Per Anhalter in den Dschungel

Die letzten Tage in Peru verbrachten wir in Lima, wo es uns aber nicht besonders gut gefiel. Allerdings bat es uns die Möglichkeit, ein wenig Erholung zu finden und weiterhin die Küche Perus zu genießen. Mein Kumpel musste dann nach zwei ereignisreichen Wochen wieder zurück nach Seattle fliegen. Ich bahnte mir meinen Weg weiter Richtung Ecuador. Nordperu hatte meiner Meinung nach wesentlich wenig zu bieten. Die Tage bestanden aus verschiedenen Bus- und Taxifahrten. Innerhalb von zwei Tagen wollte ich in Quito ankommen. Nach 12 Stunden Fahrt erreichte ich den Zwischenstopp. In der Stadt Tumbes, die direkt an der Grenze vor Ecuador liegt, musste ich aufgrund der Busfahrpläne eine Nacht verweilen. Ich fühlte mich sehr unwohl, war die einzige Weiße weit und breit und erntete an jeder Ecke aufsässige Blicke. Ich war froh, mich in mein Hotel verziehen zu können. Ich nahm am nächsten Tag den allerersten Bus, um schnellstmöglich wegzukommen. Nach einem längeren Stopp und Umsteigen in Guyaquil, erreichte ich endlich Quito – die Hauptstadt Ecuadors. Das Busunternehmen Cruz del Sur verkehrt durch ganz Südamerika, die Preise sind fair und die Fahrten meist sehr angenehm, oft gibt es sogar Essen. Ich kann dir das Busunternehmen nur empfehlen – vor allem für Nachtfahrten.

Kurzer Abstecher nach Quito

In Quito fuhr ich zum Flughafen und wartete dort auf Ali und Harry. Wir suchten uns ein Hostel in der Altstadt und blieben im „Secret Garden“. Dieses kann ich dir sehr empfehlen, da es eine tolle Dachterrasse hat. Allerdings sind wir aufgrund der Lage nur eine Nacht dort geblieben. Abends versuchten wir ein Restaurant zu finden, aber da die Altstadt total ausgestorben war, gelang uns das erst nach mehreren Stunden. In dem gemütlichen Restaurant aß ich eine typische ecuadorianische Suppe namens Locro de queso. Diese enthält Kartoffeln, Käse und Avocados und schmeckt total super. Einheimische erklärten uns später, dass wir die Altstadt Quitos nachts lieber meiden sollten. In Quito solltest du generell verstärkt auf deine Wertgegenstände Acht geben. Mehrfach erwischte ich Kinder dabei, wie sie mir am Rucksack rumfummelten. Eine der Sehenswürdigkeiten in Quito ist die Basílica del Voto Nacional. Auf den engen Stufen wurde mir beim Aufstieg leicht schwindlig und ich war froh, dass ich festes Schuhwerk anhatte. Wir entschieden uns noch am selben Tag, erst einmal nach Tena zu fahren und von dort eine Tour in den Dschungel mitzumachen. Quito würden wir danach nochmals einen Besuch abstatten.

Per Anhalter durch die Anden

Auf dem Weg nach Tena hielt unser Bus, der sich gerade durch die Anden kämpfte, plötzlich an. Wir stiegen aus und das alte Teil qualmte und hatte seine besten Tage wohl hinter sich gelassen. Bei niedrigen Temperaturen warteten wir etwa eine Stunde, während unser Fahrer vergebliche Reparaturversuche durchführte. Harry, Ali und ich entschieden uns dann gemeinsam mit Matt aus den USA und Gustavo aus Mexiko per Anhalter weiter nach Tena zu kommen. Dies gelang nach nur wenigen Versuchen. Ein netter älterer Herr nahm uns auf seinem Pickup Truck mit. Für etwa zwei Stunden hüpften wir auf und ab und hatten am Ende blaue Hinterteile. In Tena fanden wir zu fünft ein Hostelzimmer und ich verbrachte den Folgetag mit Matt und Gustavo, während Ali und Harry auf eine Rafting Tour gingen. Wir wanderten durch die Straßen und genossen das Leben mit einem Drink in der Hand. Am Tag darauf ging es dann in den Dschungel. Die viertägige Tour buchten wir in einem Reisebüro in der Stadt. Das solltest du genauso machen, denn vor Ort kannst du die verschiedenen Angebote und Preise direkt vergleichen.

Monkeys!!!

In den darauf folgenden vier Tagen führte uns unser Guide Frausto, der anfänglich ziemlich barsch mit uns umging, durch den Dschungel Ecuadors. Wir fuhren mit dem Boot durch das glasklare Wasser, wir stapften mit Gummistiefeln durch tiefen Schlamm, wir machten eine Nachtwanderung durch den dichten Wald und wir saßen abends im Freien und spielten Karten. Wir bekamen eine Anaconda, mehrere Kaimane, bunte Vögel unter anderen Papageien, tausende Insekten und Fledermäuse zu Gesicht. Was uns aber immer im Kopf bleiben wird, sind die Affen. Nicht weil es so ungewöhnlich war, sie zu sehen, sondern weil wir diese oft zuerst hörten und Frausto sie erst später sichtete. Dabei flüsterte er uns immer lächelnd zu „Howler monkeys“ und zeigte wie wild auf die Bäume. Irgendwann wurde daraus ein noch enthusiastischeres „Monkeys, monkeys, monkeys!“ 🙂 Wir verkniffen uns das Lachen…

Unsere Unterkunft bestand aus einer Holzhütte und kleinen Einzelbetten über die Moskitonetze gespannt waren. Dies lag aber weniger an den vielen Moskitos als daran, dass die Fledermäuse, die im Dach lebten, nachts ihr Geschäft auf uns verrichteten. Der Geruch war zugegebenermaßen etwas unangenehm. Aufgrund der Geräusche und pechschwarzen Dunkelheit, die mich in meinem Bett umgab, brauchte ich ein wenig Eingewöhnungszeit. Auch vor den riesigen Ameisen, Spinnen und anderen Krabbeltieren ekelte ich mich anfänglich. Aber diese Gefühle gingen schnell vorüber. Egal wo du hintrittst oder, die kleinen Waldbewohner sind überall. Auf den Toiletten solltest du unbedingt immer den Klodeckel anheben und alles checken, bevor du dich hinsetzt. Es kreucht und fleucht und ich war nur eine Besucherin auf Zeit. Bei Anbruch der Dunkelheit direkt nach Sonnenuntergang ist der Dschungel ohrenbetäubend laut. Eines morgens schlug Frausto vor, dass wir gemeinsam Piranhas fangen. Das ging aber ziemlich in die Hose. Als Köder nutzen wir rohes Fleisch. Die Fische wussten genau, wie sie dieses von den Angeln lösen mussten. Gefangen haben wir keinen einzigen Fisch.

Am Ende unserer Tour verbrachten wir die letzte Nacht in einem kleinen Dörfchen, in welchem an diesem Tag ein Dorffest stattfand. Zu viert tauchten wir ein in das Geschehen, feuerten die Fußballer beim Spielen an, tranken vor einem kleinen Shop Rum und tanzten mit den Einheimischen. Ein einfacher für Außenstehende unbedeutender Abend, für uns unvergesslich. Am nächsten Morgen mussten wir zurück nach Quito und ich saß mit leichtem Kater im Bus, während Harry sich darauf konzentrierte, seinen Mageninhalt drin zu behalten. In Quito fanden wir uns im Hostel „Vibes“ ein, welches in der Neustadt liegt. Es war mein Lieblingshostel während der gesamten Südamerikareise. Die Bäder sind sauber, in den Räumen gibt es Klimaanlage und die Leute sind alle entspannt. Abends gab es die Möglichkeit gemeinsam feiern zu gehen. Bei der Ladies Night schlossen wir uns spaßeshalber an. Selbst Ali und Harry erhielten aufgrund ihrer Kleiderwahl kostenlose Drinks.

Langweilige Mitte und mal wieder ein Sturz

Einen Tag widmeten wir der Mitad del mundo. So nennt sich der Äquator auf Spanisch. Allerdings kann ich diesen Ausflug nicht wirklich empfehlen. Klar es ist schon was besonderes mal direkt auf dieser Linie zu stehen. Letztendlich ist es eine Touristenfalle und kein Muss, wenn du nach Ecuador reist. Da wir nach diesem ernüchternden Erlebnis mehr Adrenalin brauchten, fuhren wir am nächsten Tag zum Vulkan Cotopaxi. Von diesem perfekt geformten Berg sollten wir mit Mountainbikes runterfahren und uns daran erfreuen. Mal abgesehen davon, dass Fahrradfahren nicht zu meinen Hobbies gehört, stieg mir die Höhe ein wenig zu Kopf. Nach nur wenigen Metern passierte es – wie sollte es anders sein – ich überschlug mich auf der rutschigen Schotterpiste. Hört sich jetzt schlimmer an, als es letztendlich war, aber die Lust war mir trotzdem vergangen. Ich genoss die Tour dann vom Beifahrersitz des Vans.

Am Abend traf Edel aus Irland ebenfalls im „Vibes“ ein. Wir hatten uns auf dem Inka Trail zum Machu Picchu kennengelernt und wollten nun gemeinsam durch Kolumbien und Venezuela reisen. Ali und Harry musste ich schweren Herzens verabschieden, da sie zurück nach England mussten. Ich war dankbar, die letzten sechs Wochen mit ihnen durch Südamerika gereist zu sein. Sie selbst waren jedoch dankbarer, da sie ohne meine Spanischkenntnisse häufig aufgeschmissen wären.

Kreischend durch den Regenwald

Die letzten Tage in Ecuador wollten wir in Mindo verbringen. Wir entschieden uns für den kleinen Ort im Dschungel, da wir nochmal ein wenig Action brauchten. Da Mindo im Zentrum eines subtropischen Naturschutzgebietes liegt, erinnerte es wieder stark an den Dschungel bei Tena. Gemeinsam mit zwei Mädels aus den USA wanderten wir durch den Regenwald zu verschiedenen Wasserfällen, kreischten beim Ziplinen durch die Baumkronen und wurden komplett durchnässt beim Tubing. In Mindo kannst du eine Menge Geld lassen, aber verglichen mit anderen Ländern sind die Aktivitäten hier spottbillig. Ein sehr gelungener Abschied von Ecuador. Ein Land, welches so viel zu bieten hat und für Backpacker aufgrund der niedrigen Preise und nicht allzu weiten Strecken ein absolutes Reiseparadies ist.

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