Arabisches Flair in Ostafrika

Nachdem wir einiges von Dar Essalam vom Taxi aus gesehen hatten, entschieden wir uns gegen eine Stadttour und fuhren am nächsten Morgen direkt zur Fähre Richtung Sansibar. Die Fähre ist sehr modern und bewegt sich schnell auf den Wellen gen Insel. Im „Sealand Hotel“ kamen wir die ersten beiden Nächte unter. Das Herz von Sansibar Stadt nennt sich Stone Town. Ab dem 17. Jhd. bauten Araber aus Oman die ersten steinernen Gebäude und das noch heute sichtbare Fort. 1840 entschied der Sultan, den omanischen Hof nach Sansibar zu verlegen. Damals und heute ist die muslimische Population stark in der Überzahl. Aus der Geschichte resultierend ist die sansibarische Kultur stark beeinflusst durch arabische, indische und andere asiatische Einflüsse. Abends verbrachten wir die Stunden auf der Promenade direkt am Wasser, wo Einheimische ihre Stände aufbauen. Jeden Abend zieht es hunderte Reisende und auch Inselbewohner zum sogenannten Forodhani Food Market. 

Gewürze im Westen der Insel

Wenn du auf Sansibar der Gewürzinsel bist, kommst du nicht an einer Spice Tour vorbei. Selbst wenn du kein Gewürzliebhaber bist, ist diese Tour empfehlenswert. Die Gewürzfarmbesitzer zeigten uns, wie Vanille, Pfeffer, Nelken, Kakao, Lemongras und Muskatnüsse wachsen. Mit einer kastanienähnlichen Frucht, kann sogar rote Farbe gewonnen werden. So bekam ich Alex erstmalig mit Lippenstift zu Gesicht 😉 Ebenfalls besuchten wir bei einer solchen Tour die Sklavenkammer bei Mangapwani. Das lukrative Geschäft mit den Sklaven war die Lebensgrundlage vieler wohlhabender Familien. Trotz offizieller Abschaffung wollten diese nicht auf die Sklaverei verzichten und hauten somit eine riesige Kammer in den Korallenstein. Über einige steile Stufen stiegen wir in das unterirdische Verlies. Dass dort hunderte Sklaven in der Dunkelheit und Kälte kauerten, ist für uns kaum vorstellbar. Solche Szenen stimmen uns meist traurig. Um die Stimmung wieder aufzulockern ging es am Ende der halbtägigen Tour an den nahegelegenen Strand Mangapwanis. Auch ein traditionelles Mittagessen ist im Preis der Tour enthalten.

Wieder in Stone Town angekommen, besuchten wir das Zanzibar Coffee House, wo es den besten Kaffee der Stadt gibt. Ebenfalls sehenswert sind der Darajani Markt und der Sonnenuntergang direkt am Strand. Während unserer Zeit auf Sansibar gingen wir zwei Mal in die Livingstone Bar, von welcher wir den perfekten Blick auf den Horizont genossen. Am Abend fand zufällig das Stone Town Food Festival statt. Der täglich stattfindende Forodhani Food Market war somit noch größer mit noch interessanteren Spezialitäten. Auf einer Bühne spielte eine lokale Band. Afrikanische Klänge + das Rauschen des Meeres + exotisches Essen = Glückseligkeit 🙂

Herzlicher Gastgeber im Norden der Insel

Mit einem der LKW artigen Daladalas fuhren wir nach Nungwi im Norden der Insel. Dort fanden wir in der „Homeland Swahili Lodge“ eine nette Bleibe. Empfangen wurden wir von dem leicht verrückten aber liebenswürdigen Besitzer Mzushi. Zur Begrüßung gab es einen riesigen Teller frischer Früchte. Da das Hostel ein wenig außerhalb liegt, bietet Mzushi seinen Gästen ein kostenloses „Taxi“ an. Uns wollte er ebenfalls persönlich von A nach B fahren. Einmal nahmen wir dieses Angebot an, ansonsten liefen wir sehr viel. Wie er uns empfohlen hatte, aßen wir mittags im Mama Africa. Ein riesiger Teller voller Gemüse, Kartoffeln und Fleisch kostete gerade mal einen Euro. Eine Portion machte uns bei der Hitze zusammen satt.

Foto 19.10.16, 11 40 17

Am Strand verbrachten wir den Nachmittag mit unserer neuen Freundin Sabine. Auf dem unteren Bild ist sie zu sehen…voila 🙂 Am Strand entlang spazierten wir Richtung Nungwi Village, wo wir im Blue Ocean Restaurant sehr leckeren Fisch mampften. Das kleine Dörfchen etwas abseits vom Strand ist sehr arm und es gibt wenig zu sehen. Die kleinen Steinhütten wirken verlassen und nur wenige Weiße trauen sich in die Gassen. Die bunten Schilder erinnern an längst vergangene Zeiten. Abends chillten wir mit anderen Hostelgästen im Innenhof bei Mzushi.

Morgens verwöhnte der Hostelbesitzer uns mit einem großen Frühstück voller Früchte, Toast, Marmelade, Eier und sogar Nutella. Tagsüber gingen wir auf eine Snorcheltour, die aufgrund des schlechten Equipments für uns eher frustrierend war. Immer wieder füllte sich die Maske mit Wasser. Das, was wir vom Riff bei Mnemba zu sehen bekamen, sah nicht nach einem gesunden Korallenriff aus. Am East Coast Beach legten wir Anker und die Guides bereiteten Fisch mit Gemüse zu. Diese Tour können wir nicht wirklich empfehlen. Lies hier von unserem tollen Schnorchelerlebnis in Belize.

Am Ballermann angekommen

Am nächsten Tag besuchten wir das Mnarani Sea Turtle Conservation Center, wo wir ein wenig mehr über die Wasserschildkröten der Insel erfuhren. Niedlich ist es vor allem, wenn du den Tierchen Seetang hinhältst. Eine nach der anderen reckt ihren langen Hals aus dem Wasser und zupft ein Blättchen nach dem nächsten aus den Händen der Touristen. Der niedrige Eintrittspreis wird selbstverständlich für den Erhalt der Tiere genutzt. Am Nachmittag liefen wir in das Nachbarörtchen Kendwa. In einigen Reiseführern heißt es, dass dieser Ort schöner sei als Nungwi. Unter all den Pauschaltouristen fühlten wir beide uns fehl am Platz. Der Ort scheint das Malle für Italiener zu sein. Überall ertönt laute Musik, große Ansammlungen von Touristen halten Drinks in die Höhe und prosten sich lauthals zu. Wir genehmigten uns bei einem wunderschönen Sonnenuntergang ein paar Drinks etwas abseits der Massen. Der Rückweg nach Nungwi war gruselig. Unsere Füße konnten wir kaum erkennen und in der Dunkelheit staksten wir teilweise durch Privatgrundstücke. Im Nachhinein denken wir uns: „Oh wie abenteuerlich das doch war.“, währenddessen drehten wir uns mehrere Male ängstlich zu allen Seiten um. Laute Insektengesräusche von den Seiten, ein Rascheln im Busch, keine Menschenseele. 

Singsang im Osten der Insel

Dieses Mal ging es in den Osten der Insel nach Bwejuu. Mit einem vollgestopften Daladala fuhren wir über die Asphaltstraßen. Ein kleines Mädchen setzte sich sogar auf Alex‘ Schoß. Berührungsängste kennen die Einheimischen hier nicht. In Bwejuu gönnten wir uns ein etwas teureres Hotel, das „African Sun Sea Beach“. Die Zimmer sind sehr sauber und geräumig und zusätzlich gibt es eine schöne Außenanlage mit Pool und Blick auf das Meer. Während eines Strandspaziergangs stoppten wir im Sahari Restaurant, wo wir uns stärkten. Den Nachmittag dösten wir am Pool.

Auch der nächste Tag startete mit einer Pool-Session. Danach wanderten wir zum nahegelegenen Ort Paje. Dort aßen wir gemeinsam mit einer kleinen Katze Mittag. Während wir noch über das blaue Meer schauten, zog urplötzlich ein Unwetter auf. Es begann zu stürmen und der Himmel über uns färbte sich dunkelgrau. Um schnellstmöglich zum Hotel zurückzukommen, stellten wir uns an den Straßenrand und hofften auf ein Daladala. Ein dicker lächelnder LKW Fahrer hielt neben uns und winkte uns in sein Fahrerhäuschen. Er nahm uns mit und winkte mehrfach ab, als wir ihm beim Abschied Geld in die Hand drücken wollten. Wie unglaublich sympathisch die Menschen hier sind. Am Abend gingen wir in das benachbarte Crazy Swahili Local Restaurant. Es macht seinem Namen alle Ehre. Ein paar Gartenstühle und Plastiktische stehen direkt am Strand. An den Palmen sind kuriose Dinge wie Puppen und leere Flaschen als Dekoration angebracht. In der Mitte der Fläche brennt ein Lagerfeuer, welches mit unzähligen Blüten dekoriert wurde. Die Besitzer holten Bier von einem benachbarten Späti für uns beide und zwei weitere Touristen. Die Jungs begannen auf verschiedenen Instrumenten zu musizieren und zu singen. Wir alle saßen am Feuer und sangen mit und lachten. Nach etwa 1,5 Stunden fragten wir schüchtern, ob wir denn auch etwas zu essen bestellen könnten. „What you want food? You tell us. We will find something.“ Also warteten wir erneut, sangen und dann endlich unser lang ersehntes Essen. Besonders gut war es nicht, aber der Abend war definitiv einmalig. Ob es dieses Restaurant noch gibt, ist fragwürdig. Falls du das Crazy Swahili Local Restaurant erst vor kurzem besucht hast, lass es uns wissen.

Am letzten Tag im Osten der Insel liehen wir uns einen Roller. Mit diesem besuchten wir den Kizimkazi Strand, wo Einheimische uns eine Delfintour andrehen wollten. Wir lehnten freundlich aber bestimmt ab. Wir können nur Jedem empfehlen nicht an diesen Touren teilzunehmen. Aus mehreren Quellen erfuhren wir, dass die Tiere darunter leiden. Boote umzingeln die Delfinschulen und machen ihnen große Angst.

Im Jozani Forest beobachteten wir kleine Affen mit witzigen Frisuren. Hier siehst du, wie die Insel vor vielen Jahren einmal ausgesehen hat. Der letzte Teil des Regenwaldes mit den angrenzenden Mangroven ist mittlerweile geschützt. Einst war die gesamte Insel mit diesen wunderschönen Bäumen übersät. Danach düsten wir zu The Rock, eine Steinformation direkt im Wasser. Mittags kannst du ganz normal hinlaufen. Am Abend musst du ein Boot nehmen, da die Flut bereits eingesetzt hat. Oder du schwimmst. Das Klientel fanden wir persönlich eher nervig. Reiche Weiße, die dort an ihren überteuerten Drinks schlürfen und Selfies machen. An der Nordspitze der Südinsel ist der Michamvi Strand, von welchem wir einen wunderschönen Sonnenuntergang erlebten. Leider hatten wir dort nicht mehr so viel Zeit, da wir den Roller rechtzeitig wieder abgeben mussten. Für uns persönlich ist ein Roller immer die beste Möglichkeit, um flexibel und entspannt einen Ort zu erkunden.

Uralte Artgenossen – zurück im Westen der Insel

Um 5.58 Uhr standen wir auf, um uns den Sonnenaufgang anzusehen. Da wir uns auf der Ostseite der Insel befanden, wollten wir das nicht verpassen. Leider war es relativ wolkig. Der frühe Vogel fängt den Wurm und so. Um wach zu werden, schwammen wir vorm Frühstück ein paar Runden im Pool. Mit einem abermals überfüllten Daladala rasten wir zurück nach Stone Town. Dieses Mal übernachteten wir im „Funguni Hostel“, welches wir weiter empfehlen möchten. Tagsüber fuhren wir mit einem Boot nach Prison Island. Unbedingt am kleinen Hafen mit den Fischern über den Preis der Fahrt verhandeln, sonst wirst du über’s Ohr gehauen. Die kleine Insel nahe der Hauptinsel heißt eigentlich Changuu und erhielt ihren Spitznamen aufgrund ihrer traurigen Geschichte. Die Sklaven vom Festland wurden dort erst gezüchtigt, bevor es zum Verkauf nach Sansibar Stadt ging. Später fungierte sie als Quarantänestation für Gelbfieberpatienten. Heute sind die im Jahr 1919 eingeschifften Aldabra-Riesenschildkröten das Highlight dieses kleinen Eilands. Diese damals wenigen Tiere haben sich rasant vermehrt. Die Schildkröten sind trotz ihrer enormen Größe niedliche Artgenossen. Sie lieben es am Hals gekrault zu werden. Die älteste auf Changuu lebende Schildkröte ist 109 Jahre alt (Stand 2016). Das Alter wird mit Farbe auf die Panzer der Tiere gesprüht.

Am Abend herrschte in der Livingstone Bar bei Alex und mir melancholische Stimmung. Abschiedsschmerz mischte sich mit Vorfreude auf alltägliche Dinge wie Vollkornbrot, Druck auf dem Duschkopf und Busse, in denen wir nicht halb zerquetscht werden. Der wunderschöne Sonnenuntergang ließ den Abschiedsschmerz allerdings überwiegen. Zum Abschluss kauften wir uns am Forodhani Market noch einen Zanzibar Mix. Die sansibarische Suppe wird auf Basis von Zitrone, Mango und Mehl gekocht und dann mit Kartoffeln, Chili und Kokosnuss verfeinert.

Unseren letzten Vormittag verbrachten wir in Stone Town bei einem kleinen Souvenirbummel. Besonders beeindruckt hat uns das Capital Art Studio, wo es schwarz-weiß Aufnahmen Sansibars gibt. Teilweise stammen die Fotos noch aus den 60er Jahren. Ich als Fotografie-Fan war begeistert und wir kauften zwei der Exemplare als Andenken an unsere schöne Zeit auf der Insel. Mittag gibt es richtig gute und vor allem traditionelle Speisen bei Luukman. Hier ist für jeden was dabei – Gemüse, Fisch, Fleisch, Gebäck.

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Mit der Fähre ging es dann zurück zum Festland. Tipp: Tickets unbedingt morgens oder sogar am Vortag kaufen. Die Schlangen können sehr lang werden und manchmal sind die Boote ausgebucht. Glücklicherweise sind wir frühzeitig aufgebrochen und hatten noch Zeit bis zum Abflug. Da der König Marokkos gerade zum Staatsbesuch in Dar Essalam war, saßen wir eine ganze Weile im Stau fest. Nichts konnte unsere gute Laune trüben. Unsere erste Afrika Reise wird bei uns beiden unvergessen bleiben. Tansania und Ruanda waren ein guter Start, um einen weiteren Kontinent zu erkunden. Die nächsten Ziele, mit denen wir liebäugeln, sind Namibia, Botswana, Sambia und Äthiopien. Erstmal heißt es träumen!

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  1. Sehr schöne Bilder, da wünscht man sich doch gleich an den Strand. 🙂

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