Atemberaubende Fjorde

Vor einer Woche waren wir unterwegs nach Queenstown – es fühlt sich an, als wäre das schon Monate her. Auf dem Weg in die sogenannte Abenteuerstadt sind wir über den Haast Pass gefahren. Hier lag auf den Bergspitzen noch eine Menge Schnee. Einige Kilometer weiter Richtung Süden erinnert die Landschaft ein wenig an die Mecklenburgische Seenplatte bei Berlin. Ok, die Seen in Neuseeland sind viel größer und vor allem klarer. Einer der Seen heißt Wanaka. In der gleichnamigen Stadt legten wir einen kurzen Mittagsstopp ein. Mit vollen Bäuchen legten wir uns an den See. Die Sonne hat zu dem Zeitpunkt ordentlich gebrannt. Dass uns wenige Tage später ein Unwetter heimsuchen würde, hätten wir nicht im Traum gedacht. Die letzte Strecke des Tages von Wanaka nach Queenstown ist sehr kurvig und steil. Wir waren bereits 25km entfernt von Wanaka. Wir entschieden uns nochmal umzudrehen, da uns unser fast leerer Tank in Panik versetzte. Der insgesamt 50km Umweg war es mehr als wert. Nachdem wir die Strecke gefahren sind, war uns klar, dass wir mitten auf dem Pass liegen geblieben wären.

Das Las Vegas Neuseelands

In Queenstown haben wir direkt in der Stadt in unserem bisher teuersten Campingplatz übernachtet. Nachdem wir im Camper unser Abendessen zubereitet hatten, sind wir am Abend noch durch die Einkaufsmeile entlang des Strands spaziert. Dort haben wir sogar ein bekanntes Gesicht wiedergetroffen – einen sympathischen Brasilianer, der bereits beim Franz Josef Gletscher in unserem Helikopter saß. Den Sonnenuntergang bestaunten wir vom Botanischen Garten, der direkt am See entlang führt. Zum Abschluss des Tages setzten wir uns direkt an der Hafenpromenade in eine Bar und probierten einen „Pimms Jug“, der aus einer Art Kräutergin mit Eistee besteht. Sehr zu empfehlen!

Am Tag darauf wollten wir ursprünglich ein wenig auf der Nevis Swing schaukeln. Leider war für die kommenden Tage alles ausgebucht. Somit waren wir in der Hochburg des Adrenalins ganz langweilig und wanderten über den Tikitrail auf den Bobs Peak. Der Weg ist steil, staubig und nicht gerade easy. Doch die Mühen lohnen sich. Oben angekommen erwartet dich ein Wahnsinnsblick über Queenstown. Die umliegende Landschaft strotzt nur so vor Superlative. Die Stadt selbst hat uns nicht gefallen. Die Lage ist prädestiniert für allen möglichen Action Sport. Auf anderen Reisen hatten wir bereits so viel ausprobiert, dass wir an diesen Dingen kein Interesse hatten. Ziplines, Bungee Jump, Skydive und White Water Rafting sind hier unglaublich teuer. Aus diesen Gründen hat die Stadt für uns nicht viel zu bieten. Da sehr viele Touristen hier her kommen, wirkt alles irgendwie künstlich.

Okzident trifft Orient

Nachdem wir Queenstown nach wenigen Stunden den Rücken kehrten, haben wir noch einen kurzen Abstecher nach Arrowtown gemacht. Die kleine Goldgräberstadt besteht aus einer Hauptstraße namens Buckingham Street und erinnert an einen alten Western. Kleine Bäckereien und Souvenirshops reihen sich aneinander und laden zum Verweilen ein. Das Chinese Village solltest du dir nicht entgehen lassen. Hier haben sich in den 1860er Jahren chinesische Goldgräber angesiedelt und ihr Glück gesucht. Anfänglich wurden die Chinesen gefeiert, da sie die Wirtschaft antrieben. Später waren sie verpönt – „Almond eyed, leprosy tainted filthy chinamen“ (Mandeläugige, leprahäutige, dreckige Chinamänner) war nur einer der schrecklichen Zeitungstitel. Viele der chinesischen Männer gingen zurück in ihr Heimatland, andere blieben in Neuseeland. Viele lebten bis zu ihrem Tod in ziemlicher Einsamkeit. Viele der Männer wurden nach ihrem Tod zurück nach China gebracht, damit sie dort beerdigt werden konnten. Tragischerweise sank das letzte Schiff 1902 und mit ihm 500 Leichname.

200 Tage Regen

Ein weiteres Highlight auf der Südinsel ist der Milford Sound. Die Fahrt dorthin ist an sich bereits atemberaubend. In unserem Camper fuhren wir vorbei an schroffen Felsen, schneebedeckten Bergen und Regenwäldern. Bei den Mirror Lakes machten wir Stopp. Aufgrund der tollen Spiegelung der Berge in den Seen ist der Name hier Programm. Neben uns waren hier hunderte weiterer Touristengruppen. Die letzten Kilometer der Strecke gen Milford Sound bestehen aus steilen Serpentinen. Unser Camper hatte große Probleme die extremen Steigungen zu meistern. Mit gerade mal 15kmh bewegten wir uns wie eine Schnecke voran. Durch einen dunklen unfertigen Felsentunnel geht es auf der Fahrt auch. Bei Milford Sound liefen wir die beiden sehr kurzen Wege Lookout Track und Foreshore Walk. Bei beiden hast du immer wieder die Chance tolle Postkartenbilder zu schießen. Die Nacht vor unserer gebuchten Schifffahrt schliefen wir im Gunns Camp. Dieses ist sehr zu empfehlen, da es relativ nah an Milford Sound liegt und die Besitzer sehr freundlich sind. Die Kuriositäten, die sich auf der Fläche finden und der kleine eiskalte Fluss sind einen Besuch wert. Direkt an den Fjorden konnten wir uns die Campingplätze nicht leisten.

Am nächsten Morgen ging es zeitig los, da wir bereits 8.30 Uhr am Hafen einchecken mussten. Da sich direkt bei Milford Sound keine Wanderwege befinden, können wir eine Fahrt mit dem Schiff nur wärmstens empfehlen. Wir zahlten bei Southern Discoveries pro Person 33€ und erhielten dafür noch ein reichhaltiges Frühstück an Bord. Die Fahrt führt entlang des Fjords bis zum Tasmansee. Es geht vorbei an bis zu 1.800m hohen Felswänden. Schroff ragen sie aus dem kristallklaren Wasser. Hier regnet es 200 Tage im Jahr – wir haben einen der restlichen 165 Tage erwischt. Seinen Namen hat Milford Sound zu Unrecht bekommen, denn er ist eigentlich ein Fjord. Fjorde entstehen über Millionen von Jahren durch Gletscherbewegungen. Ein Sound also eine Bucht entsteht allerdings durch das Meer oder einen Fluss. Wieder was dazu gelernt. Das Schiff fährt sehr nah an den Wasserfällen entlang. Eine Regenjacke ist von Vorteil.

Mit Anhalter zum Bahnhof

Ebenfalls sind wir Teile des Routeburn Tracks zum Key Summit gelaufen. Dieser liegt auf der Strecke zum und vom Milford Sound. Allerdings hast du hier keine Sicht mehr auf den majestätischen Fjord. Der 360 Grad Blick über Berge, Wälder und Seen ist genauso faszinierend. Der Weg ist einfach und nicht besonders steil. Anfänglich führt er durch dichten Wald, später findest du dich in einer alpinen Flora wieder. Für Wanderer ein absolutes Muss! Wir sind sehr verliebt in die Berge Neuseelands.

Abends ging es zum zweiten Mal nach Lumsden. In der kleinen Stadt hatten wir zuvor bereits eine Nacht verbracht. Hier hast du die Möglichkeit direkt am alten Bahnhof zwischen den Eisenbahnen kostenlos zu campen. Es gibt sogar eine Toilette, Waschbecken zum Abwaschen und das Wifi der gegenüberliegenden Bibliothek ist frei zugänglich. Auf dem Weg sammelten wir noch einen Anhalter namens Steve aus Nova Scotia in Kanada auf. Der verrückte Typ reist jedes Jahr mindestens sechs Monate. Er ist alleine mit seinem Rucksack und Zelt unterwegs. Die gesamte Südinsel bereist er per Anhalter. Natürlich hat er viele spannende Stories in petto. Was für eine Begegnung.

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