Reis(e)auftakt im Gewusel Hong Kongs

Seit unserem Abschied in Berlin sind bereits fünf Tage vergangen. Um nicht zwei extrem lange Flüge hintereinander in Kauf zu nehmen, haben wir einen kurzen Stopp in Hong Kong gemacht und dort zwei Nächte verbracht. Leider hat mein Rucksack es zunächst nicht ans Ziel geschafft und war noch in Istanbul, vielleicht hat man ihn für einen Journalisten gehalten. Eine sehr nette Frau von der Tourist Info hat uns neben dem Schalter für die Bahnkarten direkt abgefangen und statt dem Tourist Day Pass die günstigere Octopus Card empfohlen. Diese Fahrtkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel kannst du immer wieder aufladen und erhältst das Restguthaben sogar zurück. In einem Doppeldeckerbus konnten wir oben in der ersten Reihe ein paar erste Eindrücke von der Metropole aufsaugen. Extrem viele und vor allem hohe Wolkenkratzer prägen das Stadtbild. Viel Platz gibt es nicht, alles muss in die Höhe gebaut werden. Das durften wir auch in unserem Microhotel am eigenen Leib erfahren. Dieses macht seinem Namen alle Ehre. Auf etwa 5qm mussten wir schlafen, duschen, auf die Toilette gehen und irgendwie unser Gepäck unterbringen – gut, dass ein Rucksack noch in Istanbul war 😉

HK16

Vorsicht Linksverkehr

Die meisten Touristen besuchen in Hong Kong die Lantau Insel, wo sich ein riesiger Buddha und ein Kloster befinden. Leider hatten wir dafür nicht genug Zeit und das Wetter hat nicht so richtig mitspielen wollen. Es war meist grau und teilweise hat es genieselt. Also haben wir unsere Erkundungstouren auf die Hong Kong Insel, die auch das Zentrum darstellt und die Kowloon Insel eingeschränkt. Die Nathan Road, wo unser Hotel lag, ist auch gleichzeitig eine der belebtesten Straßen Kowloons. Wir mussten uns erstmal daran gewöhnen, dass hier alle links laufen, da Linksverkehr herrscht. Ständig prallt man mit Menschenmassen zusammen oder muss den unzähligen Einwohnern, die permanent auf ihre Handys starren, ausweichen. Die Straße führt vorbei an Shops und Restaurants bis zum Wasser. Von dort hast du vor allem nachts einen atemberaubenden Blick auf die Skyline Hong Kongs. Diese ist bunt erleuchtet und blinkt was das Zeug hält – so stelle ich mir die Metropolen Chinas vor.

Rauchen erwünscht

Unseren einzigen vollen Tag verbrachten wir im Zentrum der Stadt größtenteils in der Wellington Street und der Hollywood Road. Hier findest du zahlreiche Restaurants, Cafés, Shops, Parks und den kleinen aber sehr schönen Man Mo Tempel. Dort werden von Gläubigen unzählige Räucherstäbchen entzündet und zusätzlich hängen von den Decken schneckenförmige Megaräucherstäbchen. Der gesamte Raum ist in dicken Rauch eingehüllt. Im Hollywood Road Park kannst du nach dem ganzen Lärm ein wenig abschalten und die Schildkröten im Teich beobachten. In den Baumkronen haben wir sogar einen Kakadu entdeckt. Überall gibt es öffentliche kostenlose Toiletten, die einigermaßen sauber sind. Auch die Straßen wirken gepflegt, mal abgesehen von den kleinen Gassen, die du lieber meiden solltest. Am Nachmittag wollten wir mit der Gondel auf den Victoria Peak fahren. Diese Idee hatten jedoch auch ein paar hundert weitere Menschen. Ein Mann von der Security meinte, dass es mindestens eine Stunde dauern würde, nur um die Tickets zu kaufen. Wir entschieden uns also dagegen, was auch eine gute Idee war, denn die vielen Wolkenkratzer waren bereits in Nebel eingehüllt. Falls du mehrere Tage in der Stadt verbringst und die Aussicht gut ist, solltest du diese Fahrt aber unbedingt mitmachen. Noch besser: schnapp deine Sportschuhe und erklimme den Hügel zu Fuß. Am zweiten Tag gingen wir ins Hong Kong History Museum und liefen durch die Ausstellung „Hong Kong Story“, die kostenlos zugänglich ist. In acht Teilen durchliefen wir die verschiedenen Phasen der Stadt. Angefangen bei der geologischen Entstehung über verschiedene Stämme und ihre Traditionen bis hin zur heutigen Wirtschaft Hong Kongs. Da wir unseren Flug nach Auckland nicht verpassen durften, konnten wir uns die letzten Teile leider nicht ausführlich anschauen. Mit dem Bus sind wir dann wieder Richtung Flughafen, wo es zum nächsten 11 Stunden Flug gen Neuseeland ging.

Om nom nom

Als Vegetarier konnten wir in Hong Kong irgendwie überleben, als Veganer wäre es kritisch. Am ersten Abend mussten wir in ein indisches Restaurant ausweichen, da es in den anderen nur Rind, Hühnchen oder Fisch gab. Im Studio Caffeine gibt es europäisches Frühstück wie Bagel oder Omelette. Falls der schwache europäische Magen das asiatische Essen am Morgen noch nicht verträgt, eine gute Alternative. An unserem zweiten Morgen haben wir es aber gewagt und Dim Sum gegessen. Das ist das chinesische Pendant zu den spanischen Tapas – also kleine Gerichte, von denen wir verschiedene bestellten. Wir nahmen gedämpfte Reistaschen mit Pilzfüllung, Dumplings mit Trüffelfüllung, frittierte mit Sesam ummantelte Bällchen aus roten Bohnen, Sponge Cake und Mango Pudding. Dazu gab es Tee, der immer wieder aufgefüllt wird. Es war ausgezeichnet und wir waren extrem satt. Du hast Lust auf ein Restaurant mit authentischem Ambiente und Essen? Dann ist das Lin Heung Tea House wie für dich gemacht. Dort gibt es sogar vegane Speisen mit Tofu oder verschiedenem Gemüse. Die Saucen sind dabei sehr würzig und die Portionen genau ausreichend. Als wir zu dem Essen noch ein Bier bestellt hatten, sagte der Kellner zu uns: „This is a tea house, you have to drink tea.“ Trotz dem er gezwinkert hat und wir seine Worte nicht ganz ernst nahmen, bestellten wir einen Oolong Tee, der uns auch nicht enttäuschte.

Da geht noch was

Hong Kong hat noch sehr viel mehr zu bieten und wir haben nur einen winzig kleinen Ausschnitt erleben dürfen. Nichtsdestotrotz hat es uns gut gefallen, auch wenn einige Punkte abschreckend sind. Vor allem das ständige am Handy hängen der Passanten nervte uns. Auch das Verhältnis zu Tieren wirkt auf uns befremdlich. Überall schwimmen halbtote Fische in dreckigen Glasbehältern, kleine Katzen spielen in winzigen Glasboxen im Schaufenster und Fleisch dominiert jede Speisekarte. Vegetarische Gerichte stellen meist eine Ausnahme dar. Was vor allem mir zu schaffen machte, war das ständige Schmatzen und Spucken der Leute. Daran muss ich mich vor einer Chinareise noch gewöhnen. Wie sagte einst Luther: „Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmecket?“

Ein Kommentar Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s