Lebensfreude in Argentinien

Argentinien. Eines der wenigen Länder in Südamerika, das wir beide vorher noch nie besucht hatten. Gespannt aber auch geschafft von einem langen Tag saßen wir im Nachtbus Richtung Mendoza. Von der imposanten Umgebung bekamen wir nichts mit, da es draußen stockdunkel war. Sehr früh morgens kamen wir am 16. Dezember 2015 in der für ihren tollen Wein bekannten Stadt an. Total übermüdet versuchten wir uns zu orientieren, was erstmal gar nicht so einfach war. Auf dem Weg zum Hostel aßen wir in einem kleinen Imbiss ein paar Tostadas und Medialunas. Weißbrot und Croissants – viel mehr gibt das argentinische Frühstück nicht her. Nach einem anstrengenden und langen Fußmarsch erreichten wir endlich das Hostel und legten uns erstmal eine Weile hin.

Springbrunnen voller Rotwein

Während der Free Walking Tour erfuhren wir viel über das kleine Städtchen, was von oben gar nicht so klein aussieht. Rings um Mendoza befindet sich eine weite Steppenlandschaft. Die Sonne scheint fast jeden Tag und das künstliche Bewässerungssystem ist sehr modern. Aufgrund dessen ist es die perfekte Region für den Weinanbau. Während unseres Aufenthalts waren die Weinlese-Festivitäten gerade in vollem Gange und viele Brunnen in Mendoza mit Rotwein gefüllt. What? Ok es war nur rötlich gefärbtes Wasser.

Einen Tag verbrachten wir damit, verschiedene Weinbauern und Olivenfarmen zu besuchen. Bis dato wussten wir nicht, dass es so enorme Unterschiede in Qualität und vor allem Geschmack des Olivenöls gibt. Bei den Weinbauern hatten wir selbstverständlich das Vergnügen einige Weinsorten zu verkosten. Bei 35 Grad zollt das dann seinen Tribut. In der Stadt lagen wir unter dem Schatten riesiger Bäume im Park und abends genossen wir in verschiedenen Bars die typischen Drinks.

Abzocke in den Anden

An einem der Tage entschieden wir uns für eine Tour durch die Anden. Da wir während der Nachtfahrt wenig von den Bergen sehen konnten, war dies eine vermeintlich gute Idee. Mit einem Bus voller Touristen ging es also einige Stunden über Serpentinen rauf auf die Anden. Die Fahrt durch die wunderschöne Natur Südamerikas ist atemberaubend. Allerdings redete der Tourguide nonstop und wir hielten ständig an, um immer wieder irgendwo Geld zu lassen. Wir wurden genötigt mit einer Gondel zu fahren. Falls du eine ähnliche Tour mitmachst, lauf den Berg einfach hoch anstatt Geld für eine zweiminütige Gondelfahrt auszugeben. Mittags machten wir uns heimlich davon und aßen nicht in einem vollgestopften Touri-Restaurant, sondern holten uns in einem Shop Brötchen und Obst. Wir wären beide gerne viel mehr gewandert. Sobald wir 500m mit unserer großen Gruppe gelaufen waren, mussten wir schon wieder zurück zum Bus. Nichtsdestotrotz war die Aussicht auf den gewaltigen Aconcagua beeindruckend. Der höchste Berg Südamerikas zeigte sich in all seiner Pracht, während die Sonne alles gab. Auf dem Rückweg nach Mendoza hielten wir an einem kleinen Markt, wo es alle möglichen Souvenirs gibt. Wir kauften nichts, aber schauten uns die Puente del Inca – Brücke des Inka – an. Anders als der Name vermuten lässt, ist die Brücke kein Bauwerk der Inka, sondern ein durch Erosion natürlich gebildeter Felsbogen. Der Bogen spannt sich rund 47m hoch und 28m breit über den Río de las Cuevas. Aufgrund der schwefelhaltigen Quelle, die direkt an der Brücke entspringt, hat sich das Gestein über die Jahre rotgelb gefärbt.

Empfehlen können wir diese Tour leider nicht. Bei einer nächsten Reise würden wir es mit Bussen, die auch die Einheimischen nehmen, probieren. So haben wir dann hoffentlich mehr Zeit auf Wanderschaft zu gehen.

Irdische Lebensfreude

Unser letzter Stopp während unserer ersten gemeinsamen Reise war Buenos Aires. Mit knapp drei Millionen Einwohnern wohnt mehr als ein Drittel aller Argentinier in der Hauptstadt. Wie fast alle Städte in Südamerika ist Buenos Aires auf den ersten Blick laut, chaotisch und dreckig. Die Geschichte der Stadt ist allerdings äußerst interessant. Es gibt zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die du dir nicht entgehen lassen solltest. Um nur ein paar wenige zu nennen: das weltberühmte Opernhaus Teatro Colón, die Catedral Metropolitana und der riesige Obelisk mitten auf der Avenida 9 de Julio. Mit 140m war die Straße bis 1960 die breiteste der Welt. Es dauerte eine Weile, bis wir die insgesamt 14 Fahrstreifen überquert hatten. Da ein Kumpel von mir zu dieser Zeit noch in der Stadt lebte, trafen wir uns, um gemeinsam mit den öffentlichen Verkehrsmitteln die Stadt zu erkunden. Wir waren froh, dass Rani dabei war, sonst hätten wir uns in diesem Verkehrschaos anfänglich nicht so gut zurecht gefunden.

Vor den Restaurants tanzen Tangotänzer und überall tönt Musik. Die Lebensfreude des Landes spiegelt sich in den Straßen der Stadt wieder. Besonders faszinierend ist ein Abstecher zum Friedhof La Recoleta. Dort sind einige wohlhabende und auch weltweit bekannte Persönlichkeiten begraben. Hier ruhen argentinische Präsidenten, Profisportler, Wissenschaftler und Schauspieler. Die prächtigen Mausoleen erinnern an den irdischen Ruhm und Reichtum der Verstorbenen. Großzügige Wege, hohe Bäume und unterschiedlichste Architektur machen den Park zu einem mehrstündigen Ausflugsziel.

Villa Kunterbunt

Einen der letzten Tage verbrachten wir gemeinsam mit Rani und einer Bekannten im Stadtteil La Boca. Im 19. Jhd. war der Stadtteil vor allem der Wohnraum für viele italienische Einwanderer. Noch heute gibt es unzählige italienische Restaurants. Populär ist der Stadtteil hauptsächlich wegen seiner Häuser, die aus Blechen alter Schiffe gebaut wurden und super bunt sind. Auf den Gehwegen verkaufen Künstler ihre Arbeiten und überall tümmeln sich Einheimische und Touristen. Wir mussten die ganze Zeit auf unsere Sachen aufpassen und merkten, wie die Leute unsere Kamera beäugten. Umso weiter du dich vom Wasser entfernst, desto krimineller wird es innerhalb der Straßen. Wir gingen zwar weiter als die meisten Touristen, hatten dabei aber ein mulmiges Gefühl. Allerdings bekommst du außerhalb des touristischen Kerns die Einwohner beim Familienessen und alltäglichen Erledigungen zu sehen.

Nach dem Abschied von Rani wollten wir uns an unserem letzten Abend ein richtiges argentinisches Steak mit Rotwein gönnen. Zuvor gingen wir ins Konex, wo jede Woche das La Bomba Fest stattfindet. Verschiedene lokale Bands treten dort auf. Wir tanzten in Massen argentinischer Menschen – jung und alt kommen zusammen, um ausgelassen miteinander zu feiern. Die Suche nach einem passenden Restaurant erwies sich als langwierig. Dies lag nicht am Mangel der Gaststätten, sondern an den enormen Schlangen von wartenden Gästen. Am Ende hatten wir Glück und mussten nur einige Minuten warten. Wir bestellten ein Steak und einen kleinen Salat – zumindest dachten wir das. Als etwa eine halbe Stunde später ein riesiges Stück Fleisch und ein noch größerer Salat inklusive noch mehr Fleisch gebracht wurde, mussten wir ein wenig lachen. Mit vollen Bäuchen legten wir uns glücklich in unsere Hostelbetten und träumten von einer vollends gelungenen gemeinsamen Reise durch Chile und Argentinien.

 

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