Unser Favorit: Nicaragua

Nach einer angenehmen Nacht in San Juan del Sur nahmen wir am nächsten Vormittag den Bus nach Rivas und dann einen weiteren nach San Jorge. Dabei solltest du immer im Hinterkopf behalten, dass die Taxifahrer dich höchstwahrscheinlich anlügen, damit du mit ihnen mitfährst. Sie sagen zu jeder Tages- und Nachtzeit, dass kein Bus mehr zum Fährhafen nach Ometepe fährt. Das ist eine Lüge, eine Verkaufsstrategie. Nach einigen Stunden kamen wir an dem kleinen Hafen an. Von dort nahmen wir ein rostiges altes Boot zur Isla de Ometepe. Mit rund 270 km² ist sie die weltweit größte vulkanische Insel in einem Süßwassersee. Das Boot schwankte während der turbulenten Fahrt zwischen den Wellen auf und ab. Vor allem Alex war froh, als wir endlich an Land ankamen.

„Luxusleben“ auf Ometepe

Im Vorfeld hatten wir uns bereits das „Soma Hostel“ ausgesucht und waren enttäuscht, als bereits alle Betten ausgebucht waren. Um uns ein wenig Luxus zu gönnen, nahmen wir uns eine kleine Cabaña ganz für uns alleine. Wenn du ein klein wenig mehr Budget hast, können wir dies sehr empfehlen. Hier warten eine Hängematte, ein geräumiges Bad, ein Ventilator, ein gemütliches Bett und eine eigene kleine Terrasse auf dich. Einen der Tage auf Ometepe liehen wir uns einen Roller und umrundeten die gesamte Insel. Stopps machten wir zuerst in dem kleinen Dörfchen Altagracia und am Ojo de Agua. Der natürliche Pool entspringt einer Quelle. Der Eintrittspreis von 2 Euro ist mehr als fair. Der Pool ist etwa 2m tief, 40m lang und angenehm kühl. Wir haben gehört, dass es hier sehr voll werden kann. Wir hatten Glück und hatten den großen Pool teilweise für uns alleine. Weiter ging es durch winzig kleine Dörfchen. Hier wurden wir mit extremer Armut konfrontiert, aber auch mit Herzlichkeit empfangen. Überall laufen Hühner, Schweine und Kühe frei herum – der Anblick inmitten des dichten grünen Waldes ist leicht surreal. Die Straßen sind nicht ganz ohne, Alex musste teilweise ganz schön manövrieren. An einem sehr matschigen Hang standen wir kurz vorm Umdrehen. Für jemanden, der gar keine Rollererfahrungen hat, ist diese Tour eher nichts. In Charco Verde beobachteten wir bei einer Wanderung Affen mit winzig kleinen frisch geborenen Babies und fuhren dann weiter zum Punta Jesus Maria. Leider haben wir ganz knapp den angeblich tollen Sonnenuntergang verpasst. Das Farbspiel am Abendhimmel konnten wir dann alleine genießen. Am Abend kauften wir uns an einer Fritanga – einer kleinen Imbissbude – ein riesiges Casado mit Bier für je nur 2 Euro. Das Casado ist ganz typisch für Mittelamerika und besteht aus Reis, schwarzen Bohnen, gebratenen Kochbananen und zumeist Huhn. Die Portionen sind überall sehr großzügig.

Natürlich wäre ein Besuch auf Ometepe nicht vollständig, wenn wir nicht einen der beiden Vulkane bestiegen hätten. Wir entschieden uns für Concepcion, welchen du allerdings nicht alleine erklimmen darfst. Falls du es doch wagst und du erwischst wirst, kann das sehr teuer werden. Gemeinsam mit unserem sympathischen Guide Marlon stapften wir die steilen Wege hinauf. Das viele Wissen, das Marlon uns vermittelte, war das Geld mehr als wert. Bis zum Krater konnten wir aufgrund des starken Sturmes leider nicht gehen, aber die Sicht von unserer Endstation kurz davor war trotzdem fabelhaft. Du solltest unbedingt eine Windjacke einpacken und festes Schuhwerk tragen.

Süßigkeiten für die Jungfrau Maria

Um zurück zum Festland zu kommen, entschieden wir uns für die etwas teurere Fähre nach San Jorge. Im Vergleich zu Transportkosten in Europa war das immer noch sehr günstig. Danach ging es mit dem Bus nach La Uca und von dort wollten wir eigentlich einen Bus bis zu unserem nächsten Ziel Leon nehmen. Allerdings kam kein Bus und nach längerem Hin und Herr nahmen wir gemeinsam mit einem weiteren drei Leuten ein Taxi. Sechs Leute in einem sehr kleinen Gefährt ohne Klimaanlage machen einen sehr unangenehmen Geruch. In Leon angekommen gingen wir direkt zum Markt und stärkten uns an einer der unzähligen authentischen Garküchen. Auf dem Weg zurück zum Hostel platzte plötzlich ein sintflutartiger Regen auf uns nieder. Noch nie zuvor hatten wir sowas erlebt. Innerhalb von Sekunden stand die Straße unter Wasser, Müll strömte an unseren Beinen entlang, wir stellten uns in einem kleinen Hausvorsprung unter und warteten ein Weilchen. So schnell er kam, war der Regen wieder weg und die Sonne knallte. Am Abend schauten wir uns die Stadt an und wurden Teil eines wirklich einzigartigen Spektakels. Das jährliche Fest Gritería Chiquita erinnert an den damaligen Bischof, der vor etwa 70 Jahren zur Jungfrau Maria betete, um den Ausbruch des Vulkans Cerro Negro zu verhindern. Der Vulkan brach nicht aus und seitdem huldigen alle Einwohner dieses Ereignis mit einem riesigen Fest. Was für ein Glück, dass wir genau zu diesem Zeitpunkt kamen. Alle Gebäude sind wunderschön beleuchtet, ein großes Feuerwerk erhellt den Nachthimmel und hunderte Menschen stehen Schlange an kleinen Pavillons. Diese beherbergen religiöse Symbole und Statuen. Alle haben einen Korb in der Hand, der an diesen Pavillons mit jeder Menge Süßigkeiten gefüllt wird. Eine etwas seltsame Tradition, die uns aber viel Freude brachte.

In Leon solltest du dir unbedingt die Kathedrale anschauen. Ein Abstecher auf der Dach empfehlen wir ebenfalls. Der Ausblick über die Stadt und die nahegelegenen Vulkane ist wunderschön. Niemals die Sonnenbrille vergessen! Das weiße Dach blendet so gewaltig, dass einem die Augen wehtun. Ein Abstecher zum nahegelegen Strand Peñitas ist nicht unbedingt empfehlenswert. Die Monsterwellen laden nicht gerade zum Schwimmen ein, Müll gibt es dort in en masse und die Einheimischen wirken nicht erfreut über Touristen. Ein sehr gutes Restaurant in der etwas höheren Preisklasse ist das „Le Turon“.

Zwei Außerirdische in San Salvador

Und dann ging es in das am wenigsten bereiste Land Mittelamerikas: El Salvador. Mit einem Nachtshuttle, welches uns über die Grenze bis nach San Salvador bringen sollte, fuhren wir gegen 2 Uhr nachts in Leon los. Der Abschied von Nicaragua fiel nicht leicht. Das Land hat sich als unser Lieblingsland während dieser Reise entpuppt. Die wenigen Touristen, die wunderschöne Natur und die niedrigen Preise waren die beste Kombi. Beim Grenzübergang am frühen Morgen sollten wir im Van sitzen bleiben. Der Fahrer verschwand mit all unseren Pässen. Er blieb ziemlich lange weg. Wir begannen uns ein wenig zu wundern. Um uns herum bewaffnete Polizisten. Nach einer gefühlten Ewigkeit sahen wir ihn. Erleichtert über die Rückkehr unseres Fahrers schliefen wir noch ein paar Stündchen, bis wir im Getummel von San Salvador ankamen. Dort nahmen wir uns aus Sicherheitsgründen ein Taxi zum Hotel. Um keine Diebe anzulocken, sind Hotels kaum als solche erkennbar, es gibt keine Schilder. Während eines ersten Stadtbummels aßen wir das Nationalgericht Pupusa: ein Tortilla mit eingebackener Füllung aus Käse, Bohnenmus oder Fleisch. Dazu wird Krautsalat mit einer sehr scharfen Chilisoße serviert. Das Ganze wird selbstverständlich traditionell mit den Fingern gegessen. Da wir uns in der Stadt nicht so sicher fühlten und abends nicht alleine durch die Straßen laufen wollten, gingen wir ins Kino.

Sehenswert sind der Palacio Nacional, in dem du viele Informationen zur Geschichte und Entstehung San Salvadors findest. Außerdem fuhren wir mit einem Bus nach Santa Tecla, das etwa 6km entfernt liegt. Dort fühlten wir uns gleich viel wohler. Außerdem wurden wir hier nicht so beäugt wie in der Hauptstadt. Die Busse sind übrigens vor allem zurück nach San Salvador unglaublich voll. Wir empfehlen dir nicht allzu weit von der Tür zu stehen, um überhaupt wieder rauszukommen.

Niagarafälle in Suchitoto

Um nach dem Chaos in der Stadt wieder ein wenig zu entspannen, fuhren wir nach Suchitoto und wählten das „El Gringo Hostal“. Wir entschieden uns zum Wasserfall El Cubo zu wandern. Aus einer angekündigten Wanderung von erwarteten 30min wurden mehrere Stunden. Gleich am Anfang nahmen wir die falsche Abzweigung. Wir mussten unter Zäunen hindurch klettern, über eine wacklige Brücke und durch einen flachen Fluss waten. Stundenlang staksten wir bei 35 Grad durch die Mittagshitze. Endlich beim Wasserfall angekommen, lachten wir lauthals. Das, was wir da sahen, war nicht viel mehr als ein kleines Rinnsal. In der Regenzeit kannst du den Wasserfall bestimmt schon von Weitem hören, aber in der Trockenzeit lohnt sich der Besuch nicht. Immerhin konnten wir im Schatten entspannen und eine Runde schwimmen. Im Anschluss gingen wir zum Lago Suchitlan und tranken abends ein paar Bier in der kuriosen Guerilla Bar, die du bei einem Besuch in Suchitoto nicht auslassen solltest.

Warum unser Reisetag nach Honduras nicht so endete, wie wir uns das vorgestellt hatten und wie wir es trotzdem mal wieder schafften, kannst du hier lesen.

 

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