Kein Geheimtipp mehr

Next Stop: Kuta auf der indonesischen Insel Lombok. Diese liegt direkt im Osten neben Bali und ist die weniger touristische Destination. Der Flug von Bali dauert rund 25 Minuten. Vom Flughafen auf Lombok sind wir nochmal 30 Minuten mit dem Taxi in die Stadt Kuta gefahren. Es stellte sich schnell heraus, dass Kuta ein kleines Dörfchen und die Bezeichnung Stadt nicht wirklich passend ist. Hier ticken die Uhren langsamer und der Ort wirkt fast unberührt vom Tourismus. Allerdings ändert sich diese Annahme, sobald du die „Strandpromenade“ erreicht hast. Hier gibt es viele Bars und Restaurants, die ausschließlich von Reisenden besucht werden. Angelockt von der guten Live Musik gingen wir am ersten Abend in die Surfer Bar. Die Drinks waren eher mittelmäßig, dennoch füllte sich die Bar mit vielen weiteren Bules. Happy Hour olé! Als Bule werden in Indonesien weiße Touristen bezeichnet.

Energie tanken in Kuta

Am nächsten Morgen gab es – wie soll es anders sein – Bananenpancakes in unserer Bleibe Join Homestay. Anstatt geplanten drei Nächten blieben wir allerdings nur zwei. Das lag nicht an den Pancakes 😉 Irgendwie fühlten wir uns hier nicht wohl und dementsprechend entschieden wir uns vorzeitig nach Gili Air zu reisen. Unseren einzigen vollen Tag verbrachten wir am Strand von Kuta, der allerdings nicht unseren Erwartungen entsprach. Hier liegt mehr Müll als Sand und so richtig Urlaubsfeeling wollte bei uns nicht aufkommen. Nichtsdestotrotz brauchten wir mal wieder einen solchen Tag, um unsere Energie aufzuladen, ein wenig zu lesen und im Wasser zu planschen.

Überraschungsei

Am frühen Nachmittag machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung und wir mussten frühzeitig aufbrechen. Es regnete wie aus Eimern. Diese plötzlichen starken Regengüsse, die meist nicht länger als 30 Minuten anhalten, sind ganz typisch für die Regenzeit in Asien. Wir suchten uns ein kleines Warung und freuten uns auf unsere vegetarischen Gerichte. Da Alex beteuerte kein Ei zu essen, wollte ihm der Koch mit einem Stück Hühnchen eine Freude machen. So viel zum Thema „Just vegetarian, no eggs please.“ Den Rest des Tages verlagerten wir unsere Heute-machen-wir-mal-nix Laune auf unsere kleine Terrasse. Abends ging es noch in die nur wenige Meter entfernte Burger Zone, wo es laut TripAdvisor sehr gute Burger gibt. Dort bestellten wir vegetarische Burger und sagten extra noch, dass wir keinen Käse haben möchten. Überraschung – dafür hatten wir auf unserem vermeintlich veganen Burger noch ein Spiegelei 🙂 Nichtsdestotrotz sind die Burger und Pommes hier absolut zu empfehlen.

Quer durch Lombok

Am Folgetag wurden wir 8 Uhr vom Shuttletaxi abgeholt, das uns zum Ort Bangsal im Norden Lomboks brachte. Hier fahren die Fähren zu den drei kleinen Inseln Gili Trawangan, Gili Meno und Gili Air. Wir entschieden uns für letzte. Gili Trawangan soll eine Partyinsel sein, Gili Meno hingegen ist extrem ruhig und Gili Air ein Zwischending. Somit dachten wir uns für die richtige Insel entschieden zu haben. Mit dem Shuttle von Kuta nach Bangsal brauchst du in etwa zwei Stunden und fährst einmal quer über die Insel. Somit bekamen wir auch auf Lombok die Reisfelder, den Dschungel und die unzähligen Moscheen zu Gesicht. Hier war deutlich zu spüren, dass nicht wie auf Bali der Hinduismus sondern der Islam die Hauptreligion darstellt. Am Straßenrand entdeckten wir ganz viele kleine Äffchen, die alle nur darauf warten, dass die offenen kleinen Transportwägen Gemüse oder andere Leckereien verlieren. Besonders niedlich ist es, wenn die Affen auf der Leitplanke sitzen und sich gegenseitig die Flöhe aus dem Fell suchen.

Größte Moschee Lomboks

Wo ist das Paradies?

Die Fahrt von Bangsal zur kleinen Insel Gili Air dauert nicht einmal eine halbe Stunde. Die öffentlichen Fähren sind einfache Holzboote, die aber sehr viele Menschen und noch viel mehr Lebensmittel, Koffer, Pakete und Rucksäcke mitnehmen können. In Deutschland würden bei einem solch vollen Boot alle den Kopf schütteln. Auf Gili Air übernachteten wir im Botanic Gardens in einem kleinen Holzbungalow mit Außenbad. Diese Unterkunft ist preiswert und wunderschön mit sehr leckerem Frühstück. Auf Gili Air fahren keine Autos, es gibt nur Fahrräder, Elektroroller und Pferdekutschen. Leider sind die Pferde allesamt dünn und sehen krank aus. Nicht mal für eine Schale Wasser in der Mittagshitze scheint das Geld da zu sein. Wir bewegten uns zu Fuß fort, was bei der Größe der Insel kein Problem ist. Sie zu umrunden dauert etwa 1,5 Stunden. Am ersten Tag erkundeten wir die Hauptstraße, wo es viele Restaurants, Warungs und Touranbieter gibt. Wir schlenderten die Ost-, Süd- und Westseite der Insel ab. Die schmalen relativ dreckigen Strände, enttäuschten uns total. Irgendwie hatten wir uns das alles viel paradiesischer und vor allem ruhiger vorgestellt. Die meisten Strandabschnitte gehören zu Bars oder Restaurants. Überall stehen Liegen, aber sich einfach irgendwo hinzulegen ohne etwas zu bestellen, geht nicht.

Stummelschwanzkatzen

Was in Indonesien auffällt, sind wie vielen streunenden Hunde und Katzen. Bei den häufig sehr dünnen Samtpfötchen ist dabei ein Merkmal einzigartig. Fast allen fehlt der Schwanz. Zuerst nahmen wir an, dass die Tierchen ihre Schwänze durch Autounfälle oder böswillige Menschen verloren haben. Das wären ganz schön viele Unfälle. Nach kurzer Recherche fanden wir heraus, dass es sich um einen einfachen Gendefekt handelt. Wir waren auf jeden Fall beruhigt. Dadurch, dass die Katzen mit Stummelschwanz nicht wie andere ihrer Art mit dem Schwanz kommunizieren können, miauen die indonesischen Katzen viel lauter.

Merkst du was?

Auf den drei Gilis wächst eine bestimmte Pilzart, die du vielleicht als Magic Mushrooms kennst. Diese Pilze führen bei Verzehr zu Halluzinationen und Bewusstseinserweiterung. Trotz dem sie auf den Gilis illegal sind, werden sie an vielen Strandbars in Form eines Getränks verkauft. Wir wollten uns das Ganze nicht entgehen lassen und mal erleben, wie sich ein solcher Mushroom Trip so anfühlt. In einer Strandbar mit sehr gutem DJ fragten wir schüchtern nach einem Mushroom Shake. Der Kellner wies darauf hin, dass es diese in verschiedenen Stärken gibt. Wir entschieden uns aus Vorsicht für die leichtere Version. Als wir unsere winzigen Shakes in Kaffeetassen in der Hand hielten, waren wir skeptisch. Gemischt werden die Pilze mit Red Bull und Ananassaft, was gar nicht schlecht schmeckt. Wir bestellten noch zwei Drinks ohne Mushrooms, saßen direkt am Strand und beobachteten das Geschehen. Dazu sehr gute Elektromusik. Nach etwa einer Stunde wirkte alles sehr viel intensiver – die Lichter waren bunter, das Lagerfeuer loderte stärker, die Musik vibrierte und wir mussten immer wieder kichern. Mehrfach vergewisserten wir uns gegenseitig, ob der andere auch etwas fühlt: „Merkst du was?“ Als es zu späterer Stunde ein paar kostenlose Snacks gab und Alex diese vom Buffet holte, lief er gefühlt unendlich langsam. Die Zeit schien still zu stehen und wir hatten ein wenig das Gefühl, von allen Seiten angestarrt zu werden. Letztendlich ärgerten wir uns, dass wir uns nicht doch für die etwas stärkere Version entschieden hatten. Die Wirkung ließ nach nur 1,5 Stunden bereits komplett nach. Nichtsdestotrotz war das eine sehr angenehme Erfahrung und wir hatten am nächsten Tag weder Kopfschmerzen noch andere Nachwirkungen.

Unterwasserwelt auf Gili Air

Am zweiten Tag gingen wir an der Ostseite der Insel schnorcheln. Hier soll es Schildkröten, ein wunderschönes Riff und zahlreiche Fische geben. Weit draußen fanden wir dann nach ewigem Schwimmen einige Fischchen und ein paar Korallen. Diese hatten ihre besten Tage bereits hinter sich gelassen. Keine einzige Schildkröte kreuzte unseren Schnorchelweg. Gili Air enttäuschte uns erneut. In einer Strandbar im Norden entspannten wir, aßen Mittag und stellten uns unter, als ein gigantischer Regenguss startete. Dieser hielt bis in die Nacht und die Morgenstunden des nächsten Tages an. Somit bissen wir in den sauren Apfel und liefen durch den strömenden Regen zurück zum Botanic Gardens Hotel. Da die Wege auf der Insel nicht befestigt sind, wateten wir immer wieder durch tiefe Schlammpfützen.

Gili Air war für uns nicht das, was wir uns von dem vermeintlichen Inselparadies versprochen hatten. Wahrscheinlich waren nach Inseln wie Caye Caulker in Belize oder Sansibar in Tansania unsere Erwartungen einfach zu hoch geschraubt. Leider hat der Tourismus hier schon vor vielen Jahren Einzug gehalten. Das einstige Paradies ist heute eine große Restaurantmeile mit mittelmäßigen, teilweise zugemüllten Stränden. Falls du nach einsamen Stränden Ausschau hältst oder wunderschöne Korallenriffe entdecken möchtest, bist du hier falsch. Tipp von anderen Reisenden: Lieber die unbekannteren Gilis im Südwesten Lomboks besuchen. Beim nächsten Mal dann!

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