Der reichste Staat Südostasiens

Nach drei Wochen mussten wir von unserem geliebten Indonesien Abschied nehmen und freuten uns zugleich auf ein neues Abenteuer. Bevor es in die Metropole Singapur ging, mussten wir noch eine ewig lange Schlange bei der Gepäckabgabe am Flughafen in Medan durchstehen und hatten dann kaum noch Zeit etwas zu essen. Also holten wir uns nach dem Check-in etwas zum Mitnehmen. Die Nudeln haben wir am Gate in uns reingeschlungen. Dabei biss ich auch noch auf eine unglaublich scharfe Chillischote – Schluckauf setzte sofort ein, der Mund brannte den gesamten Flug. Was für ein schönes Abschiedsgeschenk!

Geraspelter Eisblock mit Bohnen

Am frühen Abend kamen wir in Singapur an und fanden uns mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr schnell zurecht. Die MRT Bahnen und deren Pläne sind einfach und klar aufgebaut. Im Hostel Fisher BnB schliefen wir mit 14 weiteren Reisenden in einem Zimmer mit bequemen Doppelstockbetten. Zum Glück schnarchte niemand und somit konnten wir die vier Nächte dort relativ gut schlafen. Allerdings erkältete ich mich direkt am ersten Abend. Die zum Teil extremen Temperaturunterschiede zwischen den klimatisierten Läden und den 30 Grad im Schatten zollten ihr Tribut. Gegessen haben wir abends meistens direkt gegenüber von unserem Hostel. Dort gibt es eine Halle mit verschiedensten Essständen, wo auch wir fündig wurden. Allerdings ist das gar nicht so einfach, denn hier merkten wir den starken chinesischen Einfluss beim Essen. Hühnerfüße, Ente, Oktopus und viele andere Tiere werden hier gerne und vor allem viel gegessen. Nudeln mit Tofu und Gemüse oder Currys gehen aber immer. Außerdem probierten wir ein Ais Kacang. Dieses Dessert besteht aus geraspeltem Eis, einem süßen Sirup und in unserem Fall Kidneybohnen und Erdnüssen. Klingt seltsam, schmeckt aber und tut bei der Hitze ziemlich gut. Probier es am besten selbst mal aus.

Tagestour durch die asiatischen Kulturen

Die meisten verbinden Singapur wahrscheinlich mit Hochhäusern, großen Unternehmen und Luxus an allen Ecken und Enden. Die Stadt ist die wohl modernste Asiens. Wenn du ein bisschen suchst, findest du auch hier eine Menge Kultur. Chinesen, Malaien und Inder stellen die größten Bevölkerungsteile dar. Little India mit seinen bunten Häusern liegt nur wenige Meter vom Fisher BnB entfernt. Dort tobt vor allem abends das Leben – Menschen gehen shoppen, essen bei einer der vielen Garküchen oder sitzen auf der Straße und unterhalten sich. Leider hatten wir einen Abend, als wir hier in einem vegetarischen Restaurant essen gingen, ein wenig Pech mit dem Service – wir Touristen waren nicht gern gesehen. Ob das generell so ist, wissen wir nicht.

Ebenfalls nicht weit entfernt befindet sich der orientalische Stadtteil Kampong Glam. Die Sultan Moschee ist eines der markantesten Wahrzeichen. Schultern und Knien müssen bei den Frauen unbedingt bedeckt sein, bei Männern reicht es, wenn die Beine verdeckt sind. Vor Ort gibt es alles kostenlos zum Ausleihen. Mit Sarong und Umhang ausgestattet, durften wir uns den Gebetsraum ansehen. Der Rest der Moschee ist nur für gläubige Muslime zugänglich. Wie auch vor allen anderen Tempeln mussten wir unsere Schuhe am Eingang ausziehen.

Achtung vor dem Rohrstock

Nachdem wir in Kampong Glam einen türkischen Tee getrunken hatten, liefen wir zufällig durch die Haji Lane. Hier gibt es viele gemütliche Restaurants. Die kleinen Cafés sind oft mit Graffiti und Kuriositäten künstlerisch verziert. Bei der Bugis Street befindet sich ein riesiger Markt. Zwischen all den toten Hühnern und Enten, die in den Auslagen hängen, fanden wir eine vegetarische Garküche. Was wir da genau aßen, konnten wir weder erkennen noch konnte uns das irgendjemand erklären. Bedauerlicherweise können in Singapur sehr viele Leute kaum Englisch sprechen, obwohl dies neben Malaiisch, Tamil und Chinesisch eine der Amtssprachen des Landes ist. Aber hey, es hat geschmeckt und wir waren satt.

Um mehr über den Stadtstaat zu erfahren, steuerten wir das Nationalmuseum Singapurs an. Singapur ist der kleinste aber reichste Staat Südostasiens. Das merkst du, wenn du bereits andere Länder Asiens bereist hast. Hier liegt selten Müll auf den Straßen, es gibt unzählige Einkaufsmöglichkeiten, Menschen laufen geschäftig zwischen den Hochhäusern entlang und die fahrerlosen U-Bahnen wirken futuristisch. Die Geschichte der Stadt ist lebhaft – von einer britischen Kronkolonie über eine dunkle Phase der Besetzung durch die Japaner bis hin zur Unabhängigkeit im Jahr 1965. Heute blüht die Wirtschaft. Erschreckend sind die harten Strafen und teilweise amüsantesten Regeln der Stadt. In öffentlichen Verkehrsmitteln wird Rauchen, Essen und Trinken mit sehr hohen Geldstrafen geahndet. Kaugummikauen ohne ärztliche Verschreibung ist verboten und nachweisliches Lügen kann sogar mit drei bis acht Schlägen mit dem Rohrstock bestraft werden. Ja, ist klar…

Friedvolles Zusammenleben

Chinatown gibt es in so gut wie jeder Metropole weltweit und doch fasziniert ein solcher Stadtteil immer wieder von Neuem. Wohin du schaust T-shirts mit Elefantenaufdrucken, seltsam aussehende Snacks, rote Laternen und ein riesiges Menschengewimmel. Wir fanden es besonders toll, dass es in diesem chinesischen Stadtteil einen Hindu-Tempel gibt. Das nennen wir mal Integration und friedvolles Zusammenleben der verschiedensten Kulturen. Gerade als wir beim Tempel ankamen, unsere Schuhe ausgezogen, Sarong und Umhang übergestülpt hatten, begann eine Zeremonie. Blasinstrumente erklangen, Opfergaben wurden gebracht, kleine Happen verteilt und verschiedenste Tücher und Blumen ins Feuer geworfen. Wir beobachteten die Prozession und atmeten den Duft der Räucherstäbchen ein.

Willkommen in der Zukunft

Im starken Kontrast zu den kulturell vielfältigen Stadtteilen steht die Marina Bay, eine Bucht direkt am Meer. Hier säumen Luxushotels, Einkaufszentren und riesige Bürogebäude die Straßen. Die Gardens by the Bay liegen direkt neben dem Hafen und erinnern sehr stark an den Film „Avatar“. Die Supertrees sehen aus wie riesig hohe Bäume und sind mit verschiedensten Blumen bepflanzt. Perfekt gepflegter Rasen, ein künstlich angelegter Teich mit Springbrunnen und saubere Wege prägen hier das Bild. Im Hintergrund ragt das Marina Bay Sands Hotel in den Himmel. Das schiffartige Gebilde auf den drei Hochhausblöcken wirkt ebenfalls sehr futuristisch, fast schon ein wenig bedrohlich.

Am Abend sind wir mit unseren Hostelbekanntschaften Lars aus Moers, Chris aus dem Schwarzwald und Chrissi aus Stuttgart in die Ce La Vi Bar im 57. Stock des Luxushotels eingekehrt. Erstmal liefen wir durch ein Shoppingcenter, in dem wie in Venedig kleine Gondeln durch einen Kanal fahren. Ja wirklich, in einem Einkaufszentrum! Unsere Flip Flops und ärmellosen Shirts mussten wir zu Hause lassen. Die sind in der Bar verboten. Zwischen den ganzen schick gekleideten Gästen fühlten wir uns mit unseren Turnschuhen ein wenig fehl am Platz. Für zwei Cocktails zahlten wir über 50 Singapurdollar, das entspricht etwa 32€. Der Blick über die Millionen Lichter der Stadt ist einfach unbeschreiblich und der Infinity Pool sieht schon sehr einladend aus. Den dürfen aber nur die Hotelgäste nutzen.

Jeden Abend gibt es drei Mal eine Lichtshow, die du von dort oben besonders gut beobachten kannst. Die Springbrunnen werden im Takt der Musik mit Farben, Figuren und Lasern für 15 Minuten angestrahlt und erleuchten die Bucht vor dem Marina Bay Sands. Auch die Supertrees im Gardens by the Bay werden die ganze Nacht bläulich angeleuchtet. Welcome to Avatar!

Mit dem Drahtesel über Pulau Ubin

Am letzten Tag hatten wir die Wahl zwischen den Inseln Sentosa und Pulau Ubin. Sentosa ist ein teures Abenteuer. Hier reiht sich ein Erlebnispark an den Nächsten. Wir entschieden uns für Pulau Ubin – einerseits ganz im Sinne unseres Geldbeutels und andererseits weil selbst wir Stadtkinder die Nase voll hatten vom asiatischen Trubel. Mit einem Bus ging es bis Changi Village. Dort ging es weiter mit einem kleinen Fischerboot auf die Insel. Dieses ruhige Fleckchen vermittelt einen Eindruck von den Anfängen Singapurs. Auf Pulau Ubin gibt es neben einem kleinen Dörfchen und wenigen Straßen vor allem eines – Natur. Gemeinsam mit Chrissi liehen wir uns nach dem Mittagessen für etwa 4€ Fahrräder aus und erkundeten die Insel.

Vorbei an frechen Affen, seerosenbedeckten Teichen und grünen Wäldern kamen wir bei den Chek Yawa Wetlands im äußersten Osten der Insel an. Wir liefen über einen Steg durch ein Mangrovenwäldchen und trafen auf wenige Menschen. Hier leben Makaken, Wildschweine und Krebse, die sich im Schlamm versteckten. Komplett durchgeschwitzt erfreuten wir uns am Fahrtwind und dem plötzlich einsetzenden Regen, der auf unsere Haut prasselte. Die Fahrt über einige Hügel war mit den rostigen Drahteseln gar nicht so einfach. Ab und an mussten wir sogar absteigen und die Fahrräder schieben. Nach unserer Radtour gönnten wir uns eine frische Kokosnuss.

An unserem letzten Abend fuhren wir extra in ein anderes Stadtviertel, um im Veganburg mal wieder westliches Essen zu genießen. Danach gab es ein paar Bierchen gegenüber vom Hostel gemeinsam mit Chrissi. Wir bestellten das weit verbreitete Tiger Beer. Die Kellnerin verstand allerdings China Beer und somit bekamen wir drei große Flaschen Yanjing aus China. Gut gekühlt war das ganz okay, nach einer Weile erinnerte es jedoch an das deutsche Oettinger. Am besten schnell hinter damit!

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