Auf Tuchfühlung mit den Urzeitechsen

Nachdem wir von Lombok und Gili Air nicht so angetan waren, musste ein Highlight her. Dass der Komodo Nationalpark uns so beeindrucken würde, hätten wir nicht erwartet. Von Lombok mussten wir erstmal wieder zurück nach Bali fliegen, um dort mit dem Flugzeug auf die östlicher gelegene Insel Flores zu gelangen. Echt nervig und nicht sonderlich nachhaltig zwischen den Inseln hin und her zu fliegen. Dazu kam, dass mein Rucksack es mal wieder nicht auf die Insel schaffte. Der wollte noch eine Weile auf Bali bleiben. Das verzögerte am nächsten Morgen unsere Abreise mit dem Boot in den Komodo Nationalpark. Immerhin macht es keinen Sinn ohne Bikini, Sonnencreme und Moskitospray in den Park zu starten. In der Hauptstadt Labuan Bajo übernachteten wir im Bonne Nuit und aßen beide Abende im Dormy Tree sehr leckeres Mie Goreng. Am Morgen wurden wir von unserem Guide Alex abgeholt, der mit uns gemeinsam dann noch den verlorenen Rucksack vom Flughafen einsammelte. Danach konnte es gemeinsam mit der dreiköpfigen Crew auf unser kleines Boot gehen.

Kannibalen auf Rinca Island

Der Komodo Nationalpark besteht aus drei Hauptinseln – Rinca, Komodo und Padar sowie zahlreichen kleineren namenlosen. Mit einer Landfläche von insgesamt 603 km², bei einer Gesamtfläche des Nationalparks von 1.817 km² ist er enorm. Unsere erste zweistündige Bootsfahrt führte auf Rinca Island vorbei an wunderschönen grünen Hügeln durch türkisblaues Meer. Sonnencreme auftragen ist hier absolut Pflicht!

Auf Rinca Island übergab uns unser Guide an einen erfahrenen Ranger. Er führte uns über Teile der Insel, um die gigantischen Komodowarane zu sichten. Diese majestätischen Tiere gibt es nur noch im Komodo Nationalpark. Überall sonst sind sie bereits seit Langem ausgestorben. Als wir unseren ersten Waran erblickten, waren wir baff . Ihn neben einem riesigen Wasserbüffel zu sehen, war wirklich Wahnsinn. Was für unglaublich große Tiere! Die wilden Wasserbüffel, die auf der Insel leben, sind übrigens die Hauptnahrungsquelle der Komodowarane. Äh da mussten wir erstmal verarbeiten. Eine ziemlich krasse Vorstellung, wenn du bedenkst, wie kräftig ein solcher Büffel ist. Die Urzeittiere beißen den Büffel und dieser stirbt durch ein Bakterium innerhalb der darauf folgenden zwei Wochen. Überall auf der Insel verteilt, sahen wir weiße Exkremente. Die Echsen fressen den kompletten Büffel komplett – inklusive Knochen, nur der Schädel und die Hörner bleiben am Ende übrig.

Tagsüber sind die Komodowarane eher faul und liegen im Schatten herum. Nichtsdestotrotz solltest du niemals zu nahe kommen, denn auch für Menschen kann das durch einen Biss übertragene Bakterium ohne sofortige medizinische Versorgung tödlich enden. Deshalb solltest du den Park niemals ohne Ranger erkunden.  Zusätzlich erhältst du durch den Ranger spannende Infos über die dinosaurierartigen Tiere. Sie legen beispielsweise einmal jährlich 15-30 Eier. Wenn nur eines der Babies schlüpft und überlebt, ist das bereits ein Erfolg. Bis die Kleinen schlüpfen dauert es etwa 7-9 Monate. Temperaturschwankungen, zu viel Regen oder andere Fressfeinde stellen eine Gefahr für die Eier dar. Die Babywarane lernen ihre Eltern nie kennen. Sie sind Einzelgänger und leben die ersten drei Jahre ihres Lebens in einem Baum. Dort ernähren sie sich von Insekten, Geckos und kleinen Vögeln. Erst nach diesen drei Jahren verlassen sie den Baum und können nicht mehr so einfach von ihren Artgenossen verspeist werden. Ja du liest richtig, die Tiere sind Kannibalen. Das auch noch!

Unterwasserwelt vom Feinsten

Nachdem wir auf Rinca Island mehr als zwanzig eher faule Warane entdeckt hatten, ging es weiter Richtung Pink Beach. Die Bootsfahrt zu diesem wunderschönen kleinen Strand führt erneut vorbei an faszinierenden Landschaften.

Pink Beach schimmert leicht rosa, da die Korallen, die sich in unmittelbarer Nähe im Meer befinden, kleine Splitter verlieren. Diese kleinen Teilchen werden an den Strand geschwemmt und geben diesem seine besondere Farbe. Entlang des Strandabschnitts schnorchelten wir und waren einfach nur begeistert von den unzähligen bunten Fischen. Ein wunderschönes gesundes Korallenriff tat sich unter uns auf.

Die Crew und unser Guide Alex waren wirklich umwerfend. Sie gaben sich größte Mühe, um uns eine angenehme Zeit zu bereiten. Alle waren freundlich und in einer winzig kleinen Küche zauberten sie uns extrem leckeres veganes Essen. Wir möchten dieses Erlebnis mit Top Komodo Tours nur jedem empfehlen. Die kleine Schlafkabine ist zwar einfach und eventuell läuft dir das ein oder andere Ungeziefer über den Weg, aber für eine Nacht mitten auf dem Meer ist das auszuhalten.

Gegen Abend ging es zu einer ruhigen Bucht vor Komodo Island, wo die Crew unser Boot ankerte und wir die Nacht verbrachten. Gen Sonnenuntergang saßen wir auf dem Bootsdach und genossen die absolute Stille um uns. Zwei Raben leisteten uns Gesellschaft. Ein Seeadler zog seine Kreise über unserem Boot. Bevor die Sonne komplett verschwand, waren wir in dieser Bucht neben ein paar kleinen Fischerbooten die einzigen Menschen weit und breit. Unser Schiffchen schaukelte in den Wellen und wir inhalierten die Szenerie mit einem 360 Grad Blick. Nachdem die Sonne hinter den Hügeln verschwunden war, zogen einige Flughunde von einer Insel zur nächsten. Wenig später eröffnete sich uns ein einzigartiger Sternenhimmel. Fernab von den Lichtern der Städte konnten wir so Satelliten und Sternschnuppen beobachten. Unter der Milchstraße kamen wir uns klein und unbedeutend vor.

Besser kann ein Tag nicht starten

Am nächsten Morgen klingelte unser Wecker um 5.30 Uhr. Es war Zeit die Sonne wieder zu begrüßen. Dies toppte den Sonnenuntergang vom vergangenen Abend sogar noch einmal. Während die Sonne den Himmel in rot, pink, orange und gelb tauchte, schipperten wir von unserer Bucht nach Komodo Island. Ein schöneres Frühstück können wir uns nicht vorstellen.

Komodo Island ist die größte Insel im Nationalpark. Hier leben gleichzeitig die größten Warane. Gleich am Strand begrüßten uns ein paar faule riesige Exemplare, die die ersten Sonnenstrahlen aufsaugten. Da es noch so früh war und wir wieder mit einem Ranger durch den Park wanderten, sahen wir auch einige aktive Tiere. Wenn die Warane laufen, erinnern sie ein wenig an Krokodile. Ein bisschen Angst hatte ich schon. Während sie langsam vorwärts schreiten, strecken sie immer wieder ihre schlangenartige Zunge heraus. Mit dieser riechen sie.

Hier ist also das Paradies

Nach einer schwitzigen Wanderung durch Komodo Island ging es weiter zum Manta Ray Point. Hier hüpften wir wieder in das kühle Nass. Bist du schon mal mit Mantarochen geschwommen? Die majestätischen Wesen können vier bis fünf Meter groß werden. Was für ein Anblick! Schade, dass wir keine Unterwasserkamera haben. Aber letztendlich hätte diese den Moment niemals festhalten können. Die Meeresriesen sind friedlich, aber wiegen bis zu zwei Tonnen. Unglaublich! Zusätzlich gibt es im Nationalpark Schildkröten, hunderte Fischchen und Korallen zu sehen. Tauchen musst du hier gar nicht unbedingt. Das Gewässer ist so flach, dass du auch beim Schnorcheln die atemberaubende Unterwasserwelt ganz nah zu sehen bekommst.

Zum Abschluss unserer Tour schnorchelten wir bei Kanawa Island und Angel Island. Die strahlend weißen Strände, der tiefblaue Himmel und die glasklaren Gewässer haben es uns angetan. Der Aufenthalt im Komodo Nationalpark war unser bisheriges Highlight in Indonesien. Wir würden jederzeit wiederkommen und auch die Insel Flores noch gerne näher erkunden.

2 Kommentare Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s