Erste Reise zu Zweit

Eineinhalb Jahre nach meinem großen Trip durch Südamerika sehnte ich mich zurück auf diesen spektakulären Kontinent. So viele Male war ich dort sprachlos. Total geflashed. Im Oktober 2014 fragte ich also Alex, ob er Lust hätte mit mir nach Argentinien zu fliegen. Dazu muss ich sagen, dass wir gerade mal einen Monat zusammen waren. Gewagt! Aber auch eine gute Taktik, um herauszufinden, wie spontan er ist und ob wir beim Reisen harmonieren. Nach ein paar Tagen Recherche und Bedenkzeit sagte er zu und wir buchten unseren Flug nach Santiago de Chile. Wenn du unseren Blog aufmerksam verfolgst, fragst du dich nun sicher: „Moment mal, Chile war doch gar nicht so dein Favorit?!“ Ja stimmt, aber einer von Alex Freunden hat zum Zeitpunkt der Reise in Santiago gelebt und diesen wollten wir besuchen. Außerdem war ich zuvor noch nie im Süden Chiles und Alex wollte unbedingt auf die Osterinsel. Eine zweite Chance gebe ich ebenfalls sehr gerne. Im Dezember 2014 ging es also endlich wieder los.

Das kann ja heiter werden

11 Uhr vormittags landeten wir in Santiago und machten uns, nachdem man uns die schlechte Mitteilung überbrachte, dass unser Gepäck noch in Madrid war, auf nach Valparaiso. Schon 2012 verzauberte mich die hügelige Küstenstadt mit ihren unzähligen Graffitis und Wandmalereien. Am Busterminal angekommen, suchten wir die richtige Linie zu unserem Hostel. Als wir gerade dabei waren einzusteigen und zu bezahlen, passierte das nächste Malheur. Irgendwer schnappte sich das nigelnagelneue iPhone von Alex, welches er in seiner Hosentasche verstaut hatte. Er wurde panisch, ich blickte suchend um mich. Ein älterer Herr zeigte auf ein Kind, das neben dem Bus stand. Wir sprangen heraus, rannten dem Kind hinterher, wurden abgehängt. Alles ging blitzschnell. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, musste mir aber das Lachen verkneifen, da Alex immer wieder „Mi telefono“ rief. Wir schauten uns an. Ich beteuerte, wie leid es mir tue. Er fluchte. Ich hatte Angst, dass der Urlaub ruiniert war. Alex meinte: „Ach egal, ist ja nur ein Telefon.“ Ich war erleichtert und begeistert von seiner Reaktion. Wer letztendlich von seinem Handy profitiert hat, wissen wir nicht. Vielleicht war es ja der alte Mann, der als Ablenkungsmanöver auf das Kind zeigte?

Alex und seine Flip Flops

In den nächsten beiden Tagen nahmen wir an der Free Walking Tour durch Valparaisos Gassen teil. Zum Essen gab es frischen Fisch und zahlreiche Empanadas. Eine Fahrt in einem der Ascensores durfte nicht fehlen. So landeten wir auf dem höchsten Hügel der Stadt. Am späten Nachmittag des zweiten Tages saßen wir auf einem weiteren Hügel und schauten mit Bier in der Hand auf die Stadt und das Meer. Die Temperaturen waren ideal und ich fand es wunderbar, diesen Ort nochmals zu erleben. Alles war wesentlich entspannter und es ist schön, die Erlebnisse mit Alex zu teilen. Am Abend trafen wir uns mit Bastian, den wir bei der Free Walking Tour kennengelernt hatten. Im Café Colores beobachteten wir zu dritt die Einheimischen, die lauthals miteinander sprachen, lachten und sangen. In diesem von Touristen wenig besuchten Gasthaus aßen wir traditionelle Gerichte und tranken köstlichen chilenischen Wein. In einer Bar tranken wir Pisco Sour und stellten alle fest, dass dies wohl eher nicht unser Lieblingsgetränk würde. Als wir recht spät im Hostel ankamen, waren endlich unsere Rucksäcke da – große Freude 🙂

Es gab noch Ecken zu entdecken, die ich bisher nicht kannte. Wir fuhren an unserem letzten Tag in Valparaiso mit dem Bus Richtung Reñaca und schauten uns die Dünen von Viña del Mar an. Wir erblickten die riesigen Sanddünen, die einfach direkt vor dem Meer zwischen Wohnblocks entstanden sind, schon von Weitem. Wir liefen den puderweichen Sand hinauf. Zumindest war das bei mir der Fall. Alex quälte sich in seinen Flip Flops über den heißen Untergrund, der ihm die Füße verbrannte. Indem er sich Pflanzen zwischen den Schuh und die Sohle steckte, gelang es dann doch noch, die Dünen in Ruhe zu erkunden. Den Rückweg liefen wir einen relativ langen Weg, bis wir am Strand von Viña del Mar landeten, wo wir ein Nickerchen machten. Das Wasser war leider zum baden viel zu kalt. 

Am gleichen Tag nahmen wir den Bus zurück in die Großstadt und fuhren zum Apartment des besagten Kumpels. Reno und eine weitere Bekannte erwarteten uns bereits. Gemeinsam bereiteten wir Lachs zu, gingen im Stadtteil Bellavista etwas trinken und entschieden uns dann zu später Stunde noch in einen Club zu gehen. Die Stimmung war richtig gut. Die Musik war ganz in Ordnung. Letztendlich sind wir Berliner eine andere Clubkultur gewöhnt. Einen schönen Abend hatten wir aber trotzdem. Den lazy Sunday verbrachten wir im Pool auf dem Dach des Apartmentkomplexes mit Wahnsinnsaussicht über Santiago. Irgendwann rafften wir uns doch noch auf und gingen in die Stadt, um uns die Festlichkeiten kurz vor Weihnachten anzusehen. Der Anblick war seltsam – überall aufblasbare Weihnachtsmänner und Engel. Daneben Menschen in kurzen Hosen und T-shirts. Ein unechter Weihnachtsbaum machte das Bild noch seltsamer. Während wir uns durch die Menschenmassen schoben, schnitt Alex sich an den Scherben einer Flasche den Fuß auf. Danke mal wieder an die berühmt-berüchtigten Flip Flops 😉 Ein Sanitäter kümmerte sich um die Wunde und wir beendeten den Tag bei Pizza und Wein. Auch Alex wollte an der Free Walking Tour teilnehmen. Franco, genau der gleiche Guide, den ich auch 2012 bereits kennengelernt hatte, führte uns durch die Straßen der Stadt. Während der Tour hatte ich mehrere Déjà-vus. Plötzlich fand ich Santiago aber gar nicht mehr so doof. Als cooles Add-on bekamen wir noch eine Zeremonie vor dem Palast mit Performances von Soldaten und Pferden zu sehen. In einem kleinen peruanischen Restaurant aßen wir nach der dreistündigen Tour Ceviche – einfach unglaublich gut!

Die chilenische Schweiz

Nach etwa einer Woche flogen wir von Santiago nach Punta Arenas. Aufgrund der doch begrenzten Reisezeit, hatten wir die Flüge bereits aus Deutschland gebucht und konnten nicht mit Bussen durch das längste Land der Welt fahren. In Punta Arenas hatten wir leider den letzten Bus Richtung Puerto Natales verpasst und mieteten uns spontan ins Hostal „Patagonia“ ein. Trotzdem wir aufgrund der Verspätung nur zwei Tage am eigentlichen Ziel Zeit hatten, waren wir guter Dinge. Am kommenden Tag kauften wir unsere Bustickets, aßen Frühstück und schlenderten durch die Straßen des Örtchens und verpassten fast unsere Fahrt. Wie verpeilt kann man sein! Die 250km zogen sich in die Länge und wir mussten sogar noch anhalten und auf die Polizei warten, da eine Mitfahrerin ihr Handy verloren hatte. Sie behauptete allerdings, dass es ihr gestohlen wurde. Da kommt dir vielleicht ein Gedanke – nein, so nötig hatte Alex es dann doch nicht 😉 Der Prozess zog sich hin und wir waren unglaublich glücklich, als wir endlich in Puerto Natales einfuhren. Allerdings war unsere Tour für den Tag noch lange nicht beendet. Mit einem weiteren Bus ging es durch die wunderschönen Landschaften Südchiles bis zum Torres del Paine Nationalpark. Nach mehreren Malen umsteigen und der Anmeldung an einer der Ranger Stationen, waren wir endlich mit einem Privatshuttle bei unserem Hotel „Hosteria Lago del Torro“ angekommen. Bis 23 Uhr ist es hier taghell und wir konnten von Glück sprechen, dass wir in der Nähe ein Restaurant fanden. Ansonsten gibt es im Park nämlich relativ wenig. Du darfst zumindest im Winter wenige Touristen und sehr viel wunderschöne Landschaft erwarten. Im Jahr 2014 gab es hier keinen Geldautomaten, keine Cafés, keine Busstation und keine Souvenirshops.

Wie unglaublich schlecht wir auf eine Tour durch den Torres del Paine Nationalpark vorbereitet waren und wie wir First Class Richtung Osterinsel reisten, erfährst du im hier.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s