Die erste Begegnung mit Chile

Mh, was soll ich über Chile sagen? Wir sind erst bei unserer zweiten Begegnung richtige Freunde geworden. Das soll nicht heißen, dass ich während meiner Tour durch Südamerika keine schöne Zeit dort verlebt habe. Irgendwie wollten wir nicht richtig warm werden. Apropos warm…das lag höchstwahrscheinlich auch ein wenig daran, dass ich aus dem wunderbar sonnigen und warmen Rio de Janeiro kam und in Chile war es gerade Winter. Die Sonne schien trotzdem meistens, aber es gab Tage an denen das Thermometer auf 5 Grad sank. Das wollte mir im Juli nicht so ganz in den Kram passen.

Zehn Decken und ein Heizpilz, bitte

In Santiago bin ich mit dem Bus in die Stadt gefahren. Es war ein relativ grauer Tag und da mein Gastgeber weit entfernt vom Flughafen wohnte, entschied ich mich in der ersten Nacht für ein Hostel. Ein riesiger Fehler! Nuevo Horizonte Hostel ist zwar spottbillig, aber ich würde jederzeit eine andere Unterkunft für mehr Geld bevorzugen. Es war sehr dreckig. Obendrauf fror ich die Nacht durch und konnte kaum schlafen. Die Dame an der Rezeption war äußerst unfreundlich. Falls es das Hostel überhaupt noch gibt, ich kann es niemandem empfehlen. Am nächsten Tag traf ich mich mittags mit meinem Gastgeber, der an der U-Bahn Station Moneda auf mich wartete. Er machte einen freundlichen Eindruck und wir schlenderten zu seinem Apartment. Dieses war äußerst komfortabel und ich durfte im Wohnzimmer auf einer ausgeklappten Couch schlafen. Sebastian ist Anwalt und hat häufig Couchsurfer bei sich zu Hause.

Die wenigen Tage, die ich in Santiago verbrachte, wurden genutzt, um mehr über die Stadt zu erfahren. Ich nahm erstmalig an einer Free Walking Tour teil, die mittlerweile bei Alex und mir zu einem Dauerbrenner in fast allen Städten geworden sind. Die Tour durch Santiago war wirklich interessant und unser Guide kannte viele Restaurants und andere Orte, die nicht jeder Tourist zu Gesicht bekommt. Ich traf mich an einem Tag mit Milan, einem Typen aus Serbien, den ich im Hostel kennengelernt hatte. Wir bestiegen gemeinsam den Cerro San Cristóbal, ein Hügel inmitten der Stadt. Von dort sahen wir über ein einziges Lichtermeer. Was für ein Anblick! Vielleicht würde ich mich ja doch noch mit Chile anfreunden!? An meinem letzten Abend gingen Sebastian und ich gemeinsam Sushi essen und danach trafen wir ein paar seiner Freunde. Zu sechst gingen wir in einige Bars und zu einer der Freundinnen nach Hause, wo wir in meinen 24. Geburtstag rein feierten. Zum Abschied schenkte mir Sebastian die Geschichte vom Kleinen Prinz „El principito“ – eine wirklich nette Geste.

Ganz so heiß hätte es dann doch nicht sein müssen

Am Folgetag fuhr ich mit der Metro zur Busstation Alameda und nahm einen der regelmäßig fahrenden Busse nach Valparaiso. Die Fahrt dauert nur etwa 1,5 Stunden und Valparaiso empfing mich mit strahlendem Sonnenschein und „lang“ ersehnter Wärme. Die Stadt gefiel mir auf Anhieb besser als Santiago und ich freute mich auf die kommenden Tage. Im Hostel lud ich mein Gepäck in einem Sechser-Dorm ab und ging sofort Richtung Innenstadt. Da die Gassen in Valparaiso recht verwirrend sind, lief ich leicht planlos von A nach B nach C. Nach ein paar Stunden fand ich mich dank meines gut ausgeprägten Orientierungssinns zurück zu meinem Hostel. Ich musste mich dringend hinlegen und es ging mir plötzlich sehr schlecht. Von Minute zu Minute wurde es schlimmer, ich fror und schwitzte. Mein Fieberthermometer zeigte 39 Grad an und ich konnte mich am Abend kaum noch bewegen. Ich war nicht einmal in der Lage, aufzustehen, um mir Wasser zu besorgen geschweige denn Medizin. Gegen 19 Uhr kam eine nette Dorm-Mitbewohnerin in das Zimmer und stellte sich vor. Schnell merkte sie, dass es mir in der Tat beschissen ging. Sie kümmerte sich am Abend und auch am folgenden Vormittag liebevoll um mich, indem sie mir Tabletten, Wasser und Obst brachte und unglaublich leise durchs Zimmer schlich. Zum Glück kamen keine weiteren Schlafgäste in unser Zimmer und ich konnte mich erholen.

Dazu sollte erwähnt werden, dass in ganz Valparaiso für zwei Tage kein Wasser floss. Nach meiner Fierberattacke konnte ich weder duschen noch konnten wir die Toilettenspülung betätigen. In solchen Momenten sehne ich mich in mein Bett zu Hause in die Arme bekannter Menschen, die sich um mich kümmern.

Die älteste Kuh Chiles

Am nächsten Tag ging es mir nach einem kleinen Frühstück schon tausend Mal besser. Somit erkundete ich gemeinsam mit meiner netten Krankenschwester Petia aus Australien die Straßen und Hügel Valparaisos. 42 dieser Erhebungen umgeben die Stadt und machen sie zu einem echten Juwel. Auf der anderen Seite liegt das offene Meer und die Häuser sind mit unzähligen Graffitis und Malereien verziert. Auch hier schlossen wir uns der Free Walking Tour an, bei der wir erfuhren, dass es sogar eine deutsche Feuerwehr in der Stadt gibt. In den kommenden Tagen unternahmen wir eine Bootstour und aßen Unmengen an Empanadas. Einen Abend kochten wir im Hostel und hatten dabei wohl die älteste Kuh Chiles erwischt. Das Fleisch war so zäh, dass man es mindestens 1.000.000 Mal kauen musste.

Am vierten Abend machte ich mich auf Richtung Busterminal, um über Santiago nach San Pedro im Norden Chiles zu kommen. Die Lady am Busterminal verkaufte mir allerdings das falsche Ticket. Dieses war für den Folgetag und sie wollte es mir partout nicht kostenfrei umtauschen. Somit wanderte ich mit Sack und Pack zurück zum Hostel und verbrachte den Abend mit Petia und weiteren Leuten, die ich in den letzten Tagen kennenlernen durfte. Am Tag darauf hatte ich somit sogar noch Zeit, das Haus des berühmten chilenischen Autors Pablo Neruda zu besichtigen.

Eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt die ist…lang

Und das war diese Fahrt definitiv! 24 Stunden brauchten wir von Santiago nach San Pedro, das mitten in der trockensten Wüste der Welt liegt. Die erste Hälfte der Fahrt las ich in meinem Reiseführer und schlief zwischendurch. Bei einem der Stopps quatschten mich zwei Engländer an. So entstand ein unschlagbares Reisetrio. Harry und Ali sprechen kein Wort Spanisch und sind dazu ziemlich tollpatschig. Diese beiden Voraussetzungen konnten nur eine Menge Spaß mit sich bringen. In San Pedro sollte ich am Bus eigentlich von meinem Gastgeber abgeholt werden, allerdings konnte ich ihn weit und breit nicht finden. Somit entschied ich mich, mit den beiden Jungs eine Unterkunft zu suchen. Es war bereits stockdunkel und nachdem wir bei mehr als zehn Hostels nach drei Betten gefragt hatten und Ali zwischenzeitlich auch noch seinen Schlafsack verloren hatte, wurden wir endlich fündig. In einer kleinen Pension war noch ein Zimmer mit drei Betten frei. Da wir unglaublichen Hunger hatten, mussten wir uns nochmal aufraffen und kehrten gegen 23 Uhr in eine kleine gemütliche Bar ein. Dort gab es super leckeres Essen und wir gingen die nächsten Abende immer wieder dorthin und lauschten den Bands, die ihre Lieder spielten.

Am nächsten Tag ging ich dann zu meinem Gastgeber und musste beim Anblick meiner Bleibe erst einmal schlucken. Diese bestand aus einer kleinen Hütte, die lediglich ein Zimmer beherbergte, in welchem wir zu fünft auf Matratzen schliefen. Ein paar Meter entfernt war eine weitere kleine Baracke, in die eine provisorische Küche gebaut wurde und es gab ein winziges Toilettenhäuschen ohne fließend Wasser. Nichtsdestotrotz, waren alle wirklich sehr lieb und ich verbrachte eine lustige wenn auch sehr kurze Zeit dort. In solchen Situationen wird mir immer wieder bewusst, wie gut es uns in Deutschland geht.

In San Pedro selbst konnten wir aufgrund von Sturmwarnungen nichts unternehmen und verbrachten die Tage auf dem kleinen Marktplatz, tranken Bier und lachten uns die meiste Zeit schlapp. Die Atacama Wüste habe ich so nur während der Busfahrten kennengelernt. Chile war wohl nicht meine liebste Destination, aber irgendwie haben wir uns nach längerem Beschnuppern doch noch ganz gut verstanden. Eines kann gesagt sein: Du magst Natur und ewige Weiten? Chile sollte auf deine Bucket List.

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