Australiens Regenanbeter mit Beutel

In Sydney sind wir am Morgen früh los, um die Blue Mountains noch bei Sonnenschein zu Gesicht zu bekommen. Hat dann auch ganz gut funktioniert und bereits auf der Fahrt konnten wir immer wieder Blicke über die Landschaft erhaschen. In Katoomba, einem kleinen Örtchen direkt im Nationalpark, campten wir auf einem sehr schönen und vor allem ruhigen Campingplatz. Bunte Vögel flogen dicht über unseren Köpfen, während wir in unseren Campingstühlen saßen.

Drei blaue Schwestern

Aufgrund von Zeitmangel, wegen des bereits angekündigten heftigen Regens, entschieden wir uns in die Scenic World zu gehen und dort den Tag zu verbringen. Hier gibt es drei verschiedene Bahnen, die uns zu unterschiedlichen Punkten in den Blue Mountains brachten. Die Fahrten sind jeweils sehr kurz, aber ermöglichen es, innerhalb von kürzester Zeit viele Aussichtspunkte zu erreichen. Zwei Gondeln und die steilste Passagierbahn der Welt bringen dich entweder direkt nach unten in den Regenwald oder zu den Three Sisters. Diese Felsformation wurde von den Aborigines als drei Schwestern getauft. Im Unterholz lässt es sich bei der Hitze gut aushalten und wir spazierten zwischen riesigen von Lianen behangenen Bäumen. Der leichte Nieselregen, der auf unsere Haut prasselte, war eine willkommene Abkühlung. Bei der steilen Bahn musst du dich übrigens wirklich festhalten. Bei 64 Grad Gefälle kannst du schon mal auf den Passagier im Sitz vor dir fallen 🙂

In der Gondel auf dem Weg zu den Three Sisters platzten die Wolken auf. Unmengen an Regen prasselten auf die Scheiben nieder. Wir sind direkt wieder zurückgefahren, sonst wären wir bis auf die Knochen durch gewesen. Kurz ein wenig drinnen aufgehalten und schon hörte der Regen auf und wenige Minuten später strahlte uns blauer Himmel entgegen. Also zurück zur Gondel und zweiten Versuch gestartet. Dieses Mal hatten wir mehr Glück.

Durch ein von den Eukalyptusblättern ausgeschiedenes Sekret und den leichten Nebel wirken die Berge hier blau. So richtig blau empfanden wir es nicht, aber schön ist die Natur hier auf jeden Fall. Überall riecht es lecker nach Eukalyptus. Am Abend haben wir uns noch unsere Campingstühle geschnappt und einen wunderbaren Sonnenuntergang angeschaut, während Papageien über unsere Köpfe flogen.

Känguruhausen

Am nächsten Morgen konnten wir sogar noch bei blauem Himmel draußen frühstücken. Kaum hatten wir unsere Sachen im Auto verstaut, bildete sich um uns dichter Nebel und es begann zu regnen. Dieser Regen hielt die kommenden Tage an und wir vermissten die Sonne. Leider regnete es so sehr, dass wir kaum unseren Camper verlassen konnten. Wir entschieden uns an diesen Tagen längere Strecken zurückzulegen. Nur rumsitzen und auf besseres Wetter hoffen, bringt nichts. In Bulahdelah legten wir am Abend einen Zwischenstopp ein und erfreuten uns an den vielen Kängurus, die wir vom Fenster unseres Campers beobachteten. Kängurus scheinen Regen und das damit einhergehende frische Gras zu lieben. Na da können wir dem Ganzen selbstverständlich gleich etwas abgewinnen. Selbst eine Mama mit Kind im Beutel posierte für die Kamera und wir waren im Känguruhimmel.

Koalabärchen

Am Tag darauf ließ der Regen kaum nach und wir statteten dem Koala Hospital in Port Macquarie einen Besuch ab. Dort werden kranke und verletzte Koalas wieder aufgepäppelt, um dann wieder in die Freiheit entlassen zu werden. Allerdings müssen manche Tiere ihr Leben lang dort verbringen. Sie sind zu krank, um alleine in ihrem natürlichen Umfeld zu überleben. Ein Koala sucht sich seine Bäume ganz genau aus und lebt, isst und schläft nur auf etwa 3-4 Bäumen. Wenn diese abgeholzt werden, verliert der Koala seinen Lebensraum. Viele der Koalas haben durch Waldbrände schlimme Brandwunden und wieder andere sind durch eine Augenkrankheit, die bei Koalas weit verbreitet ist, erblindet. Koalas sind entgegen der allgemeinen Annahme keine Bären sondern Beuteltiere. Genau wie das Känguru. Sie schlafen etwa 18-20 Stunden am Tag und sind die einzigen Lebewesen neben dem Menschen, die einen individuellen Fingerabdruck besitzen. Im Koala Hospital sind uns sowohl sehr viele schlafende Tiere über den Weg „gelaufen“ als auch kleinere Exemplare. Diese nennen sich Joeys und die Kleinen klettern und spielen weit oben in den Bäumen. Bei einem Besuch solltest du wenn möglich eine Spende hinterlassen. Die freiwilligen Helfer und Helferinnen setzen sich liebevoll für die gefährdete Spezies ein.

Ein bisschen Indien in Australien

Beim nächsten Halt in Coffs Harbour bahnten sich ein paar Sonnenstrahlen endlich wieder ihren Weg durch die Wolkendecke. Wir wanderten entlang der Küste auf die kleine Muttonbird Island. Auf dieser legen sogenannte Sturmtaucher ihre Eier. Zu sehen bekamen wir die Vögel nicht. Wir genossen die Stunden außerhalb unseres Campers.

Am nahegelegen Moonee Beach war es sogar wieder warm genug, um T-shirts zu tragen und die Beine ins Wasser zu halten. Dort wanderten wir durch den Wald und auf die Dünen, die während unseres Mittagessens immer größer wurden. Langsam setzte die Ebbe ein.

Unser letzter Stopp an diesem Tag war die verschlafene Kleinstadt Woolgoolga. Ja, die Stadtnamen sind hier ganz schön ausgefallen. In diesem Ort gibt’s ebenfalls einen Badestrand. Wir schlenderten die Promenade entlang, schlürften Fruchtsmoothies und schauten uns den ersten Sikh Tempel Australiens an. Sikhismus ist die erste monotheistische Religion indischen Ursprungs und basiert auf dem Grundverständnis, dass alle Menschen gleichwertig sind. Dies stellt einen deutlichen Kontrast zu dem sonst weit verbreiteten Kastensystem Indiens dar.

 

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