Das schönste Land der Welt

Gemeinsam mit Ali und Harry aus England buchte ich eine Tour von San Pedro de Atacama in Chile nach Salar de Uyuni im Nachbarland Bolivien. 4.30 Uhr stand ich auf und tippelte auf Zehenspitzen zwischen den Matratzen in meiner Couchsurfing Unterkunft in San Predro umher und packte die letzten Sachen, die noch herumlagen. Kurz huschte ich in das provisorische Badezimmer nach draußen in die Eiseskälte und putzte meine Zähne. Dann war ich bereit für den kleinen Bus, der mich abholen sollte, um nach Bolivien weiterzureisen. 5 Uhr war ausgemachte Abholzeit und trotz dem ich mittlerweile verstanden hatte, dass Pünktlichkeit in Südamerika schlichtweg nicht existiert, wurde ich gegen 5.30 Uhr leicht nervös. Kein Bus und keine Menschenseele in Sicht. Nur der Vollmond, ein paar bellende Hunde und ich mit meinem Rucksack. 5.45 Uhr war der Fahrer mit den anderen Mitreisenden inklusive Ali und Harry endlich da – das Abenteuer konnte beginnen!

Exkursion zum Mond

Nach einigen Stunden kamen wir an der bolivianischen Grenze an. Diese bestand aus einer kleinen Holzhütte, welche wir nach und nach einzeln betreten mussten, um unseren Einreisestempel zu beantragen. Danach warteten drei Jeeps auf uns. Unsere Gruppe von 17 Leuten musste sich also aufteilen. Gemeinsam mit Ali, Harry und drei Brasilianern namens Christiano, Dan und Mr. Unbekannt – wir konnten seinen Namen einfach nicht aussprechen – teilte ich mir für die nächsten drei Tage einen Jeep inklusive Guide Leo. Die ersten Stunden durch Bolivien erinnerten an eine Mondlandschaft. Trotz Müdigkeit machte ich die Augen nicht einmal zu, da ich so fasziniert war von der vorbeiziehenden Landschaft. Es gab keine Straßen, sondern Schotterwege und weit und breit keine Dörfer oder Städte.

Im Laufe des ersten Tages machten wir Halt an verschiedensten wunderschönen Seen und beobachteten Flamingos. Am Abend kehrten wir in einem Hotel in the middle of nowhere ein. Wir alle freuten uns nach dem eisigen Tag auf eine heiße Dusche. Soll nicht heißen, dass es eine gab. Dusche ja, heiß Fehlanzeige! 17 Personen plus Guides und Fahrer standen an, um in den Genuss dieser eiskalten Dusche zu kommen. Wer hätte gedacht, dass in der Schlange stehen so gesellig sein kann!? Ich blieb etwa drei Minuten unter der Brause stehen, gerade genug Zeit, um meine Haare zu waschen. Ein netter Nebeneffekt war, dass einem danach plötzlich in den dicken Klamotten kuschelig warm wurde. Den Abend verbrachten wir bei köstlichem Rotwein und verschiedensten Kartenspielen. Der Alkohol auf der Höhe von über 3.000m war nicht die beste Idee. Aufgrund von leichten Kopfschmerzen verpassten die meisten von uns – inklusive mir – am Morgen den angeblich wunderschönen Sonnenaufgang.

Wir sind alle high

Am zweiten Tag brachte uns Leo zu seltsam aussehenden Felsformationen, auf welchen wir klettern durften. Am Nachmittag kehrten wir in eine kleine Bar ein, wo wir Coca Bier probierten. Die Coca-Pflanze begleitete mich durch ganz Bolivien, Peru und Ecuador. Das Kauen von Coca-Blättern ist in den Anden seit Jahrhunderten verbreitet, da die Blätter sowohl als Genussmittel, als auch Nahrungsergänzungsmittel, für kultische und medizinische Zwecke genutzt wird. Da sie die Sauerstoffaufnahme verbessert, trinken viele Touristen sie als Tee, um der Höhenkrankheit vorzubeugen. Leider fand ich erst viel später heraus, dass diese Pflanze ebenfalls an meinen Schlafstörungen Schuld war. Irgendwie fühlte ich mich dauerhaft hibbelig. Anscheinend war ich dauerhaft high.

Bolivien1

Am zweiten Abend schliefen wir in einer Unterkunft, die komplett aus Salz gebaut war. Das Bett ist steinhart und überall funkelt und glitzert es. Eine zweite Nacht retteten zwei Lagen Pullover, mein Schlafsack und die Decke des Hotels mich vor dem Erfrieren. Selbst meinen Schal und meine Mütze ließ ich an zum Schlafen. Die Temperaturen fielen nachts auf bis zu -5 Grad und da die Unterkünfte kaum isoliert sind, lagen auch hier die Temperaturen etwa zwischen 0 – 5 Grad.

Atemberaubendes Salar de Uyuni

Am dritten Tag führte uns die letzte Etappe der Tour zum berühmten Salar de Uyuni. Mit 10.000 Quadrat­kilometern ist diese die größte Salzpfanne der Erde, welche auf über 3.500m Höhe liegt. Gleisende Helligkeit blendete uns, als wir den ersten Blick auf die unbeschreiblich riesige Salzfläche erhaschten. Wir fuhren mit den Jeeps mitten durch das Salz, welches unter den Reifen knirschte. Surreal, spektakulär, absolut einzigartig. Ich war hin und weg! In der Mitte der Fläche befindet sich eine felsartige Formation, die mit Kakteen übersät ist – was den Anblick der Szenerie noch unglaublicher macht. Diesen Ort solltest du definitiv gesehen haben, denn beschreiben kann ihn wohl keiner richtig. Wenn du gerne Fotos machst, ist das quasi der Millionen-Jackpot.

Ich kann nicht leugnen, dass Salar de Uyuni eines der absoluten Highlights meiner Südamerikareise war. Die Bilder zeigen nicht im Ansatz, wie wunderschön dieser Ort ist.

Danach war ich mehrere Stunden sprachlos. Der weltweit größte Eisenbahnfriedhof wirkte nach Salar de Uyuni nicht so stark auf mich. Die Tour von Chile nach Bolivien kann ich nur jedem wärmstens ans Herz legen. Ich entschied mich für den Anbieter „World White Travel“ und habe diese Entscheidung keine Sekunde bereut. Touren können an jeder Ecke in San Pedro gebucht werden. Am Abend verabschiedeten wir uns von unserem witzigen Guide Leo und setzten uns in einen Bus nach La Paz, zur Hauptstadt Boliviens. Die Fahrt dauerte etwa 14 Stunden und führte uns über die schlimmsten Serpentinen, die ich je erlebt habe. Trotz dem es sich um eine Nachtfahrt handelte, bekam ich kein Auge zu und trat alle paar Sekunden auf mein imaginäres Bremspedal.

_MG_1716

Lies im nächsten Beitrag, wie mich auch La Paz begeisterte und über meine Weiterreise nach Peru, das Land welches vor meiner Reise schon lange Nummer Eins auf meiner Bucket List war.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s