Achterbahn ins Ferienlager

Was gibt es sechs Tage lang in Brisbane zu tun? Naja, so richtig viel nicht. Wir hatten bereits im Vorfeld bei Sunrover Tours eine dreitägige Tour nach Fraser Island gebucht. Wir checkten also in unser Base Hostel direkt in der Innenstadt ein und erhielten dann als erstes die Nachricht, dass die dreitägige Tour mangels weiterer Teilnehmer abgesagt wurde. Alternativ bot man uns an, die zweitägige Tour mitzumachen. Wir entschieden uns für das Alternativangebot. Am folgenden Tag ging es nach einer unruhigen Nacht wie geplant 6.45 Uhr los auf die größte Sandinsel der Welt.

Fraser Island liegt etwa 3,5 Stunden entfernt von Brisbane. Mit einer Fähre fuhren wir gemeinsam mit unserem Guide Dave und unserer Gruppe, die aus zwei Holländern, einer Kanadierin und zwei Franzosen bestand, ins Unbekannte. Die Insel darf ausschließlich mit Geländewagen befahren werden. Es gibt keine Straßen. Wir hatten auch über die Option nachgedacht, uns selbst ein Fahrzeug zu leihen. Ohne Erfahrung und gute Ausrüstung können wir im Nachhinein nur abraten. Unser erstes Ziel war das Dilly Camp, in welchem wir am Abend unser Nachtlager aufschlagen würden. Dort gab es einen Mittagssnack und wir bauten schon mal die Zelte auf. Das Equipment wird komplett vom Anbieter gestellt – dazu gehören ein geräumiges Zelt, Yogamatten und Schlafsäcke. Ein Kissen und eine dickere Unterlage wären definitiv von Vorteil gewesen. Zu unserer schrecklichen schlaflosen Nacht später mehr…

FraserIsland01

Gemeingefährliche Keksattacke

Nun konnte es losgehen auf große Entdeckungstour der Insel. Zur Einstimmung fuhren wir über Stock und Stein zum weltweit einzigen auf Sand wachsenden Regenwald. Dort erzählte uns Dave einiges über die heimische Pflanzen- und Vogelwelt. Unglaublich klare Bäche durchziehen die Insel. Anfänglich erkennten wir diese erstmal gar nicht, das Wasser ist unsichtbar. Darauf ging es weiter zum Lake McKenzie, dem größten See der Insel. Der Weg dorthin gleicht einer Achterbahnfahrt. Ich saß gemeinsam mit Emma aus Kanada ganz hinten und hier war die Fahrt besonders rau. Mehrfach stießen wir mit den Köpfen an die Autodecke. Eine leichte Gehirnerschütterung hätte mich nicht gewundert. Irgendwann attackierten uns sogar die Äpfel und Kekse, die Dave als Snack in den Kofferraum gepackt hatte, hinterhältig von hinten 🙂 Bei einer solchen Fahrt lernst du definitiv die Handgriffe an der Autodecke zu schätzen.

Die Farbpalette rauf und runter

Der Lake McKenzie blendete uns erstmal mit seiner Schönheit und den außergewöhnlichen Farben – türkisblaues klares Wasser, weißer feiner Sandstrand und grüne Wälder. Nachdem wir den ganzen Tag geschwitzt hatten, war der See der perfekte Abschluss des Nachmittags. Wir blieben relativ lange im Wasser und lernten die anderen unserer Gruppe ein bisschen besser kennen.

Der Mond ist aufgegangen, die goldenen Sternlein prangen

Auf dem Weg zurück ins Camp gab es wieder eine der bereits bekannten Achterbahnfahrten entlang des Meeres. Ein riesiger Iguana erwartete uns bereits in den letzten Strahlen der Sonne und hatte auch die Campküche bereits nach Essensresten durchsucht.

Das abendliche lang ersehnte Mahl haben wir zusammen mit weiteren Reisegruppen verspeist. Die Guides bereiteten Fleisch und Fisch auf dem Grill zu. Für uns gab es Tofu und Linsenbratlinge, dazu Salat und Knoblauchbrot. Unsere kleine Gruppe wollte dann einfach nur weg vom Trubel. Gemeinsam mit Dave liefen wir mit unseren Taschenlampen bewaffnet durch die Dunkelheit zum Strand. Dabei erhaschten wir Blicke auf Dingos. Sie gehören zur Familie der Hunde und leben wie Wölfe als wilde Tiere. Am Strand gab uns Dave noch eine kleine Sternenkunde der südlichen Hemisphäre und ließ uns unter dem vollen Mond den Tag Revue passieren.

Durchzechte Nacht im Ferienlager

Nach einem vollgepackten Tag bei über 30 Grad und einer Menge Sonne freuten wir uns alle sehr auf unsere „Betten“ und verabschiedeten uns bereits 22 Uhr. Am nächsten Morgen hieß es 5.30 Uhr den Sonnenaufgang bewundern und vorher Energie sammeln. Daraus wurde leider nix! Der Boden war hart, wir hatten keine Kissen und die anderen Gruppen hatten wohl einen anderen Plan als wir. Wir verstehen, dass 18-Jährige andere Vorlieben haben als wir, aber als einige Spanier sich 1.30 Uhr lauthals miteinander unterhielten und die Musik immer lauter wurde, wären wir am liebsten an die Zeltdecke gesprungen. Irgendwann wanderten sie auch noch halb schreiend an unseren Zelten vorbei Richtung Strand. Wir wünschten uns insgeheim, dass die Dingos sie fressen würden 😉 5.15 Uhr klingelte nach nur wenigen Stunden Schlaf unser Wecker und wir staksten gemeinsam mit unseren fünf neuen Bekanntschaften zum Strand. Der Sonnenaufgang war es wirklich wert, aber die Laune war bei uns allen nicht so besonders an diesem Tag. Vor allem gestört hat uns, dass sich keiner der Guides verantwortlich fühlte und die Partylöwen in die Schranken wies.

Fischfutter, Luxusliner und 80 Millionen Liter Wasser

Nach einem dürftigen Frühstück hieß der erste Stopp des Tages Lake Wabby. Zu diesem wanderten wir durch einen lichten Wald und über eine riesige Sandfläche. Die großen Dünen luden zum Spielen ein. Etwa 40 Minuten später erreichten wir den kleinen aber tiefsten See der Insel und kühlten uns für ein paar Minuten ab. Kleine Fische vergnügten sich an unseren Hautschüppchen. Dank der Kitzelattacke erhellte sich die Stimmung bei uns endlich ein wenig.

Auf dem Weg zum Eli Creek hielten wir am Maheno Schiffswrack, welches 1935 aufgrund eines Sturms in Fraser Island auflief. Der ehemalige Luxusliner wurde anfänglich von den Bewohnern der Insel als Partyschiff genutzt. Mittlerweile siehst du nur noch wenige Teile des Decks.

Eli Creek ist einer der außergewöhnlichsten Orte der Insel. Hier fließt klares Grundwasser vom Inneren der Insel ins offene Meer. Dabei landen täglich 80 Millionen Liter im Ozean. Lass dir das mal durch den Kopf gehen. Wir wateten durch das ziemlich kalte Nass und wagten es zwischendurch uns hineinzulegen und treiben zu lassen. Nach einer Weile kribbelten die Füße vor Kälte. Der kleine Bach wird zwar täglich besucht und auch an diesem Tag waren viele Besucher vor Ort, aber immer mal wieder hatten wir Teile der Strömung für uns alleine.

Gebt uns ein Bett

Auf dem Rückweg nach Brisbane fuhren wir zurück auf dem Festland entlang des Rainbow Beach. Der Sand ist hier mal weiß, mal schwarz, mal rot und mal orange. Wir verabschiedeten uns von unserem sympathischen Guide Dave, tauschten Kontakte mit unseren Mitreisenden aus und schleppten uns geschafft zurück zum Hostel. Am Abend kochten wir Nudeln und fielen dann todmüde in unsere Betten. Der Schlaf der Gerechten ist hier absolut passend. Erst nach über neun Stunden wachten wir auf und hatten wieder Energie, um Brisbane zu erkunden.

 

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