Startschuss: Rio de Janeiro

Im Taxi zu meinem Couchsurfing Gastgeber in Rio war die Müdigkeit, die mich am Flughafen noch überkam, wie weggefegt. Ich wusste gar nicht, wohin ich zuerst schauen sollte. Überall waren bunte Stände, zusammenfallende Hütten, wunderschöne Menschen und Palmen zu sehen. Ich spürte schon innerhalb dieser 30 Minuten Fahrt, dass diese Stadt nur so vor Temperament strotzt. Als ich meinem Ziel näher kam, realisierte ich, dass Google wohl Recht hatte…es sah ziemlich stark nach einer Favela aus. Zumindest hatte ich solche Bilder bereits im Fernsehen gesehen. Der Taxifahrer hielt an und sagte „We here“ und grinste mich an. Auf ins Abenteuer!

Die erste Begegnung

Die Klingel fand ich erstmal nicht und kam mir direkt leicht doof vor. Dann rief hinter mir jemand „Hey, are you Jasmin?“ Einer meiner beiden Gastgeber namens Hugo kam gerade von der Uni und begrüßte mich mit einem riesigen Lächeln auf dem Gesicht und mit einer herzlichen Umarmung. Wir verstanden uns auf Anhieb und ich fand auch gleich raus, dass es gar keine Klingel gibt. Doch nicht so doof 😉 Im Haus lernte ich dann noch Marcelo kennen. Die beiden wohnen zusammen und sind Cousins und einfach unglaublich sympathisch. Meine erste Couchsurfing Erfahrung außerhalb Europas war direkt ein großer Erfolg. Das kleine Haus hatte zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, Küche und Bad. Nach Luxusgegenständen konnte man suchen, wurde aber nicht fündig. Es gab keinen Fernseher, keine Küchengeräte, kaum Möbel. Eigentlich gab es nur Betten, Lampen, ein Sofa, einen kleinen Tisch und mehrere Gitarren. Es war also alles da, was man halt so braucht.

Exotische Früchte und winzige Biergläser

Direkt am ersten Nachmittag führte Hugo mich durch die Nachbarschaft, die eigentlich vollkommen zu Unrecht als Favela betitelt wird. Del Castilho ist bunt, aufregend, laut und auch ein wenig schmuddelig. Aber mir gefiel es auf Anhieb und ich hatte überhaupt keine Angst. Hugo zeigte mir, wie ich am nächsten Tag zur Metro laufen musste und riet mir, immer vor Dämmerung nach Hause zu kommen.

Am nächsten Tag bin ich in die wohl vollste Bahn der Welt eingestiegen. Wie die Sardinen standen wir aneinander gepresst und alle hatten gute Laune, niemand schaute mich böse an. Ein paar neugierige Blicke, ein paar freundliche Grußworte und höfliche Menschen, die mich an meiner Haltestelle zur Tür schoben. Downtown wanderte ich die Straßen entlang und trank an gefühlt jeder Straßenecke einen Smoothie. Teilweise von Früchten, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Alle waren unglaublich lecker und kosteten nur umgerechnet 20ct. Ich lief viele Kilometer bis ich an der Copacabana landete. Wow – was für ein Anblick! Wunderschöne Menschen, laute Salsa Musik und ewig lange weiße Strände. Am Abend kam dann meine Freundin Melissa aus São Paulo. Wir waren 2009-2011 beide in Seattle als Au Pairs und sind bereits damals gemeinsam durch die Staaten gereist. Nach ihrer Ankunft ging es direkt nach Lapa der „Partykiez“ Rios. Unsere Gastgeber gingen mit uns von Bar zu Bar, wobei wir in jeder Bar einen Pitcher Bier bestellten. Es wird immer geteilt, keiner bestellt sich alleine ein Bier. Dazu gibt es winzig kleine Gläser. Dementsprechend wird sich alle paar Minuten nachgeschenkt.

Touriprogramm und Jam Sessions

In den folgenden Tagen sind Melissa, die auch erstmalig in Rio war, und ich mit dem Bus zu Cristo Redentor gefahren. Der Ausblick war fast atemberaubender als die Statue selbst. Rio ist eine der einzigen Städte weltweit, die direkt in der Stadt einen Regenwald beheimatet. Von dem 360 Grad Blick konnten wir einfach nicht genug bekommen – in der Ferne der Zuckerhut, unendliche Strände, Hochhäuser, dichte Wälder und blauer Himmel. Besser konnte ich es mir kaum vorstellen! Am gleichen Tag sind wir noch zum Flamengo Beach und haben dort den Sonnenuntergang bewundert. Abends haben wir im Wohnzimmer mit Freunden unserer Gastgeber mit Gitarren, einer Trommel und Gesang eine Jam Session gestartet. Diese haben dann jeden Abend durchzogen und meine Couchsurfing Erfahrung zu einem noch tolleren Erlebnis gemacht. Die Rio Abende waren definitiv der perfekte Auftakt für meine Reise durch Südamerika.

Der Sturz und ein schwerer Abschied

Natürlich haben wir uns noch weitere Sehenswürdigkeiten angesehen. Besonders erwähnenswert ist hier der Zuckerhut, der mitten aus dem Meer direkt vor Rio ragt. Die Wanderung zur Plattform dauert etwa 30 Minuten und führt durch einen kleinen Regenwald, in dem wir auf Affen, Schmetterlinge und bunte Vögel trafen. An der Plattform angekommen, kannst du mit einer Seilbahn auf die Spitze des Zuckerhuts fahren. Das haben wir allerdings nicht gemacht, denn es war verhältnismäßig teuer und von der Plattform hatten wir einen wunderbaren Blick auf Downtown, Rios Flughafen und den Zuckerhut selbst. Beim Abstieg rannte Marcelo das Ende des Wanderweges ziemlich schnell entlang und sprang von einem der Felsen. Ich gleich mal mit ein bisschen zu viel Anlauf hinterher. Es kam, wie es kommen musste. Ich flog, ich jauchzte, ich packte mich schön auf beide Knien. Naja nach einem kurzen Schock musste ich und dann auch alle anderen lachen und bis auf ein paar aufgeschlagene Knien kam ich unbeschadet davon.

Am Abend bereiteten mir meine neuen Freunde sogar noch eine Überraschung, die mich wirklich berührt hat. Einige Tage später war mein 24. Geburtstag und da Freunde gemeinsam feiern sollten, hat Marcelo alle Leute zusammengetrommelt, die ich in den vergangenen Tagen kennengelernt hatte und gemeinsam wurde für mich gesungen. Hugo hatte sogar „Alles Gute zum Geburtstag“ mit bunten ausgeschnittenen Buchstaben auf dem Boden verteilt. Während ich meine Kerze auspustete, wünschte ich mir noch ein wenig mehr Zeit in Rio.

Den letzten Tag verbrachten wir an der Copacabana mit verschiedenen Smoothies, Bier und Früchten. Der Abschied am Abend fiel unglaublich schwer! Melissa fuhr mit dem Bus wieder zurück nach São Paulo und ich verabschiedete mich am Flughafen mit ein paar Tränen von Marcelo und Hugo. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, in Rio zu couchsurfen. Die Stadt macht viel mehr Spaß mit Einheimischen an deiner Seite. Sie kennen sich gut aus, machen gerne Musik und sind unglaublich warmherzig. Ich hatte das große Los gezogen und Freunde gefunden, vor denen ich mich auch mal richtig auf die Fr**** packen konnte 😉

Obrigada Rio!

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