Unterwegs im peruanischen Schlaraffenland

La Paz überraschte mich mit seinen bunten Straßen und einer Höhe von bis zu 4.100m. Damit ist sie der höchste Regierungssitz weltweit. Da wir bereits in hohen Gegenden unterwegs waren, suchte uns die Höhenkrankheit zum Glück nicht heim. Ich habe allerdings von einigen anderen Reisenden gehört, dass sie aus ihren Heimatländern direkt nach La Paz flogen und die ersten Tage schlapp waren und die meiste Zeit im Bett verbrachten. Ich kann dir empfehlen, erstmal in etwas niedrigeren Gegenden zu starten, damit der Körper sich akklimatisieren kann. Das ist viel entspannter.

Lebensfreunde, Salsa und zu viel Alkohol

Leider hatte ich nur zwei Tage in La Paz, aber ich verliebte mich nach wenigen Minuten in die Stadt und hoffe auf eine erneute Reise dorthin. Die Märkte sind bunt, laut und riesig groß. Die Menschen lächeln fast nonstop und sind super freundlich. Die Lebensfreude ist überall spürbar, obwohl Bolivien das ärmste Land in Südamerika ist. Angenehm empfand ich, dass man mir nicht an jeder Ecke irgendwelchen Schnick Schnack andrehen wollte. Nach unserer 14 stündigen Nachtfahrt waren wir zwar relativ platt, aber checkten trotzdem nur kurz in unserem Hostel „bash’n’crash“ ein und machten uns auf ins Getümmel. Ich wollte die kurze Zeit möglichst voll auskosten. Das Hostel kann ich jedem empfehlen, der gerne neue Leute aus aller Welt kennenlernt und Lust hat, mit diesen das Nachtleben La Paz‘ unsicher zu machen. Wenn du Ruhe oder Luxus bevorzugst, ist dieses Hostel nichts für dich.

Tagsüber schauten wir uns Märkte, Kirchen und kleine Läden an. Ali und ich bestiegen den Mirador Killi Killi – der anstrengende Aufstieg ist es wert. Oben erwartet dich ein wunderbarer Blick über die gesamte Stadt und die sie umgebenden Anden. Abends spielten wir im Hostel Beer Pong und fuhren dann in die Clubs der Stadt. Dort tanzten wir zu Salsa Musik und ich versuchte mich an meinem Spanisch, was mittlerweile ganz gut klappte. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir 5.30 Uhr im Hostel ankamen und mein Wecker mich ein einhalb Stunden später aus dem Schlaf riss. Ich musste zum Bus, um weiterzureisen nach Peru. Harry und Ali würde ich in einigen Wochen in Ecuador wieder treffen. Die Busfahrt war die reinste Qual! Ich saß ganz vorne im oberen Stock des Doppeldeckerbusses und die Sonne schien erbarmungslos auf mich nieder. Ich schwitzte, der Kater setzte langsam ein und ich hatte nicht daran gedacht, mir Proviant einzupacken. Glücklicherweise hielten wir mehrfach an, um Snacks und Wasser zu kaufen und auch der Grenzübergang nach Peru ist unkompliziert. Am Abend nach etwa 12 Stunden Fahrt kam ich dann endlich in Arequipa an und gönnte mir ein Einzelzimmer in einem Hotel. Das war dringend notwendig.

Essen, Essen, Essen

Nach über 10 Stunden Schlaf weckte mich die Sonne und meine Akkus waren geladen, um ein neues Land zu entdecken. Im Hotel gab es obendrauf noch ein reichhaltiges Frühstück und während ich dort saß und mein Glück kaum glauben konnte, kam mein Kumpel aus Seattle ins Hotel hereingeschneit. Ich freute mich über das bekannte Gesicht. Die kommenden zwei Wochen würden wir gemeinsam durch Peru reisen – auf den Spuren der Inkas.

Arequipa ist eine wunderschöne meist sonnige Stadt, die von mehreren perfekt geformten Vulkanen umgeben ist. Die Architektur erinnert an Spanien und das weiße Sillar-Gestein blendet in den Augen. Du solltest unbedingt immer eine gute Sonnenbrille dabei haben. In Arequipa nahmen wir an einer Walking Tour teil, bei der wir viel über die Geschichte und Kultur der Stadt erfuhren. Was aber während einer Peru Reise immer wieder heraussticht, ist das unglaublich gute und qualitativ hochwertige Essen. Die peruanische Küche ist eine meiner Favoriten und ich habe wirklich schon viele verschiedene ausgetestet. Tradition der Inka und spanische Einflüsse gemixt mit afrikanischen, chinesischen, japanischen, italienischen und französischen Spezialitäten machen die Küche sehr vielfältig. Auch für Vegetarier gibt es eine große Auswahl an Leckereien. Peru gilt als das Kartoffelland schlechthin. Ja wirklich, wir Deutschen werden fälschlicherweise Kartoffeln genannt. Diesen Titel verdienen die Peruaner. Hier gibt es hunderte verschiedene Sorten. Ein paar besonders traditionelle Spezialitäten sind: Rocoto Relleno – sehr scharfe Paprika gefüllt mit Rindfleisch und mit Käse überbacken, Cuy Chactado – gebratenes Meerschweinchen und selbstverständlich das berühmte Ceviche – Fisch in Limetten und Zwiebeln eingelegt. Das ist nur die Spitze des Eisberges. Alles schmeckt überall köstlich und ist so gut gewürzt. Wenn ich nicht irgendwann geplatzt wäre, hätte ich mich in ein Restaurant gesetzt, jegliche Gerichte durchprobiert und wäre glückselig geplatzt. An alle Vegetarier: entschuldigt das Foto unten. Ich schäme mich heute selbst dafür…

Der zweitgrößte Canyon der Welt

Der nächste Halt war das kleine Dörfchen Chivay, welches den Ausgangspunkt zum Colca Canyon darstellt. Diese Schlucht ist mit einer maximalen Distanz zwischen Talbett und Gipfel 3.269m tief und damit viel tiefer als der berühmte Grand Canyon in den USA. Der Anblick ist gigantisch und wir konnten während der Wanderung am Kliff entlang majestätische Kondors beobachten. Auf dem Weg zwischen Chivay und dem Canyon zogen wunderschöne von menschenhand gebaute Terrassen an uns vorbei. Auf diesen werden Kartoffeln und verschiedenes Gemüse und Obst angebaut. Eine Knochenarbeit, wenn du bedenkst, dass die Bauern immer wieder hoch und runter laufen müssen.

Um die müden Knochen auszuruhen und wieder Energie zu tanken, gingen wir am Abend in Chivay in ein „Schwimmbad“. Dieses befindet sich inmitten der Anden und wird aufgrund seines Ursprungs einer heißen Quelle aus dem Erdinnern als Baños Termales bezeichnet. Die Außentemperaturen auf diesen Höhen ist nicht unbedingt dafür geeignet, um im Bikini herumzulaufen. Tipp: Handtuch wegpacken, direkt in die heiße Quelle springen und dort ewig drin bleiben. Es riecht zwar stark nach Schwefel aka verfaulten Eiern, aber der Ausblick auf die Berge kreiert eine einmalige Atmosphäre.

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Schwimmende Inseln aus Schilf

Um zum bekannten Titicacasee zu kommen, musst du von Chivay mit dem Bus nach Puno fahren. Der Titicacasee ist auf 3.812m das höchstgelegene kommerziell schiffbare Gewässer der Erde. Von einem der Anbieter in Puno kannst du bei Interesse eine Tour auf den See buchen. Du kannst aber auch direkt zum Hafen laufen und mit den Kapitänen verhandeln. Wir wählten die zweite Option und sind mit einem Boot zu einer der kleinen schwimmenden Inseln gefahren. Dort erläuterten uns die Uros, die Ureinwohner des Sees, wie die Inseln gebaut werden. Die Inseln bestehen aus kreuzweise aufgebrachten Lagen aus dem widerstandsfähigem Totora-Schilf. Da das Schilf von unten langsam verwittert, müssen die Bewohner täglich neues Schilf ernten und von oben nachbauen. Niedliche Kinder spielten um uns herum, während wir den Geschichten der Mutter über das Leben auf den schwimmenden Inseln lauschten. Ein weiterer Abstecher ging auf die feste Insel Taquile, wo wir ein buntes Volksfest mit Tänzen erlebten.

Auf zu den Inkas

Und nun endlich war es soweit, ich würde nach Cusco reisen und den berühmten Inka Trail zu den Ruinen von Machu Picchu entlang laufen. Die Aufregung stieg und die Freude in mir war fast nicht mehr zu bändigen. Ich war unglaublich gespannt auf diese sagenumwobenen Orte, von denen ich vor meiner Reise so viele Geschichten gelesen hatte.

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