Die Geheimnisse der Moai

Der Nationalpark Torres del Paine ist einer der wohl bekanntesten Nationalparks in ganz Chile. Gelegen um die Berggruppe der Cordillera del Paine ist er perfekt zum Wandern. Paine heißt in der Sprache der Tehuelche-Indianer himmelblau. Torres del Paine bedeutet Türme des blauen Himmels.

Doof nur, dass wir so unvorbereitet waren. Irgendwie schwebte in unseren Köpfen vor Antritt der Reise immer das Wort Sommer mit. Winter in Deutschland = Sommer in der südlichen Hemisphäre. Macht doch Sinn. So war es aber letztendlich nicht. Wir waren auf mildes Klima mit vielen Sonnentagen eingestellt. Dass es aber am südlichen Zipfel von Chile Richtung Antarktis geht, hatten wir ausgeblendet. Jedenfalls hatten wir keine Fleece Pullis, keine richtigen Jacken und keine Handschuhe dabei. Wir kamen auch mit unserem Zwiebelsystem inklusive Top, Shirt, Pulli und dünner Jacke klar. Gerade beim Wandern wäre die passende Bekleidung jedoch von Vorteil gewesen. Nie nie wieder werden wir unsere Wanderschuhe Zuhause lassen. Was noch hinzukam war die wenig ausgebaute Infrastruktur innerhalb des Parks. Es gibt keine Geldautomaten und wir hatten nicht genügend Bargeld dabei. Du braucht außerdem einen privaten Fahrer, da es keine anderen Fortbewegungsmittel gibt. Die Rechnung am Ende unseres Aufenthalt hatte es ordentlich in sich. Bitte informiere dich im Vorfeld ausreichend, wenn du in den Süden Chiles reisen möchtest. Am besten du mietest ein Auto, nimmst genug Bargeld, Sprit und die passenden Klamotten mit. Oder du hast ein Zelt und Camping Equipment dabei und zeltest im Park. Dabei verarmst du nicht und erlebst ein tolles Abenteuer.

Patagonien in all seiner Pracht

Trotz dem wir nicht bestens vorbereitet waren und die Zeit sich als knapp erwies, machten wir das Beste aus unserer Zeit im Torres del Paine. Bei den sich immer wieder auftuenden Szenerien der atemberaubenden Landschaft freuten wir uns wie kleine Kinder, die aus dem Auto sprangen, sich angrinsten und Bilder knipsten. Allein die folgenden drei Fotos entstanden, als wir uns noch auf dem Weg zu unserem Hotel „Hosteria Lago del Torro“ befanden. Einfach faszinierend!

An unserem einzigen vollen Tag, den wir im Park hatten, entschlossen wir uns die Namensgeber des Parks zu besuchen. Eine Strecke von 18km Roundtrip stand auf der Tagesordnung. Diese hatten es in sich! Der Weg begann über Schotterwege durch große Weiten mit Blick über die schroffen Berge. Irgendwann schauten wir auf einen Fluss, der sich tief unter uns seinen Weg entlang bahnte. Auf halbem Weg machten wir Stopp in einer kleinen Berghütte, wo es Tee und Snacks gab. Wir wärmten uns am Kamin auf und wappneten uns für die nächsten Schritte. Wenig später fanden wir uns direkt am Fluss wieder und liefen durch sattes Grün über glatte Felsen. Mehrfach überquerten wir den Fluss über kleine Holzbrücken. Irgendwann nicht weit von unserem Ziel wurde die Landschaft karg und wir waren umgeben von Geröll. Die Temperaturen sanken um mindestens 8 – 10 Grad. Unsere Beine mussten sich nun anstrengen, da es steil bergauf ging. Hier hieß es aufpassen, da wir mit unseren Sneakers immer wieder im Geröll wegrutschten.

Und nach der letzten Kurve war es soweit, vor uns die drei Namensgeber des Parks Torres del Paine – Türme des blauen Himmels. Und das sind sie auch. Drei steil in den nicht ganz blauen Himmel ragende Granitberge, die majestätisch über einem türkisfarbenen See standen. Der Weg hatte sich allemal gelohnt. Wir verweilten eine Weile auf einem der Felsen, genossen die Aussicht, tranken das glasklare eiskalte Bergwasser und machten uns auf den Rückweg. Dieser war ebenfalls lang und da es nun bergab ging, hatte ich mit dem Ausrutschen zu kämpfen. Nie wieder ohne Wanderschuhe. Überlebt haben wir es trotzdem 🙂

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Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön

Auf den folgenden Tag freute ich mich ganz besonders, da ich schon hunderte Bilder des Grey-Gletschers gesehen hatte. Nun machten wir uns auf, um diesen mit unseren eigenen Augen zu sehen. Unser Fahrer fuhr uns zum Lago Grey. Von dort fahren täglich Boote mit mehreren Reisenden zum Gletscher. Auf einem Schlauchboot mussten wir erst einmal zum eigentlichen Boot fahren. Dabei wurden wir aufgrund des enormen Windes von oben bis unten nass. Es war eiskalt. Alex und ich kuschelten uns aneinander. Auf dem eigentlichen Boot angekommen, ging es auch ohne Warten Richtung Gletscher. Die Wellen waren unglaublich hoch. Der Sturm peitschte Wasser gegen die Fenster und wir bewegten uns beunruhigend stark auf und ab. Einige der Passagiere mussten sich bereits nach wenigen Minuten übergeben. Nach einer geschlagenen Stunde, gab der Kapitän auf und übermittelte uns die Botschaft, dass wir umkehren müssten. Das Boot hatte beim Kampf gegen Mutter Natur den Kürzeren gezogen. Natürlich waren wir enttäuscht, aber aufgrund der extremen Wetterbedingungen, waren wir auch erleichtert. Selbst wenn wir es bis zum Gletscher geschafft hätten, wären wir Gefahr gelaufen, dass das Boot an diesem zerschellen würde. Auf einem der Bilder unten siehst du den bekannten Grey-Gletscher hinter dem Boot in weiter Ferne. Wenn auch ganz winzig haben wir ihn ja doch gesehen 😉 Unser Geld wurde uns übrigens sofort erstattet.

First Class gen Rapa Nui

Nach einer langen Reise mit verschiedenen Bussen und einem Flugzeug zurück nach Santiago freuten wir uns auf ein paar erholsame und warme Tage auf der Osterinsel. Da unser Flug drei Stunden Verspätung hatte, fuhren wir in die Stadt und stiegen auf den Cerro Santa Lucia, von welchem sich uns ein wunderbarer Blick über Santiago bot. Schon etwas genervt, dass wir wieder Zeit verloren, trotteten wir zurück zum Flughafen und wurden mit einem Upgrade in die First Class überrascht. Aufgrund einer langen Reise ohne Dusche saßen wir leicht stinkend in der ersten Reihe des Flugzeugs. Was für eine neue Welt! Begeistert testeten wir die Sitze, die sich zu komplett waagerechten Betten umwandeln ließen. Zur Begrüßung gab es einen Pisco Sour oder Wein je nach Gusto dazu Nüsse. Das Entertainment Programm glich Netflix, Sky und amazon Prime in Einem. Aber das drei Gänge Menü toppte alles. Man könnte meinen, ein Sternekoch stand in der Flugzeugküche und bereitete für jeden einzelnen Passagier mit viel Liebe einen wunderschön angerichteten Teller zu.

Nach fünf Flugstunden landeten wir im Dunkeln auf der Osterinsel. Uns stieg der Geruch tropischer Pflanzen und Blüten in die Nasen. Ein Taxi brachte uns zu unserer Bleibe „Atavai“. Es gibt hier ein paar kleine Bungalows und jeder hat draußen einen Tisch, wo es morgens frisches Obst, Brot und Aufschnitt gibt. Gleich am ersten Tag mieteten wir einen Roller, mit dem wir die gesamte Insel erkunden wollten. Bei angenehmen 20 – 25 Grad cruisten wir entlang der steinigen zerklüfteten Küste. Unser erster Stopp war der Vulkan Rano Kao. Der riesige Krater breitete sich vor uns aus. Unsere Augen weiteten sich. Der Anblick verschlug uns die Sprache und wir ließen minutenlang unseren Blick über dieses Naturwunder von 1,5km Durchmesser gleiten. Über uns die strahlende Sonne, welche von einem mystischen Kreis umgeben war. In einem kleinen Freiluft-Museum konnten wir uns über die Geschichte und die Inselbewohner Rapa Nuis belesen. Alex und ich waren auf mysteriöse Weise sehr fasziniert von diesem sagenumwobenen Ort. Eine Reise auf die Osterinsel ist nicht günstig, aber jeden Cent wert.

Die Geheimnisse der Moai

Wir verbrachten knapp vier Tage auf der Insel. Die Zeit erwies sich als genau ausreichend, um uns alles anzuschauen, die leckeren Fischgerichte auszuprobieren und uns ein wenig zu erholen. Mit unserem Roller besuchten wir ebenfalls die anderen Vulkane Puna Pao und Rano Raraku und fuhren zum einzigen Strand der Insel, dem Anakenastrand. Dort sonnten wir uns unter Palmen, tranken Smoothies und badeten im kühlen Nass.

Die eigentliche Hauptattraktion von Rapa Nui sind selbstverständlich die Moai – die kolossalen Steinstatuen, die du sicher schon einmal auf Bildern gesehen hast. Sie sind Bestandteil größerer Zeremonialanlagen, wie sie ähnlich auch aus anderen Bereichen der polynesischen Kultur bekannt sind. Dennoch sind die Anlagen der Osterinsel insofern einzigartig, als sie an Größe alle anderen Bauwerke der Südsee weit übertreffen. Das genaue Alter der Figuren ist umstritten und auch die Anzahl der Moai ist nicht bekannt. Forscher rechnen mit etwa 800 – 1.000 Figuren. Wie diese hergestellt und wie diese riesigen tonnenschweren Statuen bewegt wurden, ist ein Rätsel. Eine Figur wiegt im durchschnittlich sagenhafte 12 Tonnen. Auch wenn viele Forscher annehmen, dass es sich bei den Moai um einen Totenkult handelt, ist der Zweck nicht endgültig erforscht. Eines Morgens standen wir 5 Uhr auf, um pünktlich am bekanntesten Spot der Insel anzukommen. Hier warten fünfzehn Moai-Figuren auf dich. Sie stellen die größte Zeremonialanlage im gesamten Pazifik dar. Dort befindet sich der schönste Sunrise Spot der Insel. Das ist kein Geheimnis. Die Insel wirkte auf uns immer und überall sehr ruhig. Oft fuhren wir über einsame Straßen und selbst in den Restaurants trafen wir meist nur vereinzelt auf Touristen. Hier an diesem Spot waren sie also. Kein Wunder! Gespannt standen wir vor den atemberaubend großen Moai. Ganz langsam kämpfte sich die Sonne über den Horizont. Die ersten Sonnenstrahlen blitzten zwischen den Gräsern auf. Eine Totenstille hüllte uns ein. Vereinzeltes Kameraklicken. Wir alle starrten auf den wohl schönsten Sonnenaufgang, den wir je erlebt hatten. Dieser Moment gehört bisher zu einem der schönsten, die wir erlebt haben.

Zu zweit ist es am schönsten

Jeden Abend freuten wir uns nach einem langen Tag in der Sonne auf die leckeren Fischgerichte, die die Insel zu bieten hat. Eines abends saßen wir direkt am Wasser, blickten auf das raue Meer und erfreuten uns an Hummer, Ceviche und Octopus. Die Tage endeten auf einer Bank, von welcher wir die Surfer im Abendrot beobachteten. Zu zweit schwelgten wir in Erinnerungen, die gerade einmal wenige Stunden zurück lagen.

Zu unserer großen Freude, brachte uns die Hoteleigentümerin persönlich zum Flughafen und verabschiedete uns herzlich. Und zwei Mal darfst du raten: Ja, wir wurden wieder in die erste Klasse geschickt. Scheint wohl keine Besonderheit zu sein bei einem Osterinsel-Flug. Wir strahlten über beide Ohren und waren froh, dass wir dieses Mal geduscht hatten 😉

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