In den Dschungel Sumatras

Die Vorfreude war auf Anschlag, als wir in Medan auf Sumatra landeten. Nun bereits auf der fünften indonesischen Insel angekommen, waren wir bereit für den Dschungel und die Waldmenschen im Norden Sumatras bei dem Dorf Bukit Lawang. Orang heißt auf Indonesisch Person oder Mensch und Utan bedeutet Wald. Du weißt also sicher bereits, auf wen wir da im Dschungel Sumatras getroffen sind.

Holprige Anreise vorbei an Palmölplantagen

Da wir erst abends in Medan ankamen, blieben wir eine Nacht. Auf der Suche nach etwas Essbarem wurden wir bei einem kleinen zentralen Platz fündig und speisten gemeinsam mit den Einheimischen bei einer der Garküchen. In Vorbereitung auf die kommenden Tage sahen wir ein wunderbar passendes Graffiti auf einer der Hauswände: Orang Utans wir kommen!

Am Morgen machten wir uns auf die Reise nach Bukit Lawang. Mit einem öffentlichen Bus sollte es über holprige Schotterpisten vorbei an niemals endenden Palmölplantagen gehen. Erstmal in den Bus zu kommen, war gar nicht so einfach. Wir sollten mehr als das fünffache als die Einheimischen zahlen. Das war uns dann echt zu viel. Dementsprechend handelten wir bis einer der Typen ziemlich sauer auf uns wurde. Letztendlich mussten wir die Straße noch weiter runter laufen, um in einem der Busse mitgenommen zu werden. Da haben wir uns wohl die falschen Leute zum Streiten ausgesucht. Letztendlich ging noch alles gut und mit ein wenig Verzögerung konnte die Fahrt losgehen.

Auf dem Weg nach Bukit Lawang gibt es Unmengen an Palmölplantagen. Sie säumen die Straßen und reichen bis zum Horizont. Hässlich sehen diese Bäume nicht aus. Die meisten wissen mittlerweile, dass die Palmölproduktion den Lebensraum der Orang Utans und vieler anderer Arten zerstört. Palmöl ist das meist angebaute Pflanzenöl der Welt. 2015 wurden weltweit über 60 Millionen Tonnen produziert, Tendenz steigend. Indonesien ist das wichtigste Anbaugebiet der Ölpalmen und Sumatra gemeinsam mit Borneo zugleich das einzige Gebiet noch lebender Orang Utans. Vor Jahrhunderten waren diese Tiere in ganz Asien verbreitet, heute stehen sie auf der Roten Liste gefährdeter Arten als stark bedroht. Finger weg vom Palmöl!

Lebensfreude in Bukit Lawang

Endlich in Bukit Lawang angekommen, mussten wir eine der wackeligen Holzbrücken überqueren, um zu unserer Unterkunft Thomas‘ Retreat zu gelangen. Das Teil hat ganz schön gewackelt, einige Holzlatten sind nicht mehr ganz fest und unter uns rauschte der Fluss. Auf der anderen Seite hieß es Durchatmen. Im Thomas‘ Retreat wurden wir von dem Team herzlich in Empfang genommen. Bei Thomas, dem das Hotel gehört, haben wir auch die zweitägige Dschungeltour gebucht und waren vollends zufrieden.

Bukit Lawang selbst ist ein kleines Dörfchen mitten im Dschungel. Die Menschen sind hier extrem herzlich. Sie winkten und lächelten uns zu, posierten für Fotos und wirkten einfach sehr gelassen und glücklich. In dem Fluss konnten wir uns nach der schwitzigen Busfahrt ordentlich abkühlen. Die kleinen einheimischen Kinder waren da ein wenig mutiger und sprangen ohne zu Zögern von den Brücken in das eisige Wasser.

Erste Begegnungen im Dschungel

Nach einem leckeren Frühstück holte uns unser Guide Iyon um 9 Uhr des folgenden Tages ab. Endlich starteten wir unseren zweitägigen Marsch durch den Dschungel. Vorbei an Kautschukplantagen und dem Eingangstor zum Gunung Leuser Nationalpark sahen wir bereits die ersten Bewohner des Waldes – eine Schlange, riesige Ameisen und zwitschernde Vögel.

Nach etwa einer Stunde zeigte Iyon nach oben und rief „Orang Utan“! Wir rissen die Kamera gen Laubdach und waren ganz hin und weg. Das war ein ganz besonderer Moment. Wir verweilten eine Zeit lang bei der Orang Utan Dame. Sie spitzte immer wieder die Lippen und schaute zu uns herab. Orang Utans sind übrigens Einzelgänger und bauen sich jeden Abend ein neues Laubnest, welches sie dann am Morgen wieder verlassen.

Der verlorene Sohn

Nach nur wenigen Schritten trafen wir bereits auf die nächsten Waldmenschen. Eine Mama mit ihrem etwa  drei jährigen Sohn kletterten von Ast zu Ast. Dabei kam uns der kleine Akrobat, der abenteuerliche Kunststücke zum Besten gab, immer näher.

Wir waren so beschäftigt mit Grinsen und Fotos machen, dass wir gar nicht merkten, dass der Kleine direkt neben Alex im Baum hing und plötzlich seinen Arm packte. Loslassen kam für den kleinen Orang Utan nicht in Frage. Er war zum Spielen aufgelegt und biss Alex liebevoll in den Arm, die Finger und die Kniescheibe. Seine Mama blickte auf uns herab und beobachtete das Geschehen aus der Ferne. Dass Alex allem Anschein nach einen Sohn hat und dies mehrere Jahre verschwieg, machte mich beim Anblick des niedlichen Wesens nichtmal sauer 😉 Der Abschied fiel uns sehr schwer. Eine Adoption war wegen der leiblichen Mutter dann doch nicht möglich…

Tierwelt auf Sumatra

Im Dschungel gibt es weitere Bewohner, die wir häufig in der Distanz hörten. So beispielsweise die Gibbons, die sich lauthals durch die Baumkronen schwingen. Die Thomas-Languren haben einen sehr langen Schwanz und eine Frisur. Sie erinnert an eine kleine Krone. Im Bach, der uns die lang ersehnte Erfrischung brachte, begrüßte uns eine Schildkröte. Immer wieder flatterten Schmetterlinge um unsere Köpfe.

Selbstverständlich kreuzten weitere Orang Utans unseren Weg. So zum Beispiel Jackie mit ihrem Kind auf dem Rücken. Ein wildes Männchen beäugte uns argwöhnisch. Die Tiere mit Namen wurden in einer Rehabilitationsstätte großgezogen bzw. aufgepäppelt. Danach ging es für sie wieder in die Freiheit. Diese sind meist an Menschen gewöhnt und weniger scheu. Einen wilden Orang Utan zu sehen ist Glückssache. Unser Kompass schien auf Glück gepolt zu sein. Hier waren wir immerhin nur Besucher auf Zeit und wir sind sehr dankbar, dass wir so toll von der Tierwelt empfangen wurden.

Natur pur im Dschungelcamp

Nach 10km, für die wir etwa 7 Stunden inklusive Mittagspause und mehreren Orang Utan Pausen brauchten, kamen wir endlich im Camp an. Vor allem der letzte Abschnitt war sehr hart, steil und matschig. Keine Stelle unseres Körpers ist trocken geblieben. Als wir den Fluss erreichten, hopsten wir direkt in das eiskalte Wasser. Danach brachten uns Iyon und unser Koch Danni Tee und Kekse – was für ein Luxus.

Das Essen im Camp war göttlich. Abends wurde richtig gutes veganes Essen für uns aufgetischt. Zu jeder Mahlzeit gab es Unmengen an Obst und alles war schön angerichtet. Im Kerzenschein saßen wir gemeinsam mit unseren beiden Begleitern auf Yogamatten und wurden mit Kartentricks und Streichholzspielchen unterhalten. Geschlafen haben wir unter einer an den Seiten offenen Plane unter einem Moskitonetz auf relativ bequemen Matratzen. Umgeben vom lauten Zirpen der Zikaden und dem Plätschern des Flusses war es gar nicht so einfach einzuschlafen. Die Dschungeltoilette besteht aus einem Loch im Boden umgeben von ein paar Steinen. Wer da empfindlich ist, sollte sich lieber für eine Tagestour ohne Übernachtung entscheiden. Wir fanden die Nacht im Dschungel einzigartig und freuten uns am Morgen über unseren gähnenden Besucher. Vielleicht hat der Pavian auch so wenig geschlafen wie wir?

Zitternd zurück nach Bukit Lawang

Am zweiten Tag ist eine Wanderung von 2-3 Stunden optional. Wir entschieden uns dafür und waren nach den ersten Metern wieder ordentlich am Schwitzen. An Lianen hangelten wir uns den matschigen Weg entlang und kamen in den Genuss eines sehr lauten Konzerts der Gibbons. Gesehen haben wir nochmal zwei Orang Utans, die sich ihren Weg durch die Bäume bahnten. Überall raschelte es in den Ästen.

Nach einem kurzen Abstecher zu einem kleinen Wasserfall, wo wir uns wieder erfrischten und Iyon uns mit natürlichen Farben der Kalksteine bemalte, ging es zurück zum Camp. Nach einem letzten sehr leckeren Mittagessen machten wir uns in Reifen sitzend auf dem Fluss zurück nach Bukit Lawang.

Unsere Rucksäcke waren sicher verpackt in Plastiktüten, wir saßen im mittleren Reifen, vorne Danni, hinten Iyon. Schon nach den ersten paar Minuten wurden wir klitschnass und kreischten immer wieder auf, wenn das kalte Wasser uns erwischte. Am Flussrand lachten uns die Makakenfamilien lauthals aus 😉

Am nächsten Morgen brachte uns Iyon sogar zum Bus, um zurück nach Medan zum Flughafen zu kommen. Unsere Tage in Bukit Lawang werden für immer unvergessen bleiben. Wir schliefen und aßen ausschließlich im Thomas‘ Retreat. Das Essen, die Zimmer und vor allem die Angestellten sind hier herausragend. Unsere Reise nach Bukit Lawang und in den Dschungel war einzigartig. Die Momente mit den Waldmenschen kann dir kein Bericht nahebringen, da musst du schon selbst losziehen!

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