Unterwegs in der matschigen Mündung

Kuala Lumpur steht im Kontrast zu Singapur. Es ist komplizierter, sich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurechtzufinden. Auf den Straßen herrscht die übliche asiatische Hektik. Wir mögen diesen speziellen Charme. Nichtsdestotrotz war ein wenig die Luft raus. Wir brauchten ein bisschen Ruhe und Natur. So haben wir viel Zeit damit verbracht, im Café unseres Hostels zu sitzen und die nächsten Reiseschritte zu planen.

Die Düfte der Tempel

Da wir direkt in Chinatown im Mingle Hostel übernachteten, fanden wir das blühende Leben der Stadt direkt vor unseren Füßen. Ähnlich wie in Singapur gibt es auch hier verschiedene hinduistische und buddhistische Tempel, die uns immer wieder in ihren Bann ziehen. Vor dem Sri Maha Mariamman Tempel sang ein älterer Mann unermüdlich hinduistische Gebete. Wir waren ganz hin und weg und lauschten dem Gesang. Ein paar vereinzelte Gläubige traten zum Altar, verneigten sich und beteten. Vor Hindu-Tempeln riecht es meist angenehm süßlich, da verschiedene Verkäufer Opfergaben in Form von Blumenketten anbieten. Eine einzigartige Atmosphäre umgibt diese Tempel.

Nur wenige Schritte weiter kam uns ein weiterer bekannter Geruch entgegen – Räucherstäbchen beim Guan Di Tempel verbreiteten ihren Duft bis auf die Straße. Ein paar Frauen wendeten unentwegt eine Art bedrucktes Papier in ihren Händen, als ob sie sich damit reinwaschen wollten. Leider fanden wir auch bei späterer Recherche nicht heraus, was es damit auf sich hat. Falls du was weißt, kläre uns bitte auf.

Kulinarische Reise durch Kuala Lumpur

Am Abend erleuchtete Chinatown in all seinen Farben und zog die Menschenmassen mit seinen Lichtern an wie Motten. Wir waren zwei dieser Motten. Jeden Abend liefen wir nach Sonnenuntergang zwischen den unzähligen Ständen hindurch. Satay Spieße sind ein typisch malaysisches Mittag- oder Abendessen und diese Spieße gibt es auch in vegetarischer Form mit Tofu, Gemüse und Pilzen. An einem kleinen runden Tisch direkt neben der Straße hielten wir unsere Spieße in einen mit kochendem Wasser gefüllten Topf. Die Töpfe sind meist direkt im Tisch eingelassen. Als Nachtisch gab es grüne Mango, die im Gegensatz zur bekannteren gelben Mango säuerlich und hart statt süß und saftig ist. In einem Plastiktütchen wird die knackige Frucht mit einem süßlich scharfen Gewürz gemischt. Uns hat dieser Geschmack direkt nach Süd- und Mittelamerika versetzt – unserer liebster Snack dort.

Neben leckeren Früchten gibt es in Chinatown auch Essen, das uns eher weniger anspricht. Beispielsweise gepresstes Fleisch vom Huhn, Rind oder Schwein, irgendwie unappetitlich. Wir verstehen natürlich, dass diese in Deutschland unbekannten Lebensmittel, viele Reisende total anlocken.

Es scheint ein wenig als hätten wir in Kuala Lumpur nur gegessen. So war es auch 😉 Es geht nämlich weiter mit der kulinarischen Tour durch die Stadt. In der Lot 10 Hutong gibt es im Untergeschoss eines Einkaufszentrums unglaublich viele kleine Stände. Dort probierten wir Reisnudeln mit Pilzen aus dem Tontopf. Ansonsten gibt es hier Fleisch ohne Ende, in jeglichen Formen und Farben. Als Nachtisch probierten wir ein ähnliches Eis wie in Singapur. Hier heißt es Cendol und besteht aus geraspeltem Eis, Palmzucker, Kokosmilch, Kidneybohnen und Gula Melaka, eine braune Masse aus Palmzucker, der zu Sirup gekocht wurde. Generell scheinen die Malaysier einen süßen Zahn zu haben. Überall gibt es kleine Stände mit Süßigkeiten. Riesige Auslagen mit regenbogenfarbenem Kuchen und runden Kokosbällchen ziehen uns magisch an. Wir holten uns Ondeh Ondeh. Reismehlkugeln mit Kokosraspeln und einem Kern aus Gula Melaka. Auch an Durianeis trauten wir uns ran – die Frucht ist typisch für den südostasiatischen Raum und bekannt für ihren strengen bis widerlichen Geruch. Das Eis war ok, eins hat auch gereicht.

Matschige Mündung

Sehenswert sind vor allem das Sultan Abdul Samad Gebäude mit seinen wunderschönen Türmchen und die nahegelegene City Gallery. Hier erhielten wir einen ersten Einblick in die Geschichte der Stadt. Mit einem interaktiven Film erfährst du mehr über Kuala Lumpur, mit Blick über die Stadt im Miniaturmodell. Die Jamek Sultan Abdul Samad Moschee ist eines der wichtigsten und schönsten Wahrzeichen der Stadt. Hier wo sich die Flüsse Gombak und Klang kreuzen, begann die Besiedlung der Stadt. Fortan wurde die Siedlung und spätere Metropole Kuala Lumpur genannt, was zu Deutsch matschige Mündung bedeutet. Um die ziemlich komplizierten öffentlichen Verkehrsmittel zu umgehen, riet uns eine Einheimische, die kostenlosen GoKL Busse zu nutzen. So sparst du eine Menge Geld. Im Nationalmuseum lernten wir Einiges über das malaiische Reich, welches sich einst bis Thailand und Indonesien ausstreckte. Nach vielen Jahren unter den Fittichen der Holländer und später der Briten, erfuhr das Land ähnlich wie Singapur eine Menge Elend. Während der Besetzung durch die Japaner in den 1940er Jahren war das Land ein dunkler Ort. Seit 1963 ist Malaysia ein unabhängiger Staat.

Bob der Baumeister

Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt sind allerdings die Petronas Towers. Das sind die höchsten Zwillingstürme der Welt. Im Stil einer islamischen Moschee designed und verbunden durch eine Brücke ragen die Türme in den Himmel. Unter den Türmen erstreckt sich ein riesiges Luxusshoppingcenter. Daran angeschlossen befindet sich der penibel saubere KLCC Park. In diesem kühlten wir uns in einem der Wasserbecken die Füße ab und wurden nach wenigen Minuten von der Security weggeschickt. Erwachsene ohne Kinder haben hier nichts verloren.

Eine lustige Begebenheit möchten wir dir nicht vorenthalten. Solche Szenen spielen sich echt nur in Asien ab: Am vorletzten Abend gingen wir kurz nach Mitternacht ins Bett. Kaum wollten wir die Augen zumachen, begann gefühlt direkt neben uns ein sehr lautes Geräusch. Bauarbeiten – um diese Uhrzeit? Da wir uns nicht sicher waren, was da los war, schauten wir selbst draußen nach. Tatsächlich! Drei Bauarbeiter standen direkt neben unserem Hostel. Einer nutzte einen Presslufthammer, um ein Loch direkt in die Mitte der Straße zu bohren. Nirgends eine Absperrung, das Loch sah eher willkürlich gesetzt aus und wir schüttelten nur mit den Köpfen und lachten. Alex gestikulierte eine Schlafposition und zeigte auf unser Hostel. Die Männer nickten. Als wir wieder in unserem Zimmer waren, schienen die drei abgezischt zu sein. Muss erst der spießige Tourist kommen, um die Asiaten zu belehren, dass es ab einer gewissen Uhrzeit eine Nachtruhe gibt 🙂

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