Great Ocean Road

Es war wieder Zeit für das Leben im Campervan. Wir freuten uns schon wieder auf unser fahrbares Zuhause. Direkt bei Ankunft beim Vermieter bekamen wir ein riesiges Upgrade. Nun haben wir einen vergleichbaren Van wie in Neuseeland. Gebucht hatten wir allerdings etwas wesentlich günstigeres und kleineres. Uns hat’s natürlich gefreut! Die Mikrowelle ist allerdings so sinnlos, dass wir sie als Unterwäscheschrank nutzen. Auch ganz praktisch und platzsparend 😉

Vielleicht hat es ja nur geschlafen

Dann ging es gleich mal zur angeblich schönsten Straße Australiens – die Great Ocean Road. Im Vergleich zum gesamten Kontinent ist das ein ganz kleiner Streckenabschnitt an der Südküste des Landes. Die erste Nacht verbrachten wir im Meredith Camping Ground am Colac See. Trotz dem es bewölkt war und immer wieder regnete, hat es uns gefallen. Die Geräusche der Pelikane am Morgen sind definitiv ein schönerer Wecker als der zu Hause vor der Arbeit.

Gleich darauf ging es zur wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit der Strecke. Die Zwölf Apostel befinden sich auf dem westlichen Teil der Great Ocean Road. Auf dem Weg dorthin haben wir dann auch endlich unser erstes Känguru gesehen – direkt am Straßenrand, ziemlich groß und mausetot 😦 Dann hieß es erst mal die Stimmung wieder hochfahren und weiter ging’s. Leider musst du dich an diesen Anblick gewöhnen, es sollte nicht unser einziges überfahrenes Känguru bleiben. Bei den Zwölf Aposteln sind wir sowohl die Gibson Steps runter zum Strand gelaufen, um die Steinformationen von unten zu bewundern, als auch auf die nahegelegene Aussichtsplattform gegangen. Da kannst du die Felsen auch von oben sehen. Beim Zählen sind wir auf elf Felsen gekommen, die aus dem türkisfarbenen Ozean ragen. Da fehlt also einer. Durch das Meer und das Wetter werden die sogenannten Apostel immer weiter abgetragen. Es entstehen durch Teilung aber über viele Jahre auch wieder neue. Der Anblick ist faszinierend. Die unzähligen Touristen machen es einem nicht einfach, das Ganze wirklich zu genießen. Aber wir sind ja auch bloß zwei von ihnen. Immer wieder rennen Leute durch’s Bild oder wir waren bemüht, anderen nicht vor die Linse zu laufen.

Morgens Heizung, mittags Klimaanlage

Unser nächstes Ziel war der Otway Nationalpark mit seinen hunderten Wasserfällen. Wir wanderten verschiedene kurze Strecken, um die Triple Falls und die Beauchamp Falls zu sehen. Erster besteht aus drei kleineren Wasserfällen, der zweite ist wiederum höher. Bei den Spaziergängen durch den dichten Regenwald liefen wir vorbei an kleinen Bächen unter hohen Farnen und riesigen Eukalyptusbäumen. Der Geruch, der durch diese Riesen erzeugt wird, erinnert ein wenig an den Saunabesuch – einmal richtig durchatmen! Eukalyptusbäume haben übrigens ein ziemlich eigenes Aussehen. Die Rinde der Bäume fällt ab, erneuert sich immer wieder und düngt den Waldboden somit auf natürliche Weise. Direkt über unsere Köpfe glitten bunte Vögel, deren Gesang uns in eine andere Welt versetzte. Wäre ein kleiner Dinosaurier an uns vorbei gelaufen, hätte uns das kaum gewundert. Beim Campingplatz der Beauchamp Falls blieben wir die Nacht, erfreuten uns an den letzten Sonnenstrahlen, die durch die Baumwipfel fielen und froren uns in der Nacht den Arsch ab. Morgens drehten wir die Heizung beim Fahren dann auf Anschlag, um unsere Knochen wieder aufzuwärmen. Drei Stunden später knallte die Sonne durch die Scheiben und wir mussten die Klimaanlage anstellen.

Kuscheltiere auf Baumwipfeln

Endlich wollten auch wir mal lebende Tiere sehen. Immerhin soll es in Australien ein paar ziemlich außergewöhnliche Tierchen geben – Kängurus, Wombats, Platypus, Wallabys und Koalas. Letztere entdeckst du mit ziemlicher Sicherheit am Kennett River in den Eukalyptusbäumen. Die Fahrt dorthin durch den Otway Nationalpark relativ früh am Morgen ist zauberhaft mystisch. Ein Känguru saß direkt am Straßenrand und hüpfte langsam in das Dickicht, als wir mit unserem großen Camper heranfuhren. Über uns flogen unzählige rote, grüne, blaue und regenbogenfarbene Papageien, die laut zwitscherten. Immer wieder erhaschten wir an einer Kurve im Tal einen Blick auf den saftgrünen Dschungel und leichte Nebelschwaden. Solche Momente machen für uns eine Reise aus. Wieder am Ozean angekommen, machten wir einen kurzen Halt im gemütlichen Apollo Bay. Dort schlenderten wir über den Wochenendmarkt. Am Meer entlang boten sich uns Blicke über türkisblaues Wasser und wuchtige schäumende Wellen. Dann endlich landeten wir beim Kennett River, wo wir die kleine Schotterstraße entlang liefen und in den Ästen nach Koalas Ausschau hielten. Und direkt neben wunderschönen Vögeln sahen wir ihn – ein unglaublich niedlicher Koala. Uns erinnert der Anblick an ein Plüschtier. Von den vielen Zuschauern ließ sich der Kleine nicht beeindrucken, er schlief tief und fest. Einen Zweiten sahen wir dann noch weiter oben in den Baumwipfeln.

Mahnmal von und für Kriegsveteranen

In der kleinen idyllischen Stadt Lorne ließen wir uns unseren Brownie und Kaffee schmecken. Auf einer Wiese saßen einige Kakadus, die sehr laute witzige Geräusche von sich gaben. In Lorne lohnt es sich, die Besucherinfo aufzusuchen. Dort gibt es ein kleines Museum über die Geschichte der Great Ocean Road. Diese wurde von Männern, die im zweiten Weltkrieg dienten und wieder zurück kamen, erbaut. Um diesen Veteranen eine Zukunft zu bieten, plante man die heute wohl bekannteste Straße Australiens. Die Männer waren dankbar und erholten sich unter der Sonne Australiens von den Strapazen des Krieges. Nichtsdestotrotz kannst du dir vorstellen, wie hart die Arbeit durch steiniges unerschlossenes Terrain gewesen sein muss. Hier ließen einige ihr Leben mitten im Naturparadies.

Der 12. Apostel, Surfers Paradise und ein paar Gänsehautmomente

Bei einem spontanen Stopp am Split Point Lighthouse wanderten wir zu dem weiß strahlenden Leuchtturm vorbei am Meer und fanden den 12. Apostel. Eigentlich heißt dieser Eagle Rock und prangt über dem wunderschön türkis leuchtenden Wasser. Der hatte wohl keine Lust auf die Besuchermassen bei seinen Brüdern.

Bei Bells Beach liefen wir entlang der Klippe und es eröffneten sich uns Blicke über unglaublich hohe Wellen. Nicht umsonst ist dieser Strand einer der besten Surferspots weltweit. Wenn du ganz genau hinschaust, kannst du die vielen schwarzen Punkte im Meer von weitem erkennen. Surfer, die auf ihre perfekte Welle warten. Am Strand beobachteten wir dann eine Weile das professionelle Treiben in den Megawellen.

Nur zwei Minuten Fahrt hinter Bells Beach sahen wir dann unsere erste Känguruherde. Eines nach dem anderen hüpfte über das offene Feld. Im Hintergrund das blaue Meer. Ein Gänsehautmoment der Extraklasse. Wir waren sprachlos. Mit einem breiten Grinsen ging die Fahrt weiter. Ebenfalls ein Wahnsinnsmoment ergab sich in der Stadt Torquay, wo wir am Strand endlich eine öffentliche Dusche fanden. Und es gab sogar Warmwasser. Nach drei Tagen Abstinenz ein traumhaftes Gefühl. Bilder gibt’s davon aber nicht 😉

Am Abend campten wir dann in Avalon erstmalig auf einer Raststätte direkt an der Autobahn. Das entpuppte sich als total angenehm. Es gibt saubere Toiletten, nachts war es nicht mehr so kalt und der Sonnenuntergang über den Feldern brachte uns einen traumhaften Abschied von der Great Ocean Road.

Freeway Camping