Sigar sigar in Thessaloniki

Bevor es für ein halbes Jahr nach Down Under und Südostasien geht, wollten wir nochmal einen Trip innerhalb Europas machen. Unsere Reise nach Bukarest lag bereits sechs Monate zurück. Somit ging es vergangene Woche nach Thessaloniki in Griechenland. Ausgesucht haben wir uns das Reiseziel, weil einer unserer Kumpels dort gerade einige Monate lebt und arbeitet. Ende September liegen die Temperaturen tagsüber meist zwischen 18 und 24 Grad. Die Sonne hat sich häufig blicken lassen. Ein paar kuschlige Klamotten sind von Vorteil, da gerade am Meer eine kühle Brise weht. Mit dem Billigflieger haben wir nur 80 Euro pro Person gezahlt und waren mit unserem „Hotel Ilissia“ sehr zufrieden. Das Frühstück kannst du im Hotel sparen, vor allem als Kaffeeliebhaber. Außerdem gibt es so viele tolle Cafés in der Stadt.

Schätze zwischen Neubauten

Thessaloniki wirkt auf den allerersten Blick unspektakulär und die relativ neuen Häuser, die an kleine Plattenbauten in Berlin erinnern, sind nicht unbedingt schön. Sie durchziehen das gesamte Stadtbild. Dazwischen befinden sich allerdings viele Schätze und interessante Geschichten. Must Sees für jeden Touristen sind die Rotunda. Stell dich in die Mitte des Raumes und lausche deinem eigenen Schall! Deine Worte und Laute hörst du hier deutlich und laut von allen Seiten. Die Menschen, die sich ebenfalls in der Rotunda befinden, hören dich aber gar nicht. Am besten einfach selbst ausprobieren und staunen! Der Eintritt liegt bei 2 Euro, Sonntag ist er sogar kostenfrei.

Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt ist der Weiße Turm, der einst als Gefängnis diente. Von oben hast du einen weiten Blick über die Stadt und die umliegenden Berge. Eintritt: 4 Euro, Sonntag ebenfalls kostenfrei. Direkt vom Weißen Turm sind wir mit einem piratenähnlichen Schiff für 30 Minuten durch das Mittelmeer geschippert. Eintritt frei, Voraussetzung du trinkst ein Getränk im Wert von mindestens 4 Euro. Vor allem bei Sonnenschein ein sehr nettes Erlebnis.

Besonders gefallen hat uns der Kapani Markt, wo wir typische griechische Spezialitäten ausprobierten. Dort gibt es die leckersten Oliven für ganz wenig Geld. Wir ließen uns diese in der Nähe am Jüdischen Hamami schmecken. Der kleine Platz lädt zum Verweilen ein.

Die ewig lange Promenade entlang des Wassers ist ebenfalls einen Ausflug wert. Wenn du die Strecke nicht laufen möchtest, nutze den Fahrradverleih. Hier kannst du die Räder ab einer Dauer von 30 Minuten mieten. Ebenfalls am Wasser befindet sich die Kitchen Bar, eines der wohl beliebtesten Ausgehziele für Jung und Alt. Dort saßen wir direkt am Hafen mit einem Frappé in der Hand und beobachteten die vorbeilaufenden Passanten.

Die Altstadt Ladadika bietet Unmengen an Optionen, um deinen Durst oder Hunger zu stillen. Natürlich ist das Ganze touristisch aufbereitet, aber einige gemütliche Cafés und Restaurants sind einen Besuch wert. Die Preise sind hier etwas höher als im Rest der Stadt. Dafür sitzt du zwischen bunten Häusern und kannst dich an dem Gewusel erfreuen.

Über Geschichte und Gesellschaft

An den wolkigen Tagen haben wir das Fotografie Museum direkt bei der Kitchen Bar und das Museum of Macedonian Struggle besucht. Ersteres beherbergt gerade eine Ausstellung zum Thema Religionen weltweit (Stand 2017). Letzteres ist vor allem interessant, wenn du dich für die Geschichte der Region interessierst. Wir wussten vor unserer Reise relativ wenig über die Vergangenheit Griechenlands. Das Museum hat einen spannenden Überblick gegeben: Die Belagerung durch die Ottomanen, die Invasion durch die Bulgaren sowie die Abspaltung der ehemaligen jugoslawischen Republik, heute Mazedonien. Beide Museen kannst du für je 2 Euro besuchen. In der Stadt verteilt finden sich unzählige coole Street Art Werke und wenn du gut zu Fuß bist, braucht es keine öffentlichen Verkehrsmittel. Aber wenn du dann doch mal faul bist: eine Busfahrt kostet 1,10 Euro oder das Taxi für eine 15 minütige Fahrt rund 5 Euro.

Ano Poli (ano = oben, polis = Stadt) liegt auf einem Hügel weiter weg vom Meer. Dorthin verirren sich nur wenige Touristen. Uns haben die engen Gassen mit den gemütlichen Tavernas sehr gefallen. Diese urigen Restaurants durchziehen ganz Thessaloniki und laden ein zum sitzen und wohlfühlen. Vor allem am Abend oder bei Nacht ist ein Abstecher in die „obere Stadt“ mit ihrer beeindruckenden Stadtmauer ein absolutes Muss. In Ano Poli haben wir uns ein zweites Mal einer Free Walking Tour mit Jorgos angeschlossen. Der unglaublich sympathische Grieche macht diese Touren hauptberuflich und ist einer der besten Guides, die wir bisher kennengelernt haben. Die erste Tour ging durch den unteren Teil der Stadt. Dort erzähle er uns über Geschichte, Gesellschaft, soziale und politische Probleme und die Küche der Region. Ausgelassen haben wir dabei die typischen Touri-Orte, denn Jorgos möchte den Leuten nicht das Offensichtliche zeigen. Wenn du die Top 10 deines Reiseführers sehen möchtest, bist du bei diesen Touren fehl am Platz. Zu den Insidern gehören beispielsweise die Walls of Kindness. Diese befinden sich verteilt in der ganzen Stadt. Dort hinterlassen Einwohner Nahrungsmittel, Hygieneartikel oder Kleidung. So können sich Hilfebedürftige anonym Dinge mitnehmen, die sie gerade dringend benötigen. Was für ein schönes soziales Projekt. In Ano Poli hat Jorgos uns mit seiner Bouzouki einem gitarrenähnlichen Instrument ein paar griechische Lieder präsentiert. Hier findest du Infos zu seinen Free Walking Tours und viele weitere Tipps für einen Besuch in Thessaloniki: https://www.thessalonikifreewalkingtours.com/

100 Jahre und 1,5 Stunden Warten

Zufällig waren wir gerade vor Ort, als ein riesiges Fest stattfand. Im September 1917 brannte die halbe Stadt nieder. Dieses Ereignis wird heute groß gefeiert – 2017 aufgrund des 100-jährigen Jubiläums natürlich in enormem Ausmaß. Die Straßen waren bevölkert mit hunderten Menschen, die Restaurants und Bars bis zum Anschlag gefüllt und am Aristoteles Platz direkt am Meer wurde eine große Häuserfassade aus Pappe symbolisch niedergebrannt. Dieses Spektakel ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Statt 20.30 Uhr wie vorher angekündigt, wurde das Feuer erst 22 Uhr entzündet. Unser Kumpel sagte immer: Sigar Sigar, was so viel heißt wie langsam langsam. Das ist halt die griechische Mentalität.

Wenn du länger in der Stadt bist, lohnt sich ein Escape Game. Wir spielten mit unserem Kumpel das Spiel Jumanji beim Anbieter Mindtrap. Da wir schon sehr viele Escape Räume gemacht haben, war es nicht unser Favorit, aber Spaß macht es allemal. Vor allem sind die Spiele dort um einiges günstiger als in Deutschland. Auch das Freiluftkino im Cineplexx ist ganz cool, falls du Lust auf einen Kinoabend hast.

Berg und Tal vs. Sand und Meer

Um mal aus der Stadt rauszukommen, bieten sich folgende Tagestouren an:
1. Mit einem Boot kommst du direkt zum etwa 50min entfernten Ort Neo Epivates. Dort gibt es eigentlich nichts außer einem kleinen Strandabschnitt und vielen Restaurants. Wer also einen Tag entspannen möchte, ist hier genau richtig. Entlang der Strandpromenade geht es zum Nachbardorf Pereia, wo das Boot ebenfalls hält.

2. Da unser Kumpel vor Ort ein Auto hat, mussten wir keins mieten. Zu dritt sind wir einen Tag zuerst zu der Burg Platamon gefahren und dann in den Olympus Nationalpark. Dort geht der berühmte E4 Wanderweg entlang, der bereits in Portugal beginnt. Teile des Weges sind wir gelaufen. Von der kleinen Stadt Litochoro geht’s los. Die Wege sind technisch relativ einfach. Du benötigst zumindest Sneakers, Wanderschuhe sind nicht nötig. Das Bad des Zeus mit sehr klarem Wasser lädt zum Baden ein, zumindest im Sommer. Um dort abtauchen zu können musst du den „verbotenen“ Weg nehmen. Frag am besten ein paar Einheimische oder such das Loch im Zaun. Unter diesem kannst du durch krabbeln und dann nach unten zur Wasserstelle gelangen.

3. Auto mieten, nach Chalkidiki fahren und ab ins kühle Nass. Das war in unserem Fall nicht möglich, da es windig und bewölkt war. Aber im Sommer sind die kleinen Städtchen entlang der drei Finger perfekt für den Badeurlaub. Die Nebensaison hat den Vorteil, dass du auf wenige Touristen triffst. Besonders gefallen hat uns das kleine Örtchen Siviri, wo wir in einem Café saßen und unsere Bücher lasen.

4. Tauchen gehen! Das soll in Chalkikidi lohnenswert sein. Wir hatten schon einen Tauchtag geplant, allerdings hat uns meine Erkältung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine Tour von etwa 5 Stunden Dauer inklusive zwei Tauchgängen vom Boot und dem kompletten Equipment kostet bei Blue Diving 100 Euro pro Person.

Meze, Retsina und Kaffee

Nun zum wichtigsten Teil unserer Reise: Essen und Trinken. Diese beiden Aktivitäten haben die wohl meiste Zeit unserer Woche eingenommen. In Griechenland gibt es wirklich sehr gutes Essen, auch für Vegetarier. In allen Tavernas gibt es die sogenannten Mezes – vergleichbar mit den spanischen Tapas. Du bestellst 3-5 verschiedene Mezes und wirst davon zu zweit gut satt. Besonders lecker fanden wir Spanakopita- Blätterteigtaschen mit Spinat und Feta, Bougiourdi – Auflauf aus Tomate und Chili mit Feta und Oregano, Dolmadakia – Weinblätter gefüllt mit Reis, Batza – salziger Hartkäse, Bougatsa – Blatterteig gefüllt mit Käse oder süßer Creme und Kolokythokeftedes – Frikadellen aus Zucchini und Feta. Als Veganer hast du es hier etwas schwerer. Feta ist in fast allen Speisen enthalten, die Griechen lieben Käse. Dessert brauchst du nicht bestellen, denn den gibt es fast überall gratis mit der Rechnung. Meist sind das kleine Küchlein, Mastiha Eis aus Baumharz oder Obst.

Getrunken wird selbstverständlich Ouzu und ganz viel Kaffee, meist in kalter Form als Freddo Cappuccino oder Frappé. Neben den auch in Deutschland bekannten Getränken gibt es Tsipouro – ein Schnaps aus der Region. Retsina ist ein weißer, trockener Wein, der mit Harz versetzt wird. Er ist gewöhnungsbedürftig, aber wir mochten ihn sehr. Einmal haben wir Salep probiert – das ist nichts für schwache Nerven. Der türkische „Tee“ schmeckt ein wenig nach Hühnerbrühe und sieht aus, als hätte jemand seine Nase darin ausgeschnaubt. Soll bei einer Erkältung wohl Wunder wirken.

Besonders empfehlen können wir die Restaurants Frutti di Mare am jüdischen Hamami. Für Pescetarier oder Omnivoren: unbedingt den Oktopus probieren. Das Blackberry zum Frühstück, Palati und La Baronne in Ladadika, The Greek nahe der Rotunda und Brusco Meze Bar in Ano Poli. Der Service ist in allen Restaurants sehr schnell. Die Getränke stehen innerhalb von 2min vor dir auf dem Tisch. Auch das Essen lässt nicht lange auf sich warten. Wasser und kleine Knabbereien gibt es kostenlos zum Kaffee und zu alkoholischen Getränken. Das sind meist Kekse, Nüsse, Chips oder Oliven.

In diesem Sinne: Yamas!

Ein Kommentar Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s