Das endlose Land

Spät abends landeten wir in Arusha und waren somit in dem zweiten Land unserer Afrika Reise angekommen. Unser Safari Guide Julius holte uns am Flughafen ab. Er würde uns sieben Tage durch den Norden Tansanias fahren und dementsprechend würde unsere Safari-Erfahrung besonders von ihm abhängen. Trotz dem wir bei unserer Ankunft sehr müde waren, war es gleich eine Freude, sich mit dem sympathischen Mann zu unterhalten. Das riesige Himmelszelt mit tausenden Sternen über uns, während wir durch die dunkle Nacht Richtung Arusha fuhren. 

Wenn du eine Safari buchst, solltest du darauf achten, dass du selbst die Nationalparks und Orte auswählen kannst. Außerdem bereite dich auf eine hohe Summe vor und behalte im Hinterkopf, dass du am Ende deiner Tour noch etwa 10 Dollar Trinkgeld pro Tag pro Person an deinen Guide abdrückst. Bei der deutschen Reiseagentur Tantours suchten wir uns die günstigste Kategorie in Hinblick auf Unterkünfte heraus. Wir wissen nicht, wie eine höhere Kategorie aussehen würde, aber unsere Unterkünfte waren alle wunderbar und für unseren Geschmack sehr luxuriös. Um noch etwas günstiger davonzukommen, kannst du eine Gruppensafari buchen. Wir persönlich raten allerdings davon ab. Man kann Pech haben und mit wirklich nervigen Leuten in eine Gruppe kommen. Als Paar alleine waren wir einfach weniger abhängig und zeitlich flexibler. In Tansania selbst waren wir mit dem Anbieter Bobby Tours unterwegs. Du kannst vor Ort natürlich direkt buchen.

Köstlicher Kaffee am Mount Meru

Als wir endlich in der Karama Lodge ankamen, staunten wir nicht schlecht. Ein wunderschönes Holzhaus auf Stelzen wartete auf uns. Innen ist alles herrlich beleuchtet, das Bett super bequem und auch sonst steckt in den kleinen Hütten sehr viel Liebe zum Detail. Von einem großen Balkon konnten wir an den Abenden die Sonnenuntergänge beobachten.

 

Am folgenden Tag hatte Julius noch einen freien Tag und wir hatten bereits in Deutschland angegeben, dass wir eine Kaffeetour durch das Gebiet des Mount Meru machen wollten. Dementsprechend wurden wir morgens von unserem Guide Clemens abgeholt. Er und zwei weitere Kollegen führten uns entlang des dritthöchsten Berges des Landes. Dort wanderten wir durch kleine Dörfchen bis hin zu einem donnernden Wasserfall. Danach ernteten wir Kaffeebohnen und nahmen diese mit zu Mama Gladness, bei der wir ein üppiges unheimlich gutes Mittagessen bekamen. Bereits getrocknete Kaffeebohnen stampften, siebten und erhitzten wir später unter Aufsicht von Clemens. Ich persönlich trinke keinen Kaffee, aber dieser war wirklich köstlich. Alex schwebte auf Wolke Sieben. Alle Beteiligten sind sehr sympathisch, können gut Englisch sprechen und erklären einem jegliche Schritte, um selber Kaffee zu produzieren. Eine Tour lohnt sich.

 

Am Folgetag holte uns Julius ab und wir fuhren in den nahegelegenen Arusha Nationalpark. Auf der gesamten Safari war dies der einzige Park, in dem wir uns ein Stück zu Fuß fortbewegen durften. Das selbstverständlich nur mit Begleitung eines bewaffneten Park Rangers. Als erstes bekamen wir schwarze Stummelaffen zu Gesicht, die über uns in den Baumwipfeln von Ast zu Ast hüpften. Uns erinnern sie an Stinktiere. Bei unserem kurzen Spaziergang kamen wir erneut an einem Wasserfall vorbei und sahen erste Büffel, Giraffen und Warzenschweine.

 

Das Dach unseres Safari Autos konnten wir so öffnen, dass wir stehend einen 360 Grad Blick erhielten. Das ist für einen sogenannten Game Drive natürlich perfekt. Jedes Mal wenn wir ein Tier sahen, hielten wir aufgeregt unsere Kamera darauf. Nach ein paar Tagen merkten wir, dass dieser Reflex seltener wird. Satt sehen konnten wir uns vielleicht nicht unbedingt, aber irgendwann genossen wir die Fahrt und wussten: „Ach jetzt beobachte ich einfach nur. Fotos habe ich bereits genügend.“ Sei dir sicher, du wirst auf einer Safari durch Tansania unzählige Giraffen, Elefanten, Nilpferde, Affen, Vögel, Büffel, Zebras, Hyänen, Antilopen und Löwen sehen. Nur die Leoparden, Geparden und Nashörner machen sich gerne rar. Am Nachmittag chillten wir am Pool der Karama Lodge und freuten uns auf die kommenden Tage so wie früher auf Weihnachten.

 

Faule Männchen, fleißige Weibchen

Morgens geht es immer relativ früh los bei einer Safari. Das macht allerdings nichts, da wir abends sowieso zeitig ins Bett gingen. In Afrika müssen weite Strecken zurückgelegt werden und somit fuhren wir viel an kleinen Dörfern und Massai Siedlungen vorbei. Irgendwann erreichten wir den Tarangire Nationalpark, der für seine hohe Elefantenpopulation und die mystischen Baobab Bäume bekannt ist. Unbedingt etwas mit langen Ärmeln mitnehmen, denn die Tsetsefliege treibt hier ihr Unwesen und hinterlässt schmerzende Stiche. In der Ferne sahen wir hier sogar unsere ersten Geparden unter einem Baum sitzen.

 

Wenn Julius in der Ferne eine große Ansammlung an Jeeps sah, fuhr er dort sofort hin. Das bedeutet zu 100%, dass es etwas Spannendes zu sehen gibt. In diesem Fall waren es Löwen, die gerade ein Gnu gerissen hatten. Eine Löwin frisst, geht dann zurück zum Rudel und wird von der Nächsten abgelöst. Zusammen wird hier nicht gegessen. Ein männlicher Löwe war nicht in Sicht. Die schlafen tagsüber meistens und essen dann abends. Jagen gehen allerdings die Frauen. Vorgelebte Emanzipation.

 

Nachdem Julius wieder einige Stunden Fahrt in Kauf nahm, landeten wir bei der ebenfalls wunderschönen Endoro Lodge. Besonders das Buffet beim Abendessen ist sehr zu empfehlen und die Häuser sind ansprechend eingerichtet. Massai Krieger führen die Gäste im Dunkeln von den kleinen Häuschen zum Restaurant. Dort sitzt es sich am Lagerfeuer mitten in der Hügellandschaft Tansanias am schönsten, wenn du den Blick über den beleuchteten Pool und die entfernten Lichter schweifen lässt. Wenn wir an die Armut des Landes dachten, fühlten wir uns dabei manchmal schlecht. Aber wir wussten natürlich auch, dass wir mit unserer Reise zur Wirtschaft beitragen und die Familie Julius‘ indirekt mit ernährten. Für uns hätte es trotzdem weniger Luxus sein können.

Endoro01

Die Vorteile einer geführten Safari

Vorbei an Massai Dörfern und unendlicher Steppenlandschaft ging es in einen der wohl bekanntesten Parks Afrikas – den Serengeti Nationalpark. Abgeleitet aus der Massai Sprache bedeutet Serengeti so viel wie das endlose Land. Dank Julius erblickten wir nach nur wenigen Minuten unseren ersten Leoparden, der faul im Baum hing. Wir fuhren vorbei an stinkenden Nilpferden und ließen uns die Sonne ins Gesicht scheinen, während Julius Kilometer um Kilometer hinter uns ließ. Natürlich kannst du dir in Arusha ein Auto leihen und die Strecke alleine fahren, aber dabei solltest du vier Punkte im Hinterkopf behalten:

  1. Du musst dich selbst im Vorfeld um jegliche Permits kümmern, die in jedem der Parks Pflicht sind. Lange Schlangen sind hier normal. Während Julius uns anmeldete, saßen wir im Schatten auf einer Bank und aßen unser Lunch, welches er uns in kleinen Papiertüten mitbrachte.
  2. Du wirst niemals so viele Tiere sehen, wie mit einem Guide, der ein geschultes Auge hat.
  3. Du darfst dich nicht auf dein Handy verlassen und musst Karten lesen können, auch wenn die Wege meist nur aus einer schmalen Sandpiste bestehen.
  4. Du musst dich darauf gefasst machen, mindestens 2-3 Platten mitzuerleben. Du bist nicht an die rauen Straßen gewöhnt. Selbst Julius musste den Reifen einmal wechseln und wir trafen Gruppen, die mehrfach einen Platten hatten und froh waren, dass ihr Guide sich darum kümmerte.

Am späten Nachmittag kamen wir bei unserem Kati Kati an. Dies sind befestigte Zelte mitten in der Steppe der Serengeti. Dort gibt es ein großes Hauptzelt, wo Frühstück und Abendessen eingenommen werden und etwa 10 – 15 kleinere Zelte, in denen geschlafen wird. Selbst das Schlafzelt ist sehr geräumig, darin ein großes bequemes Bett und sogar eine Dusche. Den Betreibern einfach vor dem Duschengehen Bescheid geben und diese kippen warmes Wasser in den Tank und dann hast du etwa 3-4 Minuten, um deine Haare auszuspülen. Das Gefühl, vor unserem Kati Kati zu sitzen, ein Buch zu lesen und dabei immer wieder Tiere zu hören und auch zu sehen, ist unbeschreiblich. Ist das das Gefühl von Freiheit? Abends saßen wir mit den anderen Gästen am Lagerfeuer und erzählten von den vielen Tieren, die wir beim Game Drive gespottet haben.

 

Unheimliche nächtliche Besucher

Nachts darfst du das Zelt nicht verlassen. Überall lauern wilde Tiere. Für den Notfall liegt neben dem Bett eine Pfeife. Ich schlief gegen 22 Uhr ein und war schon im Traumland, als Alex mich wieder wach rüttelte. Er zeigte auf den Eingang des Zeltes und ich zuckte zusammen, als ein riesiger Büffel direkt zu uns herein schaute. Wir ließen die Plane des Zelts offen und hatten nur das Moskitonetz zugemacht. Das riesige Tier schnüffelte ein wenig herum, lief weiter direkt an unseren Köpfen auf der anderen Seite der Plane entlang. Dann verrichtete es sein Geschäft und im gesamten Zelt stank es bestialisch. Danach bekam ich kaum ein Auge zu. Immer wieder hörte ich Löwen brüllen und Tiere am Zelt vorbei huschen. Der nächste Tag gehörte allein der weiten Serengeti, wo wir erneut unzählige wilde Tiere beobachteten. Ein Gepard lief direkt an unserem Jeep vorbei. Hyänen aalten sich in Schlammlöchern. Warzenschweine rannten mit ihren lustig aufrecht stehenden Schwänzchen an uns vorbei. Elefantenfamilien trabten anmutig zum nächsten Wasserloch.

 

Wir sahen sogar live, wie einige Löwinnen eine Herde Zebras in die Enge trieben und eines der Tiere rissen. Als Tierliebhaberin konnte ich kaum hinschauen. R.I.P. Zebra! Ein totes Nilpferd, über dessen Leiche mindestens zehn Geier kreisten, ekelte uns ein wenig. Ohne Julius hätten wir nicht einmal die Hälfte dieser Tiere zu Gesicht bekommen. Und auch so hatte er immer viel Wissen über die Tierwelt Afrikas, welches er uns vermittelte.

 

Am letzten Tag frühstückten wir 5 Uhr, um die Serengeti bei Sonnenaufgang zu erleben. Die Bilder, die sich uns boten, könnten aus einem Afrika-Reisekatalog stammen. Beim Morning Game Drive sahen wir viele Löwen, sogar männliche, und empfanden es als tolle Abwechslung, dass die Sonne noch nicht erbarmungslos auf uns hinab schien.

 

Geschenk des Lebens

Am Mittag ging es dann Richtung Ngorongoro Krater. Auf der Fahrt zogen erneut Massai Dörfer an uns vorüber. Hunderte Ziegen liefen durch den Staub der Steppe, hinter ihnen ein Massai Krieger mit rotem Gewand und Jesuslatschen. Die jungen Massai Krieger stehen am Straßenrand und tragen komplett schwarze Umhänge, ihr Gesicht ist mit komplizierten weißen Mustern verziert. Der Anblick ist nahezu gruselig. Viele Touristen steigen aus, machen Bilder mit den Massai und geben ihnen dafür einen Dollar. Wir empfanden das als respektlos.

 

Der Ngorongoro ist ein Einbruchkrater und mit etwa 26.400 Hektar enorm groß. Die Seitenwände sind zwischen 400 und 600m hoch und der Durchmesser des Kraters beträgt bis zu 21km. Der Name leitet sich aus der Massai-Sprache ab und bedeutet frei übersetzt „Geschenk des Lebens“. Bereits das Einfahren ist beeindruckend und die Tierpopulation ist hier besonders dicht. Unzählige Gnus zogen an uns vorbei. Und endlich erblickten wir unser erstes und einziges Nashorn. Somit hatten wir die berühmten Big Five zusammen zusammen. Leider existieren im Krater nur noch etwa 10 – 15 Exemplare der bedrohten Spitzmaulnashörner.

 

An diesem Abend ging es wieder zur Endoro Lodge. Auf dem Weg dorthin musste Julius noch einem Kollegen aus der Patsche helfen. Dessen Fahrzeug sprang einfach nicht mehr an und rauchte aus der Motorhaube. Julius schob also den Jeep des Kollegen mehrere Kilometer bei rasanten 60km/h durch die Landschaft. Abschleppen a la Afrika 🙂 Die zwei dänischen Mädels aus dem kaputten Jeep und wir schauten uns das ganze von den hinteren Plätzen an und hofften, dass wir nicht mit einem entgegenkommenden Auto kollabieren würden. In der Endoro Lodge lachten wir bei einem Drink zu viert über den abenteuerlichen Tagesabschluss.

 

Letzter Stopp war der Lake Manyara. Dort hatten wir Spaß dabei, die vielen Äffchen zu beobachten. Leider sahen wir auch Dinge, die wir lieber nie gesehen hätten, unter anderem masturbierende Affenpapas. Ähm, ja. Wunderschöne bunte Vögel flogen während unserer Mittagspause um unsere Köpfe.

 

Am Nachmittag kamen wir wieder in der Karama Lodge in Arusha an und verabschiedeten uns von Julius, der uns unheimlich ans Herz gewachsen ist. Den nächsten Tag verbrachten wir bevor es mit dem Flugzeug nach Dar Essalam ging am Pool. Diese Safari wird uns für immer im Gedächtnis bleiben.

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