstoßen.

Ein bisschen Chili schadet nie

Das Essen in Vientiane hat uns bis auf eine Ausnahme begeistert. Gleich am ersten Tag steuerten wir ein kleines Restaurant an, um zwei Salate zu essen. Leider konnten wir selbst mit Mimik und Gestik kaum kommunizieren, dass wir Vegetarier sind. Letztendlich bekamen wir Pilz- und Bohnensalat eingelegt in übel riechender Fischsauce. Als Bonus gab es unzählige Chilis, die uns den Schweiß aus allen Poren trieben. Mit brennenden Mündern und ranzigem Nachgeschmack verließen wir das Restaurant. Allerdings haben wir danach im Kuan Im Yok, Noy’s Fruit Heaven und Flavor & Spices sehr gute vegane Gerichte ausprobiert. Im Ersten gab es sogar sogenanntes Mock Meat aus Soja. Selbst die Schrimps sehen richtig echt aus, sind aber komplett pflanzlich und super lecker.

Entspannung für Körper und Geist

Bereits am Vortag haben wir mit unseren Rädern einen Abstecher zum Wat Sok Pa Luang gemacht, eine Tempelanlage in der viele buddhistische Mönche und Nonnen leben. Leider waren wir nicht richtig gekleidet und haben uns nicht getraut, die Mönche anzusprechen. Später haben wir dann zufällig rausgefunden, dass jeden Samstag ein Vipassana Meditationskurs stattfindet. Mit bedeckten Knien und Schultern wagten wir es erneut und konnten uns mit den Mönchen vor der eigentlichen Meditation etwas austauschen. Die Meditation selbst wird sitzend und schreitend durchgeführt. Erst 20 Minuten im Schneidersitz, dann 20 Minuten langsam mit gesenktem Kopf gehend und dann nochmals 20 Minuten im Sitzen. Die Mönche erklären vorher, wie das Ganze funktioniert. Wir waren begeistert, dass wir bei der ersten Sitzung wirklich abschalten und uns auf unseren Atem und unsere Gedanken konzentrieren konnten. Im Gehen ist das schon ein wenig schwieriger. Jedenfalls haben wir richtig Gefallen an der Sache gefunden. Uns ist bewusst, dass richtiges Meditieren gelernt sein muss. Das braucht seine Zeit. Direkt neben der Tempelanlage befindet sich eine traditionelle Kräutersauna, bei der wir inmitten einer kleinen Grünanlage in ausgeliehenen Roben auf Holzbänken saßen. Zwischen den Saunagängen gibt es leckeren heißen Tee. Um unserem Körper einen noch größeren Gefallen zu tun,  entschieden wir uns für eine traditionelle chaotische laotische Massage und waren nach den tollen Massagen in Indonesien und auf den Philippinen erschrocken über die unwissenden Masseure. Diese pieksten unkoordiniert in unsere Rücken, kneteten mal hier mal dort und verrenkten uns bei seltsamen Verbiegungen fast die Wirbelsäule. Mit leichten Rückenschmerzen und einem Lächeln auf den Lippen haben wir verstanden: Traditionell heißt nicht, dass etwas besonders gut ist, sondern lediglich, dass etwas schon sehr lange so gemacht wird.

Sauftourismus in Vang Vieng

Um unsere Reise Richtung Luang Prabang nicht allzu stressig zu gestalten, entschieden wir uns für einen Stopp auf halber Strecke in Vang Vieng. Dieses kleine Städtchen ist ein beliebter Touristen-Hotspot. Hier kannst du auf riesigen Gummireifen eins werden mit dem Fluss Nam Song. Allerdings sind bei dieser Tubing Aktion bereits einige Touristen gestorben, da viele Bars entlang des Flusses starke Drinks und auch Drogen verkauft haben. Mittlerweile wurden viele der Bars durch die Regierung geschlossen. Es ist etwas Ruhe in Vang Vieng eingekehrt. Wir kamen nach einer unglaublich holprigen vierstündigen Fahrt in unserem Army Barracks Hostel an. Viel gibt es hier nicht zu tun – wir liefen durch die Straßen, setzten uns an den Fluss und beobachteten die spielenden Kinder und das bunte Treiben. Der Einfluss des Tourismus macht sich vor allem an der Vielzahl der Restaurants und der teilweise lauten Musik bemerkbar. Bars sind stopfend voll mit lauthals grölenden Backpackern. Uns hat das eher abgeschreckt. Nichtsdestotrotz kannst du in der Stadt aufgrund der Auswahl echt gut essen. Bei Einbruch der Dunkelheit beginnt auch hier ein kleiner Nachtmarkt, der sich in der sogenannten Walking Street befindet. Flair hat dieser Markt unserer Meinung nach nicht.

Zwei Brathähnchen auf dem Nam Song

Ein Pluspunkt Vang Viengs ist definitiv die wunderbare Lage inmitten von steilen Kalksteinfelsen. Der Nam Song windet sich an ihnen vorbei durch grüne Landschaft. Um diese ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen, entschieden wir uns für eine Tubing Tour. Ganz ohne Alkohol versteht sich 😉 Im der Verleihstelle beachtete man uns kaum – Geld wollte hier anscheinend niemand verdienen. Nachdem wir uns doch die Aufmerksamkeit der Angestellten erkämpft hatten, ging es im Tuk Tuk drei Kilometer raus aus Vang Vieng. Dort wurden wir auf uns alleine gestellt rausgeschmissen. Die letzten Meter bis zum Fluss durften wir barfuß über den heißen Asphalt laufen. Service: Fehlanzeige! Nachdem wir extra fett Sonnencreme aufgetragen hatten, setzten wir uns in unsere Reifen und los ging es. Ganz ganz langsam trieben wir über den Fluss. Es wäre von Vorteil gewesen, wenn man uns gesagt hätte, dass der Fluss während der Trockenzeit eher an einen See erinnert. Vorankommen war ohne ständiges Paddeln mit den Armen kaum möglich. Anfangs war das ziemlich amüsant, aber nach mehreren Stunden taten uns die Arme weh. Wir brutzelten in der heißen Mittagssonne. Nach etwa zwei Stunden entschieden wir uns bei dem Neverland Camp anzuhalten, was gar nicht so einfach war. Nach längerem hin und her paddeln hatten wir das Ufer erreicht und gönnten uns eiskalte Fruchtshakes. Erneutes Eincremen, Reifen schnappen, lospaddeln – weitere zwei Stunden lagen vor uns. In Vang Vieng angekommen winkten uns zwei Kinder zu, die auf unsere Reifen aufsprangen. Wir paddelten die beiden noch zu ihrem Zuhause. Endlich kamen wir am Endpunkt an und watschelten mit den Reifen unterm Arm zurück zu der Ausleihfirma. Nach mehreren Schrammen an Rücken, Füßen und Knien waren wir einfach nur froh, es geschafft zu haben. Mir ging es wenige Stunden später Dank eines Sonnenstichs richtig schlecht. Der Rest des Tages bestand aus Schlafen, Wasser trinken und Netflix schauen. Ähnlich wie unsere Anreise nach Vang Vieng verlief auch die Abreise. Über schrecklich unebene Straßen hüpften wir auf unseren Sitzen auf und ab und teilten uns einen kleinen Minivan mit viel zu vielen Menschen, Reissäcken und anderem Gepäck.

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