Unerwartetes Stadtbild in Cebu City

Erneut brachten wir einen sehr langen Reisetag hinter uns, um endlich auf den Philippinen anzukommen. Von Kuala Lumpur ging es erst nach Manila und dann nach Cebu. In der Hauptstadt der Philippinen solltest du beim Transfer mehrere Stunden einplanen, denn die Terminals liegen weit voneinander entfernt. Bereits bei der Landung lagen unter uns unzählige Häuser, die bis zum Horizont reichten. Mit 13 Millionen Einwohnern belegt Manila Platz 18 der bevölkerungsreichsten Städte weltweit. Viele dieser Menschen leben in größter Armut. Dies konnten wir direkt neben der Landebahn sehen. Baracke an Baracke bilden eines der vielen Slums. Auf der kurzen Busfahrt vom internationalen zum nationalen Terminal sahen wir Menschen, teilweise sogar Familien, die mit Matratzen und ihrem bisschen Hab und Gut direkt neben einer stark befahrenen Straße unter Brücken hausten. Nach 14 Stunden auf den Beinen kamen wir endlich in Cebu City an und waren dann auch direkt reif fürs Bett.

Die sind ja alle so klein

Über Nacht schienen wir mindestens 20cm gewachsen zu sein. Dass die Menschen in Asien meist kleiner sind als in Europa, ist nichts Neues. Die Filipinos und Filipinas sind sogar einen Kopf kleiner als wir mit unseren 1,66m und 1,73m. Die Philippinen sind im Gegensatz zu Indonesien wesentlich westlicher was soziale Angelegenheiten angeht. Tagtäglich laufen uns hier Trans-Frauen über den Weg. Mädchen und Frauen kleiden sich weniger bedeckt. Sie tragen westliche Kleidung wie beispielsweise Miniröcke und Trägertops. Sie arbeiten außerdem nicht nur als Putzkräfte, sondern an Hotelrezeptionen, im Service oder sogar in der Regierung. Im starken Kontrast dazu stehen die Häuser. Sie sehen extrem heruntergekommen und teilweise einsturzgefährdet aus. Die Straßen von Cebu City sind dreckig und stinken. Überall steht das Abwasser in den Straßenrinnen. Offene Kleinbusse, die etwa 15-20 Personen mitnehmen können, rattern durch die Straßen. Sie werden Jeepneys genannt und waren ehemalige Militärfahrzeuge der Amerikaner. Heute sind sie bunt angemalt und zieren das Stadtbild der philippinischen Inseln. Für nur 7 Cent kannst du jederzeit eines an den Straßenrand winken und jederzeit wieder aussteigen.

Die Juwelen der Stadt

Natürlich gibt es in Cebu ein paar Sehenswürdigkeiten, die du dir bei einem Aufenthalt nicht entgehen lassen solltest. Das Heritage of Cebu Monument zeigt einige Szenen aus verschiedensten Begebenheiten, die sich in der Geschichte der Stadt abgespielt haben.

Das Yap Sandiego Ancestral House ist das älteste Wohnhaus der Philippinen. Erbaut wurde es im 17. Jahrhundert von einem chinesischen Händler namens Don Juan Yap und seiner Frau Doña Maria Florido. Das Haus besteht aus Korallensteinen, Holz und Lehm und liegt weiterhin in den Händen der Familie. Seit einigen Jahren ist das Gebäude für Interessierte zugänglich. Wir schauten uns das Häuschen an, während die Holzbalken sich unter unseren Füßen bogen.

Die verschiedenen Kathedralen sind ebenfalls sehenswert und sehr gut erhalten. Im Jahr 1565 kamen die Spanier auf den Philippinen an und ernannten diese zu einer ihrer Kolonien. Da der Islam zu dieser Zeit nur im Süden des Landes tief verwurzelt war, war es nicht schwer die muslimische Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Heute sind rund 80% der Filipinos katholisch.

An der Stelle, wo im Jahre 1521 die erste katholische Messe auf den Philippinen abgehalten wurde, ließ der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan ein Kreuz aufstellen. Heute ist es bekannt als Magellans Kreuz – eine der Hauptattraktionen der Stadt.

Fast Food Nation

Eine große Herausforderung stellte für uns die Nahrungssuche dar. Einige Reisende hatten uns bereits gewarnt, dass das Essen auf den Philippinen nicht besonders gut und fleischlastig ist. Am ersten Abend fanden wir tatsächlich keine einzige Garküche, die etwas anderes als Würstchen, Hühnerschenkel oder Schweinefleisch anbot. Unabhängig davon sehen die Garküchen hier alles andere als einladend aus. Somit aßen wir in einem Minimarkt eine Fertigsuppe – die einzige ohne Fleisch. Am zweiten Abend das gleiche Spiel. Es kam sogar noch schlimmer, wir aßen Pommes bei McDonalds. Nach dem brutalen Philippinisch-Amerikanischen Krieg von 1899 bis 1902 wurde das Land zur amerikanischen Kolonie. Deshalb finden sich hier unendlich viele Fast Food Ketten. Amerikanische Popmusik findet hier großen Anklang. Die Rettung stellte Planet Vegis dar, das einzige vegan-vegetarische Restaurant der Stadt. Hier erfreuten wir uns an leckeren Barbecuespießen, Curry und einer Pilzpfanne. Der Besitzer freute sich über unseren Besuch und erzählte uns, dass Cebu die Fleischhauptsadt der Philippinen sei. Na da waren wir ja genau richtig 😉

Schockierende Bilder

Wie sollen wir einen solchen Abschnitt beginnen? Das Gesehene war zum Teil sehr hart zu verarbeiten. Cebu City ist der wohl ärmste Ort, den wir je besucht haben. Das Elend, welches uns hier begegnete, schockierte uns und machte uns extrem nachdenklich. Vor McDonalds liefen uns am Abend Kleinkinder in dreckigen Klamotten entgegen und bettelten. Zugedröhnte komplett nackte Männer torkeln apathisch sabbernd durch die Straßen. Mädchen, die noch nicht einmal in der Pubertät sind, bieten ihre Körper an. Überall liegen abgemagerte Menschen auf den Fußgängerwegen und vegetieren vor sich hin. Fotografiert haben wir diese schrecklichen Szenen selbstverständlich nicht. Wir fühlten uns allein wegen unserer Hautfarbe schlecht. Das Privileg zu haben durch andere Länder zu reisen, wirkte fehl am Platz. Wie sollten wir auf den Auslöser der Kamera drücken oder das teure iPhone zücken? Letztendlich fühlten wir uns machtlos und reagierten entweder mit ungläubigem Kopfschütteln oder schauten schnell weg. Aber ist das nicht genau das Falsche? Wir sind ratlos und ehrlich gesagt froh, dass wir Cebu hinter uns gelassen haben. In Indonesien sagte unser Guide auf Sumatra zu mir: „Your skin is brighter than my future.“ – Deine Haut ist heller als meine Zukunft. Dabei grinste er, obwohl er sich dieser Tatsache absolut bewusst ist. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte und sagte nur plump: „Well that makes me feel bad.“ – Jetzt fühle ich mich schlecht. Der Satz hallte lange nach und knallte uns in Cebu mit voller Wucht ins Gesicht. Wir sollten uns tagtäglich bewusst machen, wie gut wir es haben. Anderen Menschen und Kulturen müssen wir verständnisvoll gegenüber treten.

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