Auf den Spuren der Inka

Endlich, endlich war der Tag gekommen. Wir befanden uns auf dem Weg nach Cusco. Bereits seit meiner Jugend träumte ich von diesem Ort und den sagenumwobenen Geschichten der Inka – den Ureinwohnern der Anden. Mit einem kleinen Bus ging es von Puno beim Titicacasee nach Cusco durch die karge Landschaft vorbei an Fünfausendern.

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Die Hauptstadt des Inkareiches

Und wie bereits geahnt, war ich entzückt von der Kulisse der Stadt, der Architektur und den freundlichen Menschen. Mittelpunkt der Stadt ist der Plaza de Armas, von welchem unzählige Kathedralen und Kirchen abgehen. Wir verloren uns in den Gassen, schauten uns Museen an und genossen das wunderbare Wetter. Am Abend saßen wir gemeinsam mit Harry, Ali und anderen Bekannten an der Hostelbar im berühmt-berüchtigten Loki. Du hast noch nicht davon gehört? Das ist eine äußerst beliebte Hostelkette in Südamerika. Es ist gar nicht so einfach dort unterzukommen. Wir hatten Glück, dass noch zwei Betten frei waren. Allerdings kann ich im Nachhinein sagen: es ist anstrengend und laut. Im Idealfall bleibst du ein paar Nächte im Loki und suchst dir vor der Trekking Tour noch eine ruhige Bleibe, um Energie zu tanken.

Einen der Abende verbrachten wir auf der Sternwarte Cuscos. Dort wurde uns erklärt, wie sich die Inkas die Konstellation der Sterne zu Nutze machten. Sie waren astronomische Experten und hatten einen exakten Kalender. Dieser wurde für ihre intensive Landwirtschaft genutzt. Sie wussten, wann sie anfangen sollten zu säen, wann sie ernten mussten und wann über das ganze Jahr die Gestirne und die Sonnenerscheinungen auftreten. Ich war fasziniert von den Sternen der südlichen Hemisphere und durch Teleskope konnten wir weit entfernte Planeten unseres Planetensystems und selbst andere Galaxien erkennen. Ein absolutes Muss in Cusco! Einen anderen Tag gingen wir auf eine Rafting Tour durch die Anden und ich traute mich auf meine erste Zipline, auf der ich in Windeseile über den Fluss schoss.

Rafting im wunderschönen Peru

Ruinentour zum Saqayhuaman

An unserem letzten Tag in Cusco gingen wir auf eine Tour auf einen nahegelegenen Berg. Mit einem netten Autofahrer fuhren wir die Serpentinen hinauf und er setzte uns an der obersten Inka Ruine ab. Von dort liefen wir vorbei an verschiedenen Stätten und wanderten durch die Ackerlandschaft zurück ins Tal Richtung Cusco. Das Ziel der Tour war die Ruine Saqayhuaman. Diese stellt eine große Festungsmauer dar. Allerdings fragten wir uns, wie die Inka diese riesigen Kolosse an Steinen aufeinander bugsierten und wie sie diese haargenau aufeinander abstimmten. Dies wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Ich kann dir empfehlen, diese Tour von oben nach unten zu machen, da du den ganzen Tag unterwegs sein wirst. Um die Abenddämmerung und ein eventuelles Festsitzen dort oben zu vermeiden, fang also einfach morgens direkt oben an.

Inka Trail zum Machu Picchu

Tag 1 – Erstmal langsam angehen lassen

4 Uhr war am Plaza de Armas Abfahrt, um zum Startpunkt des Inka Trails zu fahren. Unser Guide reichte uns Coca Tee zum wach werden und wir schleppten uns müde auf einen freien Sitz im Bus. Ich hatte nicht eine Minute geschlafen. Das lag sowohl an dem Coca Tee am Vorabend als auch an der Aufregung. Nach etwa einer Stunde Fahrt hielten wir in einem kleinen Dörfchen, um dort zu frühstücken. Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt standen wir vor dem berühmten Schild „Camino Inka – Inka Trail“. Unsere Gruppe bestand aus einem Paar aus Holland, fünf Irinnen, einem Paar aus Israel, meinem Kumpel Dave, elf Portern, die unsere Rucksäcke, Zelte, etc. trugen, einem Koch, unserem Guide und mir. Fünf Minuten nach Anpfiff waren die Porter nicht mehr zu sehen. Trotz all des Equipments, was sie auf ihren Rücken schleppen mussten, waren sie blitzschnell und wenn wir unsere Mittagsstelle oder unser Nachtlager erreichten, hatten sie bereits alle Zelte aufgebaut und das Essen fertig gekocht. Diese Männer aus armen Verhältnissen waren wunderbar und ich wünschte, ich hätte besser mit ihnen kommunizieren können. Allerdings konnten die meisten nur ein paar Brocken Spanisch und somit verständigten wir uns durch Mimik und Gestik. Der erste Tag führte bereits an einigen Inkastätten vorbei und die Gruppe hatte auf dem doch noch relativ einfachen Weg Zeit sich etwas näher kennenzulernen. Sowohl Mittag- als auch Abendessen war genauso gut wie sonst überall in Peru. Wie der Koch dies unter solchen Umständen mitten in den Anden ohne Küche schaffte, ist mir bis heute unklar. In der Nacht war es mucksmäuschenstill, erst bei Morgendämmerung hörten wir Grillen zirpen und Vögel zwitschern.

Tag 2 – 4.215m und geschmuggelter Rum

Am zweiten Tag standen wir früh auf und machten uns auf den Weg. Wir alle wussten, dass wir an diesem Tag den anstrengendsten Teil des Inka Trails meistern müssten – den Dead Woman’s Pass. Stehst du am Fuße des Passes, befindest du sdich auf etwa 2.600m, oben angekommen bei 4.215m. Das ist ein ordentlicher Höhenunterschied und jeder Wanderer sollte diesen in seinem eigenen Tempo beschreiten. Ich war hinter Edel einer der Irinnen an der Spitze und hatte zum Glück keine Probleme mit der Höhe. Nichtsdestotrotz machte mir die gleisende Sonne zu schaffen und ich musste nach etwa 20 Schritten immer eine kurze Pause einlegen. Schritt, anhalten, durchatmen, nach oben schauen, Schritt, durchatmen, und wieder von vorne. Belohnt wirst du mit einem 360° Panoramablick und einem fast schon unverschämt einfachen Weg nach unten. Ich flog über die Steintreppen, die die Inkas vor hunderten von Jahren mühselig schleppten und anordneten. Am Nachmittag kam ich als erste gemeinsam mit Edel bei unseren Zelten an. Die Porter warteten bei jeder Etappe klatschend auf uns und wir umarmten sie vor Glück. Auch die Anderen trudelten langsam ein und wir erholten uns in der Sonne. Die Endorphine führten dann dazu, dass wir unseren Guide anzettelten, Alkohol für uns zu besorgen. Nach einer Weile kam er aus einer von Peruanern bewohnten Hütte zurück und präsentierte uns begeistert seine Ausbeute: Für jeden ein Bier und eine Flasche Rum für alle. Wir waren begeistert, da wir wussten, dass Alkohol auf dem Weg verboten ist. Zu der Musik aus einem Handradio tanzten wir und tranken das wohl beste Bier aller Zeiten. Am Abend gab es sogar eine Torte. Wie das dort oben möglich war, soll mir mal jemand erklären. Glückselig und geschafft schlief ich trotz Coca Tee nach wenigen Minuten ein.

Tag 3 – Schneebedeckte Berge und tropische Vegetation

Nach etwa fünf Stunden Schlaf wurden wir geweckt und machten uns auf durch einen sogenannten Cloud Forest. Der Wald sieht verwunschen aus und unter den Bergspitzen hängen meist dicke Wolken, aus denen immer mal wieder Regentropfen auf uns herunter nieselten. In der Ferne sahen wir schneebedeckte Bergspitzen. Das Wandern fiel mir am dritten Tag relativ leicht und ich hatte mich an die vielen Schritte über Stock und Stein gewöhnt. Am Abend kamen wir an unserem dritten Nachtlager an, welches eher ungemütlich daherkam, da es nieselte und die Temperaturen im Gegensatz zum Vortag mindesten 10 Grad gefallen waren. Wir kuschelten uns nach dem Essen in unsere Schlafsäcke und versuchten irgendwie warm zu werden.

Tag 4 – Schnell schnell durch die Dunkelheit

4 Uhr weckte unser Guide uns. Er wollte, dass wir als erste Gruppe am Sungate ankommen. Das ist die Stelle, von der du den ersten Blick auf Machu Picchu erhaschen kannst. In der Dunkelheit staksten mir mit ein paar Taschenlampen über den schmalen Weg. Rechts neben uns der Abgrund. Ich versuchte mich zu konzentrieren, während unser Guide vor uns fast schon rannte. Es begann zu dämmern. Nach etwa einer halben Stunde kamen wir schweißgebadet am Sungate an. Da war er – Machu Picchu. Was für ein Anblick und was für ein Gefühl! Wir hatten es fast geschafft und waren dem Ziel so nahe. Langsam kämpfte sich die Sonne über die Berggipfel und als wir als allererste am Machu Picchu ankamen, fielen die ersten Sonnenstrahlen über die menschenleeren Ruinen. Wir alle waren fasziniert und beobachteten das Szenario für eine Weile schweigend. Nach wenigen Minuten trudelten die anderen Wanderergruppen und Tagestouristen mit dem Bus ein. Diesen kurzen Moment der Einsamkeit wird uns niemals jemand nehmen können und ich erinnere mich gerne daran zurück. Das früh aufstehen und die anstrengenden Schritte am Morgen waren vergessen.

Dave und ich bestiegen, nachdem wir durch die Ruinen liefen, den Huayna Picchu. Um ehrlich zu sein, hätte ich diesen gerne ausgelassen. Da ich für diesen Berg mehrere Monate im Vorfeld einen Pass beantragen musste, raffte ich mich auf. Selbstverständlich schaffte ich es auch noch dort hoch, auch wenn der Aufstieg steil teilweise entlang eines Seils führt. Vom Huayna Picchu hast du nochmals eine ganz andere Perspektive auf die Ruinenstadt. Es hat sich gelohnt.

Danach fahren die einzelnen Gruppen mit einem Bus nach Aguas Calientes, wo wo wir im Vorfeld über Booking ein Hotel reserviert hatten. Wir verabschiedeten uns von unserem Koch und den Portern, gaben ihnen sehr viel Trinkgeld und bedankten uns unzählige Male. Unser Guide und wir Reisenden gingen später gemeinsam essen und stießen auf die gelungene Tour an. Im Hotel freute ich mich auf eine Dusche und eine richtige Toilette. Auf dem Inka Trail selbst gibt es weder Duschen noch Toiletten. Einfache Löcher im Boden müssen hier ausreichen. Die Porter brachten uns am Abend eine Schüssel mit warmem Wasser und Seife, damit wir uns Gesicht, Hals und Arme waschen konnten. Luxus findest du beim Inka Trail weit und breit nicht, aber dafür eine Menge Abenteuer voller Wow-Momente.

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