Das heilige Land im Nahen Osten

Ende 2015 hatte ich noch einige Urlaubstage offen und somit entschieden meine beste Freundin Betty und ich, gemeinsam nach Israel zu fliegen. Das Land und seine Kultur haben mich schwer beeindruckt. Diese irgendwie in Worte zu fassen, fällt nicht leicht.

Tel Aviv – zwischen zwei Städten 

In der Stadt couchsurften wir bei David, der uns herzlich bei sich zu Hause begrüßte. Lange Spaziergänge entlang des Meeres, leckerste israelische Speisen und nette Begegnungen standen täglich auf der Tagesordnung. Wir lernten auch, wie sehr Muslime aus dem alltäglichen Leben ausgeschlossen werden. Aufgrund unserer abweichenden Meinung, kam es vermehrt zu Diskussionen mit David und seinen Freunden. Sie alle wollten uns ein sehr schlechtes Bild von Muslimen vermitteln. Manchmal trieb uns das zur Weißglut. Aber wir sind Gäste und haben uns deshalb zurückgehalten.

Das 1909 gegründete Tel Aviv war ursprünglich ein Vorort der antiken Hafenstadt Jaffa. 1950 wurden beide Städte zum heutigen Tel Aviv-Jaffa vereinigt. Die meisten Touristen kennen die Stadt unter dem Namen Tel Aviv. Tel heißt alt und Aviv neu – genauso widersprüchlich wie ihr Name sind die Stadt und ihre Menschen selbst. In Jaffa am Hafen findest du uralte Gebäude, die drohen in den nächsten Minuten zusammenzustürzen und in der Innenstadt Tel Avivs schmiegt sich Wolkenkratzer an Wolkenkratzer. Bei Temperaturen um die 18 – 20 Grad ließ es sich an einem Dezember Nachmittag sehr gut aushalten. Falls du auf Flohmärkte stehst, bist du hier goldrichtig. Stundenlang schlenderten wir über die kleinen Märkte auf der Suche nach alten Kameras, Schallplatten, Schmuck und anderem Krimskrams.

Jerusalem – zwischen drei Religionen

Die Hauptstadt des Landes ist eine der wohl spannendsten Städte der Welt. Ich persönlich wurde vollkommen in ihren Bann gezogen. Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein begleiteten uns durch die drei Tage, die wir dort verbrachten. Die kleinen Gässchen in der Altstadt umgeben von einer riesigen Stadtmauer, sind zauberhaft. Überall duftet es nach Gewürzen und wir lauschten den Klängen des Muezzin. Die Altstadt ist in das muslimische, jüdische, christliche und armenische Viertel gegliedert und hat somit kulturell und kulinarisch ein riesiges Spektrum zu bieten.

Die Klagemauer ließ mich verstummen. Das musst du einfach erlebt haben. Ich war innerlich zu Tränen gerührt und konnte den Blick kaum abwenden. Dahinter ragt der Tempelberg in den strahlend blauen Himmel. Die brutale Geschichte der Stadt und der aktuelle Nahostkonflikt stimmen traurig. In Jerusalem herrscht eine einzigartige Gänsehautstimmung. Immer wieder stecken Menschen kleine Zettel mit ihren Wünschen zwischen die Steine der Mauer. Der sehr viel kleiner Teil für Frauen ist natürlich getrennt von dem der Männer. Die ultraorthodoxen Juden stehen kerzengerade, schauen auf den Boden, wippen auf den Fußballen nach hin und her und beten leise.

In der ganzen Stadt verteilt gibt es 1.204 Synagogen, 158 Kirchen und 73 Moscheen. Den Namen „heilige Stadt“ hat sich Jerusalem damit mehr als verdient. Aber keine der religiösen Stätten ist so beeindruckend wie der Tempelberg. Dort herrscht eine Ruhe, die ebenfalls nicht zu beschreiben ist. Selbstverständlich wirst du am Eingang kurz kontrolliert und als Tourist seltsam angeguckt. Wir waren an diesem Tag die einzigen Nicht-Muslime. Gestört hat uns das aber überhaupt nicht. Anmutig liefen wir über den Steinboden und bewunderten die goldene Kuppel der Moschee.

Unbedingt solltest du dir Zeit nehmen, die Altstadt vom Ölberg aus zu bewundern. Wir gingen kurz vor Sonnenuntergang hinauf und liefen an unzähligen Grabsteinen entlang. Auch so etwas hatte ich zuvor in einem solchen Ausmaß noch nie gesehen.

Das Mahnmal und Museum Yad Vashem war mein persönliches Highlight der Reise. Das klingt komisch, wenn du weißt, dass es sich hierbei um ein Museum über den Holocaust handelt. Ich war während meines Besuchs zu Tränen gerührt und tief beeindruckt. Nimm dir unbedingt viel Zeit und einen kostenlosen Audioguide. Wir waren fast fünf Stunden in dem ungewöhnlichen Gebäude und beeindruckt von der Aufmachung der unheimlich schrecklichen Geschichte. Als wir nach den vielen Stunden wieder ans Tageslicht kamen, konnten wir beide erstmal gar nichts mehr sagen und waren den Rest des Abends sehr ruhig. Auch solltest du dir bei einem Besuch Jerusalems das Grab Jesu ansehen. Für einen Atheisten ist das Ganze nichts Besonderes. Der Anblick, der sich uns bot, ist nichtsdestotrotz ganz besonders. Viele Menschen stehen dort an, um einmal am Grab niederzuknien. Sie küssen den Grabstein und beten hingebungsvoll. Ein kleiner Geheimtipp ist das österreichische Pilger-Hospiz, wo wir in einem wunderschön angelegten Garten leckeren Apfelstrudel mampften.

Das Tote Meer – zwischen Frust und Lachkrämpfen

Einen der Tage wollten wir unbedingt zum Toten Meer. Ein Trip nach Israel wäre uns sonst als unvollständig in Erinnerung geblieben. Mit einem Bus fuhren wir also durch die Wüste des Landes vorbei an unglaublich armen teilweise eingezäunten muslimischen Wohnsiedlungen. Der Anblick ist erschreckend. Dazu kam, dass es langsam spät wurde und wir irgendwie nicht sicher waren, wo genau wir denn aussteigen sollten. Wir fuhren entlang des Sees. Er ist allerdings nicht überall zum Baden zugänglich. Der Busfahrer war keine große Hilfe. Irgendwann gegen 16 Uhr erreichten wir endlich den Spot, den wir uns im Vorfeld ausgesucht hatten. Dort stiegen wir also ins kühle Nass. Zum Glück schien die Sonne, denn das Wasser ist im Dezember doch recht kalt. Beide brachen wir aufgrund des enormen Auftriebs durch den hohen Salzanteil in Gelächter aus. Das schwebende Gefühl ist einzigartig.

Nazareth – zwischen Muslimen und Christen

Auch Nazareth, den Wohnort Jesus‘ wollten wir uns nicht entgehen lassen. Früher lebten hier vor allem Juden, heute teilen sich Muslime und Christen die Stadt. Wir hatten ein wenig das Gefühl, in einem anderen Land angekommen zu sein. Schilder sind hier auf arabisch und nicht hebräisch wie im Rest des Landes. Auch die Menschen sehen anders aus. Alle waren uns gegenüber gastfreundlich, hilfsbereit und sehr herzlich. Der arabische Markt in den kleinen Gassen erinnert an den Orient. Die große Verkündigungsbasilika ist sowohl von innen als auch außen beeindruckend.

Haifa – zwischen Hügeln und Mittelmeer

Unseren letzten Stopp machten wir in Haifa, wo wir wieder bei Couchsurfern unterkamen. Zwei Brüder und zugleich die ersten Atheisten, die wir kennenlernten. Beide sind sehr offen und bereits durch die Welt gereist. Diese immer wieder anderen Einblicke waren für mich während dieser Reise besonders spannend. Sie erzählten uns über die militärische Ausbildung, die ein jeder Israeli egal ob Mann oder Frau direkt nach der Schule durchlaufen muss. Abends nahmen sie uns mit in ihre Lieblingsbars. Der Schrein des Bab, auch Bahai genannt, ist die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit Haifas. Hunderte Treppenstufen führen an einem Hügel hinauf zu dem Schrein. Vor allem bei Nacht sieht der Weg toll beleuchtet aus.

Haifa liegt direkt an der Mittelmeerküste und bei guter Sicht kannst du den Lebanon am Horizont erkennen. Wenn du den doch recht steilen Hügel nicht zu Fuß erklimmen möchtest, gibt es eine unterirdische Standseilbahn namens Karmelit. Die ruckelige Fahrt kostet nur ein paar Cent. Abends isst es sich am besten an der Verlängerungsstraße des Bahai. Dort reihen sich sehr viele gemütliche teilweise teure Restaurants aneinander. Gemeinsam mit einem Pärchen, das ich in Peru auf dem Inka Trail kennengelernt hatte, verbrachten wir unseren letzten Abend. Ich kann nur sagen, eine Reise nach Israel ist ein Muss für jeden Reise-Fan. Gerne hätte ich mir noch Petra in Jordanien angeschaut, aber dafür reichte die Zeit leider nicht aus. Ich bin sicher, dass ich eines Tages mit Alex zurückkehren und auch dieses Wunder einmal bestaunen werde.

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