Der australische 25-Stunden-Tag

Von Woolgoolga bis zu unserem Ziel Brisbane lagen noch einige Zwischenstopps vor uns und auch so einige Kilometer. Im berühmten kleinen Strandstädtchen Byron Bay schliefen wir im Byron Holiday Park. Der Camper musste mal wieder geladen werden und wir brauchten ordentliche Duschen. Kostenlose Campingplätze wirst du in Byron Bay und Umgebung vergeblich suchen. Die Stadt ist nicht unbedingt für das kleine Budget geeignet.

Hallo aus dem Osten des Ostens

Byron Bay ist relativ klein und wenn du nicht tagelang am Strand chillen möchtest, reichen 1-2 Tage hier vollkommen aus. Obwohl die Stadt vor allem von Hippies aufgesucht wird, hat der Kapitalismus hier das Zepter in der Hand. Nach einem kostenlosen Parkplatz brauchst du nicht suchen – es gibt schlicht und einfach keine. Da mussten wir in den sauren Apfel beißen. Wir sind bei hohen Temperaturen zum Cape Byron gewandert. Hier gelangst du zur östlichsten Spitze des australischen Festlandes. Wir müssen zugeben, der Blick über den türkisblauen Ozean und die Buchten Byrons ist faszinieren. Ebenfalls befindet sich am Cape Byron ein weiß strahlender kleiner Leuchtturm, der bereits von Weitem zwischen den grünen Bäumen aufblitzt. Auf dem Rückweg vom Cape in die Stadt machten wir Stopp am Watego Beach. Die Abkühlung in den Wellen tut bei der Hitze gut. Der Strand ist nicht so überrannt wie der Main Beach direkt an der Promenade in Byron Bay. Außerdem haben wir hier wieder den für Australien typischen Kookaburra entdeckt. Dieser Vogel wird im Deutschen wegen seines äußerst witzigen Rufs als lachender Hans bezeichnet. Am Horizont entdeckten wir sogar eine Delfinschule. Nein, es ist keine Delfinherde. Etwa fünf bis sechs Tiere konnten wir zählen. Immer wieder blitzten Schwanzflossen und teilweise sogar mal ein halber Delfin aus dem Wasser. Was für ein wunderschöner Anblick.

Flinke Zeitgenossen am Strand

In der Stadt haben wir uns bei Finn Poké ein leckeres hawaiianisch-pazifisches Mittagessen gegönnt. Nach der nötigen Stärkung sind wir durch die Stadt gebummelt und haben uns die unzähligen Meditationszentren und Hippieläden angeschaut. Selbst die Hunde sind hier tiefenentspannt. Im Arts & Industry Center haben sich Künstler und Unternehmer niedergelassen und verkaufen von Skulpturen über Möbel bis hin zu Gemälden alles mögliche, was nicht in den Rucksack passt. Wir fanden diesen Teil der Stadt nicht besonders. Er ist so ausgelegt, dass die Fortbewegung nur mit dem Auto Sinn macht. Die einzelnen Galerien und Shops liegen nicht fußläufig beieinander und Fußgängerwege gibt es gar keine. Außerdem hat der Industrieteil den Kunstteil deutlich überwogen. Bevor wir wieder aufbrachen, wollten wir uns nochmal in die Wellen werfen und haben das am Tallow Beach getan. Hier waren vereinzelte Surfer und Sonnenanbeter anzutreffen. Diesen Strand solltest du dir nicht entgehen lassen, wenn du ein wenig abseits von den Touristenpfaden chillen möchtest. Viele kleine Krabben haben noch viel mehr kleine Krabbensandkügelchen gebastelt. Wenn du ganz ruhig bist, kannst du die kleinen flinken Tierchen beobachten.

Kostenlose Konzerte bei gespenstischer Stimmung

Im nahegelegen Mullumbimby haben wir einen erschwinglichen Campingplatz direkt an einem Rugbyfeld gefunden und dort die Nacht verbracht. Hier beobachteten wir Kakadus und andere Vögel, die uns ein kostenloses Konzert spielten. Bei einem kleinen Spaziergang konnten wir den Mount Warning aus der Ferne sehen. Der Berg wirkt zwar klein, ist aber stolze 1.156 m hoch. Vor etwa 23 Millionen Jahren ist er durch einen Vulkanausbruch entstanden. Beim Abendessen saßen wir draußen, während tausende Vögel Richtung Meer an uns vorüberzogen. Umso dunkler es wurde, desto mehr riesige Fledermäuse rauschten direkt über unsere Köpfe. Die gespenstische Stimmung war mal wieder unbeschreiblich. Am nächsten Tag fanden wir heraus, dass es sich dabei um die in Australien heimischen Flughunde handelte. Leider kamen mit der Dunkelheit auch hunderte Mücken aus ihren Verstecken. Wir mussten wieder in unseren Campervan fliehen. Am Morgen beim Frühstück genossen wir ein letztes Mal das australische Vogelkonzert.

Wer hat an der Uhr gedreht?

Auf den letzten Kilometern vor der Grenze zwischen den Bundesstaaten New South Wales und Queensland liegt die Landzunge Fingal Head. Der Seefahrer James Cook hat diese 1770 erstmalig entdeckt. Dort befindet sich ein winzig kleiner Leuchtturm und über Millionen Jahre entstandene Basaltformationen, die aus dem Wasser ragen. Im nur wenige Kilometer nördlichen Ort Tweed Heads mussten wir dann zu einer KFZ Werkstatt und einen größeren Steinschlag in der Windschutzscheibe reparieren lassen. So schnell können 65€ weg sein. Im Anschluss suchten wir ein Restaurant, da wir unglaublich hungrig waren. Es war bereits kurz vor halb drei. Dummerweise machten alle Restaurants 14.30 Uhr zu und wir fuhren unwissend weiter in den Bundesstaat Queensland. Dort war glücklicherweise noch alles geöffnet und wir wunderten uns während des Mittagessens, dass die Uhr im Restaurant 13.45 Uhr anzeigte. Vielleicht war sie stehen geblieben? Später schauten wir auf unsere Handys und die Verwirrung war uns ins Gesicht geschrieben. Der nette Restaurantbesitzer erklärte uns dann, dass Queensland im Gegensatz zu New South Wales keine Sommerzeit hat. So bekamen wir an diesem Tag eine Stunde geschenkt.

Schattenspendende Wolkenkratzer

Auf dem weiteren Weg nach Brisbane geht es durch eine Ansammlung von Orten, die zusammen wie eine riesige Stadt wirken. Selbst aus der Entfernung waren wir von der enormen Skyline überrascht. Hier findest du ein Hotel neben dem nächsten und Unmengen an Shoppingmöglichkeiten. Uns hat’s überhaupt nicht gefallen. Auch die weltweit gehypte Gold Coast ist unserer Meinung nach vollkommen überbewertet. Die Stadt hat keinen Charakter. Der Strand ist total weitläufig und schön. Hier gibt es dank der Hochhäuser sogar Schattenplätze.

GoldCoast

In Brisbane angekommen hieß es dann erneut Abschied nehmen. Bei einem Sammeldepot gaben wir unser zweites geliebtes Zuhause auf Rädern ab. Dieses begleitete uns 3.085 km durch den Süden und Osten Australien. Mit der S-Bahn ging es dann zum Stadtzentrum, wo unser Hostel mit festem Bett, warmer Dusche und spülbarer Toilette wartete. Die kleinen Freuden des Reisenden.

Autoabgabe

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