Tempeltour im bunten Yogya

Yogyakarta – oder kurz Yogya – ist wie viele asiatische Städte laut, chaotisch und sehr geschäftig. Hier ist immer etwas los. Der Verkehr bricht selbst nachts nicht ab. Wie kleine Ameisen kämpfen sich Autos, Rikschas, Taxis, Busse und Mopeds durch die vollen Straßen. In der Stadt selbst gibt es ein paar wenige Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören der Sultanspalast, der Wassertempel und eine Untergrundmoschee. Überall zahlst du einen kleinen Eintritt und darsf dort so viel Zeit verbringen, wie gewünscht. Den Sultanspalast haben wir gar nicht gesehen, da wir irrtümlich bereits Geld für die vor dem Palast liegende Sultansterrasse gezahlt hatten. Die Untergrundmoschee ist ein seltener Anblick und einen Besuch wert. Es dauerte ein Weilchen bis wir uns hinfanden. Es gibt keine Schilder und die Moschee siehst du erst, wenn du vor ihr stehst. Der Großteil befindet sich logischerweise unterirdisch. Ironman mitten in Yogyakarta zu sehen, ist ebenfalls ziemlich überraschend 😉

Überdosis Vitamine

Viele der kleinen Gassen sind mit Graffiti geschmückt und Alex‘ neues Hemd passte perfekt zu den Farben. Der Vogelmarkt Pasar Ngasem befindet sich ebenfalls ganz in der Nähe. Vögel gibt es schon eine ganze Weile nicht mehr. Dafür gibt’s eine Menge Obst und Gemüse. Das gefiel uns sowieso viel besser! Frische Fruchtsäfte gibt es in Yogya an jeder Ecke. Dabei kannst du dir aus mehr als 20 Obstsorten jegliche Zusammenstellungen aussuchen. Innerhalb von wenigen Minuten haben wir die leckeren Vitaminbomben weggetrunken – bei der Hitze gibt es nichts Besseres.

Ist das überhaupt essbar?

Mit einer Fahrradrikscha ging es zum Titik Nol, dies ist der Mittelpunkt der Stadt. Hier beginnt auch die Jalan Malioboro, die geschäftigste Straße der Stadt. Wer gerne Klamotten oder Stoffe shoppen geht, ist hier genau richtig. Es gibt Batikshops an jeder Ecke. Wir verköstigten uns im Restaurant Legian, wo es ein unglaublich leckeres Gudeg gibt. Gudeg ist ein Gericht, das ganz typisch auf der Insel Java und vor allem in Yogya ist. Die Hauptzutaten des Gerichts sind junge unreife Jackfrüchte, welche über mehrere Stunden in Kokosmilch gekocht werden. Verfeinert wird das Ganze mit Schalotten, Knoblauch, Ingwer, Koriander und anderen Gewürzen. Am Ende werden Teakbaumblätter hinzugefügt, damit sich die Jackfruchtstücke rötlich färben. So sehen sie wie Fleischwürfel aus. Wir haben dieses Gericht mehrfach in verschiedensten Warungs gegessen und nahmen dazu meist Reis. Sau lecker! Eines Abends war Alex experimentierfreudig und bestellte Gudeg zusammen mit Krecek. Wir waren nicht ganz sicher, was dieses Krecek denn sein sollte. Nachdem er seinen Teller vor sich hatte und immer noch unsicher war, wurde sogar eine Mitarbeiterin aus einem anderen Warung geholt. Diese konnte gut Englisch sprechen und unsere Verwirrung aufklären. Krecek ist aufgequollene Hühnerhaut. Oh na dann…

Der Wolf im Schafspelz

Was uns in Indonesien auf die Nerven geht, sind die unglaublich pfiffigen und hinterlistigen Verkäufer. Ein angeblicher Mathelehrer sprach uns in der Jalan Malioboro an. Aus einem anfänglich sehr netten Plausch wurde dann ein Verkaufsgespräch. Er wollte unbedingt, dass wir uns für unsere bevorstehenden Tempelbesuche Sarongs kaufen. Wahrscheinlich hätte er bei einem Verkaufsstand eine Provision bekommen, hätten wir was gekauft. Später stellte sich heraus, dass wir die Sarongs kostenlos bei den Tempeln ausleihen können. Ein noch schlauerer und echt nett wirkender Typ sprach uns direkt auf Deutsch an. Inmitten Yogyas war das eine Überraschung. Wir quatschten einige Minuten über unsere Reise und Deutschland. Er erwähnte beiläufig, dass er Künstler sei. Nur wenige Augenblicke später standen wir in einem der vielen Batikläden, der hier als Kunstausstellung verkauft wurde. Als wir aber sagten nichts kaufen zu wollen, waren die Männer ganz plötzlich abweisend. Das Grinsen verwandelte sich in ein regloses Gesicht. Diese Begegnungen stimmen uns immer wieder enttäuscht. So stumpfen wir ab und winken ein tatsächlich ernst gemeintes Gespräch vorzeitig ab.

Beeindruckender Prambanan

Am Nachmittag fuhren wir mit dem öffentlichen Bus zum Prambanan Tempel. Die meisten Touristen scheinen einen Touranbieter zu wählen. Dieser holt sie direkt vom Hotel ab. Wir wollten gemeinsam mit den Einheimischen für einen Bruchteil des Geldes durch die Stadt tuckern. Mit großen Augen und neugierigen Blicken wurden wir immer wieder angelächelt. Prambanan ist die größte hinduistische Tempelanlage Indonesiens und einer der größten Tempel Südostasiens. Die hohen spitzen Bauformen des im Jahr 850 errichteten Tempels siehst du bereits von Weitem. Die drei größten Schreine des Prambanan Tempels sind den drei Göttern Brahma dem Schöpfer, Shiva dem Zerstörer und Vishnu dem Bewahrer geweiht.

Auf dem gleichen Areal befindet sich fußläufig eine Anlage mit drei kleineren buddhistischen Tempelkomplexen. Etwa einen Kilometer nordöstlich des Prambanan Tempels steht Candi Sewu, der größte buddhistische Tempelkomplex Javas mit fast 250 Haupt- und Nebentempeln. Candi bedeutet auf indonesisch übrigens Tempel.

Einmal lächeln bitte

Am nächsten Tag fuhren wir erneut mit einem öffentlichen Bus. Dieses Mal wollten wir zum Busterminal Jombor. Von dort ging es mit einem Minibus Richtung Borobodur Tempel. Auch hier waren wir weit und breit die einzigen Weißen und wurden immer wieder von oben bis unten beäugt. Borobodur ist 25 km von Yogya entfernt. Der Bus bahnte sich seinen Weg durch grüne Felder vorbei an hohen Palmen. Zu unserer Rechten befand sich die gesamte Fahrt einer der aktivsten Vulkane Asiens – der Mount Merapi. Nach der Ankunft mussten wir von der Haltestelle erstmal durch ein kleines Dörfchen wandern, um zum Tempel zu gelangen. Eine Gruppe Schulmädchen drehte sich immer wieder lächelnd um und kicherte aufgeregt. Zwei Mädels direkt am Bus wollten ein Foto mit mir machen. Europäer scheinen in den Straßen des Dorfes eine Seltenheit zu sein.

Am Eingang bekamen wir die bereits erwähnten Sarongs um die Hüften gebunden und los ging es. Durch die brütende Hitze schlichen wir vorbei an großen Reisegruppen und erhaschten von unten einen ersten Blick auf die kolossale Pyramide des Borobodur. Gebaut wurde der Stupa vermutlich zwischen 750 und 850 während der Herrschaft der Sailendra-Dynastie. Insgesamt neun Stockwerke türmen sich auf der quadratischen Basis. An den Wänden der vier stufenartigen Galerien befinden sich Reliefs mit einer Gesamtlänge von über fünf Kilometern. Diese beschreiben das Leben und Wirken Buddhas. 2011 bis 2017 hat die Bundesrepublik Deutschland mit Finanz- und Sachhilfen die Restaurierung des Tempels finanziert.

Auch beim Tempel selbst war vor allem ich heiß begehrt. Mehrere meist sehr junge Mädchen wollten unbedingt einmal mit mir vor der Kamera posieren. Eine Schulklasse führte sogar noch ein Interview mit mir – eine praktische Aufgabe für den Englischunterricht. Übrigens solltest du dir, wenn du Prambanan und Borobodur besuchen möchtest, ein Kombi-Ticket kaufen. Mit diesem zahlst du insgesamt nur 30€ statt 20€ pro Tempel.

Ach die wollen Hühnchen essen

Geplant war ursprünglich im Anschluss ein Besuch der Chicken Church – eine Kirche in Form eines Huhns. Ja du liest richtig, am besten mal googlen 😉 Daraus wurde am Ende nichts. Dafür haben wir eine witzige Story im Gepäck. Ein Rikschafahrer nickte als wir sagten, dass wir zur Chicken Church wollen. Nach fünf Minuten Fahrt hielt er am Busterminal an und lächelte uns an. Wir meinten, dass wir doch aber zur Chicken Church möchten. Er, wieder breit lächelnd, nickte und trat erneut in die Pedalen. Nach wenigen Metern hielt er vor einem Imbiss. Dieses verkauft gebratene Hühnchen. Wir lachten uns schlapp und konnten mit Hilfe von Google Maps das Missverständnis aufklären. Der Fahrer versteht kein Wort Englisch und wir waren ihm natürlich nicht böse. Nach längerem Gestikulieren stellte sich heraus, dass der Weg zur kuriosen Kirche für eine Rikscha zu steil ist. Wir entschieden uns wieder mit dem Minibus zurück nach Yogya zu fahren.

Unzählige Sterne

Unseren letzten Abend auf Java aßen wir in einem Restaurant auf dem Bukit Bintang. Bukit bedeutet Hügel und Bintang heißt Stern. Von hier kannst du zwar bei Dunkelheit auch ein paar Sterne erkennen. Der Name kommt aber von den unzähligen Lichtern der Stadt, die sich hier vor uns ausbreiteten. Der Sonnenuntergang von unserem Restaurant war ebenfalls spektakulär.

Das Nachtleben in der Jalan Malioboro ist definitiv sehenswert. Nach einem kurzen Platzregen schlenderten wir die Straße entlang vorbei an Schachspielern, bunten Batik-Läden, kleinen rauchenden Essenständen und mehreren Live-Bands. In der sich am anderen Ende des Stadtzentrums befindenden Prawirotaman Straße fanden wir sie dann auch – die anderen Weißen. Hier tummeln sie sich also! In dieser Ecke sahen wir mit Ausnahme der Rikschafahrer, die die betrunkenen Touristen zu ihren Hotels fahren, kaum Einheimische. Das Via Via Restaurant, das ein vielfältiges Menü mit leckeren Gerichten anbietet, ist sehr zu empfehlen. Ansonsten hat diese Ecke der Stadt wenig Charme.

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