Die Ruhe vor dem Sturm

Nächster Stopp: Cartagena, eine Hafenstadt direkt an der Karibikküste Kolumbiens. Die Temperaturen von dauerhaft über 35 Grad machten vor allem meiner Freundin Edel schwer zu schaffen. Wir brachen morgens meistens zeitig auf in die Stadt und versuchten die Mittagshitze ein wenig zu umgehen. Zum Glück konnten wir uns jederzeit im Apartment unseres Gastgebers Sebastian zurückziehen und saßen dann mit unseren Büchern vor dem Ventilator.

Hitze, Hitze, Hitze

Cartagena ist eine Perle von Stadt. Sie ist eine der ersten spanischen Stadtgründungen im Norden Südamerikas und weist unglaublich schöne Bauten auf. Wir schlenderten durch die Gassen und kauften kleine Souvenirs an den Ständen, die zwischen den Bäumen aufgestellt werden. Die Tage bestanden daraus, dass wir Obst frühstückten, in die Altstadt liefen, Fisch aßen und am Nachmittag schliefen oder in unseren Büchern blätterten. Abends gingen wir ein paar Mal mit Sebastian etwas trinken. Besonders schön sind die Bars, die auf den Terrassen liegen. Von dort genossen wir den Blick auf die Stadt mit dem Meer im Hintergrund.

Ein wohl ziemlich abgefahrenes Erlebnis war der Mud Volcano, welcher sich in der Nähe Cartagenas befindet. Dieser kleine Hügel sieht aus, wie ein Mini-Vulkan und ist mit Schlamm gefüllt. Dieser für die Haut sehr gesunde Dreck wird auf die Haut aufgetragen. Letztendlich springst du einfach in die stinkende graue Masse und lachst sich schlapp. Ich schwebte förmlich in der Masse und an Untergehen war nicht zu denken. Das war tatsächlich mal eine touristische Attraktion, die ich nicht missen möchte. Beschreiben kann ich das nicht wirklich. Am besten du probierst es selbst mal aus.

Schlaflos im Paradies

Der Name Playa Blanca ist ausgesprochen passend. Die Strände auf dieser winzig kleinen Insel sind in der Tat strahlend weiß. Die Sppeedboat-Fahrt vom Hafen in Cartagena dauert nicht einmal eine Stunde. Einen Tag lang lagen wir am Strand, plantschten im Wasser und aßen Obst, Fisch und gekochte Bananen. Der Sonnenuntergang war traumhaft! Nach einem Tag in der Sonne war ich extrem müde und freute mich bereits auf meine erste Nacht in einer Hängematte. Zu früh gefreut! Trotz Müdigkeit und anfänglich perfekter Position, bekam ich kein Auge zu. Es wollte mir einfach nicht gelingen, zur Ruhe zu kommen. Immer wieder positionierte ich mich um. Dann lugte ich über den Rand der Hängematte in Richtung Wald, der sich geräuschvoll hinter uns befand. Außerdem beobachtete ich mitten in der Nacht über dem Meer Blitze, die wunderschön aussahen und lauschte dem leisen Donner in weiter Ferne. Die erste Nacht in einer Hängematte war spannend, aber definitiv nicht erholsam.

Hostel mit Sternekoch

Auf dem Weg Richtung Venezuela blieben wir immer wieder in kleineren Städten in Kolumbien hängen. In Taganga ging Edel tauchen, während ich mit der Crew aus dem Hostel „Casa Felipe“ auf der wunderschönen Terrasse des Hostels faulenzte und abends die kleinen Clubs unsicher machte. Da das Örtchen berüchtigt ist für die vielen Überfalle, nahm ich nie irgend etwas außer ein wenig Bargeld mit. Dieses steckte ich mir in meine Unterhose. Das ist hier übrigens kein übertriebenes Handeln. Eines nachts als wir von einer der Bars zum Hostel zurück kehrten, wurde die Gruppe direkt hinter uns mit einer Waffe bedroht. Sie gaben ihr Geld, Kreditkarte und Kamera sofort raus. Einer der Jungs war ein Kolumbianer und trotz dem er auf die Diebe einredete, wurde er brutal ins Gesicht geschlagen. Als wir uns am Hostel alle wieder trafen, herrschte große Aufregung. Letztendlich war alles gut gegangen, die Verletzung war halb so schlimm und zum Glück war ansonsten niemandem etwas passiert. Taganga hat wenig zu bieten, außer du tauchst gerne. Du kannst dort für sehr sehr wenig Geld seinen Tauchschein machen. Angeblich ist es einer der günstigsten Tauchspots weltweit. „Casa Felipe“ ist eines der gemütlichsten Hostels Südamerikas. Dort gibt es, falls du Fleisch isst, das günstigste und leckerste Filet Mignon. Das solltest du dir nicht entgehen lassen! Der Koch ist ein Aussteiger, der früher in verschiedenen Sterneküchen rund um den Globus gearbeitet hat.

Wo Karibik auf mystischen Dschungel trifft

Nicht allzu weit von Taganga liegt Santa Marta und von dort erreichten wir den Tayrona Nationalpark. Dieser ist ein atemberaubendes Stück Landschaft inmitten eines Regenwaldes direkt an der Karibikküste. Um an den berühmten Cabo San Juan zu gelangen, kannst du entweder die Bootvariante wählen oder dich auf deine eigene Fitness verlassen. Da mir langsam das Geld ausging und ich gerne wandere, entschieden wir uns für die angeblich schweißtreibende Wanderung. Das angeblich kann gestrichen werde. Die Wanderung ist sehr anstrengend und langwierig. Trotzdem würde ich sie immer wieder über die Bootfahrt wählen. Wir liefen durch dichten Dschungel vorbei an Mangobäumen. Immer wieder erhaschten wir Blicke auf’s Meer und sahen kleine Eidechsen, die sich auf den Felsen sonnen. Irgendwann wird der Wald lichter und wir wanderten an verlassenen Stränden entlang, kletterten über Felssteine und spazierten zwanzig Minuten später unter riesigen Palmen entlang. Das hört sich jetzt easy peasy an – ist es nicht! Wir waren von oben bis unten durchgeschwitzt, trotz dem wir nur einen Bikini trugen. Für diesen Hike solltest du fit sein, gerne laufen und heiße Temperaturen vertragen. Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor ist Pflicht.

Belohnt wurden wir mit einem perfekt halbrund geformten Strand. Dieser wurde im übrigen schon mehrfach zu einem der schönsten seiner Art gewählt. Inmitten der Schönheit ragt ein Fels im Meer, auf welchem wir in Hängematten die Nacht verbrachten. Gut, vom Schlafen konnte bei mir mal wieder nicht die Rede sein, aber traumhaft war es allemal. Es gibt verschiedene Unterkünfte – von der kleinen Cabaña über die Zeltvariante bis hin zur günstigen Hängematte. Zurück sind wir übrigens auch gelaufen. Die Fahrt mit dem Boot ist einfach sehr teuer und wenig abenteuerlich.

Die Ruhe vor dem Sturm

Unser letzter Halt in Kolumbien führte uns nach Palomino. Ein kleines Örtchen, in dem es nur eine Hauptstraße mit einigen kleinen Imbissbuden, Souvenirshops und Supermärkten gibt. Generell ist es nur für Zwischenstopps gedacht und zu einem Backpacker-Hub mutiert. Nichtsdestotrotz blieben wir zwei Nächte und nisteten uns im „Dreamer“ Hostel ein. Kolumbiens Hostels haben mich durchweg immer wieder positiv überrascht. Im „Dreamer“ gibt es einen großen Pool und eine riesige Bar, wo wir es uns auf Sofas bequem machten. Die Sahnehaube ist die unmittelbare Nähe zum Strand. In kleinen Cabañas mit etwa sechs Betten machten wir es uns bequem, lagen am Pool und saßen abends gemeinsam mit anderen Reisenden am Lagerfeuer am Strand. Für uns der ideale Abschied von Kolumbien.

Und schon war der Tag gekommen. Am Freitag den 13. machten wir uns auf ins Unbekannte. In eines der wohl gefährlichsten Länder der Welt: Venezuela. Mit einem klapprigen Bus fuhren wir von Palomino nach Maicao und nahmen von dort ein Taxi zur Grenze. Der Grenzübergang war brutal. Wir liefen etwa 3km in sengender Hitze von einer kleinen Hütte zur nächsten. Immer wieder verzweifelte Versuche mit den Grenzangestellten zu kommunizieren. An der vierten Hütte hatten wir endlich alle wichtigen Stempel gesammelt und waren bereit für ein neues uns absolut unbekanntes Land. Zu früh gefreut! Wir mussten noch eine Einreisegebühr zahlen, von der wir bis dato nichts wussten. Diese durfte nicht in kolumbianischen Peso gemacht werden, sondern nur mit venezuelanischen Bolívar. Da die Grenze aus Schotter, Sand und eben diesen vier kleinen Hütten besteht, gibt es weit und breit keinen Geldautomaten. Wie so oft gibt es auch hier sehr hilfsbereite Menschen. Ein Kolumbianer schenkte uns das Geld und wir waren gerettet. Aber wie das immer so ist, wartete bereits die nächste Hürde auf uns. Es gab keine Busse am anderen Ende der Grenze. Touristen waren den Menschen hier mehr oder weniger unbekannt. Das merkten wir auch an den vielen neugierigen Blicken. Wir bekamen es langsam mit der Angst zu tun. Weit und breit keine Häuser, keine Busse, keine Shops, keine Toilette, nichts. Was hatte ich mir vor meiner Reise eigentlich dabei gedacht? Online konnte ich zu diesem Zeitpunkt sowieso keine Infos zum Grenzübergang nach Venezuela finden. Ob das heute dort anders aussieht, weiß ich leider nicht. Warst du in den vergangenen Monaten dort? Wie Edel und ich es damals gesund und munter aus dieser Situation schafften, erfährst du hier.

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