Die Wege des Pablo Escobars

Es war an der Zeit, Ecuador zu verlassen. Meine Bekanntschaft Edel aus Irland und ich machten uns also in Quito auf zum Main Bus Terminal, wo wir einen Bus nach Bogota nehmen wollten. Uns wurde gesagt, dass die Grenze zum damaligen Zeitpunkt aufgrund von Aufständen nicht überquert werden könne. Somit mussten wir spontan zum Flughafen und haben dort noch zwei Sitze nach Kolumbien ergattern können. Der Flug war kurz. Da die Aufstände auch in Bogota ausgeartet waren, nahmen wir direkt einen Bus Richtung Salento. Im Nachhinein ist das schade, da ich häufig höre, dass die Hauptstadt total schön sein soll. Vielleicht warst du ja selbst auch schon einmal dort? In Salento kamen wir 5 Uhr morgens im Hostel „La Floresta“ an und fragten nach zwei Betten. Keins war frei! Wir waren todmüde und anscheinend hatten die Besitzer solch Mitleid mit uns, dass wir in deren Schlafzimmer übernachten durften. Wir legten uns auf eine kleine Matratze neben schlafende Kinder und waren froh, endlich die Augen zu schließen.

Auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück dieser Erde

Die Tage, die wir im kleinen Dorf Salento verbrachten, waren Erholung pur. Jeden Morgen gingen wir zu dem Restaurant „Brunch“ und aßen dort Hash Browns, Pancakes, Obstsalat und French Toast. Ab und an freue ich mich während einer Reise auch über westliche Gerichte. Die Wände sind hier von oben bis unten verziert mit verschiedensten Botschaften von Backpackern aus aller Herren Länder.

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Am Nachmittag gingen wir mit einem älteren wirklich niedlichen Mann, der aussah wie ein Cowboy, auf eine Reittour durch die sogenannte Zona Cafetera. Ich war seit meiner Kindheit nicht mehr geritten und kein großer Pferdefreund. Allerdings hatte ich eine Menge Spaß und nach einer Weile traute ich mich sogar, das Pferd einmal richtig schnell werden zu lassen. Die Szenerie war fast schon surreal. Wir ritten vorbei an Hügeln mit unzähligen Kaffeeplantagen und riesigen Palmen. Die Zone Cafetera ist wohl einer der grünsten Orte, die ich je gesehen habe. An einem Wasserfall machten wir Rast und ließen die Pferde grasen. Wir kamen uns vor wie in einem alten Western. Die Reittour rund um Salento ist total empfehlenswert, da du die Landschaft so am einfachsten und preiswertesten erkunden kannst. Und das auch noch total nachhaltig. Bei der Tour solltest du eine etwas festere lange Hose anziehen. Ich wurde mehrfach durch meine Leggings von Insekten gebissen, was unangenehm und schmerzhaft war.

An einem anderen Tag machten wir uns auf zur Kaffeefarm von Don Elias. Man hatte sie uns im Hostel empfohlen. Der Weg war relativ weit und die Sonne schien erbarmungslos auf uns nieder. Nach ein paar Kilometern, hielt ein Pickup Truck neben uns und die beiden Jungs bedeuteten uns aufzuspringen. Wir schauten uns kurz an, zuckten mit den Schultern und sprangen auf. Trotz dem die beiden gerade dabei waren einen Joint zu rauchen, waren wir froh nicht mehr laufen zu müssen. Die Jungs flüsterten und lachten, wir kicherten und fanden das alles ziemlich abenteuerlich. Bei der Kaffeefarm lernten wir, wie Kaffee geerntet und hergestellt wird. Don Elias erklärte uns in seinem gebrochenen Englisch alles, was wir wissen wollten. Er zeigte uns den Trocknungsvorgang, die verschiedenen Kaffeebohnen und wir durften sogar selbst einmal Hand anlegen. Am Ende gab es eine frisch gebrühte Tasse Kaffee. Die gesamte Tour kostet nur etwa 4€.

Auf den Spuren Pablo Escobars

Es war an der Zeit aufzubrechen und in die Geschichte Medellins einzutauchen. Die Stadt ist für sein Drug Trafficking bekannt und das Drogenkartell rund um Pablo Escobar weltberühmt. Wir begingen es erst einmal sachte mit einer Walking Tour. Bei dieser erfährst du spannende Insights über die Drogengeschichte der Stadt. Wir bekamen zusätzlich wunderschöne Architektur und eine bunte Kultur zu sehen. Medellin hat eine tolle Altstadt und wirkt wie eine riesige Metropole. Hier findest du die längste Seilbahn der Welt, welche sich Metrocable nennt. Die Fahrt führt über die ungeschminkten Slums der Stadt bis auf einen bewaldeten Berg. Am anderen Ende besteht die Möglichkeit auszusteigen, wir fuhren aber einfach wieder zurück, da es bereits dämmerte. Seit 2004 bindet die Seilbahn zwei Elendsviertel näher an das Zentrum im Tal an und erfüllt somit eine soziale Funktion. Viele meinen, dass die Seilbahn auch dazu beigetragen hat, dass die Mordrate in der Stadt gesunken sei. So entwickelt sich die einst gefährlichste Stadt der Welt zu einer ansehnlichen Großstadt. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten, für einen Roundtrip solltest du etwas mehr als eine Stunde einplanen.

Es war so unglaublich heiß in Kolumbien, dass wir fast an jeder Ecke Cola tranken. Aus mir unergründlichen Gründen war es das einzige Getränk, was mir ein wenig Abkühlung verschaffte. Die Zona Rosa ist der Partykiez Medellins, dort saßen wir abends gemeinsam mit einer Bekannten von Edel in den Bars und erfreuten uns an den Klimaanlagen. Ab und an rafften wir uns auf und tanzten 2-3 Minuten, bevor uns der Schweiß am Körper herunterlief.

An unserem vorletzten Tag in Medellin buchten wir die Pablo Escobar Tour und diese enttäuschte uns nicht – ganz im Gegenteil. Wir erfuhren unglaublich viel über die Geschichte der Stadt, über die furchtbare dunkle Vergangenheit und manchmal wirst du dich dabei ertappen, wie dein Mund weit offen steht. Ich konnte teilweise gar nicht glauben, was ich da gerade hörte. Die Tour findet in einem kleinen Van statt und wir stiegen an verschiedensten Brennpunkten aus. Auf der Tour stehen folgende Stopps auf dem Plan: das Haus der Escobars, eine Kokain-Produktionsstelle, das Versteck Escobars kurz vor seinem Tod, sein Grab und noch ein paar weitere. Wir waren begeistert! Wenn du mehr über die dunkle Geschichte der Stadt erfahren möchtest, kann ich dir die Netflix Serie „Narcos“ empfehlen.

Der Miniatur-Zuckerhut

Bei einer kurzen Tagestour mit dem öffentlichen Bus fuhren wir nach Guatape. Ein kleines Dörfchen in der Nähe Medellins, wo sich der bekannte El Peñol befindet. Mit 220m Höhe sticht der Monolith bereits aus der Entfernung ins Auge. Er schaut aus wie der Zuckerhut. Ein geschrumpfter Zuckerhut. Über eine Treppe mit Unmengen an Stufen kannst du ihn seitlich besteigen. Edel und ich machten immer mal wieder eine Pause, um die einzigartige Aussicht zu genießen. Naja, eigentlich mussten wir immer wieder kurz durchatmen. Oben angekommen, waren wir begeistert von der Landschaft und machten hunderte Bilder.

In Guatape gibt es sehr gute kleine Restaurants, wo lokal gefangener Fisch serviert wird. Das Dörfchen lädt zum Verweilen ein und wir genossen einen ruhigen Tag bei einer Bootstour und in den kleinen Gässchen, wo wir uns an der bunt bemalten Kolonialarchitektur erfreuten.

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