Von den Bergen in die Karibik

Anfänglich waren wir nicht ganz sicher, ob wir Honduras nicht komplett auslassen sollten. Während der Reise entschieden wir uns allerdings, wenigstens einen Abstecher nach Copán zu machen. Wir wollten so gerne die berühmten Maya Ruinen bewundern. Außerdem liegt das Städtchen im Norden des Landes direkt an der Grenze zu Guatemala. Da wollten wir ja sowieso hin.

Mit dem Pfarrer nach Florida

Von Suchitoto in El Salvador nahmen wir den Bus nach La Entrada. Da wir erst am frühen Abend dort ankamen, verpassten wir den Verbindungsbus nach Copán. Ziemlich schnell wurde uns klar, dass das ein Problem werden könnte. Von allen Seiten wurden wir skeptisch beäugt. Im gesamten Ort gab es kein einziges Hotel. Die Stadt machte einen ziemlich gruseligen Eindruck auf uns. Ein Mann sprach uns an und zeigte uns seinen Pfarrausweis. Ob man diesem Stück Plastik nun Glauben schenken konnte oder nicht, ist fraglich. Der nette Herr brachte uns allerdings zu einem Van, der zum Ort Florida fuhr. Der Pfarrer, ein paar weitere böse dreinblickende Einheimische und wir quetschten uns in den kleinen Bus. Während der Fahrt nahmen wir noch zwei weitere Männer mit riesigen Macheten mit. Langsam bekamen wir es mit der Angst zu tun. Wir waren froh, als wir aussteigen durften. In Florida brachte uns der Pfarrer zu einer sehr sympathischen Familie, die uns eines ihrer Zimmer anbot. Diese sind nicht schön anzuschauen, aber in unserer Situation war es die beste Lösung. In ihrem kleinen Imbiss aßen wir Hühnchen mit „Rechicken“. Pollo heißt auf Spanisch Hühnchen und repollo heißt Krautsalat, da macht es laut der Wirtin Sinn, dass Krautsalat auf Englisch Rechicken heißt 😉 Gemeinsam saßen wir mit der ganzen Familie vor dem Fernseher und genossen unser Essen. Am nächsten Morgen warteten wir zeitig auf den ersten Bus Richtung Copán.

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Bayrische Spezialitäten in Honduras

In Copán übernachteten wir im schönen „Posada de Bellsy“ und machten einen Stadtbummel. Mit einem Tuk Tuk fuhren wir auf den höchsten Punkt der Stadt. Nachmittags nutzten wir den Pool auf dem Dach unserer Unterkunft und beobachteten das wohl spektakulärste Unwetter aller Zeiten. Der Himmel färbte sich orange. Die Wolken zogen schnell an uns vorbei. Es begann zu regnen. Ein Regenbogen stand über unseren Köpfen. Es wurde dunkel. Blitze zuckten über den Himmel. Der Strom fiel immer wieder aus. Als der Regen nachließ, gingen wir in die Kneipe Sol de Copan, die von einem deutschen Auswanderer betrieben wird. Dort gibt es bayrische Spezialitäten, selbst gebrautes Bier und viele nette Menschen, mit denen wir einen tollen Abend verlebten. Ein absolutes Muss in Copan.

Verkatert ging es sehr früh am Morgen zu den Ruinen der Mayas. Da wir die ersten Besucher des Tages waren, hing noch Tau in den saftgrünen Gräsern und es herrschte eine majestätische Stille, während wir anmutig durch die Ruinen liefen. In den Bäumen krächzten Papageien über unseren Köpfen. Wir waren wirklich sehr fasziniert von der Stätte. Dass hier so wenig los ist, hätten wir nicht erwartet. Selbst als die ersten Touristen eintrudelten, wirkte der Ort überhaupt nicht überlaufen.

Zwischen Vulkanen

Nachmittags ging es mit dem Shuttle nach Antigua. Die Höllenfahrt war ohne Klimaanlage eine schweißtreibende Angelegenheit. Als mit einem lauten Knall einer der Reifen platzte, haben wir uns kurzzeitig woanders hin gewünscht. Mit etwas Verspätung landeten wir im wunderschönen Antigua. Die Tage dort verbrachten wir mit vielen Spaziergängen durch die gut erhaltene Altstadt. Wir besuchten eine Schokoladenmanufaktur, wanderten auf die Erhebung Cerro de la Cruz, hingen in den Hängematten unseres Hostels „Jacarandia“ und schlenderten über den Markt La Merced. Hier kaufen fast ausschließlich Einheimische ein, was es viel spannender macht. Sehr empfehlenswert ist das israelische Hostel und Restaurant „Zoola“, wo wir Hummus, Pita und Oliven schlemmten.

Ein Tagesausflug zum nahegelegenen Markt Chichicastenango ist nicht unbedingt Pflicht, aber nichtsdestotrotz ein interessantes Erlebnis. Der größte Markt Mittelamerikas ist kaum zu überblicken und das bunte Treiben nett anzusehen. Natürlich gibt es viele Nationalgerichte, die du hier ausprobieren kann. Auch sonst fehlt es hier an nichts. Lebendige Hühner, riesige Töpfe, Taschen, Gewürze und Tücher säumen die engen Wege. Auf einer kleinen Erhebung erblickten wir einen extrem bunten Friedhof, den wir uns auch von Nahem ansahen. Das ist doch viel schöner, als die bedrückenden Friedhöfe in Deutschland. Um einen Sitz im Shuttle Richtung Lago Atitlan zu ergattern, musst du dich Durchsetzungsvermögen beweisen. Ein paar Ellbogen bekamen wir dabei ab und lernten ganz nebenbei, ein wenig auszuteilen.

Esoterische Reise zum Lago Atitlan

Beim Lago Atitlan übernachteten wir im größten Ort Panajachel. Die Stadt ist ziemlich verdreckt und wenn du mehr Zeit hast, empfehlen wir einen anderen Ort auszuwählen. Wir fuhren mit dem Boot verschiedene Dörfer entlang des Sees ab und verbrachten nur die Abende in Panajachel. Stopps machten wir in Santiago, San Pedro und dem Hippieort San Marcos. Letzterer ist ziemlich kurios. Überall hängen Poster, die zu esoterischen Kursen einladen, die Mauern sind mit Einhörnern und anderen Fabelwesen verziert und immer wieder begegneten uns alternativ gekleidete Menschen. Barfüßige Rastas, erleuchtete Esoteriker, bärtige Hippies und tätowierte Hobby-Mönche wandeln durch die Gassen. Dazwischen die traditionell gekleideten Maya-Frauen. Wieder in Panajachel gönnten wir uns das traditionelle Gericht Sopa de Mariscos, die unzählige Meeresfrüchte beinhaltet. Mach dich darauf gefasst, dass die Rechnung es ganz schön in sich hat. Im Vorfeld konnten wir im Menü keinen Preis finden.

Besonders empfehlenswert ist die Reserva Natural Atitlán, wo wir Schmetterlinge und andere Tiere beobachteten. Wenn du Bock auf mehr Action hast, schwing dich wie Tarzan oder Jane durch die Baumwipfel. Die Ziplines am Lago Atitlán sind sehr lang und es wird schnell. Adrenalin pur!

Einmal lächeln bitte

„Endlich“ wieder in einem der überfüllten Schulbusse, in denen dauerhaft lautstarke Musik spielt, ging es nach Flores. Im Cool Beans aßen wir Frühstück und starteten am Nachmittag unsere Tour zu den Ruinen Tikals. Der Park ist dabei fast noch schöner als die Ruinen selbst. In Copán haben uns die Maya Ruinen aus unerklärlichen Gründen mehr verzaubern können. In Flores gibt es aber noch mehr Tiere zu entdecken. Unzählige wunderschöne Vögel begegneten uns auf den Wegen der Anlage. Wir hatten teilweise echt Glück und schafften es, wunderschöne Fotos der Tukane und springenden Äffchen zu machen. Vielleicht genießen die das Blitzlichtgewitter ja. Die Ruinen sind gewaltiger als in Honduras, aber auch wesentlich besser besucht. Der Blick von einer der Ruinen über die gesamte bewaldete Anlage ist ein Muss. Aus den hohen Baumwipfeln ragen die Bauwerke hinauf und du kannst beobachten, wie die Sonne am Horizont langsam untergeht.

Flores liegt zwar auf einer Insel, die mit einer Brücke mit dem Festland verbunden ist, hat aber sonst relativ wenig zu bieten. Im Café Doña Goya schlemmten wir das beste Frühstück während unserer gesamten Reise.

Aus eins mach zwei

Mit dem Shuttle ging es zur allerletzten Etappe: Belize. Das kleinste Land Mittelamerikas trumpft sofort mit seinem karibischen Flair und wir entschieden uns, die letzten drei Tage auf der Insel Caye Caulker zu verbringen. Dort  wollten wir nochmal richtig entspannen. Mit dem Boot ging es los. Es erwarteten uns windschiefe Palmen, kleine bunte Hütten und kein Verkehr. Auf Caye Caulker gibt es ausschließlich Fahrräder und Golfwagen. Bei einer 8km langen und 2km breiten Insel braucht es gar keine Autos. The Split erinnert an einen Hurrikan, der die Insel 1961 in zwei Inseln geteilt hat. Dort hängen die Coolen rum. Wir natürlich auch 😉 Der Graben eignet sich super zum Baden und Chillen. Das kleine Caye Caulker Village ist ein Örtchen, wo die Uhren einfach viel langsamer ticken als im Rest der Welt. Trotz brütender Hitze und Mückenarmada war die Insel der beste Abschluss für vier wirklich erlebnisreiche Wochen. Empfehlen können wir hier das Ceviche bei Rosis und den Hummer. An dem kommt man hier nur schwer vorbei. Für wenige Euro bekommst du dazu drei Beilagen, ein Dessert und einen Drink. Feels like heaven 🙂

Gemeinsam mit Peter und einem streunenden Hund erkundeten wir auf einem Golfwagen die Mangrovenwälder der Insel und chillten nachmittags im Schatten der Palmen in einer Hängematte. Zur Abkühlung tranken wir an jeder Ecke fruchtige Shakes.

An unserem letzten Tag brauchten wir nochmal ein wenig Action. Also fuhren wir mit einer kleinen Gruppe von Reisenden und zwei Einheimischen raus auf’s Meer und machten mehrere Schnorchelgänge inmitten des zweitgrößten Riffs der Welt. Dieses Wunder der Natur nennt sich Belize Barrier Reef. Zu sehen bekamen wir unzählige bunte Fische, Haie, Schildkröten, Aale und ein gesundes Korallenriff. Wer taucht, sollte hier unbedingt tauchen gehen. Im Gegensatz zu anderen Ländern lebt das Riff hier noch und sieht nicht grau aus. Auf dem Rückweg zur Insel spielten wir ein Trinkspiel und gaben unser Bestes, die Gedanken an die nahende Abreise noch ein wenig zu verdrängen.

Die Reise war unglaublich spannend und die ganzen Erlebnisse zu verarbeiten, dauerte einige Tage. Wenn du mehr Zeit hast, nimm sie dir. Wir möchten definitiv irgendwann zurück und vor allem in Costa Rica, Nicaragua und Honduras die Ostküste bereisen. Es gibt noch viel zu entdecken!

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